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Das
Dome-Hotel - eine Legende
Gemessen
an den renommierten europäischen Traditionshotels, mag das "Dome"
keinen vergleichbaren Bekanntheitsgrad erreichen, doch zu den ehrwürdigen
Häusern seiner Branche zählt es allemal. Diese Hochburg der Briten
an Girnes Wasserseite verrät etwas über ihr hintergründiges Wesen,
wenn man die bunten Gestalten Revue passieren läßt, die sich hier
in sieben Jahrzehnten ein Stelldichein gaben, ihren ganz privaten
Absonderlichkeiten zu frönen oder der fragilen politischen Szene der
Levante neue Tupfer hinzuzufügen : die reisenden Exzentriker, die
melancholisch gestimmten Statthalter einer zu Ende gehenden Kolonialherrlichkeit,
die unzähligen Mittler nahöstlicher Krisen mit dem unvermeidlichen
journalistischen Troß im Schlepptau, die unbekannte Lady, die auf
der Terrasse im Halbschatten der eigenartigen Araukarie ein Buch nach
dem anderen verschlang und last but not least Her Royal Highness Princess
Margaret. Man schätzte die distinguierte Atmosphäre, den plüschigen
Charme der Gesellschaftsräume. Man war unter sich. "Und im
Blauen Salon, wo einst die Tea-time zelebriert wurde, rollen jetzt
die Roulettekugeln", klagte vor Jahren eine Beobachterin,
nicht ahnend, daß die damalige Ausnahme die Regel, Nordzypern zum
Zockerparadies werden sollte. Nicht nur das "Dome", noch
zehn weitere Etablissements in und um Girne besitzen heute ein Spielcasino,
fünf haben sich in Famagusta und Umgebung eingenistet und zwei bedienen
die "gambler" von Lefkosa. Das alles gab es Ende
der fünfziger Jahre noch nicht, als sich das Haus "Catsellis
Dome Hotel" nannte und unter der Leitung von Andreas Catsellis
stand, einem Abkömmling der Gründerfamilie. Selbstbewußt empfahl sich
die Herberge damals als "by tradition the best hotel of a
most beautiful island" mit 150 Zimmern, alle mit eigenem
Bad, Betten mit Sprungfedermatratzen der Marke "Slumberland"
(Schlummerland), komfortablen Lounges, Lese- , Spiel- und Bridge-Salons,
Fahrstühlen, privatem Badestrand, zwei Kinos, hoteleigener Farm und
Wasserversorgung. "The peace and enchantment of the Mediterranean
are Yours...", versprach man denen, die im "Dome"
Quartier nehmen würden. Manche, wie den Romancier Lawrence Durrell,
schien die skurrile Welt des "Dome-Hotels" mit ihrer Selbstverliebtheit
und ihren Ritualen förmlich herauszufordern. In seinen Zypernerinnerungen
"Bittere Limonen" spart er denn auch nicht mit boshaften
Anmerkungen :
| "Nirgends
fand man so außergewöhnliche Exemplare der Gattung Mensch wie
im Dome-Hotel. Es war, als hätte jede gottverlassene viktorianische
Pension zwischen Folkestone und Scarborough einen Vertreter
zu einer Weltkonferenz der Langlebigkeit entsandt. Die Gestalten,
die Gesichter, die Hüte gehörten einer wirren, von Karikaturisten
entworfenen Welt an und nichts konnte einen so davon überzeugen,
daß es mit England zu Ende ging, wie ein Blick auf diese Ansammlung
von Krücken, Bruchbändern, Rollstühlen, Tragriemen und Stützkorsetts,
die allein diese unheimlichen Überlebenden dazu befähigten,
aus ihren Schlafzimmern hervorzukommen und sich der blassen
Frühjahrssonne von Kyrenia auszusetzen....Schattenhaftes, ausgeblichenes
Gefieder hinfälliger Hühner und Krähen schleppte sich durch
die sterilen weißen Korridore auf eine Terrasse voll kleiner
Tische mit der geradezu religiösen Aufschrift "Afternoon
Teas". |
| (Auszüge
aus "Bittere Limonen" von Lawrence Durrell, Rowohlt
Taschenbuch Verlag GmbH, 1984, S. 33/34 |
Dann
gab es jene, besonders in jüngerer Zeit, die den alten Charme vermißten,
dem "Dome" das Prädikat "fading (verwelkende)
lady" anhängten und noch andere, zumeist griesgrämige englische
"residents", schimpften den Ort gar "The
Doom" , was "böses Geschick, Verderben" bedeutet.
Die Pauschaltouristen waren ihnen ein Dorn im Auge, die ihnen den
Platz an der legendären Hotelbar streitig machten, als sei sie eine
beliebige Abfüllstation irgendwo am Mittelmeer. Der alte Glanz war
dahin. Etwas mußte geschehen. Wie waren eigentlich die Besitzverhältnisse
? Eine vertrackte, eben ein zyprische Geschichte. Erbaut wurde es
1930 von dem griechischen Zyprer Konstantinos ("Kostas")
Catsellis. Sein Architekt war der Engländer dänischer Herkunft W.D.
Caröe (1857-1938). Es war ein zweistöckiger Bau mit zunächst einer
Kuppel (engl. dome), einer exakten Kopie der Kuppel der Kirche Christus
Antiphonitis. Später kamen drei weitere Kuppeln hinzu. Alle wurden
entfernt, als man das Haus aufstockte. Mit dem zyprischen Krieg von
1974 kam das vorläufige Ende des Hotels, das zuletzt von Stelios Catsellis
geleitet worden war. Er war seinerzeit auch Bürgermeister von Kyrenia/Girne,
später übernahm er das Amt des stellvertretenden Innenministers, dann
des Erziehungsministers im griechischen Teil Zyperns. Eine düstere
Zeit für das ehrwürdige "Dome" brach an : bis Oktober 1975
diente es als eine Art Internierungslager für griechische Zyprer.
Die Wende zum Besseren zeichnete sich mit der Übernahme durch die
Evkaf, die islamische Stiftung, ab. Das war 1976. Seit damals gab
es etliche Versuche, dem Haus einen neuen Geist einzuhauchen. Das
besondere Flair aber war dahin. Es war mit den Exzentrikern, den Kolonialgestalten,
Geheimdienstleuten und pikierten Ladies gegangen. Was blieb, war die
melancholische Einsicht, die beste Zeit hinter sich zu wissen. Es
dauerte Jahre, bis die Evkaf dem inzwischen berüchtigten "morbiden
Charme" des Hauses ein Ende bereitete und seiner Biographie entschlossen
eine Wendung gab. 1998 präsentierte sie der staunenden Öffentlichkeit
das "Dome" im neuen Gewand. 1,4 Mill. Dollar waren in ein
gründliches "facelifting" gesteckt worden, wobei
ausdrücklich nicht die Architektur des Baus, sondern die Einrichtung
und Ausstattung (und ein verbesserter Service) im Vordergrund der
Bemühungen standen. Selbst die traditionellen grünen Holzfensterläden
sind geblieben. In den Gängen liegt nun Marmor, ein Süßwasserpool
ist hinzugekommen und alles, was Rang und Namen hat in Nordzyperns
Malerkreisen -von Feridun Isiman bis Güner Pir- hat zur Ausschmückung
der Flure, Hallen und Salons beigetragen.
Die
Hotelleitung sieht optimistisch in die Zukunft, denn seinen Charakter
habe das "Dome" bewahrt, sein legendärer Charme sei nicht
verlorengegangen . . . Wie um das zu bestätigen, äußerte sich kürzlich
ein Brite, der seit beinahe zweieinhalb Jahrzehnten immer wieder im
"Dome" Quartier nimmt :
| "Die
Verrückten, die in der Mittagssonne herumlaufen - das ist Vergangenheit,
aber die Briten kommen noch immer am Pool oder auf der Terrasse
zusammen. Das Alter hat ihr Auftreten nicht unbedingt verbessert,
auch nicht die Art sich zu kleiden und ihre lauten, gebieterischen
Stimmen sind im Laufe der Zeit nicht leiser geworden. Veteranen
mit geröteten Gesichtern und Bäuchen, die über ihre khakifarbenen
long-shorts quellen, die Füße in Jesus-Sandalen gequetscht (natürlich
tragen sie dazu weiße Kniestrümpfe), gehorchen wie eh und je
den Anordnungen ihrer mem-sahibs (im kolonialen Indien Ausdruck
für europäische Ehefrauen), die sich in weiten, blumengemusterten
Gewändern bewegen, ihre Niederlage in der Schlacht gegen die
Rundungen verbergend. Hier hält sich tatsächlich ein - wenn
auch kleines- Relikt des britischen Empires." |
Und selbst
die Londoner Times rühmte kürzlich die "old-world elegance"
des "Dome", das sie als "long-standing colonial
institution" vorstellte. Autor Martin Symington meinte gar
den Geist Lawrence Durrells zu spüren, wie er sich auf die Bar stützend,
"Bitter Lemons" niederschrieb. Auch vergaß er nicht,
an die Filmstars Raqel Welch und Peter Sellers zu erinnern, einst
häufige Gäste an diesem Ort voller Charme und Komfort . . .
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