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Reiseführer Nordzypern

Nordzyperns Ölbaume

Eine jahrhundertealte Kultur

"Gewitter im Mai: Öl und Oliven vorbei", sagt ein altes zyprisches Sprichwort, das die Beobachtungen erfahrener Ölbaumpflanzer widerspiegelt, denn Starkregen wäscht die Pollen der zarten, weiß-gelben Blüten davon: ein kümmerlicher Ernteertrag wäre die unausweichliche Folge. In der Regel aber ist der Mai im Norden Zyperns ein ruhiger, milder und sonnenreicher Monat, wie ihn der Ölbaum für eine ersprießliche Entwicklung von Blüte und Frucht auch braucht. So sind imposante, vom Alter gebeugte Ölbaumgreise keine Seltenheit. Ein Prachtexemplar, das wahrscheinlich noch in venezianischer Zeit gepflanzt wurde, ist im Dorf Doganköy zu bewundern. Weit über 400 Jahre alt, erreicht der zerzauste, verwachsene Baum zwar nur eine Höhe von 8,50 m, aber einen Umfang von über sechs Metern. Bis zu einer Höhe von 15 m kann der immergrüne Ölbaum wachsen. Mit seiner im Alter rissigen Borke, den dunkelgrünen, auf der Unterseite silbrig-grau schimmernden lanzettförmigen Blättern und seinen anfänglich grünen, zur Reifezeit dunkelvioletten Früchten prägt dieser legendenumwobene Baum das Landschaftsbild Nordzyperns. Man trifft ihn in Gärten an, auf felsigem Grund, an steilen Hängen, inmitten von Getreidefeldern und in Gemengelage mit anderen Fruchtbäumen, vorzugsweise den für die Insel  nicht weniger charakteristischen Johannisbrotbäumen. Hauptsächlich besiedelt er die Küstenebene und die sanft ansteigenden nördlichen Hänge des Besparmak-Gebirges. Hier, im Umfeld von Girne, gedeihen, stellenweise fast parkähnlich anmutend, auf einem Streifen von 50 km Länge nicht weniger als 300.000 durchmischt und weitläufig gepflanzte Oliven- und Johannisbrotbäume. Viele der betagt wirkenden Olivenbäume sind noch relativ jung: sie stammen aus den dreißiger Jahren (besonders in der Gegend von Karakum), als die britische Kolonialverwaltung wegen vielversprechender Gewinnaussichten eine Pflanzoffensive startete. Der forcierte Anbau ging nach dem 2. Weltkrieg weiter. So ist seit den fünfziger Jahren der Ölbaum der häufigste Fruchtbaum der Insel.

Etwas Geschichte

Aufgrund der idealen natürlichen Voraussetzungen kann die Insel auf eine 4000jährige Olivenbaumkultur zurückblicken. Dass es dennoch seit Jahren Probleme gibt, hat den für Nordzypern so bezeichnenden  Problemhintergrund aus ökonomischen und politischen Zwangslagen und weit verbreiteter Perspektivlosigkeit: der Binnenmarkt ist klein und der Export wird durch den politischen Sonderstatus Nordzyperns erschwert. Ungelöste Besitzverhältnisse nach dem Umbruch des Jahres 1974 und die durch Aussicht auf schnelles Geld verstärkte Landflucht, die in der Regel auf den aufgeblähten Öffentlichen Dienst setzt, wirken sich schädlich auf die traditionelle ländliche Infrastruktur und die ländliche Umwelt aus. Straßenbau und Urbanisierungstendenzen tragen zu dieser bedenklichen Entwicklung bei. Die Folgen waren absehbar. Plantagen fielen brach und es kam zu Abholzungen. In Zahlen ausgedrückt, stellt sich die Situation so dar: 668.685 Olivenbäume zählte das Statistische Amt Nordzyperns im Jahre 1975. Einundzwanzig Jahre später (1996) war ihre Zahl auf 524.585 gesunken - ein Rückgang um 21,55 %.

Als 1999 eine Unternehmerfamilie aus Yeniceköy für 150.000 DM in der Türkei eine hochmoderne Olivenpresse kaufte, war dies ein Zeichen für eine veränderte Einstellung. Offenbar wird der Olivenanbau wieder lukrativ, zumal die 99er Ernte reich ausgefallen ist. Mit rund 8.000 Tonnen war sie die ertragreichste seit gut einem Vierteljahrhundert. Die jährlichen Erntemengen unterliegen natürlichen Schwankungen, verursacht u.a. durch die Niederschläge. Viel Regen im Winter und im Idealfall noch saisonale Sommergüsse lassen pralle, große Früchte heranreifen. Extrem trockene Jahre führen dagegen zu einer geringen und wenig gehaltvollen Ernte wie 1996 mit 2.130 t oder noch ausgeprägter im Jahre 1997 mit nur 786 t. Natürlich spielen Pflanzenpflege und Bodenbearbeitung eine wichtige Rolle. Etwa alle zehn Jahre muss der Baum bis auf einen Hauptast beschnitten und im Hundert-Jahr-Intervall gekappt werden. Der Boden zwischen den Bäumen wird gewöhnlich im Herbst umgepflügt. Man verhindert damit die Ansiedlung von hartnäckigen Garigue- oder Maquispflanzen, die mit den Bäumen um Bodennährstoffe und Wasser konkurrieren würden. Nachwachsendes Gras wird von Schafherden kurz gehalten.

Olivenernte

Die Erntearbeit ist in Nordzypern noch nicht mechanisiert. Sie bleibt ein arbeits- und kapitalintensives Unterfangen und bedeutet  für Früchte, Zweige und Äste eine ziemliche Tortur. Ein wechselnder Anteil der Gesamternte wird zu Tafeloliven verarbeitet. Die grünen Exemplare werden mit einem Stein angeschlagen und etwa eine Woche gewässert, danach abgegossen. Eingelegt in eine Marinade aus Olivenöl, Knoblauch und Koriandersamen verwandeln sich die Oliven zu einer köstlichen zyperntürkischen Spezialität ("cakistez"), die als "starter" oder zu Bier und Wein gereicht wird. Schwarze Oliven wässert man nur 24 Stunden, um die Bitterstoffe zu entfernen. Mit Salz in ein geschlossenes Gefäß geschichtet, entwickeln sie erst nach rund drei Monaten ihr bestes Aroma. Der große Rest der Oliven wandert in die Pressen von "Zeyko" in Famagusta. Einige antiquierte Olivenpressen sind noch für den lokalen Bedarf  verfügbar, wie etwa in Esentepe oder im südlich von Lapta gelegenen Sirinevler, wo nach einer westlich von Paphos geläufigen Methode präparierte Oliven ausgepreßt werden. Diese Oliven sind gekocht, fünf Tage dunkel abgedeckt, danach an der Sonne getrocknet. Sie ergeben ein sehr dunkles, lange haltbares Öl.

Noch ein Wort zum Olivenholz. Es ist ein sehr hartes Holz, gut geeignet zum Schnitzen und begehrt bei Tischlern wie auch bei Sammlern von Brennholz und Herstellern von Holzkohle.

Mehr zu: Ölbaum und Olive im Mittelmeerraum

 



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