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Kirchenkunst als Passion:
Besuch bei einer Ikonenmalerin

Orthodoxe Kirchenkunst in einer kleinen Kapelle in Selakano

Ihr Laden liegt nur wenige Gehminuten vom Zentrum Iráklions entfernt - und doch gehen die meisten Touristen achtlos an den unscheinbaren Schaufenstern vorbei, hinter denen sich das Atelier, gleichzeitig Ausstellungs- und Verkaufsraum, befindet. In der Odos Handakos 22 sind diejenigen Kreta-Besucher an der richtigen Adresse, die jenseits der kommerzialisierten Heiligenbildchen - die damit nicht gering geschätzt werden sollen - eine Begegnung mit traditioneller Ikonenmalerei suchen.

Voula Manousákis, von der in Deutschland schon mehrfach Ausstellungen zu sehen waren, arbeitet hier seit über 40 Jahren als Ikonenmalerin. Sie hat diesen Beruf von ihrem Vater erlernt und übernommen, der gleich nebenan sein eigenes Atelier betrieb.

Voula ist eine Ausnahme innerhalb dieser Zunft, denn Ikonenmalerinnen sind äußerst selten zu finden. Kaum mehr als eine Handvoll ernsthafter Ikonenmaler sind auf Kreta überhaupt noch tätig. Voula selbst bezeichnet Ikonenmalerei denn auch als ihre größte Liebe - eine andere Beschäftigung kann sie sich gar nicht vorstellen. Sie arbeitet für Kirchen, Klöster und Privathaushalte - und auch für Touristen, soweit diese überhaupt an echter Ikonenmalerei Interesse aufbringen. Denn anders als in den vielen Touristenläden muss für ihre handgemalten Ikonen natürlich weitaus mehr bezahlt werden als für billige Drucke. Der Preis ist abhängig von Größe und Zahl der abgebildeten Figuren und damit vom Arbeitsaufwand. Den meisten mag ein Druck als Mitbringsel genügen; immerhin ist es doch selbst für Fachleute bisweilen schwierig, handgemalte Ikonen auf den ersten Blick zu identifizieren.

Die Bilderwand einer orthodoxen Kapelle

Um die Bedeutung der Bildnisse im kretischen Alltag verstehen zu können, muss man ein wenig ihre Rolle im orthodoxen Glauben nachvollziehen. Ikonen sollen Geschichten erzählen, das Evangelium bildhaft darstellen. Nicht umsonst nennt man den Ikonenmaler im Griechischen eikonographos, Ikonenschreiber, in unmittelbarer Anlehnung an das geschriebene Wort. Die Ikone will sozusagen Abbild eines Urbildes sein - abgesehen von Gott, der seinem Wesen nach für nicht abbildbar erklärt wird und der allein der Anbetung würdig ist. Christus, Maria und den Heiligen hingegen soll Verehrung zuteil werden. Indem man sie küsst, sie berührt, Kerzen anzündet oder vor ihnen niederfällt, soll eine persönliche Begegnung mit ihrer Botschaft erreicht werden.

Aus dieser Vorgabe, Darstellung eines Urbildes zu sein, erschließt sich schon, dass Formen, Farben und dargestellte Personen und Szenen einer Ikone nicht beliebig gewählt werden können, sondern einem festen Kanon folgen. Abweichungen je nach Region und Jahrhundert sind selbstverständlich vorhanden, doch handelt es sich dabei in der Regel lediglich um geringe Variationen.

Für die Ikonenmalern Voula Manousákis als schöpferisches Individuum bedeutet dies, dass - anders als bei den meisten Kunstwerken, wie wir sie kennen - hinter ihre Aufgabe zurücktritt, um die christliche Botschaft möglichst deutlich und eindrucksvoll zu vermitteln. Dass dabei dennoch ein persönlicher Stil zum Vorschein kommt, haben die großen Ikonenmaler der vergangenen Jahrhunderte eindrucksvoll bewiesen.

Um den persönlichen "Geist" Voulas zu erkunden, müssen Sie sich allerdings schon in die Odos Handakos 22 in Iráklion begeben.

 

 

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