| Vorbemerkung
"Ich wüßte
selbst in Spanien und Unteritalien keine Burgruine, die an schroffer Kühnheit,
Größe des Baues und romantischem Wildreiz mit Buffavento zu
vergleichen wäre", stellte der deutsche Reisende Franz von Löher
fest, nachdem er 1878 in Begleitung eines ortskundigen Hirtenjungen den
Burgfelsen erklommen hatte. Seinen Dolmetscher, so berichtet er weiter,
ließ er auf halber Höhe zurück, denn " der helle
Angstschweiß stand ihm auf der Stirne...Ich begann nun an der ungeheuren
Felspyramide emporzusteigen, die, von scharfen Zacken und Spitzen umgürtet,
gegen den Himmel stand...Wir traten in ein gewölbtes Burgtor ein,
das noch ziemlich erhalten war und kamen langsam höher von einem
in Trümmer zerfallenden Gebäude zum anderen...Alles war mit
zähem Mörtel an den Fels wie angelötet...Es ist ein seltsames
Gefühl, solch eine öde Trümmerwelt hoch in den Lüften
zu durchstreifen, die seit Jahren keines Menschen Fuß berührt
hat...Aber noch immer verstellte die Felspyramide eine Seite des Himmels...Vergebens
suchten wir einen gangbaren Steig...Indem wir uns hin und her an die Steinwände
schmiegten, erklommen wir früher als ich dachte die höchste
Felsplatte, auf welcher das oberste Gemäuer stand...Lohnend aber
über alle Maßen war hier die Aussicht..."
Von Löher gelangte damals auf dem Rücken eines Maultiers an
den Fuß des Buffavento. Heute kann man diesen Ausgangspunkt für
die Kletterpartie auf den burggekrönten Kalkkegel mit dem Auto ansteuern.
Auch der Aufstieg hat viel von seinen Schrecken verloren: ein gut ausgebauter, steiler Pfad schlängelt sich hinauf zur Unterburg und das letzte
Teilstück zur Oberburg erschließt eine Treppe mit Geländer.
Unverändert aber ziehen "schroffe Kühnheit" und "romantischer
Wildreiz" auch die Besucher unserer Tage in ihren Bann.

Aufstieg
zur Unterburg
Der einprägsame Name "Buffavento" leitet sich vom italienischen
"buffa di vento" her, was schlicht "Windstoß"
heißt. Estienne de Lusignan, der Historiker aus dem zyprischen Königshaus,
schrieb 1573, daß man den mächtigen Fels "im Griechischen
Leontas (Löwenburg) nennt, doch die Lateiner (die franco-italienische
Führungsschicht) sprechen vom Buffavento, wegen des starken Windes,
der dort herrscht" ... und den können Gipfelstürmer vorzugsweise
im Frühjahr und Herbst auf dieser zweithöchsten Erhebung des
Besparmak-Gebirges immer wieder erleben, manchmal eingehüllt in jagende
Wolkenberge, die genau hier ihre Schauer abladen. Es ist deshalb ratsam,
in den kühleren Monaten Windjacke und Pullover bei sich zu haben
und auch an festes Schuhwerk zu denken. Wer eine Tour zum Buffavento plant,
sollte auch zuvor sein Frühstücksbuffet um einige üppig
belegte Sandwiches erleichtern und sich großzügig mit Wasserflaschen
eindecken, denn einen Kiosk darf man hier oben nicht erwarten.
Wo die Hauptstraße zwischen Girne und Famagusta die Paßhöhe
erreicht, zweigt nach Westen die Piste zum Buffavento ab. Sie ist unbefestigt,
teilweise steinig, ihre sandigen Abschnitte durchziehen tiefe Radfurchen
und wenn hier der Boden aufgeweicht ist, hilft nur noch Allradantrieb
weiter. Auf jeden Fall ist ein Wagen mit großer Bodenfreiheit für
dieses Terrain die richtige Wahl. Der rauhe Weg entlohnt reichlich mit
schönen Landschaftsszenen, weiten Ausblicken auf die Mesarya-Ebene
und über Nicosia hinaus bis zum Troodos-Gebirge im Südwesten
der Insel. Durchweg am Südhang des Gebirges verlaufend, schlängelt
sich die Piste zunächst an nur spärlich bewachsenen Bergkuppen
vorbei -auch sie wurden von dem Jahrhundertwaldbrand im Juni 1995 heimgesucht-
um dann lichte Ansammlungen von Pinien-, Lorbeer-, Pistazien- und Johannisbrotbäumen
zu passieren und nach gut sieben Kilometern auf einem kleinen Plateau
im Schatten eines Olivenbaums zu enden. Etwa 23 km sind es von Girne bis
in diese Bergeinsamkeit und von Gazi Magusa (Famagusta) 67 km.
Von nun an zählt nicht mehr fahrerisches Können, stramme Beinmuskulatur
ist gefragt.
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