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Reiseführer Münsterland

Zu Besuch in Ahaus

 

Die einen reisen zum Musiksommer nach Ahaus, die anderen zum Kneipenfestival Livehaftig. Wer sich auf die Spuren des bekannten Barockbaumeisters Johann Conrad Schlaun begibt, kommt gleichfalls nicht umhin, Ahaus zu besuchen. Das hiesige Schloss, im Zweiten Weltkrieg schwer zerstört, wäre ohne die Mitarbeit von Schlaun wohl nie in seinem barocken Gewand vollendet worden. Die Umgebung des Städtchens Ahaus eignet sich besonders für ausgedehnte Radtouren, und zwar nicht nur auf der 100-Schlösser-Route.

 

Münsterland: An diesem Schloss hat der berühmte Barockbaumeister Johann Conrad Schlaun auch Hand angelegt (Ahaus)

An diesem Schloss hat der berühmte Barockbaumeister
Johann Conrad Schlaun auch Hand angelegt

Im Mittelpunkt des Besucherinteresses dürfte das Barockschloss stehen, an dessen Stelle einst eine mittelalterliche Burg stand. Diese Burg wurde auf Geheiß des Fürstbischofs Friedrich Christian von Plettenberg 1688 abgerissen. Statt der mittelalterlichen Festung wurde ein barockes Wasserschloss nach Plänen des Ambrosius von Oelde erbaut, das 1718 fertig gestellt wurde. Insbesondere die Umgestaltung der Gartenseite des Schlosses ist ein Verdienst von Johann Conrad Schlaun, dem der sogenannte Mittelrisalit und die Gartentreppe zu verdanken sind.

Außen barock, innen funktional

Ahaus war preußisch und stand zeitweilig auch unter französischer Herrschaft, ehe der Wiener Kongress die Landkarte Europas neu gliederte. 1819 wurde im Schloss eine Tabakfabrik eingerichtet, nachdem ein Kaufmann aus Amsterdam die Anlage erworben hatte. Spuren dieser industriellen Nutzung sind jedoch ebenso verschwunden wie die barocke Innenraumgestaltung. Letzteres ist dem Wiederaufbau von 1949 geschuldet, als die Stadt Ahaus entschied, die barocke Fassade wieder herzustellen, aber auf eine durchgehende barocke Gestaltung zu verzichten. Dies hängt auch mit der nachfolgenden öffentlichen Nutzung zusammen, die ein funktionales Raumkonzept erforderte. Lediglich der Gartensaal mit den dort platzierten Skulpturen und der Fürstensaal mit den aus dem Schloss Münster stammenden Türen als dekorative Gestaltungselemente lassen das barocke Ambiente des Schlosses Ahaus erahnen. Wer zur richtigen Zeit am Schloss weilt, kann dem Glockenspiel lauschen, das in der Vorburg seinen Platz hat.

Münsterland: Museal genutzt werden die Torhäuser des Schlosses Ahaus

Museal genutzt werden die Torhäuser des Schlosses Ahaus

Nicht nur Ahauser Fayence

Wer sich für die Stadtgeschichte interessiert, der besucht das Torhausmuseum, in dem sowohl Siegburger Steinzeug aus dem 13. bis 16.Jahrhundert zu sehen ist wie auch Fragmente Kölner Bartmannkrüge. Spielzeug aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit, unter anderem eine aus Knochen gefertigte Schachfigur, geben Auskunft über die Geschichte der Kindheit in Ahaus. An die 1653 gegründete erste deutsche Fayence-Manufaktur erinnert man unter anderem mit Blumentöpfen, die das Wappen und die Initialen des Fürstbischofs Franz Arnold von Wolff-Metternich zieren. Wie das Torhausmuseum so steht auch das Schulmuseum im Schatten des Schlosses. Es zeigt den Alltag von Schülern im 19. und 20. Jahrhundert. Dazu gehörte auch das Schreiben mit Griffeln auf Schiefertafeln.

Alt und modern

Umstritten war unter den Einwohnern der Stadt die moderne Gestaltung der Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt. Zwischen 1498 und 1519 wurde eine dreischiffige Kirche erbaut, die einen durch Brand zerstörten Vorgängerbau ersetzte. Ein erneuter Stadtbrand im Jahr 1863 vernichtete bis auf den Turm und die Sakristei die gotische Kirche, sodass der Neubau einer dreischiffigen neogotischen Kirche erforderlich wurde. Statische Probleme erzwangen 100 Jahre nach dem Neubau der Kirche die Entscheidung für einen erneuten Kirchenneubau. Der aus Köln stammende Architekt Erwin Schiffer wurde gewonnen, um nach den erfolgten Abbrucharbeiten einen modernen Sakralbau zu konzipieren. Das neue Gotteshaus gleicht in der Raumgestaltung einer römischen Basilika und ist nichts weiter als ein hallenförmiger Versammlungsraum. Die Betonfassade dieser Halle ist von „schlitzartigen“ Fenstern gegliedert. Die farbige Fenstergestaltung ist Georg Meistermann zu verdanken. Dank dieser farbigen Fensteröffnungen dringt ein „rhythmisiertes Licht“ in das Kircheninnere. Meistermann gestaltete auch die 14 Kreuzwegstationen an der Südwand der Kirche.

Ein paar Schritte durch ein Hochmoor

Die Umgebung von Ahaus lädt zu Radtouren wie auch Wanderungen ein, ob nun von Alstätte zur Haarmühle oder durch das Witte Venn. Der Landgasthof Haarmühle und die dortige, im 12.Jahrhundert urkundlich erwähnte, bis heute funktionsfähige Wassermühle sind ein guter Ausgangspunkt für eine Radtour oder Wanderung, die ins Witte Venn, eine Hochmoorlandschaft führt. Das heutige Mühlengebäude, das der Stromerzeugung dient und öffentlich zugänglich ist, stammt aus dem Jahr 1619. Das Wappen über dem Eingang ist das des Fürstbischofs Clemens August von Wittelsbach, der die Renovierung der Mühle im Jahr 1721 veranlasste.

Münsterland: Noch immer betriebsbereit: die Haarmühle bie Ahaus

Noch immer betriebsbereit: die Haarmühle bei Ahaus

Durch die einst unwegsame Venn-Landschaft ziehen sich heute Wander- und Radwanderwege. Ob man unterwegs einen Laubfrosch, die Nordische Moorjungfer oder den seltenen Lungen-Enzian zu Gesicht bekommt, dürfte eher eine Frage des Zufalls sein. Baumfalken sind hier ebenso heimisch wie Kammmolche und Moorfrösche, aber auch die sind eher menschenscheue Geschöpfe. Trockene und nasse Heideflächen sowie Tümpel und Reste von Hochmooren bestimmen weitgehend die Landschaft, deren ursprünglicher Charakter durch Entwässerung und Urbarmachung jedoch zerstört wurde. Dass man hier und da auf Rhododendren stößt, hängt damit zusammen, dass der Textilfabrikant Van Heek Ende des 19. Jahrhunderts in den Besitz der Flächen kam und sie teilweise gartenarchitektonisch gestalten ließ. Heute eine eher bizarr anmutende historische Fußnote ist die am Hessenweg gelegene, im Mittelalter entstandene Hinrichtungsstätte. Sie diente dazu, Delinquenten durch den Strang zu richten.

Münsterland: Einst ein geschlossenes Hochmoor: das Witte Venn im niederländisch-deutschen Grenzgebiet

Einst ein geschlossenes Hochmoor:
das Witte Venn im niederländisch-deutschen Grenzgebiet

Das auf niederländischem Staatsgebiet befindliche Naturschutzgebiet steht in der Obhut von Vereiniging Natuurmonumenten. Diese Organisation kümmert sich um die Landschaftspflege, zu der auch die Vernässung von Flächen gehört. In der Landschaftspflege kommen außerdem Schottische Hochlandrinder zum Einsatz.

Münsterland: Renaturierungsfläche im Witte Venn

Renaturierungsfläche im Witte Venn

Wer sich nach einer Tour stärken möchte, der kehrt im Landgasthof Haarmühle ein, ob nun für einen Räucherlachs-Teller, für ein Jägerschnitzel oder für Bockwurst mit Pommes. Oder wie wäre es mit Haarmühlenpfanne oder einem Strammen Max? Oder soll es doch etwas Regionales sein? Da bietet sich die deftige Haarmühlenplatte mit grober Leberwurst, luftgetrockneter westfälischer Mettwurst und westfälischem Knochenschinken an. Bei schönem Wetter kann man sich im Biergarten niederlassen. Unbedingt sollte man einen Blick in die historische Gaststube werfen, deren Räumlichkeiten über und über mit holländischen Kacheln bedeckt sind. Diese Kacheln sind mit floralen und ländlichen sowie biblischen Motiven verziert.

Münsterland: Mit diesen schmucken Kacheln ist die alte Gaststube des Landgasthofs Haarmühle verkleidet

Mit diesen schmucken Kacheln ist die alte Gaststube
des Landgasthofs Haarmühle verkleidet

Weitere Informationen

Ahaus Marketing & Tourismus GmbH
www.ahaus.de

Essen und Trinken
Landgasthof Haarmühle
www.haarmuehle.de
(auch Radverleih)

Wandern

14 Touren werden in der Broschüre Wanderwege in und um Ahaus vorgestellt. Die Broschüre kann über Ahaus Marketing & Tourismus GmbH bezogen werden. Streckenwanderungen nach Leegde, nach Asbeck und dem dortigen Stiftsmuseum, nach Horstmar und den Burgmannshöfen oder nach Vreden bieten ebenfalls die Gelegenheit zu einem Aktivurlaub. Mit dem StadtLandFlussBus kommt man bequem in die jeweiligen Orte bzw. nach Ahaus zurück. Ein Faltblatt gibt Auskunft über die jeweiligen Wanderungen und die vorhandene Busverbindung. Mehr: www.westfalen-initiative.de, www.rvm-online.de. Im Witte Venn unweit der Haarmühle existiert ein Wandernetzwerk mit drei markierten Wegen (roter, blauer, gelber Pfeil) und einem Knotensystem wie dem Knoten Z80, die dem Wanderer als Orientierungen dienen. Die Haarmühle ist einer der 13 TOP (sprich Touristische Orientierungspunkte) an der niederländischen Grenze. Von den jeweiligen TOP gehen Rad- und Wanderroute ab, die sich in jeweiligen Top-Karten finden lassen. Mehr Infos: www.grenzerlebnisse.de.

Münsterland: Grenzenlos radeln im Witte Venn

Grenzenlos radeln im Witte Venn

Radtouren

Ahaus liegt an der siebentägigen Radwanderung im deutsch-niederländischen Grenzgebiet und kann als Arrangement über Ahaus Marketing & Tourismus GmbH gebucht werden. Die jeweiligen Tagestouren liegen zwischen 40 und 50 km. Während der mehrtägigen Tour besucht man u.a. die Wasserburg in Borken-Gemen, die Mühle Menke in Südlohn, Schloss Rhede in Winterswijk, die Flamingos in Vreden-Zwillbrock und das Wasserschloss Diepenbrock. Folgende Radrouten existieren rund um Ahaus: die TOP-Route (48 km, von Alstätte nach Haaksbergen und retour), die WM-Route (300 km, Radroute durch den Kreis Borken und die niederländische Region Achterhoek), die Flamingoroute (100 km, u.a. zum Naturschutzgebiet Zwillbrocker Venn und der dortigen nördlichsten Flamingokolonie Europas). Für Radtouren hilfreich: www.radroutenplaner.nrw.de und www.muensterland-tourismus.de.

 

 

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