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Reiseführer Münsterland

Hier wird gerockt
Ein Tag in Gronau

 

Die einstige Hochburg der Textilindustrie – bis 1939 hatte der Ort die größte Spinnerei Europas – lockt heute mit Rock und Pop Besucher von nah und fer. Dass der aus Gronau stammende Rockmusiker Udo Lindenberg der Gründervater des Rock’n’Popmuseums ist, hält sich als hartnäckige Botschaft. Doch dem ist ganz und gar nicht so. Rock und Pop gibt es nicht nur in dem oben erwähnten Museum, sondern auch während des Gronauer Jazzfestes und der Eper-Musiknächte.

Münsterland: Notenschlüssel und Flötenspieler vor dem Rock- und Popmuseum in Gronau

Notenschlüssel und Flötenspieler vor dem Rock- und Popmuseum

Nicht allein im Rock’n’Popmuseum ist Musik ein Thema, sondern auch in der angrenzenden Gartenlandschaft. Inmitten eines Hügelbeets steht der Kleine Flötenspieler, eine Bronzeplastik von Joseph Krautwald, einem aus Rheine stammenden Bildhauer. Wer vor der zum Rock-und Popmuseum umgewandelten Turbinenhalle steht, kann den so genannten Inselpark mit seiner hoch aufragenden begrünten Pyramide gar nicht übersehen. Am Rande dieser grünen Stadtoase plätschert die Dinkel dahin, an deren Lauf monumentale Skulpturen aus Ibbenbürener Sandstein stehen.

Münsterland: Gartenkunst im Inselpark von Gronau

Gartenkunst im Inselpark

Kunst mit der Natur

Das ist das Motto der Garteninsel mit ihren 15 Gärten in Blätterform. In drei der Gärten findet man in der Gestaltung einen künstlerischen Bezug zum Rock- und Popmuseum. Natur wird hier inszeniert, auch mittels künstlerischer Blumenarrangements aus Beton. Knallig sind die Farben einer blauumrandeten „Riesenblüte“. Neben derartiger künstlicher Natur finden wir auch mehrere Klangmuscheln mit Steel Drums und ein „Klangbeet“, dessen Töne man mit jedem Schritt zum Klingen bringen kann.

Münsterland: Hier kann man selbst Musik machen (Gronau)

Hier kann man selbst Musik machen

Totems inmitten von Grün ist ein Beitrag aus Holland zum Thema „Wie sieht die Zukunft aus“. Unter den grünen Laubkronen drängen sich rot bekrönte Pfähle und Stämme mit „Schürzenringen“. Inmitten von grünem Rasen mit diagonal angelegten Blumenbeeten stehen rosa Stelen mit der Abbildung seltener oder geschützter Pflanzen wie Lungenenzian und Gemeiner Wacholder. Dies ist ein Verweis auf unseren Umgang mit Natur und auf die fortschreitende Naturraumzerstörung. Am Ende sind manche Pflanzen nur noch Teil eines Herbariums und ein Lexikoneintrag.

Münsterland: Einer der künstlerisch gestalteten Gartenteile im Inselpark (Gronau)

Einer der künstlerisch gestalteten Gartenteile im Inselpark

Die Konzeption für „Garten Rock“ knüpft an die Klangmuster des Rockbeats und starker Schlagzeugrhythmen an. Gestaltet wurde dieser Garten mit Chinaschilf, das von rot blühenden Blumen umgeben wird. Kreisrunde Beete mit Stauden wie Kugeldisteln, Klatschmohn und Studentenblumen gehören zum „Garten Pop“ und symbolisieren die weichen Klänge der Popmusik der 1970er Jahre. Rosen als klassische Gartenpflanzen fehlen im Inselpark nicht: 26 Sorten Beetrosen von Rot bis Cremefarben findet man in der Anlage, begleitet von Ziertabak, Verbenen und Fuchsschwanz. Zudem sehen wir Edelrosen und Teehybriden in Lachsrot, Apricot und Gelb umgeben von Wucherblumen und Salbei.

Rock und Pop in der Turbinenhalle

Auch wenn Udo Lindenberg nicht der Ideengeber für das Rock- und Popmuseum ist, so wurden ihm dennoch in der Vergangenheit schon Ausstellungen gewidmet. Zudem kann man eine Lindenberg-Führung durch Gronau buchen, die sich auf die Spuren des Schöpfers von „Sonderzug nach Pankow“ und „Andrea Doria“ begibt. Im obersten Stockwerk kann man das funktionsfähige Originalstudio der Gruppe Can bestaunen, in dem jährlich durch Studierende der Tontechnik CDs von Schülerbands abgemischt werden. Das Studio eignet sich auch dafür, Fragen „Wie macht man denn Musik“ anzusprechen und zu erläutern. „Musik kommt nicht aus dem MP3-Player“, meint Jürgen, der Besucher durch das Haus führt, selbst aus Gronau stammt und Musik gemacht hat. Von Masterbändern und 32-Spur-Mischpult ist im Weiteren die Rede.

Ins Schwärmen gerät Jürgen angesichts des Hammond B3, auf dem mehr als eine Millionen Töne erzeugt werden können. Voller Begeisterung ist er außerdem für die Musik von Can, deren Schallplatten inzwischen für einige tausend Euro den Besitzer wechseln. Auch ein eher dunkles Kapitel wird beim Rundgang präsentiert: Leben und Sterben von Rockmusikern. In diesem Kontext sind Brian Jones, Janis Joplin, Jimmy Hendrix, Otis Redding und Jim Morrison zu nennen. Sie alle starben früh und oftmals waren Drogen im Spiel.

Musikmachen im Klanglabor

Schaustücke wie die Bühnendekoration der Scorpions oder ein Hemd von Jimmy Hendrix findet man beim Durchstreifen des Museums ebenso wie Musik, die so gar nicht in ein Haus passt, das sich mit Rock und Pop befasst. Insbesondere bei Führungen für Senioren mit Kaffee und Kuchen, so Jürgen, werden auch Lale Anderson, Richard Tauber oder Hans Albers stimmlich zu neuem Leben erweckt. Für die jüngeren Besucher hingegen ist der aus Mannheim stammende Klangcontainer gedacht, in dem man seine eigene Musik komponieren kann. 15 Millonen Möglichkeiten bietet dieser Klangcontainer, in dem man Klangbausteine für Beats, Bässe und Vocals findet. Ein Mixtisch dient dazu, seinen persönlichen Mix zu mischen und auf einem Record-Würfel abzuspeichern. Jeder „Komponist“ erhält einen Barcode für seine Komposition und kann dann seinen Track unter www.klang-der-quadrate.de innerhalb von zwei Wochen herunterladen und seinen Freunden vorstellen. That’s cool man!

O sole mio und Saturday Night Fever

An die gute alte Zeit erinnert die Musikbox, die man mit 20 Pfennigen fütterte, um James Last oder das Lied der Schlümpfe zu hören. Ebenfalls eine Reise in die Vergangenheit ist dank audiovisuellen Medieneinsatzes möglich: Hier wird die Geschichte des Tanzes vom Tango bis zum Hip-Hop lebendig, Saturday Night Fever eingeschlossen.

Münsterland: Formale Gartengestaltung im Inselpark

Formale Gartengestaltung im Inselpark

Musik ist im Haus allgegenwärtig, mal erklingt Louis Armstrong, mal Aretha Franklin, abhängig davon, welche „Tonschublade“ der Besucher öffnet. Oder wie wäre es denn mit „O sole mio“ von Enrico Caruso? Dem Thema „Entartete Musik“ ist ein eigenes „Kapitel“ gewidmet, das an das Verbot von Swing und Jazz während der Nazizeit erinnert. Einer derer, die damals verfolgt wurden, ist der Berliner Jazzer Coco Schumann, der im Getto von Theresienstadt in einer Lagerband als Schlagzeuger spielte. Noch heute ist er bei gelegentlichen Auftritten an der Jazz-Gitarre zu hören.

Fast drei Monatslöhne für die Musiktruhe

Wir durchleben als Besucher die 1950er Jahre, als eine Musiktruhe 500 DM kostete – und das bei einem durchschnittlichen Monatslohn von 150 DM, wie Jürgen auf dem Rundgang sachkundig anfügte. „Am Tag als der Regen kam“ und „La Paloma“ begleiten uns wie die Lederoutfits und die „Entenfrisur“ durch diese Zeit. An den Beatles und dem Starclub kommt ein Museum, das sich der Popgeschichte verschrieben hat, keinesfalls herum. So sind auch die vier Liverpooler Pilzköpfe im Museum präsent.

Beim weiteren Besuch erklingt vielleicht „Tutti Frutti“ von Little Richard, fällt der Blick auf die Druckpresse der Kommune I. Ja, immer wieder wird die Zeitgeschichte mit der Rock- und Popgeschichte vermischt – und das ist gut so. Rock und Pop haben sich ja auf einem gesellschaftlichen Hintergrund und nicht im luftleeren Raum entwickelt.

Münsterland: Im Vordergrund der Inselpark, im Hintergrund das Rock- und Popmuseum

Im Vordergrund der Inselpark, im Hintergrund das Rock- und Popmuseum

Neue Männer braucht das Land

Ina Deter, der dieser Song gelang, ist zwar nicht live on stage, aber wenigstens ihr Bühnenoutfit ist im Museum ausgestellt. Musikvideos wie das der Scorpions flimmern über die Bildwand. Immer wieder ist Popmusik zu hören –für empfindliche Ohren bisweilen eine Reizüberflutung, insbesondere dann, wenn man den Klangraum aufsucht, in dem der ganze Körper in Schwingungen gerät.

Weitere Informationen

Touristik-Service Gronau
www.gronau.de

Münsterland: Für Kletterkünstler und solche, die es werden wollen: der Kletterturm von Gronau

Für Kletterkünstler und solche, die es werden wollen:
der Kletterturm von Gronau

Tourentipp:

Gronau, das ist nicht nur das ehemalige Gartenschaugelände und das Rock 'n
Pop Museum, sondern das ist auch die Dinkel und der Skulpturenweg nach Epe.
Für Familien mit Kids lohnt sich die Tageswanderung entlang der Dinkel, weil
es sowohl im Stadtpark als auch im Eper Gemeindepark abwechsungsreiche
Spielmöglichkeiten gibt. Zudem ist der Tierpark im Stadtpark Gronau ein
Anziehungspunkt für Groß und Klein.

 

 

Kletterturm auf dem Landesgartenschaugelände
www.gronau.de
Benutzung nur nach vorheriger Anmeldung auf eigene Gefahr

Alles Kunst oder was
Dinkelsteinroute entlang der Dinkel
www.gronau.de

Rock’n’Popmuseum
www.rock-popmuseum.de

 

 

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