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Reiseführer Nordzypern

Schatzfunde

Als sie das Ruinengelände von Lambousa nach Baumaterial durchsuchten, entdeckten Einwohner aus Karavás (türk. Alsancak) um das Jahr 1897 in einem Versteck einen Posten silberner Gegenstände aus frühbyzantinischer Zeit. Zunächst verheimlichten sie ihren Fund, doch das British Museum in London bekam Wind davon und erwarb 1899 die meisten Fundstücke.

Dieser erste Lambousa-Schatz umfaßte eine Schale mit dem Medaillon des heiligen Sergios, das von einem breiten Ornamentstreifen aus Niello umrahmt ist. Die Kontrollstempel am Gefäßboden verweisen in die Regierungszeit (641-668) des byzantinischen Kaisers Konstans II. (Derart gekennzeichnete Gegenstände stammten wahrscheinlich aus staatlichen Werkstätten in Konstantinopel, in Zypern gab es solche Einrichtungen nicht.)

Weiter gehörte zum Schatz eine sechseckige Hängelampe mit den reliefartigen Darstellungen Christi, Marias und der Apostel Petrus, Paulus, Johannes und Jakobus auf den sechs Seiten. Die Kontrollmarken (Stempel) stammen aus der Zeit des Kaisers Phokas (602-610). Ob Hängelampe oder Weihrauchgefäß für religiöse Zwecke (so eine andere Deutung), ist noch nicht abschließend diskutiert. Von der Klärung dieser Frage wird auch abhängen, ob man künftig von einem Privat- oder einem Kirchenschatz sprechen wird.

Ältestes Fundstück war ein flacher Teller mit Stempeln aus der Regierungszeit des Kaisers Tiberios (578-582). Diese Hostienschale zeigt ein Niello-Kreuz in einem Kranz aus Efeublättern.

Auch 36 silberne Löffel gehörten ursprünglich zu dem Fund, darunter einige ungewöhnliche Stücke. Sie tragen auf der Laffenunterseite eingravierte Blattmuster und die Laffeninnenseiten sind mit den Reliefs laufender Tiere dekoriert (siehe Abbildung). 25 Löffel befinden sich im British Museum. 11 fanden den Weg in andere Museen und private Sammlungen, nachdem die Finder über Mittelsmänner den internationalen Kunsthandel eingeschaltet hatten. Aus Forschersicht ein unverzeihliches Fehlverhalten, denn der Fundkomplex war jetzt auseinandergerissen, die Zusammenhänge gingen verloren, Fehldatierungen und falsche Ortszuweisungen waren die Folge. Vor einigen Jahren machte sich ein Archäologe von der Berliner F. U. auf Spurensuche. Und tatsächlich konnte er nach akribischen Recherchen die Schicksale der 11 „vermißten“ Löffel aufklären, wenngleich sie über sieben Museen und Sammlungen verstreut bleiben (London, New York, Saint Louis, Cardiff, Monaco, Berlin, Richmond, Va.).

Abbildungen: Löffelmotive

Weitaus übersichtlicher verteilt ist der Fundkomplex des zweiten Lambousa-Schatzes, nämlich auf das Museum in Nicosia und das New Yorker Metropolitan Museum of Art. Auch die Fundumstände sind besser dokumentiert als im Fall des ersten Schatzes.

Im Februar 1902 betätigten sich Mitglieder der Familie Kariolis aus Karavás (Alsancak) als Steinbrecher in Lambousa. Dabei stießen sie nahe der „Akropolis“ auf ein vergrabenes Gefäß voller Goldgegenstände (Medaillons, Halsketten, Armreifen, Ohrringe) im Gewicht von 1,6 kg und zwei Tage später entdeckten sie in einer freigeräumten Mauernische neun Silberschalen mit Darstellungen aus dem Leben Davids. Die glücklichen Finder teilten die Stücke untereinander auf. Auch der Dorfbürgermeister wurde bedacht und revanchierte sich mit Grundstücken und Wasserrechten. Ein weiterer Mitwisser erhielt Geld, was ihn in die Lage versetzte, „einen guten Mann für die Tochter“ zu finden. Inzwischen hatte die Polizei von den Vorgängen erfahren, nahm umgehend Hausdurchsuchungen vor, konnte aber nur noch wenige Fundstücke sicherstellen. Der größere Teil (sechs Silberschalen und wertvoller Goldschmuck) war schon außer Landes geschmuggelt worden und in die Hände des internationalen Kunsthandels in Paris gelangt. 1906 erwarb ihn für 10.000 Pfund Sterling der US-Banker John Pierpont Morgan, seinerzeit einer der reichsten Männer Amerikas. Sein Sohn, J. P. Morgan II., schenkte die Objekte 1917 dem Metropolitan Museum of Art in New York.

Die neun Silberschalen illustrieren in Anlehnung an die alttestamentarische historische Gestalt Samuel Ausschnitte aus dem Leben Davids wie seinen Sieg über Goliath (Sam. 17: 41-51) den Kampf mit dem Löwen (Sam. 17:34), die Vermählung mit Michal (Sam. 18:27) u.s.w. Möglicherweise knüpfen die Darstellungen an ein ganz besonderes Ereignis im Leben des Kaisers Herakleios (610-641) an. Während seiner Feldzüge gegen die Perser in den Jahren 622-629 soll er einen persischen General im Zweikampf besiegt und, wie David den Goliath, enthauptet haben. Am Ende der persischen Kampagne war der Frieden gesichert und die an die Perser verlorenen Gebiete zurückgewonnen. So war es naheliegend, dass ihn zeitgenössische Berichterstatter mit David verglichen. Übrigens: alle Silberschalen tragen Stempel aus der Zeit des Herakleios, sein eigenes Siegel und seinen Namenszug.

In Nicosia (Cyprus Museum) sind drei der neun Silberschalen zu sehen mit den Szenen „Die Hochzeit David/Michal“, „Der Kampf mit dem Bären“, „David wird zu Samuel gerufen“.

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