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Von Swift bis Heaney - Im Eilschritt durch 300 Jahre irische Literatur

Erster bedeutsamer Vertreter der irischen Literatur des 18. Jh. ist Jonathan Swift (1667-1745), ein Nachkomme protestantischer englischer Siedler, der als Dekan der Dubliner St. Patrick's Cathedral ein Buch verfasste, das lange Zeit in ganz Europa Kinderherzen höherschlagen ließ: Gullivers Reisen. Doch es war seine satirische, zum Teil verbitterte Kritik an der brutalen englischen Herrschaft, die ihm eine wohlwollende Aufnahme in der irischen Literaturgeschichte einbrachte. So machte er u.a. die satirische Bemerkung, daß "ein junges, gesundes, gutgenährtes Kind im Alter von einem Jahr eine äußerst wohlschmeckende, nahrhafte und bekömmliche Speise sei, gleichviel ob geschmort , gebraten, gebacken oder gekocht...etwas teuer...und eben deshalb ist sie für Grundbesitzer besonders geeignet, denn da sie bereits die meisten Eltern verschlungen haben, steht ihnen gewiß auch das erste Anrecht auf die Kinder zu." ( Bücher von Jonathan Swift)

Zu den großen bürgerlichen Romanen im Übergang zum 19. Jh. zählen die Werke von Maria Edgeworth (1767-1849), die in ihrem bekanntesten Roman 'Castle Rackrent' die Welt der anglo-irischen Großgrundbesitzer beschreibt und damit sogar eine der Inspirationsquellen der russischen Literatur des 19. Jh. bildete ( Bücher von Maria Edgeworth).

Im Zuge der Emanzipation von englischer Vorherrschaft rückten irische Themen verstärkt in den Vordergrund und damit auch Versuche der Identitätsfindung durch Bezugnahme auf keltische Traditionen und Mythen. Aus den oft romantisierenden Beschreibungen ländlicher Idylle, die mit der Realität nur wenig gemein hatten, ragt das Schaffen von William Butler Yeats (1865-1939) hervor, das schließlich mit dem Nobelpreis bedacht wurde. Er gründete nicht nur das später weltberühmte Abbey Theater, aus seinem Wirken erwuchsen auch literarische Zirkel, die Talente wie J.M. Synge (1871-1909) hervorbrachten (Bücher von Yeats und Synge ).

Doch mit der nationalen Emanzipation waren auch Engstirnigkeit und Provinzialismus verknüpft, und so konnten selbst so harmlose Stücke von Yeats und Synge, die sich kritischer Einwände nicht enthielten, nur unter Polizeischutz aufgeführt werden.

Die politische Unabhängigkeit nach 1921 setzte unter dem übermächtigen Einfluß der katholischen Kirche mit beispielloser Zensur diese Entwicklung noch massiver fort. Den Stücken von Sean O'Casey (1888-1964) wurde mit Entrüstung begegnet, Literaten wie Liam O'Flaherty, S. O'Faolain, dessen erste drei Romane sofort verboten wurden, und F. O'Connor kritisierten enttäuscht die gesellschaftliche Entwicklung. Es war eine Zeit, die "der Phantasie keinen Spielraum ließ, ...junge Menschen außer Landes trieb, und zwar nicht, weil das Land arm, sondern weil es so mittelmäßig war", wie O'Connor bitter bemerkte. Die Großen der irischen Literatur wie George Bernhard Shaw (1856-1950) und Samuel Beckett (1906-1990), dessen 'Warten auf Godot' einen Höhepunkt des modernen Dramas darstellt, - beide erhielten den Nobelpreis für Literatur - hatten ihr Werk im wesentlichen im Ausland, England bzw. Frankreich verfasst. Und auch eine weitere herausragende Gestalt der irischen Literatur, James Joyce (1882-1941), hatte mit 22 Jahren Irland verlassen, um nur noch für kurze Besuche zurückzukehren. (Bücher von Sean O'Casey, Liam O'Flaherty, Sean O'Faolain, Frank O'Connor, George Bernhard Shaw, Samuel Beckett, James Joyce).

Ab den 60er Jahren wurde die irische Literaturwelt wieder lebendiger und brach mit alten Tabus. Edna O'Brien zählt dabei zu den Vorreiterinnen, die u.a. das Thema Liebe und Sexualität in all ihren Schattierungen angingen. Nach anfänglichen Verboten konnte diese neue Schriftstellergeneration nicht mehr mit Zensurmaßnahmen unterdrückt werden und wieder internationale Bedeutung erlangen. Daß mit Seamus Heaney (geb. 1939) erneut ein Ire mit dem Nobelpreis für Literatur bedacht wurde, bestätigt diese Tendenz. (Bücher von Edna O'Brien und Seamus Heaney).



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