Reiseführer Rom
Tour 2 durch Rom
Von der Piazza Bocca della Verità zum Vatikan und ins Trastevere
Einst ein Viehmarkt, bietet die Architektur der Piazza Bocca della Verità (20), dem „Platz der Wahrheit“, auf engstem Raum die größte Auswahl antiker und christlicher Gotteshäuser. Dennoch: Das Ambiente wirkt ein wenig kleinstädtisch, was wohl daran liegt, dass man den Lärm und das Gedränge des centro storico bei der Wanderung entlang des Tiber hinter sich gelassen hat, und dass der nahe gelegene Aventin (21), einer der Sieben Hügel, bis vor wenigen Jahren dem hippen Rom verborgen blieb. Hier lebten im Altertum die Plebejer und auch später noch das einfache Volk.
In der Kirche San Giorgio in Velabro wirkte die in Stein gehauene Maske des Bocca della Verità schon um 800 als „Mund der Wahrheit“. Wer amtliche oder heilige Eide schwören musste, tat dies mit der Hand im Mund des Janus. Und die Liebesschwüre erst!

Im Bocca della Verità, dem wahrscheinlich ältesten Lügendetektor der Welt,
wurden amtliche und heilige Schwüre abgelegt. Ach ja, die
Liebesschwüre nicht zu vergessen!
Der Spaziergang führt durch zahllose giardinetti, wo Großmütter mit den Enkeln spielen, die Opas eine Runde Boccia in Arbeit haben und Skater die schattige Ruhe nur unter Beschimpfungen stören dürfen. Hier schlägt das Herz des weniger offiziellen Rom, wie man es auch im Testaccio (22) und an seinem Berg wiederfindet. Der Hügel entstand auf einem gigantischen Scherbenhaufen aus Tonkrügen. In ihnen waren das Öl, der Wein und anderes Feine aus dem Latium und der weiteren Umgebung mit Schiffen hierher transportiert worden. Längst ist der einst bedeutende Binnenhafen verlandet, doch an seiner Stelle lebt das heutige Rom im eigenen, sehr charmanten Ambiente. So entstand aus den Arbeiterbehausungen eine schicke Wohngegend, und diesem bourgoisen Flair entsprangen zahlreiche kleine Restaurants, Bars und Kneipen. Kurz: ein Ort, an dem es sich genießen lässt.
Zurück in der Welt des antiken Roms wirkt die weiß schimmernde Piramide di Caio Cestio (23) ein wenig skurril, denn was soll uns altägyptische Architektur im alten Rom vermitteln? Nun, es ist das Grabmal des 11. v. Chr. verstorbenen Volkstribuns Gaius Cestius Epulonius. Der wollte eben in einer Pyramide beerdigt werden und ließ das Bauwerk deshalb schon zu seinen Lebzeiten errichten! Gleich nebenan erstreckt sich der Fremdenfriedhof Roms. Hier liegen die Dichter Keats und Shelley begraben, und auch August Goethe, der Sohn des Dichters.

Piramide di Caio Cestio - Grabmal eines frühen Kosmopoliten
Die Terme di Caracalla (24) versetzt uns dann wieder zurück zur Architektur römischen Stils. Zwar hat der Zahn der Zeit die einstige Wellness-Anlage ruiniert, doch ist es noch immer vorstellbar, dass hier einst 1.500 Fitnesstreibende zur gleichen Zeit ihren entspannenden, Körper betonenden Leidenschaften frönten. In Kraft- und Massageräumen, in Saunen, Schwimmbädern, Schönheitssalons und Boutiquen. Und die lieben Kleinen wurden in Therme-eigenen Kindergärten beaufsichtigt.
Fasziniert noch von diesen Eindrücken sollte man am Tiber zurückspazieren, Richtung Innenstadt, denn den Vatikan muss man über den Ponte Sant´ Angelo (25) anstreben. Kaiser Hadrian schloss den Bau der Engelsbrücke 136 n. Chr. ab, und natürlich ist der Meister des Barock, Bernini, für die Lebendigkeit der zehn Engelsstatuen verantwortlich.

Ponte Sant´ Angelo (Engelsbrücke) mit der Engelsburg im Hintergrund
War diese Tour bisher von Eindrücken aus der Antike und jenen aus dem „nicht so lauten Rom“ geprägt, so ist mit dem Vatikan (26) das Ziel aller Pilger und Kunstinteressierter erreicht. Der kleinste Staat der Welt ist mit seinen nur 0,44 qkm nicht nur der Sitz des Papstes und der Kurie und somit der oberste Verwaltungshof der römisch-katholischen Kirche, er ist auch eine der größten Schatztruhen der Welt. Wer die Grandiosität dieser Stätte genießen will, wird zwei, drei Tage für das Erkunden des Petersdomes (27) und des Petersplatzes (28), der Vatikanischen Museen (29), der Sixtinischen Kapelle (30), der Vatikanischen Gärten (31) und dem Castel Sant´Angelo benötigen.

Hinweis: Besuchern in Miniröcken, kurzen Hosen oder ärmellosen Oberbekleidungen wird der Eintritt zum Petersdom verwehrt. Ohnehin empfiehlt sich der Besuch des Vatikan nur in angemessener Kleidung!
Tipp der Autorin:
Für alle, die eine Privataudienz beim Papst anstreben oder in einen der nicht öffentlichen Teile des Vatikan vorgelassen werden möchten: Die schriftliche Anfrage stellt man an die Preffetto della Casa Pontificia, Citta del Vaticano, 00120 Roma, Tel. 06 69 88 32 73.
Einmal auf dieser Seite Roms angelangt, lockt der Stadtteil Trastevere (32) mit ungeahnten Gaumenfreuden. Trastevere heißt „auf der falschen Seite“ doch seien Sie versichert, dass diese Seite des Tevere (Tiber) für Gourmets und Stadtwanderer, die „authentisch italienisch“ essen wollen, unbedingt die richtige ist. Als Ausgleich zu den deftigen Pasti und gehaltvollen Speisen á la Roma lockt ein Spaziergang durch die verwinkelten Gassen zur Isola Tiberina (33), wo im Altertum und noch viele Jahrhunderte danach die Pestkranken isoliert wurden, wo man auf seinen Ufern aber noch heute dem Tiber ganz nah ist. Seinem sanften Wellenschlag, seinem Gemurmel, das die Römer hingerissen „Le Favole delle Tevere“ nennen, Geschichten ihres heiligen Flusses. Gegenüber der Tiber-Insel überragt die Große Synagoge die Platanen am Fluss.
Wie ein Faden zieht sich Dio Fiume durch Rom. Einer der spektakulärsten Blicke auf dieses Panorama bietet sich von einem weiteren Hügel, dem Gianicolo (34). An klaren Tagen vermag man von hier bis in die Berge des Latium zu blicken. Welch romantische Ambitionen man angesichts eines dieser unglaublich farbig-glühenden Sonnenuntergänge zu entwickeln vermag, versinnbildlichen die zahllosen Liebespärchen im Gras des Parks. Ach, Rom!