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Reiseführer Münsterland

Burgmannshöfe und Münsterländer Leckereien  Unterwegs nach Horstmar und Laer

 

Ausgangs- und Endpunkt dieser ganztägigen Radtour, die einen Vorgeschmack auf die Baumberge, die „Alpen des Münsterlandes“ gibt, ist Steinfurt und der nahe des Bahnhofs Burgsteinfurt gelegene Kreislehrgarten.

 

Vom Bahnhof Burgsteinfurt aus steuern wir als Erstes den Kreislehrgarten an, der beinahe zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert ist, ob man nun Heckenschnitt mag oder eher einen Naturgarten schätzt. Elstar und Braeburn gedeihen hier ebenso wie  Urweltmammutbaum, Sternmagnolie und Heidetamariske. Die Säulenförmige Traubeneiche findet man ebenso wie Palmlilie und Waldreben. Zur Stacheldrahtrose gesellt sich die Hortensie, zu Steinginster das Chinaschilf. Im Hügelgarten kann man zwölf Fuchsiensorten bestaunen, zudem Mahonie und Stechpalme. Das ist nur eine kleine Auswahl dessen, was der Kreislehrgarten, der kostenlos besucht werden kann, dem Besucher zu bieten hat.

Wer keinen Sinn für Gärten hat, der setzt seine Tour ohne einen Besuch des Kreislehrgartens fort und folgt dabei dem roten Radpiktogramm. Dieser Wegweiser führt uns gen Leer, einem zu Horstmar gehörendem Dorf.

Mühlen am Weg

Gleich am Dorfeingang entdecken wir im Nahen Weg den Wegweiser „Mühlen“. Neugierig folgen wir diesem, dabei die Angabe „Horstmar 4,8 km“ im Kopf, die wir zuvor auf einem Wegweiser gesehen hatten. Nach einigen hundert Metern erblicken wir linker Hand Schmeddings Doppel-Mühle oder das, was heute noch vorhanden ist. Aus der Ferne ist nur ein Mühlenstumpf auszumachen. Bei der Mühle handelt es sich ursprünglich um eine kombinierte Wind- und Wassermühle am Leerbach. Hier wurde Öl wie auch Mehl erzeugt. Heute sind lediglich der Unterbau der ehemaligen Ölmühle des 18.Jahrhunderts und der Mühlenstumpf der Windmühle aus Bruchstein erhalten. Diese wie auch die nachfolgende, aus Bruchstein errichtete Wennings-Wassermühle – beide sind durch Ausschilderung kenntlich gemacht – sind leider nur von außen zu besichtigen.

Die Doppelmühle von Leer, eine von drei Mühlen des Ortes

Die Doppelmühle von Leer, eine von drei Mühlen des Ortes

Wir schwingen uns wieder in den Sattel und erleben dann, dass das Münsterland nicht nur viel Landschaft bedeutet, sondern auch Steigungen. Stetig geht es eine Anhöhe hinauf. Weithin hörbar sind die sich drehenden Rotoren von Windkraftanlagen, die es hier wie auch anderswo in den Baumbergen gibt. An Ackerflächen und Rapsfeldern entlang geht die Fahrt im welligen Gelände weiter nach Horstmar. Wir fahren durch das Torhaus des Sendenhofs in die Stadt ein. Das sogenannte Schlosstor ist das einzige noch heute erhaltene Stadttor seiner Art im Münsterland.

 

Blühender Raps gehört im Frühjahr zum Landschaftsbild des Westmünsterlandes

Blühender Raps gehört im Frühjahr zum Landschaftsbild des Westmünsterlandes

Stippvisite in Horstmar

Der Sendenhof ist einer der sogenannten Burgmannshöfe Horstmars. Diese wurden im 11. Jahrhundert zum Schutz und zur Versorgung der ursprünglichen Burganlage angelegt und gehören heute zum sehenswerten Stadtbild Horstmars. Sie befinden sich in der Nähe der Stadttore und waren im Auftrag der Edelherren von Horstmar von Burgmännern bewohnt.

Sendenhof in Horstmar

Sendenhof mit Schlosstor

Diese Burgmänner entwickelten sich, obgleich nur Vasallen, mehr und mehr zu den eigentlichen Herren der Stadt und verweigerten bisweilen selbst dem jeweiligen Bischof oder Landesherren den Zutritt zur Stadt.

Biegen wir in die Gossenstraße ein, so stehen wir einem Gedenkstein gegenüber, der an die vom 9. auf den 10.November 1938 zerstörte Synagoge erinnert. Schräg gegenüber sind elf sogenannten Stolpersteine im Pflaster eingelassen: Wir lesen unter anderem: Hier wohnte Doris Steinweg, ermordet 1.11.1943 Auschwitz und Grete Steinweg tot 22.10.1944 Bombenangriff KZ Mühlengraben. Doch einige aus der Familie Steinweg, so Walter und Ruth Steinweg überlebten die Deportation ins Getto Riga und ins KZ Stutthof.

Der Mervelder Hof, einer der Burgmannshöfe von Horstmar

Der Mervelder Hof, einer der Burgmannshöfe von Horstmar

 

Weiterradelnd erreichen wir einen weiteren Burgmannshof in „Specklagenarchitektur“. Es handelt sich um den Mervelder Hof, der im 16.Jahrhundert erbaut wurde und mit der rückwärtigen Front auf dem Festungswall steht. Wenden wir uns zur Stadtmitte, so gelangen wir zur Pfarrkirche St. Gertrudis,  eine gotische Hallenkirche mit spitzem Turmhelm.

Das alte Rathaus von Horstmar

Das alte Rathaus von Horstmar

Vor der Apsis der Kirche steht wie ein Querriegel das Alte Rathaus der Stadt. Die Schauseite ist von der Kirche abgewandt. Das Erdgeschoss des Baudenkmals besteht aus Bruchsteinmauern des Vorgängerbaus, auf den ein Ziegelmauerobergeschoss aufgesetzt wurde, als man 1571 das Alte Rathaus mit heutigem Erscheinungsbild erbaute. Heute dient das Alte Rathaus als Sitzungssaal und Trauzimmer. Werfen wir noch schnell einen Blick in die Münsterstraße, wo sich der Münsterhof befindet. An das hier einst befindliche Tor erinnern nur noch zwei Torpfeiler. Der Hof und das Tor erhielten ihren Namen nach den bereits im 14.Jahrhundert nachgewiesenen Herren von Münster. Auch dieser Hof ruht an der Stadtmauer und ist ein Zweiflügelbau in Winkelform. Über die Schöppingerstraße und am Valkenhof vorbeiradelnd verlassen wir Horstmar.

Auf der 100-Schlösserroute zum Schloss Darfeld

Sobald wir aus Horstmar herausgefahren sind, folgen wir der 100-Schlösserroute, die uns nach Eggerode und nach Darfeld sowie zum dortigen Schloss führt. Vereinzelte Streuobstwiesen sind links und rechts unseres Weges auszumachen. Einige Sauen haben es sich im Schatten der Obstbäume bequem gemacht und verschlafen einen Teil des Tages. Längs des Weges finden sich nicht nur ab und an Ruhebänke, sondern auch Tafeln mit „plattdütsken Dichterei“. Zu verdanken ist dies den Heimatvereinen aus Eggerode und Schöppingen. Von Theodor Crins lesen wir die folgenden Zeilen: „Wat sall nu all dat Dichten? 't is je nan Dreimerie! - Gedichte sind äss Blömkes un Guoddes Gäönerie.“ Nicht verstanden? Na gut, dann die Übersetzung: „Was soll nun all das Dichten? 's doch nur Träumerei! - Gedichte sind wie Blümchen und Gottes Gönnerei“ - oder?

Pudelwohl fühlt sich diese Sau auf einem Hof am Radweg von Horstmar nach Darfeld

Pudelwohl fühlt sich diese Sau auf einem Hof am Radweg von Horstmar nach Darfeld

 

Nicht nur auf der Schlösserroute, sondern auch auf der Vechtetalroute radeln wir, nähern wir uns Eggerode und von dort nach Darfeld. Teilweise durch Feldflur und am Waldrand führt unsere Tour, bis wir in Darfeld ankommen. Wie  anderswo gibt es auch hier einen Reit- und Fahrverein, der auf seinem Gelände Springturniere abhält. Es sollte aber wohl ein glücklicher Zufall sein, wenn man gerade während eines solchen Turniers in Darfeld ist. Nur noch einen  Katzensprung ist es bis zum Park und Schloss Darfeld. 15 Kilometer liegen seit dem Verlassen von Horstmar hinter uns.

Schloss Darfeld

Wir stehen vor einem ausladenden Wasserschloss, das nur von außen zu besichtigen ist. Wie andere münsterländische Schlösser auch wurde Schloss Darfeld aus Sandstein und Backstein erbaut. Weiß gestrichen sind die kreuzförmigen Fenster mit ihrer kleinteiligen Fächerung. Rhododendron stehen teilweise rund um einen künstlich angelegten Teich, der von dem ihn durchlaufenden Mühlenbach gespeist wird.

Schloss Darfeld ist in seiner jetzigen Architektur aus dem Beginn des 20. Jhs.

Schloss Darfeld ist in seiner jetzigen Architektur aus dem Beginn des 20.Jh.

 

Im Gegensatz zu Burg Vischering in Lüdinghausen handelt es sich bei Schloss Darfeld nicht um eine Wehranlage, sondern um einen repräsentativen Adelssitz. Dieser geht auf die Herren von Darfeld zurück. Im Zuge einer Erbschaft fiel dieser Besitz in der zweiten Dekade des 17. Jahrhunderts an das Geschlecht derer von Vörden. Unter diesen gestaltete der Architekt und Baumeister Gerhard Gröninger die Anlage im Stil der venezianischen Renaissance um. Es entstand ein beschwingt wirkender Achteckbau.  Die Droste zu Vischering folgten deren von Vörden und sind bis heute Eigentümer einer Schlossanlage, die 1899 durch ein Großfeuer fast gänzlich zerstört wurde. Schuld an dem Brand war, es mag bizarr anmuten, ein nachglühendes Bügeleisen. Was wir heute sehen, ist allein dem Wiederaufbau im frühen 20. Jahrhundert zu verdanken.

Auf geht es nach Laer

Machen wir uns nun auf den nächsten  Etappenabschnitt: Laer heißt unser Ziel. Die Vechtetalroute und der Europaradweg R1 sind ebenso ausgewiesen wie die Wabe 62/199, deren Wegeverlauf wir folgen. Dabei geht es bergan nach Oberdarfeld, ehe wir von der Anhöhe hinab nach Höpingen rollen. Anschließend radeln wir auf der Landesstraße L555  in Richtung Laer. Auch dabei müssen wir anfänglich kräftig in die Pedale treten, ehe wir auf abschüssiger Straße ins Zentrum von Laer fahren. Eine Pause haben wir uns nun redlich verdient. Warum nicht beim Wein- und Wurst-Feinkost La(er) regional, wo es regionale Spezialitäten wie Töttchen und Münsterländer Hochzeitsuppe gibt.

Wirsingeintopf oder Hochzeitssuppe - münsterländische Leckereien aus Laer
Wirsingeintopf oder Hochzeitssuppe – münsterländische Leckereien aus Laer

Zur eher deftigen Küche gehören außerdem Grünkohl mit Mettenden oder Zwiebelfleisch mit Kartoffeln. Auch wer  Milchkaffee und Erdbeerkuchen bevorzugt, ist hier bestens aufgehoben.

Dem Holzschuhmacher zugeschaut

Wer etwas Zeit mitgebracht hat, der kann im Holskenmuseum dem Holzschuhmacher über die Schulter schauen. Untergebracht ist das Museum in der ehemaligen Holzschuhmacherei Bäumer, die 1935 errichtet wurde. Nicht zu übersehen ist der mächtige, aus Sandstein errichtete Kirchturm von St. Bartholomäus, deren Baugeschichte sich seit dem 13. Jahrhundert in der Kirchenarchitektur verfolgen lässt. Nur nach vorheriger Buchung über Dorfmarketing Laer e.V. kann man die Kafferösterei im Heimatcafé besuchen. Hier wird noch selbst geröstet, so wie es im Münsterland über Jahrhunderte Tradition war, und auch nur selbst gerösteter Kaffee ausgeschenkt

Für die Fortsetzung unserer Tour biegen wir in die Königstraße ein und folgen dem Hinweis „Burgsteinfurt 14 km“. Im Verlauf der Fahrt aus Laer heraus kommen wir an der Wellingschen Windmühle vorbei, die einst Teil eines Schulzenhofs war. Es handelt sich bei dieser Mühle um einen sogenannten Turmholländer aus dem 19.Jahrhundert, der heute zu Wohnzwecken genutzt wird.

Anschließend sind wir in den Niederungen der Steinfurter Aa unterwegs. Kurz vor Borghorst fahren wir über eine Brücke, die die Bundesstraße B54 quert. Nachfolgend erreichen wir den Bahnhof Grottenkamp. Wer noch durch den Bagnopark radeln möchte, setzt die Fahrt hinter der Bahnhofsunterführung am Westrand des Parkgebietes fort und gelangt so zum Golfplatz und zum Schloss Steinfurt. Abschließend geht es durch das historische Zentrum von Steinfurt zum Bahnhof Burgsteinfurt.

 

 

Touristische Information

Steinfurt Touristik
www.steinfurt-touristik.de

Stadt Horstmar
http://www.horstmar.de/

Gemeinde Rosendahl-Darfeld
http://www.rosendahl.de/

Gemeinde Laer
http://www.laer.de/

Münsterland
www.radregion-muensterland.de
www.muensterland-tourismus.de

Radservice
Zweirad-Service-Station
Leerer Straße 22
48565 Steinfurt
Tel. 0255/9969062

W.Blömer
48612 Horstmar
Überwasserstr. 9
Tel. 02558/236
http://www.fahrrad-bloemer.de/

Radverleih
Steinfurt Touristik
www.steinfurt-touristik.de

Sonstiges
Münsterländische Spezialitäten zum Mitnehmen
La(er) regional Wein Wurst Feinkost
Darfelder Straße 1
48366 Laer
Tel. 02554/919281

u. a. Münsterländer Hochzeitsuppe im Glas, Erbsensuppe mit Mettenden im Glas, Töttchen in der Dose, aber auch Kleinigkeiten zum Essen sowie Kaffee und Kuchen.

 

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