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Reiseführer Münsterland

Rund um Havixbeck

 Zu Fuß über die Höhen der Baumberge

Havixbeck liegt am Fuße der Baumberge, aus deren Steinbrüchen über Jahrhunderte heller Sandstein für die zahlreichen Kirchenbauten des Münsterlandes gewonnen wurde. Nur wenige profane Bauten wie das Haus Havixbeck wurden ebenfalls aus Sandsteinquadern errichtet. Der Geschichte des Sandsteinabbaus in der Region widmet sich das ortsansässige Sandsteinmuseum.

Haus Havixbeck

Haus Havixbeck – eine Zweiinselanlage

Wem der Sinn nicht nach einem Museumsbesuch steht, der kann auf einer ausgedehnten Wanderung die Baumberge mit ihrem dichten Buchenbestand und den zahlreichen Narben, die die Sandsteingewinnung hinterlassen hat, erleben. Unterwegs ist man in einer welligen Landschaft, sodass stetige An- und Abstiege nicht die Ausnahme, sondern die Regel sind.

Auf dem Weg hinauf auf die Baumberge

Auf dem Weg hinauf auf die Baumberge

Treffpunkt Baumberge

Bei den Baumbergen handelt es sich um ein Naturschutzgebiet, in dem der Feuersalamander ebenso zuhause ist wie der Waldkauz. Die ausgewiesenen und markierten Wege sollten nicht verlassen werden. Allerdings wird der aufmerksame Wanderer auf seiner Tour feststellen, dass dieses Gebot anscheinend nicht für Mountainbike-Fahrer gilt. Sie haben die vorhandenen Wälle und Rinnen durch Querfeldeinfahrten noch weiter erodiert als das natürlicherweise geschehen wäre. Sie machen augenscheinlich auch nicht vor dem Bodendenkmal Landwehr halt, das sich talwärts entlang des Wanderwegs X21 in Richtung Schapdetten erstreckt. Es handelt sich dabei um eine Grenzbefestigung aus drei niedrigen Wällen und dazwischen liegenden Gräben.

Kurzer Stopp in Havixbeck

Auf das Haus Havixbeck am Ortsrand kann man nur von außen einen Blick werfen, da es sich in Privateigentum befindet und dauerhaft bewohnt wird. Es war ursprünglich eine Zweiinselanlage, ehe 1850 der Graben zwischen Ober- und Unterhof zugeschüttet wurde. Seit 1601 ist das Haus im Eigentum derer von Twickel, nachdem Ermgard von Bevern bei ihrer Heirat mit Rudolf von Twickel das Anwesen als Mitgift in die Ehe eingebracht hatte.

Mit den Radwegemarkierungen F72 und 73 finden wir unseren Weg von dort in Richtung Süden. Zugleich stoßen wir auch auf das verblasste Hinweisschild der Sandstein-Route. Über die Freiherr-v.-Twickel-Straße gelangen wir zum Bahnübergang und queren diesen. Kurz dahinter bewegen wir uns auf einem asphaltierten Weg, der an Gehöften vorbeiführt, bergan. Dabei passieren wir auch einen Bildstock, der am mit A5 und X13 gekennzeichneten Wanderweg steht. Stetig geht es bis zur Bruder-Klaus-Kapelle bergan. Diese ist jedes Jahr Ziel des örtlichen Osterfriedensmarsches. Zugleich ist die Kapelle auch der Endpunkt eines Kreuzweges. Von der Anhöhe aus, auf der die Kapelle errichtet wurde, kann man bei schönem Wetter und klarem Himmel seinen Blick bis zu den Höhen des Teutoburger Waldes schweifen lassen.

Die Wanderwege in den Baumbergen sind auch für Familien geeignet

Die Wanderwege in den Baumbergen sind auch für Familien geeignet

Die Alpen des Münsterlandes

Weiter geht es hinauf auf die „Alpen des Münsterlandes“, die Baumberge. Erreichen wir den Waldsaum am sogenannten Vaders Platz, wenden wir uns nach links. Unser Weg folgt anschließend teilweise einem Reitweg, der bis zum Parkplatz der Waldgaststätte Leopoldhöhe führt. Dieses Ausflugslokal wurde, so eine Inschrift über dem Eingang, mit „Gottes Hülfe von den Eheleuten Anton Leopold und Theresa Gesmann“ 1880 erbaut. Speckpfannkuchen mit Salat oder Strammer Max sowie Erdbeersahnetorte oder Stachelbeer-Baiser und Kaffee müssen noch warten, denn wir sind ja erst am Beginn unserer Tagestour, die uns noch zur „Zugspitze des Münsterlandes“ führen wird.

An der Landwehr entlang

Vor der Gaststätte geht es links ab auf den Weg X21, diesem folgen wir, bis wir auf die Straße nach Tilbeck und Schapdetten stoßen. Sowohl am ersten Abzweig als auch an der Landesstraße L843 befinden sich Informationstafeln mit einer Kartenübersicht und weiteren Informationen zur Flora und Fauna der Baumberge. Auch wenn zwölf Fledermausarten auf den Baumbergen ihre Winterquartiere beziehen und andere Arten wie der Abendsegler und das Braune Langort in der Dämmerung auf Nahrungssuche unterwegs sind, dürfte man es nur einem glücklichen Umstand verdanken, wenn man diese fliegenden Insektenvertilger zu Gesicht bekäme.

Während wir talwärts laufen, lassen wir die Landwehr, ein Verteidigungssystem von drei Wällen zu unserer Linken. Direkt am Waldesrand steht das sogenannte Tilbecker Mordkreuz, das an einen Mord im 18.Jahrhundert erinnert.

In den Flanken der Baumberge

Wir lenken unsere Schritte dann gen Ortseingang Schapdetten, wo wir uns nach rechts wenden, um bergan laufend zum Naturschutzgebiet Kötterberg mit seinem schützenswerten Buchenwaldkomplex zu gelangen. Wir klimmen noch ein wenig bergan, ehe wir nach links talwärts wandern. Nachfolgend halten wir uns unterhalb der Höhen der Baumberge, darunter des 181 Meter hohen Luisenbergs, auf und wandern dann ins Tal der Stever und in den Ort Stevern, in dem es gleich mehrere Mühlen entlang der Stever  gibt. Eine von diesen ist die am R31 und der alten 100-Schlösser-Route gelegene Wassermühle Schulze Westerath, die erstmals im 16. Jahrhundert als Mühle mit zwei Mahlwerken genutzt wurde. Zuvor war sie seit dem 13.Jahrhundert das Wohnhaus einer Hofstelle. 1974 wurde der Mühlenbetrieb eingestellt. Doch bis heute ist die Mühle betriebsbereit.

Die Wassermühle Schulze-Westerath im Stevertal

Die Wassermühle Schulze-Westerath im Stevertal

 

Im Tal der Stever

Wir durchqueren den Ort Stevern, sehen weiß-braun gefleckte Rinder und Schafe, die genüsslich grasen und kommen an einer weiteren in hellem Sandstein erbauten Mühle vorbei, die am Ortsausgang liegt. Rechts von uns schlängelt sich die Stever durch den Ort. Die charakteristischen Obstwiesen links und rechts sind das Revier des in der Dämmerung aktiven Steinkauzes.

Das Naturschutzgebiet Baumberge

Die Baumberge mit den größten zusammenhängenden Buchenwaldbeständen des Münsterlandes stehen seit 2007 unter Naturschutz. Das Naturschutzgebiet erstreckt sich von den sogenannten Domkuhlen, wo Stein für den Kirchenbau gebrochen wurde, bis zu den Hexenquellen nahe des Stifts Tilbeck. Steinfurter und Münstersche Aa werden aus zahlreichen Quellbächen gespeist, die ihren Ursprung in den Baumbergen haben. Ursprünglich gab es in den Baumbergen 30 Steinbrüche, von denen bis heute zwei noch immer in Betrieb sind. Der hier gebrochene Sandstein diente auch für den Bau von Schloss Darfeld und Schloss Nordkirchen sowie der Fassaden der Kaufmannshäuser am Prinzipalmarkt in Münster.

Das Tal der Stever haben wir anschließend zu unserer Linken, wenn wir die leicht ansteigende Straße Uphoven nutzen, ehe wir in der Nähe der Steverquellen scharf nach rechts in den Wald hineinlaufen. Dabei beachten wir den Hinweis auf den Radweg R72 und die Wanderwege A4 und 1. In einer weiten Linksschleife durchwandern wir die Steverberge, ein Teilgebiet der Baumberge, um dann schon von Weitem den Longinusturm zu sehen, der im Wesentlichen aus lokal gebrochenem Sandstein errichtet wurde.

Rast auf der Zugspitze des Münsterlandes

Es ist Zeit für eine Pause, denken nicht nur wir, sondern auch zahlreiche Motorradfahrer und Radler, die im höchst gelegenen Café des Münsterlandes, dem Café Longinus, einkehren, um vielleicht nur einen Kaffee zu trinken oder aber ein Bergsteiger-Frühstück zu bestellen. Wer als Raucher schon immer einmal am schwersten und höchst gelegenen Standaschenbecher der Welt seine Zille rauchen wollte, der muss sich auf die „Zugspitze des Münsterlandes“, den 187 Meter hohen Westerberg, begeben. Doch auch ein Stück Funkgeschichte ist mit dem Ort Havixbeck und dem 32 Meter hohen Longinusturm verbunden. 129 Stufen muss man erklimmen, will man von der Aussichtsplattform aus die Aussicht genießen. Wer keine Lust auf eine derartige Kletterpartie hat, der begibt sich ins Innere des am 5.August 1900 eingeweihten Turms und lässt sich im Café verwöhnen oder schaut sich die kleine Schau zur Geschichte des Turms an.

Ein Havixbecker und seine Leidenschaft

1952 demonstriert Reinhold Holtstiege erstmals in der Bundesrepublik öffentlichen Fernsehempfang im Longinusturm – und das ein Jahr vor dem offiziellen Startschuss für Fernsehübertragungen in der noch jungen Republik. Da die Deutsche Bundespost den Turm nun ihrerseits nutzen wollte, musste Holtstiege seine Antennen abbauen. Anschließend verpasste man dem Turm Parabolantennen für die Richtfunkübertragung. Doch diese Technik ist längst überholt und durch Mobilfunkantennen ersetzt worden. In einer kleinen Ausstellung im Turm widmet man sich nicht nur der frühen Fernsehübertragung sondern auch der Schar passionierter Funkamateure wie Werner Pilz. Dass nur mittels eines mit einer 12-Volt-Autobatterie betriebenen Notstromaggregats Holtstiege überhaupt den Fernsehempfang ermöglichte, gehört auch zur Geschichte des Turms. Und noch eine skurrile Geschichte: 1982 konnte Holtstiege in Havixbeck die allerersten Bilder aus dem Weltall vom Forschungssatelliten OTS II empfangen.

Nicht zu überhören sind die beiden Windkraftanlagen, die hier auf der Höhe stehen und sich unablässig im Wind drehen. Nebenan widmet man sich dem Projekt Feldlerchenschutz, wie man einem Hinweisschild entnehmen kann. In Ackerflächen lassen Landwirte bewusst Fehlstellen im ausgesäten Getreide stehen, die die Feldlerche als „Nische“ braucht. Als Lerchenfenster werden diese Lücken im Acker bezeichnet.

Windenergie von den Baumbergen

Seit einigen Jahren schon sorgen Windkraftanlagen auf den Baumbergen für sauberen Strom. Im März 1994 wurde die erste ENERCON-40-Anlage mit ihrem 48 Meter hohen Turm unweit des Longinusturms installiert. Eine weitere Anlage folgte einen Monat später. Seither wird ohne staatliche Subvention umweltfreundliche Energie gewonnen. Laut Aussage der Betreiber wird dadurch die Umwelt von 1,8 Mio. Kilogramm Kohlendioxid, 48000 Kilo Flugasche und 11400 Kilo Schwefeldioxid entlastet.


Nach der ausgiebigen Pause geht es stetig talwärts weiter und anschließend setzen wir unsere Tour auf der wenig befahrenen Straße Richtung Lasbek fort. Auf der Höhe des Hotels Marienhof-Baumberge – wir sind bis hierher der Ausschilderung F72 und weißer Raute gefolgt – können wir einen Fuß-Radweg bis zum Waldrand linker Hand nutzen. Wir betreten den weitgehend von Buchen dominierten Wald und folgen den Hinweisen BUS und A3.

Sobald wir links unterhalb des Weges in einem Einschnitt Haus Leopoldshöhe ausmachen, wenden wir uns nach links. Anschließend kehren wir zum Bahnhof Havixbeck zurück.

Touristische Informationen

Verkehrsverein Havixbeck und Umgebung
www.touristik.havixbeck.de
http://www.havixbeck.de/content/index.asp?p=pages&pid=46

Anfahrt
www.bus-und-bahn-im-muensterland.de
www.bahn.de/nrw

Parken bei Anreise mit dem PKW auf dem Parkplatz am Bahnhof oder am Freibad

Museum
Baumberger Sandsteinmuseum
www.sandsteinmuseum.de

Essen und Trinken
Café Longinus
www.longinusturm.de
Höchster WLAN Hotspot des Münsterlandes; Kaffee und Kuchen u. a. Birne-Quark- oder Rhabarber-Quark-Kuchen, wechselnder Kuchen des Monats u.a. Rote-Zwiebel-Marzipankuchen mit Rotweinpflaumenmus

Waldgaststätte Leopoldshöhe
http://leopoldshoehe-nottuln.npage.de/index.html
u. a. Strammer Max, Bauernomelette, Speckpfannkuchen, Bandnudeln mit Lachsstreifen in Sahnesauce

 

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