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Geheimnisse der Steinzeit

Spuren der ersten Menschen in Irland stammen aus der Zeit zwischen 8000 und 7000 v.Chr. Sie waren den zurückweichenden Schnee- und Eismassen der Eiszeit folgend aus Schottland und der Westküste von England herübergekommen. Der Meeresspiegel lag damals noch niedriger und an vielen Stellen läßt sich bei entsprechendem Wetter die gegenüberliegende Küste erkennen. Von dieser, allgemein als Mesolithikum oder Mittelsteinzeit bezeichneten Epoche blieben nur wenige Spuren erhalten. Die Menschen damals zogen in kleinen Gruppen als Jäger und Sammler über das Land, ernährten sich von Fisch, Wild und eßbaren Pflanzen, die sie natürlicherweise vorfanden und verwendeten einfache Steinwerkzeuge. Es dauerte Tausende von Jahren, bis sie den Gebrauch von Töpferei erlernten.

Clear Island, Irland, Marriage stones

Prähistorisches Erbe auf Clear Island: die Marriage stones

Der Beginn des vierten Jahrtausends v. Chr. , das Neolithikum oder die Jungsteinzeit, brachte entscheidende Veränderungen. Wahrscheinlich mit dem Wissen und unter dem Einfluß neu einwandernder Gruppen von Menschen aus England und vom Kontinent ließen sich die Menschen nieder und betrieben Ackerbau. Zum ersten mal erfuhr die Natur Irlands tiefgreifende, auf Menschenhand zurückgehende Veränderungen, denn die damals weithin von Wald bedeckte Grüne Insel wurde an geeigneten Stellen gerodet und urbar gemacht. Die Menschen der Jungsteinzeit betrieben auch Viehzucht und hielten Kühe, Schafe und Ziegen. Von den aus Holz, Weidengeflecht, Lehm und Pflanzen errichteten Häusern blieb wenig erhalten, Feuerstein- und Keramikfunde lassen jedoch den Schluß zu, dass es zahlreiche unterschiedliche regionale Gruppen gab, die kulturelle Gemeinsamkeiten aufwiesen.

Ring of Beara, Irland, Steinkreis bei Ardgroom

Überbleibsel aus einer schriftlosen Zeit:
der Steinkreis bei Ardgroom am Ring of Beara

Die beständigsten und aussagekräftigsten Überbleibsel jener Kultur sind die so genannten Megalithgräber. Sie unterscheiden sich von Region zu Region in ihrer Ausgestaltung und weisen damit ebenfalls auf verschiedene Einflüsse durch unterschiedliche Gruppen von Einwanderern hin. Diese Großsteinarchitektur birgt noch heute zahlreiche Rätsel, doch reizen diese stummen Zeugen einer schriftlosen Kultur immer wieder zu neuen Interpretationen.

Eines scheint klar zu sein: Der Bau dieser zum Teil riesigen Grabanlagen muss sich in vielen Fällen über Jahre bzw. Jahrzehnte hingezogen haben, was schon eine stark arbeitsteilige, organisierte Gemeinschaft unterstellt. Bis zu 100 Tonnen schwere Steinplatten, wie beim Dolmen von Browneshill, mußten bewegt und in manchen Fällen von weit her geschafft werden, wie Gesteinsuntersuchungen erwiesen. Bemerkenswert ist weiterhin, daß im Gegensatz zu den vergänglichen, einfachen Behausungen der Lebenden dem Kult um die Toten und der Vorbereitung auf das Jenseits sehr viel Zeit und Arbeit gewidmet wurden.

Bei den Gräbern lassen sich drei Haupttypen unterscheiden. Die Hofgräber (Court-tombs) sind die ersten Megalithgräber und wurden bereits ab 3500 v.Chr. errichtet. Vor dem eigentlichen Grab liegt ein offener, halbrunder Hof, wo allem Anschein nach die Totenzeremonie abgehalten wurde. Aufrecht stehende Steine begrenzen Hof und Grab, das von einem Steinhügel bedeckt ist.

Die Ganggräber (Passage-tombs) stellen ohne Zweifel die spaktakulärsten Gräber dar, sie wurden ab ca. 3200 v.Chr. verwendet. Ein Gang führt in die eigentliche Grabkammer, von der oft noch weitere Totenkammern abgehen. Das Ganze war von einem riesigen Stein- und Erdhügel bedeckt und meist auf einer Anhöhe errichtet. Die Ganggräber stehen normalerweise nicht allein, sondern waren zu regelrechten Friefhöfen zusammengefasst. Bemerkenswert und Gegenstand wildester Spekulationen sind die Verzierungen der dabei verwendeten Platten und Steine, sie weisen Kreise, Spiralen, Rauten und Zickzackmuster auf, Menschendarstellungen sind nur andeutungsweise bekannt. Newgrange ist zweifellos die beeindruckendste Anlage dieser Art.

Irland, Dolmen

Schließlich sind noch die Dolmen oder Hünengräber (Portal-tombs) zu erwähnen, die sich oft wie kleine Kunstwerke aus der Landschaft erheben. Sie bestehen aus drei oder mehr aufrecht stehenden Steinen, die einen mächtigen Deckstein tragen.



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