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Reiseführer Rom


Campo dei Fiori

Kein Handbuch, kein Rom-Guide ohne schwärmerische Zeilen über den Campo. Kein Reiseleiter, der nicht mit seiner Gruppe die Marktstände ansteuert. Ohne Frage ist der Markt ein Magnet. Römische Hausfrauen finden hier die frischen Produkte ihrer Region, die sie nach kurzem heftigem Schlagabtausch über Qualitäten und Preise zufrieden in ihren Einkaufskörben verstauen. Und schaulustige Touristen zieht es hierher, weil es nirgendwo „römischer“ zugehe, wie sie gelesen haben. Dabei ist die Szene ganz unspektakulär. Rings um das lang gestreckte Rechteck voller Verkaufsstände stehen alte Mietshäuser von unterschiedlicher Größe, „vollkommen durchschnittliche Häuser, Restaurants und Weinlokale“.

Campo dei Fiori, Rom

Der dies so nüchtern feststellt, Rom-Enthusiast Hanns-Josef Ortheil, bringt die Sache auf den Punkt. Er fragt sich, was den Campo so beliebt macht, „dass jeder Tourist von diesem Platz schwärmt und so tut, als gebe es nichts Hinreißenderes“. Seine Erklärung: Die neugierigen Fremden und „diese gut gelaunten, fremdenfreundlichen Einheimischen“, die Blumenverkäuferinnen, Kneipiers und Beherrscher der Obst- und Gemüseberge auf den Ladentischen, sieht er auf dem Campo unter sich, „auf dem gediegenen Niveau einer gewissen volkstümlichen Lebensart und vor allem abseits von allen bedrückendenBildungsanstrengungen“ man nimmt Urlaub vom anstrengenden Rom in netter Gesellschaft.

Es gibt größere und üppiger ausgestattete Märkte in der Stadt am Tiber, aber keiner liegt so wunderbar zentral wie der Campo. Keine fünf Minuten sind es von der barocken Piazza Navona und noch einmal fünf Minuten vom antiken Pantheon zum Platz und Michelangelos prächtiger Palazzo Farnese liegt gleich hinter der nächsten Ecke. Und ganz passabel einkaufen kann man hier auch. Es gibt üppige Blumenstände, selbst T-Shirts  und Sonnenhüte kann man erstehen, natürlich Parmesan in großen eingeschweißten Blöcken und Oliven in allen Größen, Farben und Marinaden. Tintenfische und Muscheln sind im Angebot, Thunfisch ist der Renner, kunstvoll geschichtete Pyramiden saisonaler Früchte geben ein stimmungsvolles Bild ab. Daneben sitzen Männer und Frauen, die der Römer Lieblingsgemüse, die Artischocke, mit wenigen sicheren Messerschnitten von ihren harten Außenblättern und Stängeln befreien und in der großen Schüssel mit Zitronenwasser versenken, damit sich der carciofo nicht unansehnlich verfärbt.  
Wenn die Stände am späten Mittag das Feld räumen, tritt bis zum Abend Ruhe ein. Dann ist Schichtwechsel: Man trifft sich hier gerne und plant für den Abend und die Nacht und so manche aufgekratzte Gesellschaft bleibt hier hängen und frequentiert die nahen Restaurants, die Cafés und Weinlokale.

Giordano Bruno, Rom

Giordano Bruno

Über den lauten Geschäften des Tages und den abendlichen Vergnügungen steht hoch auf seinem Piedestal der bronzene Giordano Bruno. Vor mehr als vierhundert Jahren verlor er auf diesem Platz sein Leben. Von der Inquisition zum Ketzer erklärt, musste der Philosoph und Freidenker den Scheiterhaufen besteigen und wurde verbrannt.
Er war nicht der einzige, der an dieser Stelle hingerichtet oder gequält wurde. Bis 1798 dominierte eine Vorrichtung den Platz, an dem eine Art Flaschenzug befestigt war. Geringere Vergehen wurden mit diesem Foltergerät geahndet. Am Seil des Flaschenzuges hing der Übeltäter, der mehrmals nach oben gezogen und wieder herabgelassen wurde, um ihm höllische Schmerzen zuzufügen und vor der gaffenden Menge zu demütigen.

Im Mittelalter lag an dieser Stelle Brachland, das sich im Frühjahr in ein farbenfreudiges Blumenfeld (= Campo dei Fiori) verwandelte. So richtig erschlossen wurde die Gegend erst im 15. Jahrhundert. Seitdem ist der Platz an das städtische Straßennetz und die Abwasserkanäle angeschlossen. Der Platz blühte auf, Handwerker siedelten sich an, fast jedes Haus bekam seine eigene Schenke und die Prostituierten ihre Absteige. Der Platz wurde ein beliebter Treffpunkt und Versammlungsort und seit 1869 beherbergt er an jedem Vormittag (außer sonntags) den Markt.

 

 

 



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