Reiseführer Rostock

Entlang der alten Stadtbefestigung vom Kröpeliner Tor zur St. Petri Kirche

 

Nachdem sich die drei Stadtsiedlungen Altstadt, Mittelstadt und Neustadt von 1262 bis 1265 zu einem Ganzen zusammengeschlossen hatten, fingen die Rostocker an, ihre neue Stadt zu befestigen. Bis 1350 entstand eine etwa drei Kilometer lange, bis zu 1,2 dicke Stadtmauer mit 22 Toren, davon die meisten an der Wasserseite, 6 Wehrtürmen und etlichen halbrunden Wiekhäusern, feldseitigen Auskragungen in der Mauer.

Rostock - Stadtmauer mit Wiek

Von außen ist die Stadtmauer (mit Wiekhäuschen) nicht mehr in voller Höhe zu sehen

Nach der Fertigstellung umfasste die überwiegend aus Backsteinen errichtete Wehrmauer die damals rund einen Quadratkilometer große Stadtfläche, etwa die heutige Altstadt. Bei Gefahr konnte in rund drei Metern Höhe an der ehemals sieben Meter hohen Mauer ein Wehrgang aus Holz angebracht werden. Einen rekonstruierten Wehrgang findet man heute allerdings nur noch an einer Stelle, nämlich beim Kloster zum Heiligen Kreuz.

Rostock - Stadtmauer am Kloster zum Heiligen Kreuz

Blick vom Wehrgang entlang der Stadtmauer am Kloster zum Heiligen Kreuz

Die Tour beginnt am eindrucksvollsten der vier erhaltenen Tore, dem mächtigen Kröpeliner Tor. Statt die Kröpeliner Straße hinunter führt der rechts entlang. Der hier erhaltene Teil der Mauer ist in voller Höhe nur von der Stadtseite aus zu sehen. Der erste Abschnitt führt zum Kloster zum Heiligen Kreuz, einem ehemaligen Nonnenkloster der Zisterzienser aus dem 13. Jahrhundert, das noch in weiten Teilen erhalten ist. Hier endet dieser Teil der alten Stadtmauer.

Rostock - Michaeliskloster

Das Michaeliskloster

Über das Klostergelände gelangt man vorbei am netten kleinen Klostercafé und dem Kempowski-Archiv auf den Universitätsplatz. Der Weg führt vorbei an den ehemals herzoglichen Bauten bis zur Schwaansche Straße (rechts). Sie führt vorbei an der Altbettelmönchstraße mit dem Michaeliskloster auf der linken Seite. An der Wallstraße führt der Weg nun nach links entlang am 1860 angelegten Rosengarten, einer kleinen grünen Oase am Rand der vielbefahrenen August-Bebel-Straße auf der anderen Seite. Nach wenigen Fußminuten fällt das neogotische Ständehaus ins Auge, das zwischen 1889 und 1893 hier errichtet wurde.

Rostock - Kuhtor und Lagebuschturm

Kuhtor und Lagebuschturm

Deutlich älteren Datums ist das benachbarte Steintor im Renaissancestil, es ersetzte 1577 das vorhergehende Stadttor an dieser Stelle, das schweriner Truppen abgerissen hatten. Hier beginnt ein weiterer Teil der Stadtmauer mit dem ebenfalls im 16. Jahrhundert gebauten Lagebuschturm und endet mit dem ältesten erhaltenen Stadttor Rostocks, dem Kuhtor, das 1262 erstmals erwähnt wurde.

Rostock - Statue am Glockengießerhof

Statue am Glockengießerhof

Zwischen Turm und Tor befand sich in gleich nebenan bereits Ende des 16. Jahrhunderts übrigens ein Gießhof hinter der Ratsschmiede in der benachbarten Straße Beginenberg. Gießer gehörten zu den ältesten Gewerken in der Hansestadt und wurden schon um 1250 erwähnt. Zur Erinnerung an diese Handwerker steht hier auf dem so genannten Glockengießerhof eine Bronzestatue des in Rostock geborenen Künstlers Thomas Jastram (2009).

Rostock - Krahnstöverhaus

Krahnstöverhaus

Schon von hier kann man den mächtigen Turm der Nikolaikirche sehen, aber an der größeren Kreuzung am Ende des Beginenbergs oder auch nahe des Kuhtors gibt es erst einen Abstecher in die Große Wasserstraße. Dort findet sich das Krahnstöverhaus, einer der letzten erhaltenen Profanbauten mit gotischer Backsteinfassade, der zu den ältesten Häusern der Stadt zählt (1376 erstmals urkundlich erwähnt). Das ehemalige Kaufmannshaus mit schmuckem Staffelgiebel, das heute Gastronomie ist, wurde 1874 von der benachbarten Likörfabrik Julius Krahnstöver gekauft, weshalb das Haus so genannt wird. Der heute vorhandene Vorbau kam Ende der 1930er Jahre hinzu.

Rostock - Detail am Eckhaus Große Wasserstraße u. Beginenberg

Detail am Eckhaus Große Wasserstraße und Beginenberg

Zurück an der Kreuzung „An der Viergelindenbrücke“ führt die Tour hoch zur Nikolaikirche. Der Sakralbau wird allerdings heute nicht mehr als Pfarrkirche genutzt, sondern als kultureller Veranstaltungsort. Einige denkmalgeschützte Häuser sind in in der angrenzenden Lohgerberstraße zu finden, die zu dem hoch gelegenen Marktplatz der ältesten Stadtsiedlung Rostocks führt, dem Alten Markt an der Petrikirche.

Rostock - denkmalgeschütztes Haus in der Lohgerberstraße

Denkmalgeschütztes Haus in der Lohgerberstr.

Hier siedelten Anfang des 13. Jahrhunderts die ersten deutschen Kaufleute und legten damit den Grundstein für die Stadt Rostock. Hinter der rechten Häuserreihe verläuft der längste Teil der Stadtmauer von der Nikolaikirche bis hinter die Petrikirche, wo dieser letzte Teil der alten Stadtbefestigung endet.

Rostock - Nikolai-Kirche

Jenseits der Mauer: Blick auf die Nikolaikirche

Mit dem Karl-Planeth-Weg kann man allerdings parallel zu der Wohnstraße die Strecke zwischen den beiden Kirchen auch auf der anderen, also der stadtauswärtigen Seite zurücklegen. Das Laufen ist hier deutlich angenehmer, da keine Autos fahren. An verschiedenen Stellen sind am Mauerwerk kleine tönerne Kästen angebracht, sie sollen Fledermäusen als Unterschlupf dienen.

Rostock - Unterwegs auf dem Karl-Planeth-Weg an der alten Stadtmauer

Unterwegs auf dem Karl-Planeth-Weg an der alten Stadtmauer

Von der Grabstätte des Petri-Predigers Joachim Slüter, der maßgeblich für den Einzug der Reformation in die Hansestadt verantwortlich war, fällt der Blick am Ende der alten Stadtmauer bei der Petrikirche über die Straße Am Strande auf den Stadthafen.

 

Reisemagazin schwarzaufweiss

 

Das könnte Sie auch interessieren

.

Reiseveranstalter Deutschland bei schwarzaufweiss

 

Reiseführer Bremen

Sehenswertes in Bremen, Touren durch die Stadt, Tipps und Hintergrundgeschichten ausführlich beschrieben mit vielen Fotos. Darüber hinaus gibt es Ausflugstouren über die Stadtgrenzen hinaus, etwa nach Bremerhaven oder nach Walsrode in den Weltvogelpark.

Reiseführer Bremen

Mehr lesen ...

Kiel: Top-Sehenswürdigkeiten in der Fördestadt und ein Ausflug nach Laboe

Ein guter Ausgangspunkt um die Stadt heute, Jahrzehnte nach Kriegsende, zu erkunden, ist der zentral gelegene Hauptbahnhof. Auf der Hauptstraße Sophienblatt, die vor dem Gebäude verläuft, treffen alle wichtigen Buslinien zusammen, viel Sehenswertes kann man aber auch problemlos von hier zu Fuß in einem mehrstündigen Spaziergang erreichen.

Kiel Sehenswürdigkeiten

Mehr lesen ...



Rügen: Wandern und Radfahren rund um Göhren

Wer lieber mit dem Rad wandert als per pedes, findet auf dem Mönchgut gute Voraussetzungen und anders als Verleihnix in dem berühmten gallischen Dorf aus dem Kultcomic Asterix, verleiht man in Göhren gerne vieles, so auch Fahrräder - natürlich gegen Bares. Aber dafür sparen sich Bahnreisende das nervige Gerödel mit den Zweirädern.

Rügen - der Rasende Roland

Mehr lesen ...

Helgoland - Fels in der Brandung

Knapp 50 Kilometer vor Schleswig-Holsteins Küste gelegen, ist Helgoland jedes Jahr Ziel Tausender Besucherinnen und Besucher, die meisten davon Tagestouristen in den wärmeren Monaten. Ausflugsschiffe laufen Helgoland von Bremerhaven, Büsum oder vom „Alte Liebe“ genannten Anleger im Hafen der niedersächsischen Stadt Cuxhaven an der Elbemündung aus an.

Helgoland - Seevögel auf dem Lummenfelsen

Mehr lesen ...

Per Rad durch Cuxhavens Seebäder

Leider ist die deutsche Nordseeküste, wenn man von den ost- und nordfriesischen Inseln einmal absieht, von der Natur nicht so reich mit Sandstränden bedacht worden, wie die Anrainerländer Niederlande und besonders Dänemark. Natürlich gibt es auch viele schöne Ecken jenseits der Sandstrände und Sand allein ist nicht alles im Urlaub, aber für viele hat ein Sandstrand eben doch eine große Bedeutung und deshalb steppt in den Sommermonaten in den Seebädern Döse, Duhnen und Sahlenburg vor allem an den Wochenenden der Bär.

Cuxhaven und seine Seebäder Döse, Duhnen und Sahlenburg

Mehr lesen ...

Norden Norddeich

Auf den ersten Blick könnte man den Eindruck gewinnen, das Nordsee-Heilbad sei nur die Transferstation für die Urlauber, die es in Scharen auf die Inseln Juist und Noderney zieht. Aber jenseits dessen zeigt sich Norddeich als weit weniger hektischer und überschaubar kleiner Küstenurlaubsort. In dem staatlich anerkannten Nordseebad wird erst seit der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts der Tourismus gefördert, offenbar mit Erfolg, wie mehr als 1 Mio. Übernachtungen jährlich zeigen.

Norden Norddeich - Drachenfest

Mehr lesen ...

Büsum - Nordsee-Heilbad am Wattenmeer

Einst war Büsum eine Insel, immer wieder bedroht vom „Blanken Hans“. Bedroht von gewaltigen Sturmfluten wie der mehrtägigen Groten Mandrenke im Januar 1362, bei der nach mancher Interpretation das sagenumwobene Rungholt etwas weiter nördlich bei Nordstrand und Pellworm für immer in den Fluten versank. Als die größte Flut des letzten Jahrhunderts 1962 das Nordsee-Heilbad bedrohte, war Büsum allerdings schon lange mit dem Festland verbunden, nämlich seit 1585. Heute zählt der gut 5000-Seelen-Ort im Kreis Dithmarschen zu den wichtigsten Urlaubsorten an der Nordseeküste Schleswig-Holsteins.

Büsum

Mehr lesen ...

Kurzbesuch in der historischen Altstadt von Heppenheim

Auffälligstes Haus am Großen Markt, dem zentralen Platz inmitten des Ensembles der geschmackvoll restaurierten Fachwerkbauten in der Altstadt, ist das Rathaus. Hoch erhebt sich auf der im Jahr 1551 aus Stein erbauten Halle im Erdgeschoss in kräftigem Rot gehaltenes Fachwerk. Wie etliche andere Häuser in der Stadt fiel auch das Rathaus einem Brand zum Opfer, den französische Besatzungstruppen nach der Plünderung der Stadt 1693 legten. Nur das steinerne Erdgeschoss blieb damals stehen, auf das sieben Jahre später das heutige Barockfachwerk gebaut wurde. Ein Glockenspiel erklingt fünfmal am Tag zwischen 8 Uhr morgens und 10 Uhr abends.

Heppenheim - Altstadt mit Marktbrunnen

Mehr lesen ...