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Zu Besuch auf Garinish Island

Italienisches Flair auf einer Felseninsel

text und fotos ferdinand dupuis-panther

Einen Spleen muss Annan Bryce schon gehabt haben, als er eine Felseninsel, die einst als Vorposten gegen eine französische Invasion diente, in einen „Altersruhesitz“ verwandeln ließ. Aus der Zeit, als man einen französischen Angriff zur Unterstützung irischer Freiheitskämpfer erwartete, ist der sogenannte Martello-Turm übrig geblieben, während das Fort abgerissen wurde. Pläne, den Turm zu Wohnzwecken umzugestalten, scheiterten, doch die Gartengestaltung nahm nach dem Kauf der Insel im Jahre 1910 ihren Lauf, dank sei dem englischen Landschaftsarchitekten Harold Peto.

 

Um trockenen Fußes über die Bantry Bay nach Garinish Island zu gelangen, vertraut man sich einer der Fähren an. Ehe wir anlegen, passiert unser Fährboot in gemächlicher Fahrt eine Felseninsel, auf der Robben ein Sonnenbad genießen. Hier und da ragt auch der Kopf einer Robbe aus dem Wasser. Doch diese bleiben in gebührendem Abstand zum Boot und beäugen die Vorbeifahrenden neugierig.

Irland: Robben sonnen sich auf einer Felseninsel, die man auf dem Weg nach Garinish Island (Ilnacullin) passiert

Robben sonnen sich auf einer Felseninsel, die man auf dem Weg nach Garinish Island (Ilnacullin) passiert


Mit Finbar über die Insel
Nach der kurzen Überfahrt betreten wir wieder festen Boden. Während Besucher sich üblicherweise ohne Führung nach eigenen Vorlieben und in eigenem Tempo über die Insel bewegen, haben wir eine Verabredung mit Finbar O'Sullivan, der sich seit drei Jahrzehnten um die gärtnerische Gestaltung Ilnacullins kümmert, so wie dies zuvor sein Vater schon getan hatte.

Finbar wird uns für die nächsten Stunden das einstige Anwesen eines Mitglieds des britischen Parlaments zeigen. Ursprünglich war die Insel ein unwirtlicher Ort. Doch der Passion Annan Bryce ist es zu verdanken, dass nun ein Dorado für Gartenfreunde daraus entstanden ist. Während wir im italienischen Garten einen Halt machen, erklärt uns unser sachkundiger Begleiter die Namen der Insel: Garinish bedeutet „die nahe Insel“ und Ilnacullin „Stechapfel“.

Irland: Garinish Island, der Italienische Garten mit Wasserbassin

Der italienische Garten mit Wasserbassin

Der Sehnsuchtsort eines Parlamentariers
„Annan Bryce scheint seiner Zeit voraus gewesen zu sein, denn er ließ den Garten zuerst anlegen und dachte dann über seine Bleibe auf der Insel nach, die er vom britischen Verteidigungsministerium käuflich erworben hatte“ führt Finbar aus. „Ilnacullin war Annan Bryce Sehnsuchtsort“ fügt er noch an. Doch die Wirren der Geschichte trafen auch die Bryce, sodass die hochfliegenden Pläne eines großen Herrenhauses ad acta gelegt werden mussten und stattdessen nur ein kleines Cottage gebaut werden konnte. Bryce hatte sein gesamtes Vermögen in Russland investiert. Dieses ging mit der Russischen Revolution verloren. Doch trotz dieses Verlustes wurden die Pläne für die gärtnerische Umgestaltung vorangetrieben. Pflanzen aus tropischen und subtropischen Regionen der Erde gelangten auf die Insel. Hier wuchsen sie, so Finbar, wegen der guten klimatischen Bedingungen in einem Jahr so wie anderenorts in zwei Jahren. Ehe man jedoch mit den Pflanzungen beginnen konnte, mussten als Pflanzenbett Mulden aus dem Fels gesprengt werden und Mutterboden auf die Insel gebracht werden.

Dass man hier überhaupt eine Flora jener Klimaregionen ansiedeln konnte, liegt an der hohen Luftfeuchtigkeit und dem hohen jährlichen Niederschlag. Keine Frage, für die Schaffung der einmaligen Garteninsel bedurfte es tüchtiger Hände: Annan und Violet Bryce beschäftigten 100 irische Arbeiter, um ihre ehrgeizigen Ziele zu realisieren. Nach Annans Tod 1923 kümmerte sich dessen Sohn Roland mit seiner Mutter um das Anwesen, das 1953 als Schenkung in Staatsbesitz überging.

Irland: Die bis zu 30 cm großen Riesenblätter von Rhododendron cacbeanum

Die bis zu 30 cm großen Riesenblätter von Rhododendron macabeanum

Italien in West-Cork
Ein italienisches „Lusthaus“ mit Arkaden, in Bath-Sandstein erbaut und mit Carrara- und Rosso-Antico-Marmor verschönert, zahlreiche Rabatten und ein mit Wasser gefülltes Bassin machen den italienischen Garten aus, eine sehr formal strukturierte Gartenanlage, weit entfernt von der Idee eines Naturgarten wie Lisselan Gardens. Hermes, der Götterbote, balanciert inmitten des Bassins auf einer Säule. Am Ende einer Treppe ruht ein gewaltiger „venezianischer Löwe“ aus Stein.

Im Mai bedecken Matten von blauen Vergissmeinnicht einen Teil des Gartens; Azaleen breiten ihre roten Blüten aus. Auch einen mehrere hundert Jahre alten Lärchenbonsai finden wir im italienischen Garten, in dem Fuchsien und Abutilons schmückendes „Beiwerk“ sind.  Hingucker sind der aus Australien stammende, rot blühenden „Flaschenputzerbaum“ und Kamelien.

Irland: Ein typisches Element der Gartengestaltung auf Garinish Island: der Tempel

Ein typisches Element der Gartengestaltung auf Garinish Island: der Tempel

Ein griechischer Tempel und ein Zuckerhut
Während wir über die Insel spazieren, entdecken wir auch eine noch im Mai blühende Magnolie, die aus China stammt und tassenförmige Blüten besitzt. Außerdem schlendern wir an den roten Tropfenblüten des Chinesischen Laternenbaums vorbei. Auf dem Weg zum griechischen Tempel, einem offenen Rundtempel, fällt uns der Chilenische Stechapfel mit seinen kleinen „Trompetenblüten“ auf. Am Tempel, einem Belvedere, angekommen, genießen wir für einen Moment den Blick auf die pyramidenförmigen Berge, die Namen wie Hungry Hill (Hungriger Hügel) und Sugarloaf (Zuckerhut) tragen.

Irland: Blick auf die Caha Mountains

Blick auf die Caha Mountains

Auf zum Martello Turm
Der Weg durch das Happy Valley bringt uns zum Martello-Turm. Unterwegs weist uns Finbar auf einen der größten in Irland und Großbritannien gedeihenden Toatoa hin, der charakteristische „Sellerieblätter“ ausbildet. Dieser Exot stammt aus Neuseeland und gedeiht dort im Niederwald der Nordinsel. Doch auch auf irischem Boden erreicht er beachtliche Größe.

Ungezählt sind die Rhododendronzüchtungen, die unseren Weg säumen und ihre Farbenpracht verbreiten. Zur Flora Tasmaniens gehört der sehr langsam wachsende und bis zu mehreren 1000 Jahren alt werdende Huon Pine, der Mitte des 19.Jahrhunderts erstmals in Kew Gardens kultiviert wurde und auch auf Ilnacullin angesiedelt werden konnte. Das Holz dieses zu den Steineiben gehörenden Baumes, dessen natürliche Verbreitung auf das Gebiet des Franklin River (Tasmanien) beschränkt ist, wird für die Herstellung hochwertiger Möbel sehr geschätzt, wie uns Finbar verriet.

Und noch einem Exoten stehen wir während unserer Gartentour gegenüber: Aus Manipur in den Ausläufern des Himalaja kommt Rhododendron macabeanum, der im März bis April seine fahlgelben Blüten zeigt. Beim Weitergehen fällt unser Blick auf neuseeländische Kaurifichten mit beträchtlichem Stammumfang, bleibt an den zartrosa Blüten von Rhododendron Mrs G.W. Leak hängen und streift die ausladenden Farnwedel eines Baumfarns aus Tasmanien, ehe wir schließlich am Fuße des Martello-Turms ankommen.


Irland: Bollwerk aus napoleonischer Zeit: der Martello-Turm auf Garinish Island

Bollwerk aus napoleonischen Zeiten: der Martello-Turm

Zum Schluss der Inseltour schauen wir im sogenannten ummauerten Garten vorbei und lassen uns von dessen Farbsymphonie einfangen, die Zwiebelgewächsen ebenso wie rankenden Clematis zu verdanken ist. Unter den Stauden entdecken wir unter anderem eine weiß blühende Flockenblume. Noch ein Cappuccino und ein Stück Kaffeekuchen im Inselcafé zu uns genommen, und dann heißt es, Abschied zu nehmen von einem Sehnsuchtsort.


Touristische Informationen
Irland Informationen
www.entdeckeirland.de

Glengarriff
www.glengarriff.ie

Anreise
Fähre Glengarriff-Ilnacullin
http://www.harbourqueenferry.com/

Garinish Island / Ilnacullin
http://www.cork-guide.ie/garnish.htm
http://www.discoverireland.com/de/ireland-things-to-see-and-do/listings/product/?fid=FI_62105
http://www.heritageireland.ie/en/south-west/ilnacullin-garinishisland/

 



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