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Reiseführer Rom

 

Das Pantheon

Es ist nicht nur das besterhaltene Bauwerk der römischen Antike. Als größter Kuppelbau des Altertums nimmt das Pantheon in der Architekturgeschichte einen Sonderplatz ein.

Pantheon in Rom

Das Pantheon am Abend (Foto: © fabiomax - Fotolia.com)

Mit seiner griechisch inspirierten Vorhalle und dem typisch römischen, zylindrischen Zentralbau formt es eine griechisch-römische Architektursynthese, die eine starke Wirkung auf jeden Betrachter ausübt. So soll Michelangelo von einem „disegno angelico e non umano“ gesprochen haben, einem von Engeln, nicht von Menschen gemachten Entwurf. Und J. W. v. Goethe schrieb am 3. Dezember 1786, wenige Wochen nach seiner Ankunft in Rom, das Pantheon habe so sein Gemüt eingenommen, „dass ich daneben fast nichts mehr sehe. Wie will man sich aber, klein wie man ist und ans Kleine gewohnt, diesem Edlen, Ungeheuren, Gebildeten gleichstellen?“ Einige Jahrzehnte später dichtete Lord Byron: „Schlicht, aufrecht, erhaben, gestreng […] verschont und gesegnet von der Zeit strahlst Ruhe du […] glorreiche Kuppel! […] Heiligtum und Heimstatt der Kunst und der Frömmigkeit – Pantheon! Stolz Roms!“

Pantheon (Detail) in Rom

Von Marcus Agrippa und Hadrian zu Bonifatius IV.

Das Pantheon entstand noch vor der Zeitenwende – 27 v. Chr. soll es gewesen sein – als ein allen römischen Göttern geweihter Tempel. Agrippa, der Freund, General und Schwiegersohn des großen Augustus, gab den Auftrag. Hundert Jahre später brannte der Tempel ab – er hatte anfänglich eine hölzerne Kuppel – auch sein Nachfolger wurde ein Raub der Flammen. Kaiser Hadrian ließ den Tempel in den Jahren 118 – 125 möglicherweise  nach eigenen Entwürfen in der Gestalt wieder aufbauen, wie man ihn heute sieht. Etwas irritierend ist dabei die auf Agrippa bezogene bronzene Weiheinschrift, die Hadrian am Architrav über der Säulenreihe der Vorhalle wieder anbringen ließ – wahrscheinlich eine Geste des Respekts vor diesem großen Mann, dessen Andenken noch zu Hadrians Zeiten hochgehalten wurde und sicherlich war auch eine Portion Eigennutz im Spiel, diente doch die Respektbezeugung der eigenen Herrschaftssicherung.

           M(arcus) AGRIPPA L(ucii) F(ilius) CO(n)S(ul) TERTIUM FECIT
        
         „Marcus Agrippa, Sohn des Lucius, hat dieses Gebäude errichtet,
         als er zum dritten Mal Consul war“

Pantheon in RomAls Förderer des Christentums im Römischen Reich ließ Kaiser Konstantin (reg. 306 – 337) alle heidnischen Kultstätten schließen. Das Pantheon, damals zweihundert Jahre alt, litt in der Folgezeit wie unzählige andere Sakralbauten unter Plünderern, die alles mitgehen ließen, was sich transportieren ließ. Vor der drohenden Zerstörung bewahrte Papst Bonifatius IV. den ungenutzten Tempel. Kaiser Phokas hatte ihm 608 das Pantheon überlassen und der so Beschenkte wandelte den früher heidnischen Bau in einen der Madonna und allen Märtyrern (Sta. Maria ad Martyres) geweihten christlichen Sakralbau um. Zur Bekräftigung der Namensgebung ließ der Papst 26 Wagenladungen mit Gebeinen, die aus Gräbern an der Via Appia stammten, ins Pantheon verfrachten und erklärte sie kurzerhand zu Reliquien von christlichen Märtyrern – nicht ganz zutreffend, wie man heute weiß und damals wohl schon ahnte.

Grabkirche 
 
Kleine, anonyme Kirchenräuber hatten nun keine Chancen mehr, es waren die Mächtigen, die für weitere Verwüstungen sorgten. So ließ ein oströmischer Kaiser, der nominell noch Rechte in Rom besaß, die vergoldeten Bronzeziegel der Kuppel entfernen, ein Gegenpapst bemächtigte sich des Gebäudes und war drauf und dran, es zu einer Festung auszubauen und im 16. Jahrhundert kam Papst Urban VIII. aus dem Fürstengeschlecht der Barberini auf die abwegige Idee, die tonnenschweren Bronzebeschläge der Balkendecke der Vorhalle abzunehmen, sie einzuschmelzen und daraus 80 Kanonen für die Engelsburg schmieden zu lassen und was noch übrig blieb, wurde später von den Stararchitekten des Hochbarocks, Gian Lorenzo Bernini und Francesco Borromini, im Thronhimmel über dem Hochaltar des Petersdoms verbaut. Über den zerstörungswütigen Papst, der auch noch das Colosseum als Steinbruch freigab, spottete man in Rom:

„Quod non fecerunt barbari fecerunt Barberini“
                  (Was die Barbaren nicht taten, schafften die Barberini.)

Seit dem 16. Jahrhundert diente das Pantheon als Grabstätte hochrangiger Persönlichkeiten. Der Maler und Baumeister Raffael war der erste, der hier 1520 seine letzte Ruhestätte fand. Kardinal Bembo verfasste die Grabinschrift:
„Hier ruht jener Raffael, von dem die Natur, die große Mutter aller Dinge, übertroffen zu werden fürchtete, solange er lebte. Doch als er starb, fürchtete sie selbst zu sterben.“

Nachwirkung 

Der als überkuppelte Rotunde, als Baukörper auf kreisförmigem Grundriss entworfene Zentralbau und seine in der Tradition der griechischen Sakralarchitektur stehende Vorhalle (Pronaos) waren durch die Jahrhunderte Vorbild für zahllose Sakral- und Profanbauten. Eines der frühesten Beispiele ist der Zeus-Asklepios-Tempel neben den Propyläen im kleinasiatischen Pergamon, der noch zu Lebzeiten Hadrians entstand, ein anderes der Tempio Rotondo in Ostia Antica aus dem 3. Jahrhundert. In die Spätrenaissance fällt Andrea Palladios berühmte Rotonda am Stadtrand von Vicenza und Mitte des 18. Jahrhunderts genehmigte Friedrich d. Gr. den Bau der St. Hedwigs Kathedrale in Berlin-Mitte nach Plänen der Architekten von Knobelsdorff und J. L. Legeay. Auch hier stand das Pantheon Pate wie auch bei Schinkels Altem Museum aus den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts.

Pronaos

Wer in klassischer Zeit vor das Pantheon trat, bewegte sich auf einem Umgebungsniveau, das etwa zwei Meter tiefer lag als in unseren Tagen. Wenn heute das Pantheon wie in den Boden eingesunken erscheint, überragte es früher den Vorplatz um etliche Stufen. Den kleinen Platz vor dem Tempel schmückt ein 1575 od. 1578 von Giacomo della Porta und Leonardo Sormani errichteter Brunnen. Der dekorative Obelisk in seiner Mitte gehörte viele Jahrhunderte zum Isis-Tempel auf dem Marsfeld, ehe er 1711 hier aufgestellt wurde.
Ursprünglich war an dieser Stelle ein weiträumiger, mit Travertinplatten gepflasterter Platz, den an drei Seiten aufwändige Säulenhallen rahmten.

Acht graue Granitsäulen stützen den Giebel des Pronaos. Sie stammen aus den Steinbrüchen des Mons Claudianus in Oberägypten, wo man sie aus einem Block heraus meißelte und nach Rom verschiffte. Die eigentlich bei Säulen übliche Kannelierung (senkrechte konkave Furchen) zur Strukturierung des Schafts unterblieb, weil ihre glatte, nicht patinierende Oberfläche nach Auffassung der Römer Unvergänglichkeit symbolisierte. Die Basen und korinthischen Kapitelle der Säulen bestehen aus weißem pentelischem Marmor. Hinter der grauen Säulenreihe gliedern 4 X 2 rosa Granitsäulen das Innere des Pronaos in drei Schiffe, von denen das Mittelschiff auf die mächtigen, antiken Bronzetüren zuführt, die den Besucher in den Zentralbau, die Rotunde, leiten.

Rotunde 

Tritt man aus dem Säulenrechteck des Pronaos in den Rundbau ein, ist dessen Raumwirkung aufgrund der unverhofften Weite und Höhe und des eindrucksvollen Lichteffekts überwältigend. Von einer „kühnen Überwölbung eines monumentalen Raums“ wird gerne gesprochen und die beispielhaft   ausgewogene Gliederung seiner enormen Ausmaße gefeiert: 43,30 m liegen zwischen Marmorfußboden und dem Zenit der Kuppel, die wie ein Abbild des Himmelsgewölbes erscheint, und genau gleich groß ist der innere Durchmesser des Baus. Man könnte also eine 43,30 m messende Kugel in den Raum legen und er würde ihn ausfüllen, ohne dabei Kuppel, Seiten und Boden zu tangieren. Die kreisrunde Öffnung am Scheitelpunkt der Kuppel, das „Auge“ (lat. Oculus) oder auch schlicht Loch (griech. Opaion) genannt, erreicht einen Durchmesser von neun Metern. Es ist die einzige Lichtquelle des Innenraums, Strahlenbündel, die schräg in den Raum einfallen mit einem Kegel, der mit dem Stand der Sonne über den Boden wandert. Das Dach nicht ganz zu schließen, war ein Kunstgriff, um den gewaltigen Kuppelschub etwas zu verringern. Eine wahre „Schwergewichtsmauer“ von 6,25 m Durchmesser leistet die Hauptarbeit bei der Aufnahme des Schubs. Sie besteht aus Opus Caementitium, sog. „Römerbeton“, der zwischen die aus Ziegeln gefertigte Mauerschalung gegossen wurde. Vier halbrunde und vier rechteckige Nischen untergliedern das  massive Mauerrund. Darüber formen fünf, zum „Auge“ hin immer kleiner werdende Kassettenreihen das Kuppelrund. Die Kassetten und die 28 radial zur Lichtöffnung aufsteigenden Stege sorgen für die Stabilität der Kuppel, einer monolithischen Schale aus Opus Caementitium von bis heute unerreichter Spannweite. Um ihr Gewicht zu reduzieren, haben die Baumeister nicht nur das „Opaion“ erdacht, sondern noch zusätzlich die Kuppelstärke nach oben hin konstant verringert (von 5,90 m auf 1,60 m) und eine weitere Gewichtsminderung durch die Verwendung von Ziegelsplit und Bimstein als Zuschlagstoffe erreicht. 

Pantheon in Rom

In der Rotunde
(Foto: © Tobias Machhaus - Fotolia.com)


43,30 Meter darunter greift der in allen Farben glänzende Fußboden die geometrischen Muster im Fußboden des Pronaos auf und entwirft große Kreise und Quadrate aus Porphyr, dem nordafrikanischen Gestein in der kaiserlichen Purpurfarbe, aus grauem Granit und Giallo Antico (heller Granit), eingefasst von langen Bahnen weißen Pavonazzetto-Marmors. Aus Pavonazzetto und hellem Granit sind auch die kolossalen Säulen und Eckpfeiler, die die acht Nischen optisch vom Innenraum trennen. Friese und Zwischenräume bedecken Muster aus grau-schwarz-rot geflecktem Africano aus Kleinasien, Verde Antico aus Thessalien, grünem Porphyr aus Sparta, grauem Marmor von der Marmara-Insel Prokonnesos.


Götterbilder, monumentale Statuen, Abbilder prominenter Römer werden in der Antike die Nischen und Ädikulen geschmückt haben, in der Neuzeit dienten sie als Grabstätten großer Künstler und Architekten (nach Raffael folgte 1536 Baldassare Peruzzi, 1547 Perin del Vaga u. a.) und seit dem 19. Jahrhundert der italienischen Königsfamilie als Grablege.

Für jeden Verehrer römischer Architektur steht das Pantheon im Zentrum der Bewunderung – ein Bauwerk von überwältigendem Maßstab und atemberaubender Einfachheit, eine gewagte Konstruktion und zugleich ein Beleg für die Tauglichkeit der von Römern erdachten Betonbauweise, einer architektonischen Gestaltung aus Licht, Farbe und Raum und das Schönste ist, dass wir es noch so sehen können, wie die Römer es sahen.



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