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Auf dem Ring of Kerry nach Kell's Gardens

text und foto ferdinand dupuis-panther

Lassen wir den Killarney National Park mit dem Arboretum von Muckross House, Ross Castle und Lake Muckross hinter uns und begeben uns auf den Ring of Kerry. Auf dieser „Panoramastraße“ im Südwesten Irlands erreichen wir Kell's Gardens, eine urwüchsige Gartenlandschaft mit Farnbäumen und Keulenlilien sowie exotischen Palmen und Grasbäumen. Bill Alexander heißt der Mann hinter diesem Gartenprojekt. Bill hat sich vor allem der Regenwaldvegetation gemäßigter Klimazonen in Tasmanien und Chile verschrieben. Auf dem Weg zurück nach Killarney machen wir Halt im Carrig Country House am Carragh Lake, eine Oase der Ruhe und zugleich ein Tipp für Feinschmecker.

Irland: Der Ring of Kerry verläuft teilweise in Serpentinen

Der Ring of Kerry verläuft teilweise in Serpentinen

Von Killarney aus kann man sie schon sehen, die Höhenzüge der Halbinsel zwischen Dingle Bay und Kenmare River. Um diese Halbinsel herum führt der Ring of Kerry, windet sich in zahlreichen Kurven Steigungen empor und lässt hier und da den Blick auf das Meer zu. Nicht immer lacht die Sonne und oft liegen dichte Wolken über den Anhöhen. Wie geschäftstüchtig die Iren sind, können wir unterwegs nahe Molls Gap feststellen. Ein alter Volvo auf der Straße weist auf Pancakes und Tea in drei Kilometer Entfernung hin. Ein Muss ist der Halt bei Ladys View, auch wenn gräuliche Wolken über der sattgrünen Landschaft schweben und eine steife Brise über die „Aussichtsplattform“ weht.

Bill Alexanders Reich
Etwas abseits des Ring of Kerry liegt Kell's Gardens, der Lebenstraum des Dubliner Bankangestellten Bill Alexander, der sich seinem Gartenhobby allerdings nur an wenigen Tagen in der Woche widmen kann – noch, wie er im Gespräch versichert. Allein vom Eintrittsgeld kann Bill mit seiner Familie nicht über die Runden kommen. Daher hat er unterdessen auch einen Pflanzenhandel begonnen, züchtet nicht nur Baumfarne, sondern auch Keulenlilien und andere exotische Pflanzen der Südhalbkugel, darunter Sukkulenten. Diese verkauft er dann direkt oder über das Internet an Gartenliebhaber.

Irland: Noch im Winterschlaf, der australische Grasbaum

Noch im Winterschlaf: der australische Grasbaum

 

Grasbäume haben es Bill ebenso angetan wie aus Neuseeland stammende Bergkeulenlilien und Palmen aus Chile. Bill ist recht stolz darauf, eine elf Tonnen schwere Chilenische Honigpalme importiert und in seinem Garten gepflanzt zu haben. Sie gilt als die größte in Irland wachsende Palme.

Irland: 11 Tonnen wiegt diese chilenische Palme, die nun in Kells Bay Garden in die Höhe schießt
11 Tonnen wiegt diese chilenische Palme,
die nun in Kells Bay Garden in die Höhe schießt

Sein Hobby lässt sich der passionierte Gärtner Bill einiges kosten. Allein der Kauf des Grundstücks mit Jagdhaus verschlang beinahe zwei Mio. Euro. „Eine gute Investition“ meint Bill im Gespräch, „denn ansonsten wäre hier vielleicht auf kleinen Parzellen Ferienhäuser für betuchte Urlauber oder Iren gebaut worden.“ Damit wäre dann ein einmaliges Biotop für immer verloren gewesen.

 

Bill Alexander und sein Traum
„Ich wohne eigentlich in einem Haus am Dubliner Stadtrand mit einem sehr kleinen Garten. Doch schon immer war es mein Traum, mich gärtnerisch auszuprobieren, mich mit subtropischen Pflanzen oder solchen von der Südhalbkugel zu befassen. Ich suchte nach einer Herausforderung und suchte nach ein Stück Land am Meer mit einem Flüsschen, mit großen alten Bäumen und einem alten Haus. Dann kam Kell's Gardens in meinen Sinn. Das ist ein Paradies. Es gibt hier alles, was das Herz eines passionierten Gärtners höher schlagen lässt.
Ich lebe einen Traum und ich möchte allerdings auch genug haben, um mehr als nur den Traum zu leben. 25 Acres sind momentan für Besucher zugänglich. - . Also, mein Traum ist es, dass Tausende von Besuchern kommen und dank ihres Eintrittsgeldes meine Rechnungen bezahlt werden, sodass ich nicht mehr pendeln muss, sondern im ehemaligen Jagdhaus auf Kell's Gardens leben kann.
Doch nun zu meinen Gärten: Während die Männer zur Jagd gingen, kamen deren Ehefrauen für eine Tasse Tee im ummauerten Garten zusammen. Mein Garten ist ein Naturgarten. Man muss sich also damit abfinden, wie die Natur damit umgeht. Dazu gehören auch Stürme und Orkane, die jüngst zahlreiche Bäume entlang des River Walk fällten.

Irland: Kells Gardens

Unterwegs auf einem subtropischen „Abenteuerweg“

Es ist kein formaler Garten und das muss jeder Besucher in seinem Kopf haben, wenn er durch meine Gärten schlendert. - Wie die Gärten momentan ausschauen, ist nicht allein mein Verdienst, sondern der Vogel-Familie geschuldet, die vor mir das Land besaß, den Garten anlegen und pflegen ließen. Die Azaleen und Kamelien beispielsweise wurden in den späten 1970er Jahren und frühen 1980er Jahren gesetzt. Mich interessieren vor allem Pflanzen aus Chile, aber zudem aus Australien wie Wollemi Pine, die ich auch züchten werde, damit auch in anderen Gärten dieser seltene, aus den Blue Mountains bei Sydney stammende Pflanzendinosaurier zu sehen sein wird.

Irland: Der Herr des Gartenreichs von Kells Bay: William Alexander

Der Herr des Gartenreichs von Kells Bay: William Alexander

 

Nicht nur ein Dickicht aus Baumfarmen
Durchstreifen wir den Garten, so tauchen wir ein in ein Dickicht aus Tasmanischen Baumfarnen, die von einer einzigen Mutterpflanze abstammen. Zwischen diesen finden sich importierte Palmen von den Juan-Fernandez-Inseln (Chile). Einige Baumriesen sind Opfer des Windes geworden und liegen niedergeworfen am Boden. Einer dieser Riesen wurde einfach zu einem Gartenstuhl umfunktioniert.

Unter den Riesenblättern der Gunnera kann man bei Regen Schutz suchen. Rhododendren in Orange und Rot blühend gehören zum Charakter der Gartenanlage ebenso wie zahlreiche Azaleen. Knorrige Wurzeln schlängeln sich über den einen oder anderen Naturpfad des Gartens. Moose und Flechten in Hell- und Olivgrün bedecken die Stämme und Äste der mächtigen, im Garten wachsenden Bäume.

Oase für Feinschmecker
Nach unserer Gartentour steuern wir Carrig Country House an, um uns gastronomisch verwöhnen zu lassen. Auch wer ein ruhiges Ferienquartier sucht, ist hier bestens aufgehoben, ist das Haus doch von einem großen Garten umgeben, in dem Keulenlilien neben einem Chilenischen Feuerbaum und einem burgunderroten Fächerahorn stehen. Dicht an dicht stehen Rhododendren, die in Gelb, Lachsfarben und Hellrot blühen.

Irland: Im milden Klima Irlands blüht diese exotische Palme im Mai

Im milden Klima Irlands blüht diese exotische Palme im Mai

 

Einige niedrige Bäumchen sind über und über mit weißgräulichen „Bartflechten“ überzogen. Gelbe „Tropfenblüten“ blinken durch die breiten Wedel einer exotischen Palme.

Im Gespräch mit Frank Slattery, dem Hausherrn von Carrig Country House
„Carrig House besteht seit etwa 1850 und gehörte einer reichen britischen Familie, die allerdings nicht ständig hier  wohnte. Es wurde vielmehr als Jagdhaus genutzt.Wir selbst, meine Frau und ich, kauften Haus und Grund von einer deutschen Familie, die es drei Jahrzehnte lang besessen hatte. Als ich hierher kam, war es durchaus normal, dass der Grundbesitz in deutschen Händen war. Der Grund für die Anwesenheit so vieler Deutscher, die bereits in den späten 1960er Jahren ins County Kerry und speziell hierher kam, liegt wohl in der Nähe zum Strand am Atlantik und auch in der vorhandenen Natur der Umgebung. Viele Deutsche kamen wohl auch, weil sie möglichst weit weg vom Ost-West-Konflikt sein wollten. Und man kann sich schließlich nicht weiter westlich in Europa niederlassen als an der Südwestküste Irlands, nicht wahr? Zeitweilig sprach man von der Gegend auch als„Klein-Berlin“. - In unserem Garten gibt es etwa 1000 verschiedene Arten, von denen wir etwa ein Fünftel haben anpflanzen lassen. Unter diesen Pflanzen sind Baumfarne aus Tasmanien und Eukalyptusbäume aus Australien, Zeugnis eines kolonialen britischen Erbes. Neben den vielen wilden Rhododendren, die sich in Kerry mittlerweile wie „Unkraut“ ausgebreitet haben, haben wir auch einige Kreuzungen, so auch eine wunderschön rosa blühende Hybride. Die Azaleen, die wir heute sehen, wurden anstelle von Rosen vor einigen Jahrzehnten angepflanzt. Zudem haben wir rosa, purpur und blau blühende Hortensien in unserem Garten.“

Irland: Blick von Carrig Country House auf Carragh Lake

Blick von Carrig Country House auf Carragh Lake

Das Ambiente des Restaurants wie des gesamten Hauses ist stimmig und entspricht dem Charakter eines Landhauses. Landschaften in Pastell von Pauline Bewick tragen zu dieser Stimmigkeit bei. Feinschmecker haben die Qual der Wahl zwischen Hecht im Kräutermantel mit Gruyerekäse-Kartoffelbrei oder Gemischten Salat mit gerösteten Walnüssen und Gorgonzola.

Irland, Schweinerippe mit Chicoree-Törtchen und Calvados-Jus

Schweinerippe mit Chicoree-Törtchen und Calvados-Jus

Oder steht der Sinn vielleicht nach Atlantiklachs mit Fenchel, Sellerie, Karotten und Lauch in Weißweinsauce? Wem der Sinn nach Geflügel steht, dessen Wahl fällt auf Hähnchen in Whiskey- und Pilzsauce. Also Guten Appetit! So gestärkt kehren wir zurück nach Killarney und dem Killarney National Park.

Weitere Informationen
Kell's Gardens
www.kellsgardens.ie

Carrig Country House
www.carrighouse.com

 



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