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Spinalonga - Auf den Spuren der Aussätzigen

 

Mehrmals täglich steuern Ausflugsboote von Agios Nikólaos und Eloúnda aus ein kleines Eiland vor dem Fischerdorf Pláka an. Von letzterem aus kann man recht gut die Reste einer venezianischen Verteidigungsanlage erkennen, die das kleine Inselchen zu einer fast uneinnehmbaren Festung werden ließen.

Doch die Reste dieser Anlage sind nur ein Grund für den beständigen Besucherstrom auf Ausflugsbooten. Die Nutzung der Insel als Leprakolonie in unserem Jahrhundert richtet das Besucherinteresse auch auf eine noch nicht so weit zurückliegende Vergangenheit.

Noch Ende des 19. Jh. lebten mehrere Dutzend türkische Familien auf der Insel, die das dortige ehemalige venezianische Dorf übernommen und erweitert hatten. Doch mit dem Jahr 1913 begann ein neuer Zeitabschnitt für Spinalonga: Die Regierung von Kreta hatte beschlossen, die Insel in eine Leprakolonie umzuwandeln und brachte alle, die an dieser Krankheit litten, dorthin.

Lepra, eine Krankheit, die schon jahrhundertelang bekannt war, ohne daß man den Ursachen dieser Seuche auf die Spur gekommen war - erst Ende des 19. Jhs wurde das verursachende Bakterium entdeckt - ließ die Erkrankten zu Verfemten in der Gesellschaft werden. Wie bei vielen unbekannten Erkrankungen sah man darin eine Strafe Gottes. Die Leprösen hausten in Höhlen oder abgelegenen Dörfern in den Bergen ohne Kontakt zur Außenwelt. Lepra wirkt verängstigend auf alle Gesunden auch deshalb, weil das Krankheitsbild erschreckende äußere Formen annimmt. Häufig faulen die Extremitäten des Körpers ab - Ohren, Lippen, Arme und Beine - und große Wunden entstehen. Ein äußerst schmerzhaftes Dahinsiechen ist die Folge.

Die Isolierung der Kranken auf einer Insel sollte eine Ausbreiten der Krankheit verhindern. Übernachtungen auf der Insel, selbst von engsten Verwandten, waren strengstens untersagt, Besuche stets mit kompletter Desinfektion verbunden. In der ersten Jahren und Jahrzehnten waren die Lebensbedingungen dort am erbärmlichsten. Die Kranken lebten in heruntergekommenen Häusern auf engstem Raum, die medizinische Versorgung blieb äußerst notdürftig. Erst im Laufe der Jahre verbesserten sich die Lebensbedingungen, vor allem durch die Selbstorganisation der Kranken.

Doch die Geschichte der Leprainsel ist nicht nur mit dem Elend der Kranken verknüpft. So wurden zum Teil auch Gesunde aus politischen Gründen auf die Insel verbannt. Einige Einwohner der Region nutzten darüber hinaus die Tatsache aus, daß die Kranken eine bescheidene staatliche Unterstützung erhielten. Mit kleinen Booten brachten sie Lebensmittel auf die Insel, die sie dort zu weit überhöhten Preisen verkauften. Auf diese Versorgung von außen angewiesen, waren die Inselbewohner wehrlos.

Als in den 40er Jahren eine Medizin zur Behandlung dieser Krankheit entdeckt wurde, begann Lepra langsam seinen einstigen Schrecken zu verlieren und damit verbesserte sich auch das Schicksal der Verbannten. 1957 schließlich verließen die letzten zehn Überlebenden die Insel, Spinalonga war von nun an nur noch historisches Relikt.

 

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