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Musik, die aus der Seele kommt -
Geheimnisse der Bodhrán

Malachy Kearns gerät ins Schwärmen, wenn sich das Gespräch um sein Lieblingsthema dreht, die Bodhrán. "Das ist nicht nur einfach Rhythmus, der hier erzeugt wird, ein guter Bodhrán-Spieler schöpft bei seinem Spiel aus einem tiefen Gefühl heraus, das kommt dann von ganz innen, aus dem Bauch, oder auch aus der Seele, wenn Du willst".

Sie wissen nicht, was eine Bodhrán (gesprochen wie Bau-rohn) ist? Bei dem Besuch eines irischen Pubs, in dem auch traditionelle irische Musik gespielt wird, werden Sie dieses alte irische Instrument ganz bestimmt kennenlernen. Es gleicht ein wenig einem Tambourin und wird in ähnlichen Formen noch heute in zahlreichen Ländern Afrikas, in China und Rußland oder auch im Baskenland als Rhythmus-Instrument benutzt.

Wenn Sie besonders viel über dieses Instrument erfahren wollen und den Instrumentenbauern gar ganz unverbindlich bei der Arbeit zusehen möchten, dann ist ein Besuch bei Malachy und Anne Kearns im kleinen Hafenort Roundstone in der Grafschaft Galway erste Wahl. Seit 30 Jahren baut Malachy Bodhráns, ihm gebührt der Titel des wohl weltweit einzigen hauptberuflichen Bodhrán-Bauers! Seine Frau Anne, Malerin von Beruf, verziert die Instrumente mit unterschiedlichsten Motiven, häufig keltischer Provenienz oder Vorbildern aus dem Book of Kells entnommen.

Vom Laden der Kearns aus kann man in die Werkstatt sehen und den Fertigungsprozeß einer Bodhrán verfolgen. Biegsames Holz, meist Esche oder Buche, wird zu einem kreisförmigen Rahmen verleimt. Nur selten bildet ein massiver Rahmen die Grundlage des Instrumentes. Die Größe des Rahmens schwankt, doch gute Bodhráns weisen einen Durchmesser von 15 bis 50 Zentimeter auf, die Breite des Rahmens liegt bei knapp 10 Zentimeter. Kleinere, bunt bemalte Exemplare taugen eher als Souvenirs denn für ernsthaftes Spiel. Anschließend wird das Fell über den Rahmen gespannt, an den Rahmen geklebt und geheftet. Im Prinzip können alle möglichen Tierhäute dafür verwendet werden, Schafshäute ebenso wie Kalbs- und Pferdehäute. Doch Malachy verwendet fast ausschließlich Ziegenhäute, ein für diese Zwecke besonders geeignetes Naturmaterial, das auf wechselnde Temperaturen und damit Spannungen am besten reagiert. Doch vorher muß das Fell einer tagelangen Prozedur unterzogen werden, damit es die richtige Geschmeidigkeit und Oberflächenstruktur erhält. Welche Zutaten außer einer Kalklösung dafür verwendet werden, das bleibt allerdings das Geheimnis des Meisters! Und auch später bedarf das Instrument einer dauernden Pflege mit einem besonderen Fett oder auch nur einfachem Lederfett, soll es nicht spröde und unelastisch werden. Auch Schutz vor Feuchtigkeit und allzu direkter Hitzeeinwirkung ist für die Langlebigkeit einer Bodhrán äußerst wichtig.

Bei vielen Bodhráns werden anschließend noch zwei kreuzförmig angelegte Holz- oder Metallstangen eingefügt, die zum einen das Spielen erleichtern, zum anderen die Stabilität des Instrumentes vergrößern.

Gespielt wird das Ganze dann mit einem sogenannten Tipper, ein an beiden Enden sich verdickendes Holzstück, mit dem das Fell geschlagen wird. Doch der typische irische Bodhránklang wird durch Schlagen und Streichen des Felles gleichermaßen erzeugt, weit entfernt von bloßem Klopfen eines bestimmten Rhythmus.

Woher übrigens dieses Instrument stammt, darüber ist man sich in Irland noch nicht einig. Wurde es von den Kelten als Arbeitsinstrument mitgebracht, mit dem man die Spreu vom Korn trennte, wie das noch heute in vielen Ländern Afrikas praktiziert wird, oder wurde das Instrument von den Römern oder Arabern in Irland eingeführt?

Wie dem auch sei, den meist flotten Rhythmus einer Bodhrán werden Sie bei ihrem Pub-Besuch schnell in den Beinen spüren. Wie wärs, wenn Sie eine Bodhrán bei Malachy einmal selbst ausprobieren? www.bodhran.com



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