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Knochenjob Kalkbrenner:
Beruf ohne Zukunft

Kalkbrenner auf Kreta

Pirina, der Brennstoff zum Kalkbrennen ,
muss in riesigen Mengen vorhanden sein

Wer zwischen Áno Zarós und Agía Varvára in den Bergen nördlich der Messara-Ebene unterwegs ist, wird an eigenartigen steinernen Rundbauten vorbei kommen, deren Funktion auf den ersten Blick nicht klar wird. Aus grobem Felsgestein errichtet, erinnern sie ein wenig an Reste einer alten Verteidigungsanlage. Doch der Eindruck täuscht: Hier stehen die letzten noch verbliebenen traditionellen Kalkbrennereien von Kreta. Nur wenige von ihnen sind heute noch in Betrieb, und das auch nicht mehr jede Woche, wie das früher der Fall war.

Jorgos ist einer der Kalkbrenner, ein freundlicher Mann mittleren Alters, der mit zwei Kompagnons eine der letzten Kalkbrennereien der Insel betreibt. Doch nicht als ausschließliche Profession - dafür reicht die Nachfrage nicht mehr. Jorgos betreibt deshalb in seinem zweiten Beruf auch Landwirtschaft. Vor allem seit in der Nähe von Chaniá eine große Fabrik Kalk industriell herstellt, leidet das traditionelle Handwerk beträchtlich unter der billigen Konkurrenz. Auch wenn "Kenner" auf die alte Methode schwören und traditionell gebranntem Kalk eine höhere Qualität bescheinigen. Nur noch einmal im Monat heizt Jorgos also den Meiler an; man teilt sich mittlerweile die Kunden und auch das notwendige technische Gerät mit den Kollegen eines Nachbarmeilers, so dass alle zwei Wochen einer der beiden Meiler angefahren wird.

Kalkbrennen - das ist eine harte, schmutzige und nur noch wenig rentable Arbeit. Im Kalkbrenner auf Kretanicht weit entfernten Steinbruch wird der Rohstoff, Kalkstein, aus dem Fels gesprengt und auf Lastwagen zum Meiler transportiert. Wie eh und je bleibt das Aufschichten der Steinbrocken innerhalb des Steinturms mühevolle Handarbeit, die einige Erfahrung verlangt. Die groben Brocken müssen in der richtigen "Dichte" gestapelt werden, damit der Brennvorgang später gleichmäßig verläuft. Ist der Meiler bis oben hin vollgestapelt, wird von einer Heizöffnung aus das Feuer in Gang gesetzt. Alte Reifen finden dafür ebenso Verwendung wie Holzreste. Erst nachdem sich genügend Hitze entwickelt hat, wird das eigentliche Brennmaterial eingesetzt.

Foto: An der Brennöffnung des Kalkofens

Es handelt sich dabei um pirina, torfähnliche Rückstände aus den Olivenpressen - ein Rohstoff, der auf Kreta in riesigen Mengen vorhanden ist. Gewaltige Mengen davon werden benötigt, und so türmen sich mehrere Lastwagenladungen vor dem Meiler. Für jedes Kilogramm Kalk als Endprodukt wird auch ein Kilogramm pirina benötigt - das bedeutet, dass Jorgos für eine einzige Füllung des Ofens 60 Tonnen Pressrückstände verheizen muss!

Nach einiger Zeit schlagen oben die ersten Flammen aus dem offenen Meiler. Fünf Tage und fünf Nächte muss hier nun ohne Unterbrechung gearbeitet werden; so lange dauert ein Brennprozess. Die Männer wechseln sich bei der Beaufsichtigung ab, schlafen manchmal ein paar Stunden in einer behelfsmäßigen Unterkunft gleich neben ihrem Ofen. Trotzdem bedeutet die Arbeit körperliche Anstrengung von der härtesten Sorte. Nur die Zuführung des Olivenabfalls erledigt heute eine moderne Maschine, die in kurzen Abständen das Feuermaterial zur Brennöffnung befördert, wo es durch heftigen Luftzug angesaugt wird.

Nach fünf Tagen läßt man den Meiler auskühlen, was aufgrund seiner offenen Bauweise verhältnismäßig rasch passiert. Vor allem vor Ostern, dem wichtigsten christlichen Fest auf Kreta, herrscht dann Hochkonjunktur: Denn jetzt wollen alle Dorfbewohner ihre Häuser mit einem neuen Kalkanstrich versehen - eben so, wie es seit vielen Jahren Inselbrauch ist.

 

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