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Ein einzigartiges Zeugnis antiker Schiffbaukunst, ein Dokument der Seefahrt in klassischer Zeit, hat in der Burg von Girne seinen letzten Ruheplatz gefunden. Das Wrack des um 300 v. Chr. in Girnes Küstengewässern gesunkenen Handelsschiffes, seine Fracht und viele Ausrüstungsgegenstände sind in drei Räumen des mittelalterlichen Ostflügels der Burg zu besichtigen. Ende der sechziger Jahre hatten Taucher, Archäologen, Techniker in zwei aufwendigen Grabungskampagnen die unzähligen großen und kleinen Fundstücke vom Meeresboden zutage gefördert und für die Ausstellung in den Burgräumen präpariert.
Die Nachbildung eines
Teils des Schiffswracks Vom
Innenhof betritt man Raum I, der mit einer Auswahl rhodischer Amphoren
und Unterwasserfotos, die die Bergungsarbeiten dokumentieren, auf das
Thema einstimmt. Raum II zeigt eine Nachbildung des Schiffshauptspants
in 1/1 Größe. Man sieht Überreste der Bleihaut, die das Schiff gegen
Bohrwürmer schützen sollte und in einer langen Wandvitrine viel
Schiffszubehör und Gegenstände der Besatzung. Neben Wein- und Ölamphoren
transportierte der Segler große Mengen Mandeln -hinter dem Glas eines
Schaukastens sind sie zu besichtigen- und Mahlsteine, deren Nutzung zur
Mehlgewinnung in Bild und Text dargestellt wird. Über Treppen gelangt
der Besucher auf die Galerie des dritten Raumes, wo allein der
Schiffsrumpf die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Das "Schiff von Kyrenia", wie Archäologen und Historiker den
sensationellen Fund tauften, schlägt Besucher womöglich deshalb so
stark in seinen Bann, weil sich ihnen in immer neuen Zusammenhängen die
Frage stellt, wie es wohl gewesen sein könne. Wer baute das Schiff für
wen und wo? Wie ließ sich ein Segler dieser Bauart handhaben? Wie
reagierte die Besatzung auf Flauten? Wie lebte die Crew zusammen? Was
geschah wirklich am Tage des Untergangs? Eine Biographie mit rätselhaften
Kapiteln. Ob sie je erhellt werden, ist offen. Was über das "Schiff von Kyrenia" bisher an Erkenntnissen gewonnen
wurde, wo noch oder wieder Zweifel bestehen und wo die Forschung auf der
Stelle tritt, soll im folgenden ausführlich vorgestellt werden. |