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Italien im Überblick

„Man braucht nicht alles zu sehen, aber gewisse Nummern sind unerläßlich“, so Theodor Fontanes Anleitung für Italienreisende aus dem Jahre 1874. Doch selbst die Zahl der „Unerläßlichen“ ist noch schier erdrückend, folgt man der Unesco-Liste unserer Tage, die Italien mit nicht weniger als 50 Welterbestätten an die Spitze der „Nationenwertung“ setzt.

Und zu all den Kunstschätzen, historischen Stadtkernen und archäologischen Örtlichkeiten gesellt sich noch eine landschaftliche Vielfalt, die nicht nur die Einheimischen mit Inbrunst von „il bel paese“, dem schönen Land, schwärmen läßt. Und dann sind da noch mit den quirligen Märkten und sonnenüberfluteten Stränden, der Alta Moda und den nicht weniger eleganten Weinen und einer im Überfluß schwelgenden Küche weitere Zutaten, die Italien vollends zum Traumland aller Reisenden der Welt machen.

Cascate del Moline, Saturnia, Toscana

Tuffbadewannen Cascate del Moline bei Saturnia in der Toskana

Seinem Traumziel schon ganz nahe ist, wer Brenner oder Gotthard hinter sich gelassen hat und nun die Alpensüdseite durchfährt, um in ,vorbei an romantischen Burgen, durch Weinberge und Obstgärten zu wandern oder auf dem Gardasee zu segeln, sich an den grandiosen Berg-See-Panoramen von Lago Maggiore und Comer See zu erfreuen. Viele haben ein anderes Ziel vor Augen und durchqueren ohne Halt den bergigen Norden und die weite Poebene, um westlich von Genua, an der Riviera di Ponente, Quartier zu nehmen. Hier geht es eher massentouristisch zu und nur noch selten mondän wie zu vergangenen Glanzzeiten. Geblieben ist den traditionsreichen Seebädern Alassio und San Remo das milde Klima und eine üppige Vegetation. Andere bevorzugen die ruhigere, dafür felsige und oft steile Riviera di Levante östlich von Genua mit den hochkarätigen Seebädern Rapallo, Santa Margherita Ligure, Portofino und einer populären Wanderroute durch die Berglandschaft der Cinque Terre. Eine dritte Gruppe Sonnenhungriger zieht es ohne Zwischenstopp an den „Teutonengrill“, die kilometerlangen Sandstrände an der Adria (davon nicht wenige Abschnitte fest in deutscher Hand) mit den so beliebten wie verschrieenen Vergnügungshochburgen Rimini, Cattolica, Riccione oder Cesenatico.

Die meisten Reisenden meiden die großen Städte der Padania (Poebene), einer der fruchtbarsten und wirtschaftlich aktivsten Regionen Italiens. Es zieht sie begreiflicherweise an die südlichen Strände, dabei lohnen Mailand (Dom, Scala, da Vincis „Abendmahl“), Pavia (vor allem die Certosa di Pavia, ein Meisterwerk im lombardischen Renaissancestil), Parma (Dom und Baptisterium, aber auch authentische Mitbringsel wie Parmaschinken und Parmesan) auch einen längeren Aufenthalt. Das gilt ebenso für Vicenza, wo Andrea Palladio, der bekannteste Baumeister der italienischen Hochrenaissance lebte und arbeitete (Villa Rotonda) und für Padua: Dante und Galilei lehrten hier, die gewaltige Basilica di Sant`Antonio entstand und Giotto

malte die Cappella degli Scrovegni aus. „Schönes Padua, Wiege der Künste“, sang Shakespeare. Und er war es auch, der Verona mit seiner klassischen Liebestragödie „Romeo und Julia“ wohl für alle Zeiten berühmt gemacht hat. Glückliche und unglückliche Liebespilger zieht es seither in die Via Cappello No. 23, dem angeblichen Geburtshaus der Julia, während Musikliebhaber die große römische Gladiatorenarena ansteuern, allsommerlicher Schauplatz erstrangiger Opernfestspiele.

Nur noch ein Katzensprung ist es bis , der Lagunenstadt, erbaut auf 118 eng beieinander liegenden Inseln, die durch mehr als 400 Brücken über den 177 Kanälen miteinander verbunden sind. Man hat die Gebäude auf Pfahlroste und Kalksteinfundamente gestellt und die bange Frage lautet, wie lange noch hält der Unterbau? Wie lange bleibt uns die faszinierende Stadtlandschaft erhalten, die großartigen Paläste, die geheimnisvollen Gärten, die verschwiegenen, kleinen Plätze? Kaum vorstellbar, es gäbe eines Tages den berühmten Dogen-Palast nicht mehr, die San Marco-Basilika, die Rialtobrücke. Ravenna in der war vormals wie Venedig eine Lagunenstadt, bis das Meer sich zurückzog. Die Stadt birgt sehenswerte Zeugnisse aus frühchristlicher Zeit, als sie sich „Hauptstadt des Weströmischen Reiches“ nannte und kaum weniger bedeutend war sie als Metropole der byzantinischen Besitzungen in Italien vom 6. bis 8. Jahrhundert (Mausoleum des Theoderich, Basilika San Vitale).

Burano bei Venedig

Burano bei Venedig

Von der Adria durch die typischen Hügellandschaften der zu den Perlen dieser Region! Allen voran Florenz, Geburtsort der Renaissance und Ausgangspunkt einer Entwicklung, die das moderne Europa hervorbrachte, illustre Wirkungsstätte großer Persönlichkeiten wie Dante Alighieri, den Medicis, Brunelleschi, da Vinci, Botticelli, Michelangelo. Eine herrlich am Arno gelegene Stadt voller Prachtbauten wie dem Dom mit der gewaltigen achtteiligen Kuppel oder dem alten Regierungssitz Palazzo Vecchio und weltberühmten Museen wie der Gemäldesammlung im Palazzo degli Uffizi. Dann Siena, das mittelalterliche Kleinod, in dem alle Straßen in den „Campo“ münden, der zweimal jährlich zum Schauplatz des berühmten „Palio“ wird, einem seit dem Mittelalter ausgetragenen turbulenten Pferderennen, bei dem die Stadtteile gegeneinander antreten. Schließlich Pisa, ein weiteres „Muß“ für Italienreisende, denen die großen Sehenswürdigkeiten der Stadt rund um den zu Recht so genanten Campo dei Miracoli (Platz der Wunder) präsentiert werden: der Dom Santa Maria Assunta und sein freistehender Glockenturm (Campanile), besser bekannt als „Schiefer Turm von Pisa“ (nach langjährigen Sicherungsarbeiten kann er wieder bestiegen werden), das Baptisterium und der Camposanto Monumentale.

Der schiefe Turm von Pisa

Der schiefe Turm von Pisa

Von dem kleinen Städtchen Piombino an der Toskanischen Küste bringen Fähren Gäste und ihre fahrbaren Untersätze in 30 – 60 Minuten hinüber auf die Insel Elba, einem nahezu perfekten Sommerdomizil mit Sandstränden und ruhigen kleinen Felsbuchten, einem der schönsten Tauchreviere des Mittelmeers, idealen Segelbedingungen und wunderschönen Wanderrouten.

Weiter südlich, schon in der Region Latium, geben die Ausgrabungsstätten, Nekropolen und Museen von Tarquinia und Cerveteri Einblicke in Leben und Totenkult des geheimnisvollen Volks der Etrusker und dann liegt sie zum Greifen nahe: die „ewige Stadt“ , das vollständigste Freilichtmuseum der Antike und der Renaissance, Heimat des Vatikans und einst Mittelpunkt eines riesigen Reiches auf drei Kontinenten. Von „edler Einfalt und stiller Größe“ schwärmte Johann Joachim Winckelmann im Angesicht Roms und wer heute die Stadt am Tiber erkunden will, sollte wie damals viel Zeit und Muße mitbringen und einen guten Reiseführer. Einen solchen gab es bereits im 12. Jahrhundert unter dem Titel „Mirabilia Urbis Roma“. Man quartiere sich in einem der unzähligen Hotels ein, alle Sinne gespannt und dann ergeht es einem vielleicht doch so wie J.W. Goethe, der, als er im Oktober 1786 Rom erreichte, von der Fülle der „herrlichen Gegenstände“ schier überwältigt war: „Einige reißen uns mit Gewalt an sich, daß man eine Zeitlang gleichgültig, ja ungerecht gegen andere wird“. Unabdingbar: Kolosseum und Forum Romanum, Capitol und Petersdom, Pantheon und Sixtinische Kapelle – aber auch das ist Rom: die stillen Winkel und die kleine Trattoria, Blumenkaskaden in den Gärten, die grünen Hügel und die Wasserspiele der Brunnen, das unvergleichliche Licht bei Sonnenuntergang.

Rom, Villa Massimo

Rom: Villa Massimo
Foto: © Eckart Fiene

Nach übersetzen kann man von Civitavecchia oder Ostia. Die meisten Besucher kommen wegen der herrlichen weißen Strände und der kristallklaren See und darauf sind die Sarden zu Recht stolz. Während an der berühmten Costa Smeralda Schickeria und Promis ihre Spektakel zelebrieren, vergnügt sich das Normalvolk an den nicht weniger feinsandigen Stränden von Costa del Sud, Costa Verde oder Costa Rei. Sardiniens Landesinnere gerät dabei etwas ins Hintertreffen, die Einsamkeit der Korkeichenwälder, der wild zerklüftete Südwesten, das unübersehbare Netz von Höhlen und Grotten, die rund 7.000 Wehrtürme, jahrtausendealte, rätselhafte Hinterlassenschaft des geheimnisvollen Volks der Nuragher.

Neapel leidet nicht über alle Maßen an seinem widersprüchlichen Ruf, eine Stadt der Lebensfreude, Freundlichkeit, des Phantasiereichtums zu sein, brutal konterkariert von sozialem Elend, Korruption, organisiertem Verbrechen. Vorsichtsmaßnahmen wie überall sind hier angesagt, vielleicht einen Deut strenger, wenn die Altstadt mit ihren engen, steilen, wäscheverhangenen Gassen erkundet wird. Nicht versäumen: eines der großen Museen dieser Welt, das Museo Archeologico Nazionale, birgt u. a. Schätze aus Pompeji und Herculaneum. Neapel ist idealer Ausgangspunkt für die Besteigung des Vesuvs (1.281 m) und eines Besuchs von Pompeji, das 79 n. Chr. von der Asche des Vesuvs begraben wurde und heute dank aufwendiger Ausgrabungen einen überwältigenden Einblick in das alltägliche Leben einer römischen Handelsstadt des 1. Jahrhunderts gewährt. Auch Herculaneum, „Schlafstadt“ und Erholungsort reicher Römer, fiel dem Vesuvausbruch zum Opfer. Seine Villen namhafter Patrizier präsentieren sich wie in einem Freilichtmuseum.

„Wenn man in Rom gerne studieren mag, so will man h i e r nur leben“, sinnierte Goethe beim Betrachten der Küstenlandschaft am . Und das mag nirgends mehr zutreffen als für die Halbinsel von Sorrent mit den berühmten Kur- und Flanierorten Sorrent, Amalfi, Positano und Ravello. Die üppig bewachsene Landzunge trennt Neapel vom Salerno-Golf, an dessen langen Sandstränden mit Paestum ein atemberaubendes griechisches Tempelensemble des 6. und 5. Jahrhunderts die Zeiten überdauert hat. Am schönsten: der Poseidontempel aus rötlich-warmem Travertin-Gestein.

Der Bootsausflug hinüber nach Capri gehört einfach dazu, wenn man in Neapel weilt. Schon Roms Kaiser Tiberius wußte die Schönheit der Insel zu schätzen. Seine Villa Jovis hoch auf einem Felssporn und die in märchenhaft blaues Licht getauchte „Blaue Grotte“ wie auch Axel Munthes Villa San Michele in Anacapri sind die Hauptattraktionen und manchmal scheint die Insel den touristischen Rummel kaum noch verkraften zu können. Etwas weniger massentouristisch geht es auf Ischia zu, der ganz aus vulkanischem Gestein bestehenden Insel am anderen Ende des Golfs. Beliebt ist sie wegen ihrer heißen Mineralquellen in weitläufigen Thermalgärten mit subtropischer Vegetation.

Gegenüber, am Adriatischen Meer, wurden an den schönen Sand-/Kiesstränden der Region Apulien neue Ziele für Sonnenhungrige erschlossen. Peschici und Vieste am malerischen Gargano sind solche Newcomer und weiter südlich Torre Canne und Marina di Ostuni. Auch an Italiens „Stiefelspitze“, der Region Kalabrien, hat der Badetourismus fernab der altbekannten Sommerziele neue, ansprechende Resorts geschaffen wie etwa Diamante oder das quirlige Tropea und die als schönstes Strand- und Küstengebiet Kalabriens gepriesene Gegend von Capo Vaticano. Was nicht heißen soll, der weniger besuchte tiefe Süden Italiens könne nicht mit kulturhistorischen Glanzlichtern aufwarten. Man denke doch nur an das mittelalterliche achteckige Castel del Monte mit acht Türmen, acht gleich großen Räumen, achteckigem Innenhof, einer Verkörperung der Idealarchitektur des großen Stauferkaisers Friedrich II., den seine Zeitgenossen als „stupor mundi“ (Weltwunder) und „immutator mirabilis“ (außergewöhnlicher Neuerer) bestaunten. Die eigenwillige Architektur der „trulli“, weißgekalkter Rundbauten mit dunklen, kegelförmigen Dächern in und um Alberobello, ist ein Touristenmagnet und die Küstenstadt Trani rühmt sich, mit ihrer normannisch-romanischen Kathedrale das schönste Kirchengebäude Apuliens zu beherbergen. Zwei unbedingt sehenswerte Museen dürfen hier nicht fehlen: das Museo Archeologico Nazionale in Tarent und in Reggio di Calabria das Museo Nazionale della Magna Graecia, in dem u. a. die beiden bronzenen Kriegerstatuen ausgestellt sind, die 1972 vor Riace aus dem Meer gefischt wurden.

Als größte Insel im Mittelmeer zog immer wieder Invasoren an und war zugleich Schmelztiegel der mediterranen Kulturen. Griechen und Römer haben ihre Spuren hinterlassen und nach ihnen Araber, Normannen, Staufer. Den griechischen Tempeln und Theatern, römischen Fresken, staufischen Burgen und so geschichtsträchtigen Orten wie Palermo, Taormina, Syrakus, Catania stehen freilich die Attraktionen von Natur und Landschaft in nichts nach. Herausragend im wahrsten Sinne des Wortes: der Ätna, Europas höchster aktiver Vulkan, mit seiner stets verschneiten Kuppe und im Innern Siziliens das endlose Auf und Ab der Getreidefelder, die immergrünen Stein- und Korkeichenwälder auf den Höhenzügen nahe der Nordküste, der Duft von Orangenplantagen, die Insel als Blumenmeer, wenn der Frühling einzieht. Nach Archäologen und Kunstexperten, Vulkanologen und Bildungsreisenden kommen nun zunehmend auch Badeurlauber, Wanderfreunde, Mountainbiker, Surfer etc. auf die Insel und geben dem Tourismus und nicht zuletzt der Idee des Umweltschutzes neue Impulse.

Eckart Fiene
Fotos: Dirk Renckhoff

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