Ein Badespaß

 
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Ein quadratischer, unbeheizter Vorraum (camekan) empfängt den Besucher. Bei den Römern hieß er Apodyterium und diente wie seine Nachfolger als Umkleide- und Ruheraum. Hier regiert der Besitzer oder Pächter, kassiert Eintrittsgeld, verteilt Badetücher und -sandalen, verkauft Erfrischungen. Ein kleiner Übergangsraum bereitet den Gast bei Temperaturen von etwa 25 Grad auf die Hitze des angrenzenden Schwitzraumes vor und wird ihm nach dem Bad die Umstellung auf die Außentemperatur erleichtern.


Heißer Dampf schlägt dem Badelustigen im Hauptraum (türk.: hararet, röm.: caldarium) des Hamams entgegen. Hoch über ihm wölbt sich eine Kuppel mit den für orientalische Bäder so typischen Glaseinsätzen. Gedämpftes Licht fällt in den Raum, polychrom gefärbt von den wabernden Dampfschwaden unter der Kuppel. In seinen vier überwölbten Ecken sind Sudatorien (Heißräume) eingerichtet. Hier entwickeln sich Temperaturen von über 40 Grad, die nur noch wenige Besucher über sich ergehen lassen. Die Schwitzintensität bei 35 bis 38 Grad auf dem achteckigen "Nabelstein" (göbektasi) im Zentrum des hararet reicht den allermeisten. Die Platte haben sie erklommen, nachdem sie sich zuvor auf den seitlichen Bänken ausgiebig mit Seife und Wasser traktiert hatten. Auf der Marmorplatte kann man sich bequem lagern und ausgiebig schwitzen oder den Badediener (tellak) an die Platte zur Massage bitten. Mancher unnötig vorgewarnte Badegast läßt sich auf die Prozedur gar nicht erst ein, mögen auch alle, die sie über sich ergehen ließen, noch so verklärt von ihrem unglaublichen Wohlbefinden erzählen, von ihrer weichen Babyhaut, entspannten Gliedmaßen, geschmeidigen Sehnen und (wieder) beweglichen Gelenken schwärmen, die ihnen der tellak, "bewaffnet" mit einem Frottier-Handschuh aus kurzgeschorenem Ziegenfell, herbeimassierte.

Büyük Hamam

Ein Badespass