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Tour 6 durch Rom

Kirchengeschichte zum Anfassen

Von der Lateran-Basilika über San Clemente zu San Gregorio Magno

San Giovanni in Laterano, Kreuzgang

San Giovanni in Laterano, Kreuzgang

Die von hohen Bäumen gesäumte, schnurgerade Via Merulana, manchem Leser vielleicht noch in Erinnerung aus Carlo Emilio Gaddas Krimi-Klassiker „Die grässliche Bescherung in der Via Merulana“, verbindet die Santa Maria Maggiore mit dem Platz vor der Lateran-Basilika. Wir werden hierher zurückkehren, nachdem wir die Santa Croce in Gerusalemme (1) besucht haben. Der Viale Carlo Felice bringt uns in wenigen Minuten zu der Kirche, die wegen der dort verwahrten Reliquien unter den Gläubigen einen besonderen Rang einnimmt. Die Gründung der Kirche reicht in das vierte Jahrhundert zurück. Kaiser Konstantin, der große Förderer des Christentums, ließ sie erbauen, um dort das „Wahre Kreuz“, die Kreuzreliquien, die seine Mutter Helena aus dem Heiligen Land mitgebracht hatte, für immer zu verwahren. Neben kleinen Holzstücken vom Kreuz und zwei Dornen der Dornenkrone zählt auch ein Nagel vom Kreuz zu den Reliquienschätzen der Kirche. Ihr heutiges Aussehen erhielt die dreischiffige Basilika des 12. Jahrhunderts durch die barocke Umgestaltung in den 1740er Jahren. Zurück zur großen Piazza, die beherrscht wird von der Kirche San Giovanni in Laterano (2), „Mutter und Haupt aller Kirchen der Stadt und des Erdkreises“, wie eine Inschrift an ihrer Hauptfassade verkündet. Sie ist die älteste Päpstliche Basilika und untersteht allein der Gerichtsbarkeit des Heiligen Stuhls. Als Kathedrale des Bischofs von Rom (das ist der Papst) übertrifft sie in ihrer Bedeutung noch St. Peter im Vatikan. Wie bei der Gerusalemme geht ihre Gründung auf Kaiser Konstantin im frühen 4. Jahrhundert zurück. Es entstand damals eine fünfschiffige Basilika, ausgestattet mit kostbaren Kunstwerken und für lange Zeit Vorbild unzähliger Kirchenbauten in der Alten Welt. In den folgenden Jahrhunderten wurde sie innen wie außen mehrfach umgestaltet und erhielt Ergänzungen wie den Kreuzgang, Baptisterium und Lateranpalast, schließlich noch den ägyptischen Obelisken auf der Piazza.

Der hl. Clemens, ein Märtyrer und Papst des 1. Jahrhunderts mit einer Vita voller Rätsel, ist der Namensgeber der Kirche San Clemente (3). Über zwei antik-römischen Bauschichten entstand im 4. Jahrhundert, beflügelt durch die christenfreundliche Einstellung des Kaisers Konstantin, eine Basilika, die im 12. Jahrhundert wahrscheinlich durch das Wüten der Normannen des Robert Guiscard einzustürzen drohte. Sie wurde mit Schutt aufgefüllt und darüber eine neue Kirche errichtet, mithin die vierte, die heute zugängliche Ebene. Sie zeigt Doppelreihen wunderschöner römisch-antiker Säulen, kostbare Fußböden in Cosmaten-Technik und in der Apsis ein phantastisch erhaltenes Mosaik aus der Gründungszeit der Kirche. Von der San Clemente in der Via Labicana hinüber zur Via dei Santi Quattro, wo uns ein weiteres anrührendes Zeugnis aus der Zeit der frühen Christen erwartet, das Kloster und die Kirche der „Heiligen vier Gekrönten“, Santi Quattro Coronati (4). Die vier waren Soldaten, so will es die Überlieferung, die nach grauenhafter Folter zu Märtyrern wurden. Man passiert zunächst einen Glockenturm, der ursprünglich ein Wehrturm war, betritt dann einen Innenhof, überragt von den Mauern des Klosters aus dem 12./13. Jahrhundert. Die Kirche im zweiten Innenhof wurde im vierten oder fünften Jahrhundert errichtet und wiederholt umgebaut. Sie wurde zerstört, als die Normannenhorden des Robert Guiscard 1084 über Rom herfielen, und später wieder aufgebaut. Sehr schön anzusehen ist der Kreuzgang, den viele Besucher zu einem der stimmungsvollsten in Rom erklären. Auf Wunsch wird den Anwesenden Zugang zu den Kapellen der hl. Barbara und des hl. Silvester gewährt.

Santo Stefano Rotondo

Santo Stefano Rotondo

Nicht weit von hier erhebt sich Santo Stefano Rotondo (5), Roms älteste Rundkirche. Sie entstand im 5. Jahrhundert in Anlehnung an die Rundkirchen im Heiligen Land als einer der letzten Großbauten der Spätantike. Wie viele andere Kirchen hatte auch die „Runde“ unter den Verwüstungen durch die Normannen zu leiden, die eine Konsolidierung des Baus notwendig machten. Die Kirche präsentiert sich als hoher Backsteinzylinder, gedeckt mit einem Ziegeldach. Ursprünglich umschlossen ein innerer und ein äußerer Umgang den Zentralraum (die Rotunde). Wegen Einsturzgefahr musste vermutlich im 12. Jahrhundert der äußere Umgang abgerissen werden, wodurch sich der Durchmesser von 65 m auf nur noch 40 m reduzierte. Die 34 Säulen des äußeren Umgangs wurden zugemauert und bildeten nun die Außenmauer. In jener Zeit kam auch der Portikus (die offene Vorhalle) aus antiken römischen Säulen hinzu. Im Innenraum trennen 22 freistehende ionische Säulen den Altarbereich vom Umgang ab. Darüber wölbt sich der Tambour, ursprünglich durchbrochen von 22 großen Fenstern, die das Kircheninnere mit Licht erfüllten, später wurden 14 der Fenster zugemauert und die anderen verkleinert. Wertvolle Materialien fanden Verwendung. So schmückten farbige Marmorplatten die Wände und prächtige quadratische Beläge u. a. aus Cipollino-Marmor und anderen Marmorsorten aus dem gesamten Mittelmeerraum bedeckten die Fußböden. Reste sind noch immer zu bewundern.

Die Navicella vor Santa Maria in Domnica

Die Navicella vor Santa Maria in Domnica

Schräg gegenüber, in der Via della Navicella, liegt die Kirche Santa Maria in Domnica (6) , erbaut im frühen 9., umgebaut im 15. und 16. Jahrhundert. Der Straßenname erwähnt sie schon, die „Navicella“, das „kleine Schiff“, die Skulptur eines antiken römischen Kriegsschiffs, gefertigt vermutlich im frühen 16. Jahrhundert nach einem antiken Vorbild. In neuerer Zeit hat man sie in einen Brunnen verwandelt und vor der Renaissance-Fassade der Kirche endgültig vor Anker gehen lassen. Die dreischiffige Basilika entstand über den Trümmern eines Vorgängerbaus (6. Jh.) unter Papst Paschalis I. um das Jahr 820. Die wesentlichen Veränderungen innen wie außen erfolgten Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts. So wurde die Kassettendecke eingezogen, der Obergaden mit den Fenstern neu gestaltet und die Fassade erhielt ihr heutiges Aussehen. Sehenswert sind in der Apsis die Mosaiken im strengen byzantinischen Stil und auf dem Triumphbogen (großer Bogen zwischen Mittelschiff und Apsis) die Darstellung des Erlösers, der zwölf Apostel und zweier Propheten.

In der Villa Celimontana

In der Villa Celimontana

Dass die Erkundung des Kirchenviertels rund um San Giovanni und San Clemente die Füße zum Kochen bringt und die Gedanken nur noch um frisches, kühles Wasser kreisen lässt, liegt auf der Hand. Aber Abhilfe ist in Sicht! Gleich neben der Domnica-Kirche liegt der pompös-barocke Eingang zur Villa Celimontana (7), einem öffentlichen Park, der für den Moment alle Erschöpften zufrieden stellen wird, denn hier sprudelt frisches Trinkwasser, es gibt Schatten unter den hohen Bäumen und Bänke gibt es natürlich auch.

Es wartet noch ein Urgestein der frühen Kirchengeschichte auf uns, das beispielhaft ist für das komplizierte Geschehen, die diversen Bauphasen, Umgestaltungen, die Zerstörungen und Rekonstruktionen, die sich durch die Jahrhunderte in und an den römischen Sakralbauten abgespielt haben. Die Rede ist hier von der Kirche Santi Giovanni e Paolo (8). Sie wurde den zwei Offizieren Johannes und Paul geweiht, die während einer im 4. Jahrhundert neu aufflammenden Christenverfolgung hingerichtet wurden. Die Kirche liegt am Clivio di Scauro, der schon in antiker Zeit als Clivus Scauri eine wichtige Verbindung darstellte und noch heute hier und da seine ursprüngliche Pflasterung zeigt. Etwa ein halbes Jahrhundert nach dem Tod der Märtyrer wurde um das Jahr 410 der Grundstein der Kirche gelegt. Die Basilika aus Ziegelmauern erhielt ein über 40 m langes Mittelschiff, das durch zwölf Säulen von den mehr als sieben Meter breiten Seitenschiffen getrennt wird. Im wesentlichen ist die Säulenbasilika heute noch erhalten.

Campanile der Kirche Santi Giovanni e Paolo

Campanile der Kirche Santi Giovanni e Paolo

Im 12. Jahrhundert kamen der Campanile (einer der schönsten in Rom!) und die Vorhalle hinzu. In den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts erlebte der Innenraum eine „Barockisierung“, dabei ging mancher Schmuck verloren, doch behielt er seine frühchristlichen Proportionen. Vom rechten Seitenschiff aus kann man zu den geheimnisvollen antiken Unterbauten hinabsteigen und herausfinden, wie sich antike und frühchristliche Bauwerke durchdringen.

San Gregorio Magno

San Gregorio Magno

An der nahen Via di San Gregorio hat Giovanni Battista Soria sein Hauptwerk abgeliefert, die streng und harmonisch gestaltete Travertinfassade der Kirche San Gregorio Magno (9). Im 11. Jahrhundert war an dieser Stelle, der Wirkungsstätte des späteren Papstes Gregor d. Gr., eine Basilika entstanden, die im 16. Jahrhundert erneuert und auch danach noch mehrmals umgestaltet wurde. Das Besondere an Sorias Schauwand ist, dass sie als eine Portikusfassade nicht die eigentliche Kirchenfassade ist (die liegt versteckt hinter der Schauwand und einem schmalen Atrium). Über der monumentalen Freitreppe ragt hoch die Fassade des Soria auf, von kantigen Pilastern gegliedert, mit dem Borghese-Wappen im Dreiecksgiebel bekrönt und geschmückt mit Adler und Drachen über dem Portal und den Seitentoren. Es sind die Wappentiere des Borghese-Clans, der seinerzeit Soria als seinen Hausarchitekten bevorzugte und keine Gelegenheit ausließ, den Ruhm des Hauses in Stein verewigen zu lassen.


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