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Reiseführer Nordzypern

Auf den Spuren der Archäologen

Die reichen Erträge früherer Grabungskampagnen erlauben eine Einordnung der Gemarkung Lapta/Lambousa in die Phalanx der ganz großen Fundstätten Zyperns. Leider verharrt die geschichtsträchtige Gegend seit mehr als drei Jahrzehnten in einem archäologischen Dornröschenschlaf und so türmt sich mittlerweile ein enormer Forschungsstau vor den Archäologen. Und selbst wenn diese wollten, könnten sie nicht einfach vor Ort zu Spaten, Kelle und Pinsel greifen. Das verhindern die politisch begründeten harschen Drohungen und Warnungen von Seiten der zyperngriechischen Administration, die bisher noch jedes ausländische Archäologenteam von der Arbeit in Nordzypern abgehalten haben. Ein zweifelhafter „Erfolg“. Dabei war gerade der Komplex Lapithos/Lambousa ein Paradebeispiel für das fruchtbare Zusammenspiel von Archäologen aus Zypern und der Welt.

Agios Evlambios

Agios Evlambios

Frühe Unternehmungen

Alle archäologischen Stätten, ob am Berg oder an der Küste gelegen, waren den Dorfbewohnern der Gegend seit Menschengedenken bekannt. Man durchwühlte sie nach Schätzen (nicht ohne Erfolg!) und nutzte ihre sauber bearbeiteten Quadersteine, Bögen und Säulen für den Bau von Wohnhäusern und Wirtschaftsräumen.

Lambousa, das offen daliegende Trümmerfeld, stand als „ancient monument“ zwar unter dem Schutz des „Antiquity Law“ von 1905, doch Papier ist geduldig. 1913 erst machte sich der damalige Kustos des Cyprus Museum, John Linton Myres (1869-1954), an die Erkundung des Geländes, besonders der sog. Akropolis – nicht ohne das Problem anzusprechen und von der britischen Inselverwaltung zu verlangen, endlich entschiedener gegen die weitverbreitete „collecting mentality“, sprich: Raubgräbermentalität, vorzugehen. 1915 war es sein zyperngriechischer Kollege Menelaos Markides, der die Arbeit in Lambousa am sog. Troulli-Hügel fortsetzte. Myres und Markides untersuchten erstmals 1913 und erneut 1917 die Nekropole „Vrysi tou Barba“, ein umfangreiches Gräberfeld, das vom Ende der Frühen bis zum Ende der Mittleren Bronzezeit (ca. 2100 – 1600 v. Chr.) genutzt wurde. Es liegt auf felsigem Grund westlich von Lambousa in unmittelbarer Küstennähe und ist heute größtenteils überwachsen und bebaut. Hier stieß man auf dicht beieinander in den Felsboden geschlagene Kammergräber in Nord-Süd-Ausrichtung. Die dazugehörige Siedlung blieb wie in anderen vergleichbaren Fällen (Beispiel: Vounos!) unauffindbar. Vermutlich wurde sie durch Witterungseinflüsse und später intensiv betriebene Landwirtschaft ausgelöscht.



Ausgrabung an der "Akropolis" (1913)

Die Schweden kommen

Ende September 1927 begann die schon legendäre Swedish Cyprus Expedition (SCE) ihre mehrjährige inselweite Forschungsarbeit am Fundort „Vrysi tou Barba“. Zum Team unter der Leitung von Erik Paul Einar Gjerstad gehörten der Architekt John Lindros, die Archäologen Erik Sjöqvist und Alfred Westholm sowie weitere Fachkräfte und Dutzende von einheimischen Helfern. Auf dem Gräberfeld an der Küste von Lapithos/Lapta legten die Archäologen 23 Kammergräber frei, die Massen von Keramik enthielten, Statuetten, Werkzeuge, Geräte und Waffen aus Kupfer und Bronze, Skelette. Es war freilich nur ein winziger Ausschnitt der Nekropole und bedauernd hieß es: „The necropolis was far from being exhausted, when we left.“ Aber es warteten noch andere Fundorte wie „Kastros“ auf die Ausgräber. Oben im Ort auf einer Rampe am Hang lag sie, unterhalb des Plateaus mit der Kirche Agía Anastasía. Im Nov./Dez. 1927 und im März/April 1928 wurden hier die Grabkammern 401–429 einer Nekropole, diesmal aus den frühen Jahrhunderten der kypro-geometrischen Epoche (diese: ca. 1050 – 725 v. Chr.) erforscht und Skelette mit zum Teil kostbaren Grabbeigaben freigelegt.

An der Straße vom hochgelegenen Ortsteil Agía Paraskeví zur „Kephalovrysi“, Laptas wichtigster Quelle, in einer Lokalität namens „Kylistra“, fand man Gräber einer Nekropole der Späten Bronzezeit und auf dem Anastasía-Plateau, wo der oben erwähnte M. Markides schon 1914, 1915 und 1917 auf Grabkammern einer Totenstadt gestoßen war, nahmen die Schweden Sicherungsgrabungen vor.

Eine andere Örtlichkeit, „Plakes“, am westlichen Ortsrand von Lapithos/Lapta, war im Frühjahr 1928 Schauplatz weiterer Ausgrabungen von Schachtgräbern aus kypro-geometrischer Zeit (ca. 1050-725 v. Chr.) und dann, im Okt./Nov. 1928, wurden die Archäologen auf chalkolithische Siedlungsreste aufmerksam gemacht. Wie es dazu kam, ist eine kuriose Geschichte: Ein notorischer Grabräuber hatte den Archäologen seine Dienste angeboten. Um den unangenehmen Zeitgenossen von den Ausgrabungen fernzuhalten, bot man ihm gutes Geld für einen Sonderauftrag, nämlich von allen ihm bekannten antiken Stätten Scherben zusammenzutragen – natürlich sauber getrennt nach den einzelnen Fundorten. Auf diese Weise wurde „Alonia ton Plakon“ (nahe „Plakes“) aufgetan, spärliche Reste einer Siedlung aus dem Chalkolithikum, der Kupfersteinzeit, einer Kulturperiode zwischen Neolithikum und Bronzezeit (ca. 3800-2400 v. Chr.). Man entdeckte die Fundamente von steinernen Rundhütten, Werkzeuge aus Stein und Feuerstein, Keramikscherben, Feuerstellen.

Spätere Entdeckungen und Funde

Eine Expedition des University Museum der University of Pennsylvania unter Leitung des Amerikaners Bert Hodge Hill durchforschte 1931/32 einmal mehr das Gräberfeld von „Vrysi tou Barba“. 38 Kammergräber wurden freigelegt, doch nur die Details von Grab 806 A bisher publiziert. Die seit langem bekannte Nekropole „Vathyrkakas“ zwischen Lapithos (türk. Lapta) und Karavas (türk. Alsancak) gab 1940 einige Grabstätten frei und 1953 kam hier erneut ein üppig ausgestattetes Kammergrab aus der frühen kypro-geometrischen Epoche (etwa 1000 v. Chr.) ans Tageslicht. Drei weitere, völlig intakte und nur durch einen einzigen „dromos“ erschlossene bronzezeitliche Grabkammern wurden 1954 unter dem Hof des Gymnasiums von Lapithos ausgegraben und mit ihnen einige sog. Brettidole, viel Keramik und Bronzegegenstände.

Zwischen 1957 und 1959 durchforschte der zyperngriechische Mitarbeiter der Antikenbehörde, Kyriakos Nicolaou, das weitläufige Gelände von Lambousa. Über die dort gewonnenen Erkenntnisse hinsichtlich der Siedlungsgeschichte, der antiken Hafenanlagen und Fischtanks äußerte sich Nicolaou (gemeinsam mit A. Flinder) ausführlich im International Journal of Nautical Archaeology, Vol. 5 (1976).

In der Lokalität „Fahtari“ am Ortsrand von Lapithos fand man 1959 ein in die Mittlere Bronzezeit zu datierendes Kammergrab und 1968 war ein Aufsehen erregender Großfund zu verzeichnen, als bei Arbeiten an der neuen Küstenstraße gleich 21 zur Totenstadt „Vrysi tou Barba“ bzw. zu einer „Sotira“ genannten Örtlichkeit gehörende Gräber freigelegt wurden, auch sie bestückt mit zahlreichen Grabbeigaben wie rotpolierten Keramikgefäßen und Bronzewerkzeugen.

1973 schließlich war für die Archaeological Survey Branch des Department of Antiquities wieder ein erfolgreiches Jahr. Zunächst stieß man am Rande von Lapithos (Lapta) auf vier Gräber aus kypro-geometrischer Zeit und im Verlauf des Jahres noch auf drei weitere an gleicher Stelle. Und darin entdeckten die Ausgräber ein Paar mit Gold überzogene Fingerringe, zwei bronzene Armreifen und ein silbernes Diadem . . .

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