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Reiseführer Rom

 

Tour 2 durch Rom

Unterwegs im Tiberbogen

Von der Piazza Venezia über Campo dei Fiori und Pantheon zur Piazza Navona

Am Kapitol: Aufstieg zur Kirche Santa Maria in Aracoeli

Am Kapitol: Aufstieg zur Kirche Santa Maria in Aracoeli

Kreuz und quer durch das centro storico führt uns die Tour, die am Tiberufer gegenüber der Vatikanstadt enden wird. Los geht es an der verkehrsumtosten Piazza Venezia mit dem Kapitolshügel im Rücken und dem Monumento Nazionale a Vittorio Emanuele II. (1) vor Augen, einem grellweißen Marmorgebirge, das so gar nicht in das traditionelle Stadtbild passen will und seit Anbeginn heftige Kritik auf sich zog. Linker Hand erhebt sich, einer Stadtfestung nicht unähnlich, der Palazzo Venezia (2), einer der ältesten Paläste Roms, der noch Eigenheiten der einst vorherrschenden Militärarchitektur zeigt. Entstanden ist er in der Frührenaissance als alternative Papstresidenz, die nach bewegter Geschichte auch noch Mussolini bis 1943 als Regierungssitz diente. Über die vom Platz abgehende Via del Plebiscito erreichen wir eines der religiösen Zentren der „Gesellschaft Jesu“, jener von Ignatius von Loyola gegen die protestantische Reformation ins Leben gerufenen Bewegung. Il Gesù (3), die Mutterkirche des Jesuitenordens, war architektonisches Vorbild für viele Kirchen in Rom und anderen europäischen Städten, die den Ideen der Jesuiten nahestanden.

Il Gesù

Il Gesù

Von der Plebiscito heranbrausende Autoströme nimmt der Corso Vittorio Emanuele II. auf. Der Namensgeber des Corso und des oben erwähnten kolossalen Nationaldenkmals stammte aus dem norditalienischen Hause Savoyen und stieg zu einer Führungsfigur der italienischen Einigungsbewegung auf. Die Nationalbewegten kürten ihn zum Padre della Patria, Vater des Vaterlandes. 1861 bestieg er den italienischen Thron. Der Corso führt am Largo di Torre Argentina (4) vorbei, einer über Rom hinaus bekannten Heimstatt herrenloser Katzen. Sie werden hier inmitten von Tempelruinen aus republikanischer Zeit von den gattare, den Katzenfreunden, mit Futter und Streicheleinheiten versorgt, erhalten tierärztliche Hilfe und werden an Katzenliebhaber vermittelt. Die gattare haben`s nicht leicht, denn oft mangelt es an Geld und mit den Archäologen liegen sie im Dauerclinch, spielt sich doch das ganze auf einem bedeutenden Ausgrabungsgelände ab.

Largo di Torre Argentina

Largo di Torre Argentina

Wir kreuzen die Via delle Botteghe Oscure, die Straße der dunklen Geschäfte. Als jahrzehntelang in Nr. 4, im Haus „Il Bottegone“, die PCI ihr Hauptquartier unterhielt, sorgte allein schon der anrüchige Straßenname zuverlässig für Hohn und Spott. Auch die Via Michelangelo Caetani nahebei geriet in die Schlagzeilen, als im Mai 1978 die Leiche des ermordeten DC-Politikers Aldo Moro im Kofferraum eines Autos entdeckt wurde – wohl mit Bedacht abgestellt auf halbem Weg zwischen dem PCI-Quartier und dem DC-Büro an der Piazza del Gesù. Am Fundort erinnert eine Wandplakette an das Schicksal Moros.

Via delle Botteghe Oscure

Weiter südlich zum Tiberufer hin schließen sich die wenigen erhaltenen Straßenzüge des ehemaligen Ghettos an, überragt von der großen Synagoge (5) mit einer auffallenden, einem Zeltdach ähnelnden Aluminiumkuppel. Oft übersehen wird die intime Piazza Mattei (6) am Rande des Ghettos und so bleibt die Begegnung mit einem der schönsten römischen Brunnen so etwas wie ein Geheimtipp. Die heitere, beschwingte Fontana delle Tartarughe (Schildkrötenbrunnen) auf dem kleinen Platz geht auf den „Brunnenmacher Roms“, Giacomo della Porta, zurück und Gian Lorenzo Bernini verlieh ihm Jahre später den letzten Schliff, als er den verspielten Jünglingen noch vier Schildkröten hinzugesellte. Wie sich mächtige Adelsfamilien in Rom aufwändig einnisteten, lässt sich gut am benachbarten Palazzo Mattei di Giove (7) mit seinen großzügigen Loggien und üppigem Skulpturenschmuck nachvollziehen.

Rom

Ein paar Straßen weiter fallen die markanten Konturen des antiken Marcellus-Theaters (8) ins Auge. Freistehend und exakt halbkreisförmig ist es ein wohlerhaltenes Beispiel für den römischen Theaterbau. Ein Palazzo, eine Straße und ein Platz tragen den Namen des alten Adelsgeschlechts der Cenci und erinnern an das Schicksal der unglücklichen Beatrice Cenci, die mit anderen Familienmitgliedern 1599 öffentlich hingerichtet wurde. Sie war die treibende Kraft bei der Planung der Ermordung ihres brutalen, tyrannischen Vaters gewesen. Für die Römer war sie eine Heldin, die aus Notwehr handeln musste. Bis in die Gegenwart fasziniert ihr Schicksal Literaten und selbst Opernkomponisten und auch ein Film nahm sich ihrer dramatischen Lebensgeschichte an. Nach Überquerung der Via Arenula rückt der Palazzo Spada (9) ins Blickfeld. Im Stil des Manierismus erbaut, der die Übergangsphase zwischen Renaissance und Barock kennzeichnet, weist seine Fassade üppiges Rankenwerk und Girlanden und in Nischen verharrende Statuen antiker Helden und Kaiser auf. Im Innenhof verblüfft Francesco Borromini die Besucher mit seiner „Galleria prospettica“, einer raffinierten perspektivischen Täuschung. Dann öffnet sich ein harmonisch geschnittener Platz, den kolossale, aus den Thermen des Caracalla stammende und hier zu Brunnen umfunktionierte antike Wannen schmücken. Wir sind auf der Piazza Farnese, die den gleichnamigen Palazzo (10) Wirkung entfalten lässt. Und das gelingt ihm mühelos. „Dado“ (Würfel) nennt man im Volksmund den kompakten, freistehenden Repräsentationsbau aus der Zeit der radikalen Umgestaltung der römischen Innenstadt während der Renaissance.

Rom, Löwenkopf

Alle wollen seine Atmosphäre schnuppern, sein üppiges Angebot bestaunen, „echte Römer“ beim Einkaufen erleben, dabei ist der in allen Reiseführern groß herausgestellte Markt auf dem Campo dei Fiori  (11) weniger ursprünglich als die Märkte in Trastevere, Testaccio und anderswo. Mit einem Becher Obstsalat in der Hand, biegen wir nach rechts in den Corso Vittorio Emanuele II. ein, passieren die Kirche Sant`Andrea della Valle (12) mit reich geschmückter Fassade und der nach St. Peter größten Kuppel Roms, überqueren dann den Corso und betreten die Via dei Cestari. Zuvor noch ein Wort zum Corso Vittorio Emanuele II., den wir im Verlauf der Tour durch das centro storico mehrmals überqueren werden. Er ist neueren Datums. Die ersten Arbeiten, denen umfangreiche Enteignungen und Abrisse vorausgegangen waren, begannen 1883 und endeten erst 1926. Im Zuge des Urbanisierungsprogramms für die neue Hauptstadt sollten durchgehende und möglichst geradlinige Verkehrsadern geschaffen werden. Der in Ost-West-Richtung verlaufende Emanuele-Corso sollte den Nord-Süd-Verkehr der Via del Corso und die von Osten, aus der Bahnhofsgegend, über die Via Nazionale heranrollenden Fahrzeuge Richtung Tiber-Brücken weiterleiten – und das gelingt noch heute, wenn auch mit deutlich mehr Staus als damals. Ihre Spezialgeschäfte machen die Cestari und einige Nebenstraßen zu etwas Besonderem. Hierher strömen Kirchenleute, um arredamenti liturgici, liturgische Ausstattungen oder abiti ecclesiastici, Gewänder für Geistliche, einzukaufen und das Angebot an arte sacra zu begutachten.

Rom, Berninis Elefant

Die Cestari mündet auf die Piazza della Minerva (13), wo ein Elefant als Obeliskenträger auftritt – ein genialer Einfall Berninis, der den Dickhäuter entgegen allen Absprachen so platzierte, dass sein faltiges Hinterteil auf das Quartier der Dominikaner zeigt, mit denen er sich angelegt hatte. Berninis Elefant teilt den Platz mit dem einzigen gotischen Kirchenbau Roms. Santa Maria sopra Minerva, 1280 begonnen, wurde erst 170 Jahre später vollendet. Berühmt sind ihre Fresken in den Seitenkapellen und Michelangelos Marmorstatue des auferstandenen Christus. Einen großen Schritt zurück in die Vergangenheit Roms macht, wer die Piazza della Rotonda betritt und dem Pantheon (14), dem allen Göttern geweihten Tempel, gegenübersteht. Die Inschrift über dem Säulenportal verrät, wer den größten Kuppelbau der Antike errichten ließ. Es war Marcus Agrippa, der Schwiegersohn des Kaisers Augustus.

Ein weiteres Highlight liegt „gleich um die Ecke“: Um der Römer liebsten Platz, die von Bernini, Borromini und anderen Barockgrößen glanzvoll gestaltete Piazza Navona (15) versammelt sich gleich ein gutes halbes Dutzend bedeutender Kirchen. Die Renaissance-Kirche Sant`Agostino (16) etwa birgt Gemälde von Raffael und Caravaggio, wie auch ein paar Nebenstraßen weiter die französische Nationalkirche San Luigi dei Francesi (17), wo drei um das Jahr 1600 entstandene Meisterwerke Caravaggios zu bewundern sind. Die aus einer Hospizgründung hervorgegangene Santa Maria dell`Anima (18), die Kirche der deutschsprachigen Katholiken in Rom, und Santa Maria della Pace (19), der Bramante einen Kreuzgang hinzufügte und Pietro da Cortona die säulengestützte Vorhalle, verstecken sich im Gewirr der Gassen seitlich der Piazza Navona. Auch Sant`Ivo (20) mit beschwingter Fassade und spektakulärem Turm liegt im nahen Umfeld der Piazza Navona am Corso del Rinascimento. Sant`Ivo ist eines der Hauptwerke Borrominis, doch so recht will sich der Bau nicht den gewohnten Barockmustern annähern. Seine Ausführung gilt als künstlerisch eigenwillig und technisch aufwändig und wird von Kritikern als „exotische Einzelerscheinung in der Geschichte der römischen Architektur“ gesehen. Nebenan erhebt sich als mächtiger Block der Palazzo Madama (21), so benannt nach Margarete von Österreich („Madama d`Austria“), einer unehelichen Tochter Kaiser Karls V., die mit einem Medici-Herzog verheiratet war. Der mit üppiger Ornamentik versehene Bau, seit 1505 im Besitz der Medici, ist heute Sitz des italienischen Senats, dessen Zuständigkeiten im Sommer 2014 drastisch eingeschränkt wurden. Nahe dem Nordende der Piazza Navona entstand gegen Ende des 15. Jahrhunderts der Palazzo Altemps (22). Er verwahrt antike Bestände des Museo Nazionale Romano, darunter die großartige Skulpturensammlung Ludovisi. Sie war einst von Napoleon konfisziert worden, gelangte aber durch Wilhelm von Humboldts geschicktes Taktieren wieder in die Hände seines Besitzers.

Palazzo Altemps

Palazzo Altemps

Zurück zum Corso und hinüber auf die andere Seite zur Piazza della Cancelleria (23). Ein mächtiges Gebäude, ein typischer Repräsentationsbau seiner Zeit, beherrscht den Platz. An der Errichtung des Palazzo della Cancelleria waren prominente Architekten der Renaissance beteiligt. Er war früh im Besitz der Kurie, beherbergte Ende des 18. Jahrhunderts die kurzlebige Regierung der Republik Rom und 1848 das Revolutionsparlament. Seit 1929 ist er exterritorialer Besitz des Vatikans. Wir folgen nun ein Stück der schmalen Via del Pellegrino (24), einst Hauptroute der Pilger, die von Süden kamen. Heute sind es Boutiquen, Restaurants, Bars, Galerien, die den Ton angeben, aber die schillernde Vergangenheit ist nicht gänzlich ausgelöscht. So gibt es bei Nr. 53 eines der schönsten Straßentabernakel Roms zu bestaunen, Torwege führen zu geheimnisvollen Innenhöfen, man entdeckt Spolien im Mauerwerk und Renaissance-Fassaden mit verblassten Fresken.

In Nr. 58 war das Liebesnest der Vanozza de` Cattanei, die hier ihren langjährigen Liebhaber, den Borgia-Papst Alexander VI. empfing, mit ihm Kinder zeugte, darunter den später gefürchteten Cesare Borgia, Vorbild für Machiavellis Il Principe (Der Fürst). Wir schrägen nun durch zur Via Giulia (25). Papst Julius II., einer der „Bauherrenpäpste“, war der Auftraggeber der schnurgeraden Renaissancestraße zwischen Ponte Sisto und der einstigen „Nationalkirche“ der florentinischen Gemeinde in Rom, San Giovanni dei Fiorentini.

Innenhof in der Via del Pellegrino

Innenhof in der Via del Pellegrino

Jenseits des Platanenspaliers am Tiberufer grüßt die Kuppel des St. Peter herüber.

Reiseveranstalter Italien

Reiseveranstalter Rom





 

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