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Touren auf Kreta (1):
Von Chersónissos zur Lassíthi - Hochebene

Einige Serpentinen muß man auf dem Weg zur Lassíthi-Hochebene schon überwinden, doch die Anreise lohnt: Die flache, fruchtbare Ebene vor hochaufragenden Berggipfeln vermag vor allem in den Sommermonaten zu faszinieren, wenn unzählige weiß bespannte Windmühlenflügel die Felder bedecken.

Falls Sie nicht die gut ausgebaute und auch kürzere Strecke über Mohós wählen - die Straße dorthin zweigt bei Stalída von der Küstenstraße ab - geht es zunächst bei Chersónissos nach Süden Richtung Kastélli. Nach wenigen Kilometern fahren Sie links nach Potamiés. Vor dem Ort liegen links oben in den Bergen, von unten aus zu sehen, die Überreste des verlassenen Klosters Gouverniotissa, ein idyllisches Fleckchen mit einem Zitronenbaum mitten im Klosterhof. Bänke und Tische vor dem Kloster laden zu einer Rast mit Blick über Tal und Potamies ein. Die kleine Kirche ist verschlossen, sie enthält wertvolle Malereien aus der 1. Hälfte des 14. Jh., besonders reichhaltig ausgemalt ist das Katholikon. Wer die Kirche besichtigen will, muß sich die Mühe machen, im Klosterbereich oder in Potamiés nach dem Schlüsselwächter fragen. Seit einigen Jahren finden im Kloster Renovierungsarbeiten statt.

Auch im folgenden Dorf Avdou sind noch sechs kleine byzantinische Kirchlein mit zum Teil interessanten Wandmalereien erhalten geblieben (Schlüssel am Dorfplatz). Zwei Höhlen oberhalb des Dorfes (Ag. Fotini und Faneromeni) weisen mit ihren Siedlungsspuren bis ins Neolithikum zurück. Die Gegend eigent sich übrigens auch gut für Mountainbiking.

Hinter Goníes beginnt dann die Bergtour. Ein kurzer Abstecher ins Dorf Krási führt Sie zur größten Platane Kretas. Gleich daneben steht ein sehenswertes großes venezianisches Quellhaus, das erfrischendes Naß aus den Bergen spendet. Das Café unter der Platane ist ein geeigneter Platz für eine besinnliche Rast.

Das venezianische Quellhaus von Krasi (Kreta)

Das venezianische Quellhaus von Krási

Landschaftlich schön, in 560 Meter Höhe gelegen, ist das Kloster Kardiótissa (Moni Kerá) zwischen Platanen und Walnußbäumen (geöffnet von 8 bis 12 Uhr und 15 Uhr bis Sonnenuntergang). Von der Terrasse bietet sich ein weiter Blick über die Bergwelt. Das Kloster ist der Geburts Marias gewidmet und feiert sein Kirchenfest am 8. September. Die sehenswerte Klosterkirche wurde mehrmals erweitert und besteht aus vier ineinander übergehenden Räumen. Im Chorraum, dem ältesten Teil, sind noch Fresken aus dem 14. Jh. erhalten geblieben. An einem Pfeiler sieht man dort das Bild der Stifterin der Malereien; mit ihrer an der venezianischen Mode ausgerichteten Kleidung unterscheidet sie sich deutlich von den anderen dargestellten Personen (ähnlich in der panagía Kera in Kritsa ).

Kardiótissas wundertätige Ikone

Wie in vielen Kirchen wird auch im Kloster Kardiótissa (Moni Kerá) eine wundertätige Ikone verehrt. Es heißt, die Ikone der angeketteten Muttergottes sei zweimal nach Konstantinopel verfrachtet worden, aber auf wundersame Weise zurückgekehrt. Als sie ein drittes mal dorthin verschleppt worden war, kettete man sie an eine Säule. Doch wie der Glaube nicht nur Berge versetzt: jetzt kehrte die Ikone samt Säule und Kette ins Kloster zurück. Die Säule steht heute im Klosterhof, die Kette ist an der Ikonostase zu finden. Gläubige hängen sie sich bisweilen um, um von Krankheiten befreit zu werden.

Im 19.Jahrhundert tat sich das Kloster Kardiótissa als ein Zentrum des Widerstandes gegen die Türken hervor und wurde mehrmals niedergebrannt . 1982 wurde die Ikone erneut gestohlen, doch auch diesmal kehrte sie zurück, denn die Diebe wurden gefangen genommen. In feierlicher Prozession wurde die Ikone ins Kloster zurückgebracht.

Die Straße windet sich nun bis auf 900 m Höhe hinauf. Vom Ambelou-Paß mit seinen zahlreichen Windmühlenresten aus kann man seinen Blick zwischen der kretischen Nordküste, der ca. 25 km² umfassenden Lassíthi-Hochebene und dem mächtigen Díkti-Gebirge im Süden, dessen höchster Gipfel 2148 Meter erreicht, schweifen lassen.

An der Kreuzung in Pinakianó beginnt die Rundstraße um die Lassíthi-Hochebene. Wir biegen nach rechts ab. Vorbei am Kloster Vidiáni, das mit EU-Unterstützung restauriert wurde, kommen wir an mehreren Tavernen vorbei nach Pláti.

Der Díkti: Nur für erfahrene Bergwanderer!

Es folgt Psychró, wo sich außerhalb des Dorfes die vielbesuchte Diktäische Höhle (Diktéo Andro) befindet, der Sage nach Geburtsort von Zeus. In Avrakóndes beginnt ein Teilstück des Europawanderweges E 4 auf den Gipfel des 2148 m hohen Díkti, eine Tour nur für erfahrene Bergwanderer mit entsprechender Ausrüstung!

In Agios Geórgios empfiehlt sich ein Besuch des kleinen Heimatmuseums (Laografiko Musio), das in einem um 1800 errichteten Bauernhaus untergebracht ist (geöffnet im Sommer täglich von 10-16 Uhr). Ausstellungsstücke wie ein Webstuhl, eine Weinpresse und verschiedene Werkzeuge zur Käseherstellung, Korbflechterei etc. vermitteln einen Einblick in bäuerliches Leben aus einer nicht allzu weit zurückliegenden Vergangenheit.

Beim Abzweig nach Neápoli und Agios Nikólaos - eine interessante, kurvenreiche Bergstrecke, die sich als Variante für die Rückkehr anbietet (s.u.) - kommen wir am Kloster Kroustallénia vorbei, einem der zahlreichen orthodoxen Klöster, das sich unter türkischer Herrschaft als ein Zentrum des Widerstandes bewährte, indem es z.B. den Kindern der Umgebung Schulbildung gewährte.

Textilarbeiten aus Tzermiádo

Im über 800 m hoch gelegenen Tzermiádo, größter Ort der Hochebene, können Sie die angebotenen Textilarbeiten begutachten. Nördlich des Ortes liegt der Gipfel des 1100 m hohen Karfí - seiner Gestalt wegen erhielt der Berg den Namen „Nagel“ - wo ein Bergheiligtum und eine Siedlung der Eteokreter („echte Kreter“) ausgegraben wurden. Die Eteokreter gelten als letzte Nachfahren der Minoer und hatten sich vor den eingewanderten Dorern und anderen im 12. bis 10.Jahrhundert vor Christi hierher zurückgezogen. Über 3000 Menschen sollen hier einst Platz gefunden haben. Die hier gefundenen einen Meter großen Statuen einer Göttin werden im Archäologischen Museum von Iráklion aufbewahrt. 2,5 Stunden sollten Sie für eine Besteigung des Karfí veranschlagen.

Textilarbeiten in Tzermiado (Kreta)

Tzermiádo ist für seine Textilarbeiten bekannt,
die entlang der Hauptstraße angeboten werden

Die unweit des Dorfes Tzermiádo gelegene Trápeza-Höhle (von dort in 20 Min. zu Fuß erreichbar) diente schon im Neolithikum als Behausung und wurde später als Begräbnisplatz und Kultstätte genutzt, wie zahlreiche Funde bewiesen (Idole aus Elfenbein, ein ägyptischer Skarabäus aus der Zeit um 2000 v. Chr.). Der Rückweg führt auf bekannter Strecke zurück.

Eine Variante für diese Tour : Bei Agios Konstantínos zweigt eine Straße Richtung Neápolis bzw. Agios Nikólaos ab, eine landschaftliche reizvolle Strecke, die jedoch aufgrund zahlloser Serpentinen und oft enger Straßenführung etwas anstrengender zu befahren ist.

Kirchlein am Rande der Lassithi-Hochebene (Kreta)

Kleines Kirchlein am Wegesrand an der Strecke nach Mésa Potamí

In Mésa Potamí warten große Tavernen direkt an der Straße auf Gäste. Früher war der Ort aufgrund seines kühleren Klimas eine beliebte Sommerfrische von Kretern aus dem Tiefland. In dieser grünen und fruchtbaren Region wachsen Äpfel, Birnen und Walnüsse, Obst wird an der Straße verkauft.

Hinter Mésa Potami locken zwei Cafes mit herrlichem Blick über das Meer. Wer nicht über Vríses und Neápoli auf die Küstenstraße zurückkehren möchte, kann auch über die Dörfer Agios Konstantínos und Panaghía, wo ein winziges Freilufttheater fast ganz von einem Johannisbrotbaum beschattet wird, bei Agios Nikólaos auf die Hauptstraße kommen.

Dauer unserer Tour : Ein Tagesauflug. Wer alles besichtigen möchte, muß allerdings frühzeitig aufstehen!

 

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