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Reiseführer Münsterland

Haltern am See

Einst waren die Römer hier die Herren

Münsterland: Das Alte Rathaus aus dem 16. Jh. in Haltern

Das Alte Rathaus aus dem 16. Jh.

Bis auf einen Spitzgraben am Rande des ehemaligen Römerlagers sind keine weiteren römischen Spuren im Stadtbild von Haltern vorhanden. Doch ehe wir uns der römischen Geschichte der Stadt zuwenden, wollen wir uns ein wenig in der Stadt umschauen. Auf dem Stadtgrundriss kann man gut erkennen, dass einstmals eine ringförmige Befestigung vorhanden war. Von dieser ist einzig und allein der sogenannte Siebenteufelturm übrig geblieben.

Kunst auf Schritt und Tritt

Dass die Stadt und ihre Bürger einen Sinn für Kunst im öffentlichen Raum haben, bemerkt der Besucher auf Schritt und Tritt. Auf dem Bahnhofsvorplatz empfangen die „Taucher“ die Neuankömmlinge. Nur Schritte entfernt am Rande einer kleinen Grünanlage entlang der Bahnhofsstraße stehen wir der von Ulrich Schriewer entworfenen figurativ-abstrakten Figur „Kiep“ gegenüber. Mit dieser Skulptur würdigt der Künstler den Kiepenkerl, einen Wanderhändler, der bis ins 19.Jahrhundert hinein mit Gebrauchsgütern von Dorf zu Dorf zog.

Münsterland: Der Merschtorbrunnen in Haltern

Der Merschtorbrunnen

Weithin sichtbar ist aus der Ferne die Kirche St. Sixtus. Bevor wir dieses Gotteshaus erreichen, gelangen wir zum ehemaligen Merschtor, an dessen Stelle nun eine beeindruckende Brunnenanlage steht. Dieses Wasserspiel ist dem Künstler Hermann Kunkler zu verdanken, der 1988 einen ausgelobten Wettbewerb für eine Brunnenanlage gewann. Mit seinem Kunstwerk knüpft Kunkler an ein Ereignis von 1652 an. Damals gelang es Landsknechten im Dienste des Stiftes Essen, das Merschtor zu öffnen. Im Torhaus untergebrachte Gefangene wurde bei dieser Aktion befreit, nur vier Jahre nach dem Ende des 30-jährigen Kriegs und in Zeiten, die immer noch unruhig waren. In die Stadt vordringen konnten die Landsknechte allerdings nicht, da die Halterner Bürger ihnen entschlossen den Weg verwehrten.

Im Zentrum der Stadt

Die katholische Pfarrkirche St. Sixtus steht am Rande des Marktplatzes, an dem sich auch das Alte Rathaus befindet. An der Stelle der heutigen Kirche bestand bereits im 9. Jahrhundert eine Pfarre, die im 13. Jahrhundert einen romanischen Kirchenbau erhielt. Dieser wurde jedoch nachfolgend durch eine spätgotische Hallenkirche ersetzt. Dabei blieb der romanische Turm des Vorgängerbaus erhalten. Heute stehen wir einem neogotischen Sakralbau gegenüber. Besonders sehenswert ist im Inneren ein Brabanter Altarschrein aus der Barockzeit.

Vis-à-vis der Kirche wurde im 16. Jahrhundert im Renaissancestil das Alte Rathaus erbaut. Charakteristisch für diesen Profanbau ist die Laube mit vier Spitzbogenarkaden. Weitaus jüngeren Datums ist das Glockenspiel am Rathausgiebel. Vor dem Rathaus steht in Erinnerung an die einst hier vorhandene zentrale Wasserstelle eine Brunnenanlage. Die Figurengruppe von zwei Marktbesucherinnen hat Helmut Schlüter gestaltet.

Über die Mühlenstraße, vorbei an den Ratsstuben  und dem nicht mehr vorhandenen Mühlentor, setzen wir unseren Rundgang fort. Über die Straße Lippmauer gelangen wir an den Friedrich-Ebert-Wall. Dort befindet sich der jüdische Friedhof mit seinen historischen Grabsteinen. An die jüdischen Opfer der NS-Zeit erinnert ein Gedenkstein: Leonhard Cohen und Abraham Weyl, zwei der Opfer, kamen im Getto von Riga um, andere wie Jeanette Kleeberg überlebten den Lageraufenthalt in Theresienstadt nicht und Daniel Heinrich wurde im KZ Auschwitz ermordet. Historische Grabsteine wie der für Moses Cohen erinnern zudem an diejenigen Bürger der Stadt, die mosaischen Glaubens und seit Generationen in Haltern ansässig waren.

Zurückgekehrt auf den Marktplatz spazieren wir über die Rekumer Straße zu der Stelle, wo die Skulptur der Mutter Anna an den einstigen Prozessionsweg auf den Annaberg erinnert. Kurz zuvor haben wir das Rekumer Tor passiert, an das heute lediglich eine Gedenktafel erinnert. Setzen wir unseren Stadtspaziergang über die Rekumer Straße fort, so begegnen wir dem „Lohmänneken“, einer sagenumwobenen Figur der Stadt.

Folgen wir anschließend dem Lauf der Römerstraße, so erreichen wir die neogotische Erlöserkirche, einen weithin sichtbaren Backsteinbau.

Münsterland: Der Siebenteufelturm von Haltern, Rest der im 18./19. Jh. niedergelegten Stadtbefestigung

Der Siebenteufelturm, Rest der im 18. / 19. Jh.
niedergelegten Stadtbefestigung

Der geschlagene Varus

Anschließend führt uns unser Weg über die Rochfordstraße zum Gänsemarkt, der unschwer an den Tierskulpturen von Janos Gyarmathy und Laszlo Szatmari zu erkennen ist. Am Gänsemarkt steht auch das älteste erhaltene Ackerbürgerhaus der Stadt. Nächste Station des Rundgangs ist der bereits erwähnte Siebenteufelturm, Überbleibsel der einstigen Stadtbefestigung. Jenseits der Rockfordstraße befindet sich das neue Rathaus. Vor diesem Bauwerk wurde der Kardinal-von-Galen-Park angelegt, in dem sich eine Skulptur des Namenspatrons, aber auch weitere Kunstwerke befinden. Zu den Kunstwerken zählen die aus Diabas gestaltete Landschaft von Maria Krause und die organische Form aus Marmor, die Johannes Dröge schuf. Am Rande des Parks hingegen stoßen wir auf die Figur des „Gescheiterten Varus“, einen melancholisch dreinschauenden Krieger in zerschlissenem Gewand.

Münsterland: Der gescheiterte Varus vom Rietberger Künstler Wilfried Koch in Haltern

Der gescheiterte Varus vom Rietberger
Künstler Wilfried Koch

Für Leib und Seele

Wer sich nach seiner Tour durch die Stadt und vor dem Besuch des Römermuseums eine Pause gönnen will, hat dazu in Haltern genügend Möglichkeiten. Wie wäre es mit dem Marktcafé Rossini im Schatten der Kirche St. Sixtus, wo nur regionale Produkte verarbeitet werden? Bafög-Bagel stehen ebenso auf der Karte wie das Frühstück "Kleiner Westfale", zu dem unter anderem ein Bauernomelette, gekochter und geräucherter Schinken und Bauernbrot gereicht werden. Für die kleinen Gäste gibt es ein spezielles Frühstück mit einem Brötchen belegt nach Wahl, einer kleinen Überraschung und einem Glas Milch oder Saft. Zutaten zu seinem großen Salat kann man sich bei Rossini dazu bestellen, ob nun Thunfisch, Krabben oder Lachs. Es gibt Leckeres vom Grill und Köstliches von der Pfanne wie Krüstchen „Rossini“. Eis-Cafés gibt es mehr als genug, am Markt und auch anderswo. Rustikales bieten die Ratsstuben in der Mühlenstraße: Geräuchertes Kassler mit Apfelsauerkraut oder Maishähnchenbrust aus dem Ofen werden dem Gast serviert. Zum Frühstücksbuffet von 8 bis 12 Uhr lädt das Café Zentral ein, das sich aber auch auf Multi-Kulti wie Chicken Nuggets und Mexicano Burger versteht. Pizzen wie Parma, Baccio oder Gyros isst der, der es mag, andere wählen zum Beispiel Gnocchi Basilika.

Die Römer an der Lippe lagerten

Vor dem lang gestreckten Museumsbau, etwa einen Kilometer vom Stadtzentrum entfernt errichtet, verläuft als Teil des ehemaligen römischen Befestigungswerks ein Spitzgraben, der dem Feldlager vorgelagert war. Auf dem Gelände des Feldlagers befindet sich das heutige Museum. Das Ausmaß des Lagers war 614 auf 560 Meter. Dieses wurde, so erfahren die Museumsbesucher, durch ein etwas kleineres Hauptlager ersetzt, das als Standlager ganzjährig belegt war. Große Teile dieser römischen Niedersetzung sind längst unter moderner Bebauung verschwunden.

Playmobilfiguren in Legionärsausrüstung

Beim Museumsbesuch kann man nicht nur ausprobieren, wie schwer die Marschausrüstung eines römischen Fußsoldaten war, sondern anhand einer Inszenierung mit Playmobilfiguren auch einen Eindruck von dem zwölf Kilometer langen Zug der Legionäre gewinnen, der in die sogenannte Varusschlacht zogen. Der 200 Meter lange Zug der Legionäre in Miniformat diente ursprünglich dazu, in der „Sendung mit der Maus“ das Thema „Varusschlacht“ zu veranschaulichen. Neben Fundobjekten besticht das Haus durch zahlreiche Modelle, ob nun des Römerlagers selbst oder eines ummauerten Grabhügels an der römischen Gräberstraße. Wie die Marinebasis der Römer an der Lippe ausgeschaut hat, wird dank eines Modells ebenso erfahrbar wie der Bau der Kaserne in der Nordostecke des Hauptlagers. Dass die Römer zum Zeitvertreib mit bunten Steinen aus Glas, aus Knochen oder Ton verschiedene Brettspiele spielten, bleibt beim Besuch ebenso kein Geheimnis wie die Frage, ob denn die Germanen auch derartige Spiele kannten. Der römische Geschichtsschreiber Tacitus, dem historisch wertvolle Aufzeichnungen über die Germanen zu verdanken sind, hat sich über das Würfelspiel der Germanen geäußert. In voller Nüchternheit, ganz wie ein Geschäft betrieben die Germanen das Spiel, so der römische Chronist.

Münsterland: Teile des Modells des Römerlagers von Haltern

Teile des Modells des Römerlagers

Der Frage nach den Germanen, den Widersachern der Römer jenseits des Limes und der Lippe, widmet sich das Museum auch in anderen Themenbereich. Doch im Fokus steht das Leben der Römer in Haltern und entlang der Lippe.

Ohne Lager keine Eroberung

Für die römische Eroberung von Barbarenland – die Germanen galten den Römern als Barbaren – waren feste Standquartiere von besonderer Bedeutung. So schrieb der jüdische Geschichtsschreiber Josephus im 1. Jahrhundert: „Wenn die Römer Feindesland betreten, beginnen sie den Kampf nicht, bevor sie ein festes Lager aufgeschlagen haben; sie errichten es aber keineswegs auf's Geratewohl und ohne Ordnung.“ Zu einem Lager mit planmäßigen Straßenkreuzen gehörte auch die Wasserversorgung, die zumindest für die Lager von Oberaden und Anreppen belegt ist. Ausgediente Weinfässer dienten als Brunnenverschalung. Wasserleitungen – entsprechende Funde sind im Museum zu sehen – wurden aus Blei hergestellt.

12000 Eichen mussten für die Anlage des Halterner Hauptlagers gefällt werden, dessen Ausdehnung durch ein großes Modell anschaulich gemacht wird. Bleilote, die gefunden wurden, benötigte man ebenso zu dessen Bau wie eine Groma, die als Rekonstruktion im Museum steht und ausprobiert werden darf. Dieses Instrument mit vier Senkloten diente der Ausrichtung von geraden Fluchten und rechten Winkeln im Gelände.

Münsterland:Diese Last mussten die römischen Fußsoldaten auf jedem Marsch tragen (Haltern)

Diese Last mussten die römischen Fußsoldaten auf jedem Marsch tragen

Wurfgeschosse kamen auch zum Einsatz

Dass die Widersacher der Römer über eine ausgefeilte Waffentechnik verfügten, können wir bei Tacitus nachlesen: „... Das Fußvolk benutzt auch Wurfgeschosse, jeder hat mehrere, und er schleudert sie ungeheuer weit“. Die Bewaffnung der Römer können wir im Original bestaunen. Sie besaßen Kurzschwert und Lanzen,  aber auch Schleudergeschosse und Krähenfüße, um die Verfolgung durch den Feind zu behindern.

Brandbestattung war üblich

Wie es um den Totenkult der Römer bestellt war und dass Brandbestattung durchaus üblich war, wird den Besuchern durch Grabbeigaben aus Ton, das Modell eines Grabbaus und auch mittels des Grabungsschnittes näher gebracht. Zu den üblichen  Grabfunden gehören ein Kochtopf als Urne, verschiedene Krüge, ein Becher, Amphoren, Öl- und Glasfläschchen und auch Münzen. Zudem sind Schuhnägel und Knochenschnitzereien vom Totenbett als Beigaben durchaus alltäglich. Mit den Münzen, den sogenannten Charonspfennigen, sollte der Fährmann für die Überfahrt über den Totenfluss „entlohnt“ werden.

Terra sigillata

Über die Speisegewohnheiten der Römer und der Germanen ist beim Museumsbesuch ebenso Wissenswertes zu erfahren wie über die Herstellung von Terra sigillata, Geschirr mit einem typisch roten Überzug, das serienmäßig in Werkstätten produziert wurde. Der vor dem Museum ausgegrabene Töpferofen diente der Herstellung derartigen Geschirrs.

 

Touristische Informationen


Tourismusinformation
http://www.haltern.de/tourismus/Startseite_Tourismus.asp

LWL-Römermuseum
www.lwl-roemermuseum-haltern.de

Essen und Trinken
Marktcafé Rossini
Markt 8
www.rossini-haltern.de

Café Central
Mühlenstraße 13

Ratsstuben
Mühlenstr. 3-5
www.ratshotelhalternamsee.de

Anreise
DB Bahnhof Haltern am See
www.bahn.de
www.nahverkehr.nrw.de

 

 

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