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Reiseführer Nordzypern

Girne in alten Reiseberichten

Olfert Dapper (1688)

"Cerines ist zur Zeit nur ein Marktflecken, eine kleine Stadt ohne Verteidigungsanlagen, deren Mauern größtenteils zerstört sind. Aber sie wird von einer starken Burg verteidigt, die unzugänglich und uneinnehmbar ist (...) Die Türken unterhalten dort inzwischen eine starke Garnison (...) Barken und Galeoten aus Karamanien und Lajazzo laufen den Hafen an , auch gehen hier die Paschas oder Gouverneure der Insel an Land, wenn sie von Konstantinopel herüberkommen, um ihr Amt anzutreten..."

Auch wenn der Amsterdamer Reiseschriftsteller Olfert Dapper (1636-1689) nie in Girne/Kyrenia gewesen ist, konnte er dank seiner Belesenheit und unermüdlicher Recherchen zutreffende Informationen über Girne und Zypern zusammentragen. Sein Buch Nauwkeurige Beschrijving der eilanden in de archipel der Mittelandsche Zee, woraus der kurze Auszug entnommen wurde, erschien in mehreren Auflagen und Übersetzungen.

Richard Pococke (1738)

"Wir gingen ungefähr drei Meilen zu dem verwüsteten Hafen Cerines, welches das alte Cerynia ist. Die zerstörten Mauern halten ungefähr eine halbe Meile im Umfang und scheinen auf dem Grunde der alten Mauern zu stehen (...) Der meiste Handel wird mit Selefki in Caramanien (heute: Silifke), welches das alte Seleucien in Cilicien ist, getrieben. Er beschäftigt aber nur zwei kleine französische Schiffe, die den ägyptischen Reis und Kaffee von Cypern dahin bringen und dafür Storax (ein aromatisch riechendes Balsamharz, Heilmittel bei Asthma, Katarrhen u.a.) und viele Reisende mit zurücknehmen. Bisweilen fahren sie auch bis Satalia, dem alten Attalia (heute: Antalya) in Pamphylien; doch ist Selefki der nächste Ort auf dieser Seite der Insel und nur dreißig französische Meilen davon entfernt..."

Generalvikar Richard Pococke (1704-1765) verbrachte gut fünf Jahre, "erfüllt von der großen Leidenschaft des Reisens", in den Anrainerländern des östlichen Mittelmeeres, auf Kreta und Zypern. Seine Beobachtungen und Erlebnisse hielt er in seinem großen Werk A Description of the East fest. 1791 erschien eine deutsche Übersetzung unter dem Titel Beschreibung des Morgenlandes und einiger andern Länder.

Louis Alexandre Olivier de Corancez (1811/12)

"Das ist es vor allem, was den Abstieg nach Cerines so abwechslungsreich gestaltet, diese überraschenden Ausblicke, diese heiteren Szenen, die sich dem umherschweifendem Auge darbieten. Der Anblick des Meeres trägt noch zur Schönheit der Landschaft bei, die sich vor uns ausbreitet. Fruchtbare Gärten mit Gemüse und Obstbäumen darin, umgeben die verstreut liegenden Häuser der Siedlung Cerines. Hier und da ragen die Überreste von Klöstern aus der Kreuzfahrerzeit auf. Andere Ruinen bezeugen auf Grund ihrer Stabilität und der Menge ihrer zur Konstruktion verwendeten Steine eine noch ältere Herkunft, so das Mauerwerk oben im Taleinschnitt südlich von Cerines, das der Verteidigung dieses Passes diente und zugleich wichtige Verbindungen zum Rest der Insel beherrschte (...) Cerines ist ein Weiler von etwa dreißig Häusern. Es leben dort an die hundert Muselmanen und einige christliche Griechen. Sie stehen fast alle in Diensten eines Kapitäns aus Ragusa (heute kroat. Dubrovnik), den das Gouverneursamt als Verantwortlichen für die Verkehrsverbindung zur Küste Karamaniens in Lohn und Brot gesetzt hat. Dieser Kapitän bekommt 1.000 Piaster im Monat, wovon er die Besatzung bezahlt und zwei Schiffe unterhält. Kein Fahrzeug kann den Hafen von Cerines verlassen, ohne im Besitz einer Art Passierschein zu sein, ausgestellt vom Gouverneur Zyperns, der auch all` die anderen Verbindungen der Insel mit dem Festland regelt. Jenseits der verstreuten Häuser der Siedlung Cerines erstreckt sich der mit Baumwolle und Getreide bestellte Küstenstreifen. Ein außergewöhnlich fruchtbares Gebiet, das aber unter den Heuschreckenschwärmen arg zu leiden hat. Im vergangenen Jahr hatten sie die gesamte Ernte vernichtet. An vielen Stellen ist der Boden von großen Mengen dieses zerstörerischen Insekts bedeckt. Jetzt zwar noch in Larvengröße, ahnt man aber schon ihr bevorstehendes rasches Wachstum. Sie ballen sich zu großen Haufen, die den Boden mehr als fußhoch bedecken. Sie treten ziemlich regelmäßig in Intervallen von einigen Jahren auf..."

Der französische Wissenschaftler L.A.O. de Corancez (1770-1832), Schüler des großen Mathematikers Joseph Louis de Lagrange, war 1798 in die eigens für Bonapartes "Ägyptische Expedition" ins Leben gerufene Kommission für Wissenschaft und Kunst bestellt worden, die während der kurzen französischen Präsenz im Land am Nil außergewöhnlich ertragreiche archäologische und naturkundliche Forschungen durchführte. Seine in Ägypten gewonnenen Erfahrungen mit Land und Leuten ebneten ihm den Weg ins syrische Aleppo, wo er seit 1802 den Posten eines Generalkonsuls von Frankreich bekleidete. Auf seiner Rückreise nach Frankreich berührte er auch Zypern. Hierüber und über andere Stationen in der Levante berichtet de Corancez in seinen Erinnerungen Itinéraire d`une partie peu connue de l`Asie Mineure, die 1816 in Paris erschienen.

Sir Samuel White Baker (1879)

"Es gibt keine andere Stadt in Cypern, die sich an landschaftlicher Schönheit oder an großen schönen Wäldern mit Kyrenia zu messen im Stande wäre. Die Stadt Kyrenia ist klein und unregelmäßig gebaut; ein alter türkischer Kirchhof bildet in der Vorstadt eine Grenze dem Fort gegenüber, ganz ähnlich wie dies in Famagusta der Fall ist. Dreihundert Schritte davon entfernt sind die vornehmsten Häuser, meist massiv aus Steinen gebaut und umgeben von mit hohen Mauern versehenen Obstgärten, in denen Orangen, Limonen, Mandeln, Aprikosen, Feigen und die sonst auf der Insel gewöhnlichen Früchte vortrefflich gedeihen. Die Häuser sind meist ein Stockwerk hoch und mit einem großen Balkon versehen, der nach der ersten Etage zu mit fünf bis sechs Bogen sich öffnet, welche das Dach auf dieser Seite tragen. Dies ist ein für das Klima wohl berechneter Platz, denn er versorgt alle Zimmer, welche auf den Balkon münden, mit frischer Luft ; in der That, es ist ein offenes Podium nach der Treppe. Einige wenige Dattelpalmen dienen den Gärten zur Zierde ; das Vorhandensein dieser zierlichen Bäume ist ein sicheres Zeichen, daß die Türken den vorwiegenden Theil der Bevölkerung ausmachen (...) Kyrenia ist niemals ein in allen Wettern guter Hafen gewesen, da der Eingang nach Norden zu offen ist. Es ist eine geringe Wendung nach Osten vorhanden, welche einige wenige kleine Schiffe während einer nördlichen Brise geschützt haben mag, aber dieser Theil ist jetzt versandet und sollte ausgebaggert werden (...) Wenn eine gute Fahrstraße von Kyrenia nach dem nur 16 Meilen entfernten Lefkosia (Nicosia) gebaut sein wird, dürfte der Werth Kyrenias als Handelshafen ein wesentlich größerer sein. Innerhalb 8 oder 9 Meilen von Kyrenia gibt es auch noch andere wichtige volkreiche Städte : Caravas (heute türk. Alsancak) und Lapithos (türk. Lapta) könnten wichtige Handelsplätze sein, auch Morphou (türk. Güzelyurt) könnte in den Kreis hineingezogen werden (...) Die Bevölkerung der Stadt beläuft sich jetzt auf nur 600 Einwohner, das griechische Element nimmt aber zu, seit die britische Convention ihnen Schutz zusichert.

Täglich besuchten Weiber, Türkinnen sowohl wie Eingeborene von Cypern, unser Lager, um ihre Neugierde zu befriedigen. Meine Frau hatte Mühe, den täglich zunehmenden Kreis ihrer Bekanntinnen zu empfangen. Anfangs ward die Abwesenheit eins Dolmetsch sehr vermißt, da die Unterhaltung sehr beschränkt war, wenn Georgi als Vermittler fehlte. Aber nach wenigen Tagen hörten die türkischen Damen auf, scheu und zurückhaltend zu sein, denn Georgi, ein guter, junger Mann, der sich Mühe gab, ward ihr Liebling ; einige der Damen waren sehr gnädig und nahmen ihre Schleier ab, wenn sie mit meiner Frau und mir im Zelt waren ; sie unterhielten sich auf verschiedenen Gebieten mit vieler Einsicht. Einzelne waren entschieden hübsch zu nennen ; alle waren ausgesucht reinlich und gut gekleidet, im Gegensatz zu der allgemeinen Erscheinung und dem gewöhnlichen Benehmen der Frauen in Cypern ; die Rasse war eine edlere, ihre Hände waren zart und gut gepflegt, aber durch die herrschende Gewohnheit, die Nägel und die flache Hand mit Henna zu färben, entstellt. Die Pflanze Henna wird bei allen Türken und Cyprioten Schenna genannt und wird von Syrien eingeführt, um das Haar, die Füße und die Hände der Türkinnen zu färben (...) Je länger ich in der Nachbarschaft von Kyrenia verweilte, desto mehr bedauerte ich, daß die Fremden in den südlichen Häfen ankommen, statt ihre ersten Eindrücke von Cypern von dieser lieblichen Küste zu empfangen. Ich sah die Nordseite nie vom Schiff aus, der Anblick aber muß überwältigend sein, da die immergrünen Bäume fast bis an das Ufer hin reichen, die felsigen Buchten beschatten und bis an die Berge sich hinziehen, während sie in kurzer Entfernung vom Lande aussehen müssen, als stiegen sie direct vom Meere auf..."

Mit einem eigens in London angefertigten Wohnwagen, seiner "hut upon wheels", erschien der Mitentdecker der Nilquellen, der Afrikaforscher und Großwildjäger Sir Samuel White Baker (1821-1893) im Januar 1879 in Cypern. Mit von der Partie waren seine Frau, seine drei Spaniels und das von Pferden zu bewegende Wohnungetüm, das wie eine Schiffskabine ausgestattet war und über die Unbequemlichkeiten eines Zeltlagers hinweghelfen sollte.... Nur, die Wegverhältnisse im unterentwickelten Zypern waren nicht danach. Schweren Herzens entschloß sich die Reisegesellschaft, auf Maultiere, Esel und Kamele "umzusteigen". Acht Monate bewegte sich der Troß zwischen Larnaca, Paphos und Kyrenia. Unterwegs traf er auf den mit Vermessungsarbeiten befaßten Horatio Herbert Kitchener. Eine lebenslange Freundschaft entwickelte sich aus dieser Begegnung. Ehe die Sommerhitze den Reisenden zusetzen konnte, zog man sich in das kühle Troodos-Gebirge zurück. Hier begann Baker mit der Niederschrift seiner Beobachtungen und Kommentare. Es entstand Cyprus as I saw it in 1879, ein noch heute geschätztes Werk, das die zyprischen Verhältnisse zum Zeitpunkt der englischen Machtübernahme detailliert und zuverlässig darstellt. Von Richard Oberländer übersetzt, erschien Bakers Zypernklassiker 1880 im Verlag Brockhaus/Leipzig unter dem Titel Zypern im Jahre 1879.

 



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