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Von den Anfängen frühchristlicher irischer Kultur

Als die ersten Missionare im 4. und 5. Jh. die christliche Botschaft in Irland verbreiteten, geschah dies nicht wie vielerorts mit Feuer und Schwert, sondern ohne dass jemals Blut vergossen wurde. Ohne Zweifel ein Hinweis darauf, dass die neue Lehre auf fruchtbaren Boden fiel - auch bei den meisten keltischen Königen und Häuptlingen - , dass das christliche Glaubensangebot den heidnischen Kulten und Göttern weit überlegen gewesen sein muß. Doch die schnelle Verbreitung des Christentums ist sicher auch auf die Fähigkeit der Missionare zurückzuführen, sich traditionellen irischen Gegebenheiten anzupassen. Kontinentale kirchliche Organisationsformen wurden nicht einfach der irischen Gesellschaft übergestülpt.

Das Staigue Fort am Ring of Kerry stammt vermutlich
aus der Zeit unmittelbar vor der christlichen Missionierung

Bis dahin war die irische Gesellschaft in Stämmen organisiert. Eine rein bäuerliche Gesellschaft, die Menschen lebten in verstreuten Siedlungen und Anwesen, ohne auch nur in Ansätzen eine städtische Kultur entwickelt zu haben. Dem entsprach das Christentum in Irland mit einer darauf ausgerichteten Organisationsstruktur: das christliche Leben entwickelte sich in den ersten Jahrhunderten vor allem als klösterliche Kultur. Einflüsse aus der beispielgebenden Klostertradition des ägyptischen Raumes mögen ebenfalls eine Rolle gespielt haben. Das Mönchstum erreichte europaweit eine einzigartige kulturelle Blüte. Sie führte sogar dazu, daß irische Missionare nach dem 6. Jh. nach Britannien und auf das Festland aufbrachen, um die Christianisierung bzw. Rechristianisierung Europas fortzusetzen. Die Geschichtsschreibung berichtet von Mönchen wie dem hl. Columbkille (Columbanus), auf den Dutzende von Klostergründungen wie in Luxeuil, St. Gallen und in Bobbio in Italien zurückgehen. Oder dem hl. Killian, der allerdings in Würzburg als Märtyrer den Tod fand. Offensichtlich führte auch hier die persönliche Integrität und Überzeugungskraft der irischen Mönche zu einer derartig erfolgreichen Mission.

Die nach Irland geschickten Missionare hatten neue, bislang auf der Insel unbekannte Fertigkeiten mitgebracht, die die Klöster bald zu Zentren des Handwerks, erfolgreicher landwirtschaftlicher Tätigkeit und der Kunst werden ließen. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sich die Klöster zu immer größeren Einheiten, wie z.B. in Clomnacnoise und Kildare, und fungierten fast als kleine Städte. Kein Wunder, dass sie es waren, die ab dem Ende des 8. Jh. immer wieder Angriffsziel der einfallenden Winkinger waren, versprachen sie doch die reichste Beute.

Unterkünfte der Mönche (bee hive huts) auf Skellig Michael (Weltkulturerbe)

Die ersten Klosterbauten in Irland waren nach Ansicht der Archäologen Holzbauten, von denen nichts erhalten blieb. Doch schon bald wurde heimischer Stein als Baumaterial verwendet. Nicht selten wurden die Klöster an erhöhter Stelle errichtet, an Orten, wo schon früher heilige Stätten lagen. Auch auf diese Weise knüpfte die Klostergemeinschaft geschickt an alten Kulten an. Zu den frühen Klosterbauten zählten die Clocháns (engl.: bee-hive-huts), in Bienenkorbform errichtete Steinhütten, wie sie sehr gut auf der Felseninsel Skellig Michael vor der Küste Kerrys erhalten blieben. Auch das berühmte Gallarus Oratory auf der Halbinsel Dingle, eine Einraumkirche in Trockenbauweise errichtet, ist ein gutes Beispiel für den frühen Kirchenbau. Ornamentik findet man bei diesen frühen Gotteshäusern kaum, erst bei den romanischen Kirchenbauten des 12. Jh. finden verzierte Portale, Fenster und Friese Verwendung. Anders bei den berühmten irischen Hochkreuzen, die von Anfang an reichen ornamentalen, später auch figürlichen Schmuck tragen.

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