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Reiseführer Nordzypern

St. Barnabas-Kloster

Zwei Kilometer nördlich der antiken Stadt Salamis liegt als auffällige Landmarke inmitten der Mesarya-Ebene das St. Barnabas-Kloster. Für die orthodoxen Christen der Insel ist dieser Ort von überragender Bedeutung, war er doch Schauplatz wundersamer Begebenheiten, die den Gläubigen einen Nationalheiligen und ihrer Kirche die Eigenständigkeit bescherten.

Barnabaskloster Nordzypern

Den legendären Ereignissen war ein langwieriger Streit zwischen der zyprischen Kirchenführung und dem Patriarchen von Antiochia um die Selbständigkeit der Inselkirche vorausgegangen. Ihren Anspruch auf Unabhängigkeit hatte sie mit ihren apostolischen Ursprüngen begründet. Das antiochenische Patriarchat, dem die fünfzehn Provinzen der Diözese Oriens (damit auch nominell Zypern) unterstanden, wollte sich auf eine Sonderrolle Zyperns nicht einlassen. Im Jahre 431, anlässlich des 3. Ökumenischen Konzils zu Ephesos, wurde im Sinne der zyprischen Kirchenoberen entschieden, doch die Tinte auf dem Konzilsprotokoll war noch nicht getrocknet, da verwarf Antiochia die Entscheidung. Die Auseinandersetzung ging in eine neue Runde. In dieser prekären Lage, man könnte auch sagen: gerade im rechten Moment, geschah das Unerhörte.

Eine denkwürdige Vision

Die Überlieferung erzählt, es sei im Jahre 477 gewesen, als Zyperns Erzbischof Anthemios zu nächtlicher Stunde der Apostel Barnabas erschien. Der heilige Mann enthüllte ihm die Lage seiner Grabstätte und löste damit eine riesige Prozession aus, die sich zum angegebenen Ort bewegte, das Grab öffnete und den Leichnam fand, so wie ihn sein Gefährte Johannes Markus einst beigesetzt hatte. Auf Barnabas` Brust ruhte eine von ihm selbst gefertigte Abschrift des Matthäus-Evangeliums. Erzbischof Anthemios eilte unverzüglich mit der aufwühlenden Kunde an den Hof des byzantinischen Kaisers Zenon in Konstantinopel, wo er den mächtigen Herrscher davon überzeugen konnte, dass die vom heiligen Barnabas gegründete Kirche Zyperns nicht weniger apostolisch sei als die von Antiochia und ihr mithin ebenbürtig. Anthemios trat mit der Gewissheit die Heimreise an, die „Autokephalie“, die eigenständige gesetzgeberische Gewalt in allen zwischen- und innerkirchlichen Angelegenheiten, für die zyprische Kirche errungen zu haben.

Ikonenmuseum Barnabaskloster Nordzypern

Im Ikonenmuseum des Klosters


Die Ereignisse jenes Jahres sind ein beliebtes Thema zyprisch-orthodoxer Ikonographie, in der Regel dargestellt in vier Szenen. Man begegnet ihnen u. a. in der Aghios Ioánnis-Kathedrale im Süden Nicosias. Viel jüngeren Datums ist die Darstellung in der Kirche des Barnabas-Klosters, die von den drei über Zypern hinaus bekannt gewordenen Klosterbrüdern Stephanos, Chariton und Barnabas stammt. Fast wie in einem Fabrikbetrieb malten sie in geschickter Arbeitsteilung eine Ikone nach der anderen, indem der eine die Umrisse zeichnete, der zweite die Farbe auftrug, der dritte sich den künstlerischen Details widmete. Für 5 bis 20 engl. Pfund verkauften sie ihre Werke an Gläubige wie Touristen, boten auch noch Honig an und sich selbst als imposante Photomotive, deren „weiße Bärte über ihren Soutanen explodierten, das Haar sich aus seinen Knoten und Zöpfen freikämpfte und ihnen um die riesigen muschelartigen Ohren flog“, wie ein Besucher amüsiert beobachtete. Seit den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts wirkten sie unermüdlich für ihr Kloster, steckten den Erlös für ihre Arbeit in den Bau des Glockenturms (1958), herrschten ansonsten diktatorisch über die winzige Klostergemeinde und waren berühmt für ihren gigantischen Appetit. 1976 gingen sie, uralt geworden, in den griechischen Süden.
In einem düsteren Nebenraum der Kirche (gleich rechts am Eingang), der in früheren Jahrhunderten von der katholischen Minderheit als Kapelle genutzt werden durfte, haben die drei Brüder in überlebensgroßen Wandgemälden die Gründungslegende in den üblichen vier Szenen festgehalten: die Vision des Bischofs, die Auffindung des Grabes, die Begegnung mit Kaiser Zenon, die Vergabe der Privilegien.

Barnabaskloster Nordzypern

Eines der Wandgemälde mit der Gründungslegende des Klosters

Drei Kirchen

In der Überlieferung heißt es, Erzbischof Anthemios sei mit viel Geld und kostbaren Geschenken aus Konstantinopel abgereist und habe sogleich an Barnabas` Grab eine Kirche erbauen lassen. Auch ein Pilgerhospiz und ein Schrein für die sterblichen Überreste des Apostels seien errichtet worden. Diese Bauten fielen jedoch den arabischen Invasionen im 7. Jahrhundert zum Opfer. Allein einige Fundamentsteine sowie wenige Quadratmeter Marmorboden, eine Handvoll vermauerte Kapitelle und eine grünliche, angeblich Wunder bewirkende Säule sind die einzigen Zeugen aus frühbyzantinische Zeit.


Erzbischof Philotheos gab den Anstoß zum Bau der heutigen Klosterkirche. Die 1756 vollendete Kirche stellt aber eher eine Rekonstruktion als einen Neubau dar, lässt sie doch im Ansatz einen Vorläuferbau aus dem 10. Jahrhundert erkennen, der zum Typus der Mehrkuppelkirche gezählt werden muss. Ihre Dachkonstruktion mit mehreren Kuppeln geht auf das Vorbild der Johannes-Basilika in Ephesos zurück. Andere zyprische Beispiele für diesen Typus sind die Aghios Lázaros-Kirche in Larnaca, die Kirche der Heiligen Hilarion und Barnabas in Peristerona oder auch in ihrer ursprünglichen Form die Panagía Angelóktistos in Kiti.
Ursprünglich krönten den Bau drei Kuppeln. Die östliche stürzte ein und mit ihr der gesamte Ostteil einschließlich der drei Apsiden. Bei der Rekonstruktion unter Erzbischof Philotheos verzichtete man auf die Wiedererrichtung der dritten Kuppel und beschränkte sich auf den Neubau nur einer Mittelapsis.
Die Kirche beherbergt heute ein Ikonenmuseum mit Exponaten überwiegend aus dem 18. Jahrhundert.

Museum im Barnabaskloster, Nordzypern

Terrakotta - Figuren aus der archaischen Periode (750 - 650 v. Chr.)

Archäologisches Museum

Der hübsch bepflanzte Klostergarten ist an drei Seiten vom Kreuzgang umschlossen. Hinter seinen Arkaden, im früheren Mönchstrakt und dort, wo einst Pilger kampierten, wurde die bedeutendste archäologische Sammlung Nordzyperns untergebracht. Ob hier der richtige Ort ist für ein Museum dieses Kalibers, bleibt umstritten. Auf jeden Fall ist ein Besuch der Ausstellungsräume sehr zu empfehlen. Die Präsentation ist chronologisch geordnet. Sie beginnt mit Funden aus der neolithischen Epoche, führt durch die Bronzezeit über die Klassik bis in frühbyzantinische Zeiten. Einen Schwerpunkt bilden Keramikgefäße, darunter einzigartige Vasen. Alltagsgegenstände wie Werkzeuge sind zu bestaunen, auch Schmuck, Waffen und Sarkophage sowie eine Vielzahl figürlicher Darstellungen in Bronze und Marmor.

Kapelle

Barnabaskloster Nordzypern

Rund 100 m östlich der Klosteranlage liegt die Stelle, an der Johannes Markus den geschändeten Leichnam des Apostels Barnabas heimlich beigesetzt haben soll. Als Grabstätte diente ein Kammergrab der ausgedehnten Nekropole von Salamis. Neben dem leeren Grab, zu dem fünfzehn Stufen hinunterführen, entspringt in einer Felsspalte eine während der langen Trockenzeit oft versiegende Quelle, ein „heiliges Wasser“ (agiasma), dem - wie so oft im volkstümlichen Wallfahrtskult - Heil- und Wunderwirkung nachgesagt wurde. Unfruchtbaren Frauen sollte es Kinder bescheren und Hautkranke von ihren Leiden kurieren.

Das Grab des Barnabas, Nordzypern

Das Grab des Barnabas

Über der Grabanlage des Barnabas war ein kleiner schmuckloser Kuppelbau errichtet worden, den Reisende Anfang des 20. Jahrhunderts als „nahezu verfallen“ beschrieben. 1953 erbarmte sich „die fromme Dienerin Gottes, Evgenia Theodotou, aus Nicosia“ des desolaten Baus und ließ über dem Grab des Gründers der zyprischen Kirche eine neue Kapelle errichten, die heute schon ausschaut, als sei sie uralt.

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