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Reiseführer Nordzypern

Klosterkirche Christus Antiphonitis

"Eingeschmiegt in einen Alkoven von Hügeln im Anblick des Meeres" - so beschrieb Colin Thubron 1971 die Lage des verlassenen Klosters Antiphonitis. Alte Schriften erzählen von einem Mönch aus Kleinasien, der Ende des 12. Jahrhunderts in der Waldeinsamkeit den Grundstein der Ordensstätte gelegt haben soll. Auch wird von einem wohlhabenden Zyprer berichtet, der 1574 die Klosterkirche kaufte, um sie vor der Umwandlung in eine Moschee zu bewahren. 1906 übernahm das reiche Kloster Kykko die Anlage, die sich aber 1915 schon in einem "höchst erbärmlichen Zustand der Vernachlässigung" befand, wie der damalige "Curator of Ancient Monuments", George Jeffery, beklagte. 1936 notierte Rupert Gunnis in "Historic Cyprus", die Fresken der Klosterkirche seien "von Feuchtigkeit angegriffen und unkenntlich vor Schmutz". Die einfachen , zum Teil nur aus Lehmziegeln errichteten Klosterbauten verfielen, die Natur eroberte das Gelände zurück, nur die massive Kirche überstand, äußerlich kaum beschädigt, die Zeiten.

Kloster Antiphonitis

Architektonische Gestaltung und die kunstgeschichtlich wie künstlerisch bedeutsamen Fresken und nicht zuletzt ihre unvergleichliche Lage machen einen Besuch der Kirche zu einem Erlebnis. Die Kirchentür ist in der Regel verschlossen. Wer den Schlüssel verwahrt und unter welchen Bedingungen die Kirche besichtigt werden kann, weiß die Polizeidienststelle im nahen Esentepe. Ein unkontrollierter Zugang ist nicht mehr vertretbar, seit Kunsträuber die Klosterkirche heimsuchten.

Christus Antiphonitis ist die einzige auf Zypern erhaltene byzantinische Kuppelkirche des Acht-Stützen-Typus. In Abkehr von dem geläufigen Schema, das die schwere Kuppel auf vier ein Quadrat bildende Bögen stellt, wird bei dieser architektonischen Variante die Kuppel von acht Bögen, die ein mehr oder weniger regelmäßiges Achteck bilden, getragen. Wie die Fresken an Säulen und Wänden verschiedenen Perioden angehören (12. und 15. Jahrhundert), stammen auch die Anbauten aus unterschiedlichen Zeiten. So entstand im 14. Jahrhundert der westlich vorgelagerte Narthex, die Vorhalle, mit dem charakteristischen Tonnengewölbe und im 15. Jahrhundert an der Südseite die ursprünglich holzgedeckte Loggia aus anmutig geschwungenen Spitzbögen, getragen von schlanken Säulen. Schon im Eingangsbereich bietet sich ein Bild der Zerstörung. Spuren jahrzehntelanger Vernachlässigung und wiederholter Plünderungen sind leider noch im letzten Winkel des einschiffigen Gotteshauses sichtbar. Aber noch immer sind Raumeindruck und Bildprogramm überwältigend.

Kloster Antiphonitis, Freskenreste

Christus Pantokrator in der Kuppelwölbung

Viel Licht flutet durch die zwölf Fenster im Tambour unter der Kuppel herein und lenkt den Blick nach oben, wo auf der den Himmel vergegenwärtigenden Kuppelwölbung Christus als Pantokrator (Weltenherrscher) überlebensgroß dargestellt ist. In der Linken hält er das Evangelienbuch, die Rechte ist segnend erhoben. Eine Kordel in Regenbogenfarben umrahmt das Christusmedaillon. In der Zone darunter strömen Scharen von Engeln, flankiert von Maria und Johannes dem Täufer, auf den leeren Thron zu, von dem aus Christus am Jüngsten Tag Gericht halten wird. Die beiden freistehenden Säulen, zwischen denen die Ikonostase (Bilderwand) den Gemeinderaum vom Altarbereich trennte, tragen Bildnisse der Erzengel: auf der nördlichen Säule Michael, gegenüber, mit zerstörtem Kopf, Gabriel. Beide halten Schriftrollen in ihren Händen. In der Apsiskonche erscheint in einer Szene Maria Orans Vlachernitissa - die betende (orans) Maria, dargestellt nach dem Vorbild in der Marienkirche des Vlachernenviertels von Konstantinopel (Istanbul). Vor tiefblauem Hintergrund zeigt sie sich in einem weiten Gewand in kräftigen Grün- und Goldtönen. Kunstfrevler haben bei dem Versuch, das Haupt von der Wand zu lösen, das Fresko stark beschädigt.

DIASHOW FRESKENRESTE IM KLOSTER ANTIPHONITIS

(normal / hochaufgelöst)

Besser erhalten ist eine Szene auf dem Südwestpfeiler. Sie zeigt die Taufe Christi im Jordan. Ein nackter Jesus überquert den Fluss, dabei mit der rechten Hand eine Personifikation des Jordans zu seinen Füßen segnend, während Johannes der Täufer ihm die Hand auf das Haupt legt. Auf der Wand daneben sind Bischöfe und Blutzeugen, Ärzteheilige und Wunderwirker abgebildet. Stark zerstört ist die Darstellung des Jüngsten Gerichts im Nordteil und an der Südwand die Wurzel Jesse, der Stammbaum Christi vom Urvater über Salomon und David bis zu den Eltern von Maria. Eine interessante Figur auf einer der Säulen stellt Romanos Melodos, gekleidet in eine weiße Tunika, dar. Er hält ein aufgeschlagenes Buch mit einem Text, dem spätbyzantinische Notationen einer Melodie angefügt sind: Romanos (mit der Berufsbezeichnung Melodos) war Verfasser und Komponist orthodoxer Hymnen. Ein besonders gut erhaltenes Fresko aus jüngerer Zeit ist die Darstellung von Mariens Geburt am Nordwestpfeiler mit stilistischen Anleihen bei der italienischen Renaissance des ausgehenden 15. Jahrhunderts. Es entstand wahrscheinlich kurz nach der Errichtung der südlich vorgelagerten Loggia.

 



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