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Reiseführer Rom


Via Appia Antica

Via Appia Antica

Foto: © EchoSYS.net - Fotolia.com

„Die Königin der Straßen“ nannte man sie schon in antiker Zeit. Ihre einstige Bedeutung als Verkehrsader hat sie klaglos an die Autobahnen unserer Tage abgetreten und sich in eine ländliche Idylle verwandelt, die mitunter an Landschaftsgemälde des 19. Jahrhunderts erinnert. Am schönsten ist es hier an einem frischen, sonnigen Sonntagmorgen, wenn die Autos von der antiken Straße verbannt sind. Nur einige Jogger keuchen vorbei, ein einsamer Radfahrer kämpft mit dem holperigen Pflaster, die Picknickplätze sind noch menschenleer. Schnurgerade führt die Straße hinaus in die römische Campagna zwischen ausladenden Pinien und zerzausten Zypressen hindurch, vorbei an unscheinbaren Grabsteinen und burgähnlichen Mausoleen, an Villen, die sich im Grünen verstecken, an überwucherten Mauerresten, an Reliefs, Inschriften, Säulenstümpfen.

Lange Abschnitte der Straße sind heute asphaltiert, doch es gibt auch Wegstrecken mit der Originalpflasterung aus unten konisch zulaufenden Basaltsteinen mit tiefen Einkerbungen – Spuren der schweren Wagenräder, die damals über die Appia rumpelten. Zwei Wagen konnten auf der vier Meter breiten Straße aneinander vorbeikommen, schwer beladen mit Agrarprodukten oder Militärausrüstungen. Links und rechts der Straße, durch einen Bordstein von ihr getrennt, waren Fußwege aus gestampfter Erde angelegt worden.

Via Appia Antica

Antikes Straßenpflaster
Foto: © Chef - Fotolia.com

 Sie ist die besterhaltene und eine der ältesten unter den römischen Straßen. Der Startschuss zu ihrem Bau fiel 312 v. Chr. Verantwortlich für Planung und Ausführung war der Censor (u. a. gehörte die Überwachung des Staatsbudgets zu seinen Aufgaben) Appius Claudius Caecus, nach dem sie auch benannt wurde. Appius war auch der Schöpfer der Aqua Appia, Roms erster Wasserleitung. Als das Römische Reich in seinen letzten Zügen lag, hatte sein europäisches Straßennetz eine Länge von unglaublichen 85.000 Kilometern erreicht. In erster Linie sollte es die rasche Verschiebung von Militäreinheiten ermöglichen, denn der Machterhalt des Imperiums stand immer ganz oben. Diesem Zweck hatten sich Versorgungs- und Handelsinteressen unterzuordnen.

Ursprünglich begann die Via Appia am Circus Maximus und führte aus der Stadt hinaus entlang der Küste durch die berüchtigten Pontinischen Sümpfe zunächst nur bis Capua. Später wurde sie nach Benevent verlängert und erreichte nach 580 km schließlich Brindisi im Südosten des „Stiefels“. Die Hafenstadt war ein wichtiger Umschlagplatz für zivile und militärische Güter, die für die östlichen Provinzen des Römischen Reiches bestimmt waren.

Via Appia Antica, 1. Meilensäule

Die erste Meilensäule
Foto: © brinker_m - Fotolia.com

Jenseits der einer Festung gleichenden Porta San Sebastiano, dem größten und am besten erhaltenen Stadttor in der Aurelianischen Mauer, beginnt heute die Via Appia Antica. Ihr erstes Teilstück wird von hohen Mauern gesäumt. Es ist eng und verkehrsreich. Statt die ungemütliche Strecke zu Fuß zurückzulegen, sollte man den Bus 218 bis zur Haltestelle nahe der Kirche San Sebastiano fuori le Mura nehmen. Das durchfahrene Teilstück der Appia weist einige interessante Örtlichkeiten auf, darunter die eigentlich Santa Maria in Palmis heißende Kirche Domine Quo Vadis, benannt nach einer legendenhaften Szene mit dem aus Rom fliehenden Petrus, die sich hier abgespielt haben soll. Ihm war Christus erschienen, den er fragte: „Domine, quo vadis?“ (Herr, wohin gehst Du?). Dessen Antwort: „Venio iterum crucifigi!“ (Ich komme, um mich erneut kreuzigen zu lassen!) soll Petrus bewogen haben, nach Rom zurückzukehren, um das Martyrium auf sich zu nehmen.

Nach dem zweiten Meilenstein nähert man sich den Catacombe di San Callisto (Kalixtus-Katakomben). Etwas abseits liegen die Catacombe di Domitilla (Domitilla-Katakomben) und unter der schon erwähnten Kirche San Sebastiano verlaufen die Gänge der Sebastiano-Katakomben.

Wie kommt es zu der dichten Abfolge von Grabmälern und Katakomben? Und warum gerade hier? Innerhalb der Stadtgrenze Roms, einer religiös definierten und durch weiße Steine gekennzeichneten Linie, war es strikt untersagt, Verstorbene zu begraben. Als Ausweg erwies sich die allseits beliebte Landschaft an der Via Appia. Es gab weit und breit keinen vornehmeren Ort für eine Grablege und so herrschte bald ein ziemliches Gedränge von Grabmälern ganz unterschiedlicher Größe und Ausstattung an der Wegstrecke südlich der Porta. Man geizte nicht mit Ausgaben, verpflichtete Künstler und renommierte Architekten, sollte der Nachwelt doch ein vorteilhaftes Bild von dem Verstorbenen vermittelt werden. So künden die Grabmäler von Reichtum und Bildung, Ansehen und Einfluss der Dahingeschiedenen – sehr zum Unmut des römischen Senats, der ohne Erfolg dem zunehmenden Begräbnispomp Grenzen zu setzen versuchte.
Auch die Katakomben gab es schon in antiker Zeit. Sie waren als unterirdische Gemeinschaftsgrabanlagen angelegt worden, um Platz und Kosten zu sparen. Und der Platzbedarf erhöhte sich noch, als auch die frühen Christen hier beigesetzt werden mussten, da der junge Glaube die Feuerbestattung verwarf.
Mehr zu den Katakomben hier.

Zurück zur Kirche San Sebastiano. Ihre Anfänge als dreischiffige Basilika reichen zurück in die Zeit Konstantins d. Gr. Man nannte sie damals „Basilica Apostolorum“, weil, so die Überlieferung, die Gebeine der Apostel Paulus und Petrus während neu einsetzender Christenverfolgungen hierher in Sicherheit gebracht wurden. Anfang des 17. Jahrhunderts erhielt die Kirche auf Wunsch eines Borghese-Kardinals ihr heutiges barockes Aussehen. Wegen ihrer legendenhaften Verbindung zu den Aposteln ist sie eine der sieben römischen Pilgerkirchen.

Via Appia Antica, Ruinen des Circus des Maxentius

Ruinen des Circus des Maxentius
Fotos: © SerrNovik - Fotolia.com

Schräg gegenüber sieht man die Ruinen des Grabmals für den Prinzen Valerius Romulus (Tomba di Romolo), Sohn des Kaisers Maxentius. Das zweistöckige Mausoleum entstand 309 n. Chr. zum Andenken an den schon mit sieben Jahren verstorbenen Sohn. Gleich dahinter liegt das langgezogene Ruinenfeld des Circus des Maxentius (Circo di Massenzio). Seine gewaltigen Ausmaße von 513 m Länge und 91 m Breite erinnern an den Circus Maximus zu Füßen des Palatin. Die relativ gut erhaltene Pferderennbahn lässt noch die Wendemarken erkennen und die Startanlage, auch die Tribünen für rund 10.000 Zuschauer und selbst noch Reste der kaiserlichen Loge. Allerdings haben hier im Gegensatz zum römischen Vorbild nie Wagenrennen die Zuschauer begeistern können, denn der Circus wurde nicht fertiggestellt. Er war schon in der Antike eine Bauruine.

Keine zweihundert Meter weiter, nahe dem 3. Meilenstein, liegt eines der bekanntesten Denkmäler an der Via Appia, das Grabmal der Cecilia Metella (Tomba di Cecilia Metella). Der mächtige zylindrische Bau von 29 m Durchmesser besteht aus Travertinblöcken. Er gilt als sog. „Prägebau“, als Vorlage für spätere Kaisermausoleen, die aber das Original an Größe deutlich übertrafen. Den oberen Rand zieren Girlanden und Stierköpfe sowie gallische Schilde. Letztere sind ein Anspielung auf den Ehemann der hier beigesetzten Cecilia: Er war der Sohn des Crassus und diente Caesar als General in Gallien. Ursprünglich trug der zylindrische Bau als Abschluss eine Erdkuppel, auf der Zypressen wuchsen. Der heute sichtbare Zinnenkranz stammt aus dem 13. Jahrhundert. Damals machte sich der noble Caetani-Clan daran, das Mausoleum nebst Anbauten in eine Festung zu verwandeln, um die Straße unter seine Kontrolle zu bringen und einträgliche Wegelagerei zu betreiben. 1787 entstand J.W.H. Tischbeins berühmtes Gemälde „Goethe in der Campagna“ mit dem Metella-Mausoleum im Hintergrund.

Immer ländlicher wird es nun an der Via Appia. Statt spektakulärer Großbauten sieht man das, was von ihnen übrig blieb: Steinhaufen, malerisch überwuchert, daneben tief in den Boden eingesunkene Grabsteine, klein und mit lateinischen Aufschriften versehen, dazu viel Buschwerk, Pinien und Zypressen. Dann, etwa eineinhalb Kilometer von San Sebastiano entfernt, taucht gleich eine ganze Gruppe von Grabmonumenten am Straßenrand auf, darunter das des Volkstribuns Publius Servilius Vatia, Sohn der Cecilia Metella. Ein anderes erinnert an den heiligen Urban, im 3. Jahrhundert Papst und Bischof von Rom.

Via Appia Antica, Villa dei Quintili

Villa dei Quintili
Foto: © Glicine Blu - Fotolia.com

Kurz nach dem 5. Meilenstein und rund 3 km hinter San Sebastiano gibt es noch eine  imposante Ruinenlandschaft zu bestaunen, die Reste der riesigen Villa der Quintilier (Villa dei  Quintili). Die Brüder Valerius Maximus und Condianus Quintilius waren reiche und kultivierte Großgrundbesitzer und dienten dem Staat als Konsuln und Statthalter. Fernab des städtischen Getriebes erfüllten sie sich mit dem luxuriösen Landhaus einen Traum. Ihr Pech war, dass Kaiser Commodus auch Gefallen an dem Prachtbau fand. Kurzerhand ließ er die Quintilier-Brüder vor Gericht stellen und hinrichten und das Landhaus hatte einen neuen Besitzer. In naher Zukunft wird die auf einem Hügel errichtete weitläufige Anlage wieder von der Appia Antica zugänglich sein wie schon das zugehörige Nymphäum (Brunnenhaus). Noch aber kann man sie nur über die verkehrsreiche Via Appia Nuova erreichen.

In Höhe des 6. Meilensteins, mehr als 4 km von San Sebastiano entfernt, liegt dicht an der Straße noch ein Großbau, der in seiner ursprünglichen Gestalt selbst noch das Mausoleum der Cecilia Metella übertraf. Das im Volksmund Castel Rotondo genannte Grabmal des Generals, Musenfreunds und Kunstmäzens Marcus Valerius Messalla Corvinus weist einen Durchmesser von 35 m auf, ist also größer, aber weniger gut erhalten als das Metella-Mausoleum. Ein Kuriosum weist die Plattform des zylindrischen Grabmals auf: Ein Bauer hat vor Jahrzehnten auf ihr sein Haus errichtet.

 

 



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