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Reiseführer Nordzypern

Andreas-Kloster

Ein Kloster im eigentlichen Sinne war es nie. Als populäres Wallfahrtsziel zog es Jahr für Jahr Tausende von Pilgern an, die von dem Wunder vollbringenden heiligen Andreas eine Linderung ihrer Gebrechen erhofften. Unter den orthodoxen Christen Zyperns wird der Apostel Andreas als größter Wundertäter der Insel verehrt. Nach der Überlieferung soll er hier, am östlichen Ende der Insel, eine Prophezeiung ausgesprochen haben, die sich bewahrheitete. Darüber später mehr.

Andreaskloster

Ein geräumiger Platz wird von der Kirche und Pilgerherbergen nebst Nebengebäuden gesäumt, deren Ausmaße eine Vorstellung von den Menschenmassen geben, die hier früher zusammenströmten. Wie es dabei zuging, hat der deutsche Reisende Max Ohnefalsch-Richter 1884 erlebt:

"Wir kamen bei Mondschein an. Der Anblick des großen Nachtlagers wird mir unvergesslich bleiben. Nur die vornehmeren Gäste oder die, welche dem Oekonomos ein recht werthvolles Weihgeschenk brachten (ich sah sogar Schafe und Esel als Weihgeschenke herangetrieben), finden Platz in den Fremdenzimmern oder der Kirchenempore (.) Die Hauptmasse des Volkes hatte sich nun im Freien auf dem großen Platz vor der Kirche und den Nebenbauten gebettet. Tausende lagen da dicht beieinander, und dazwischen Hunderte von Eseln und Kamelen, hier und da eine aus Laub oder Tüchern aufgebaute Bude, noch erleuchtet, angefüllt mit trinkenden und trunkenen Zechern. Musikbanden spielten zum Tanze auf. Ein Palikari lief auf den Händen. Der wüsteste Lärm, Gesang, Zank und Streit dauerte fast die gesamt Nacht hindurch; denn als die spätesten sich hinlegten, standen die frühesten auf. Esel, Hähne schrieen um die Wette und bald fingen auch die Glocken an zu bimmeln."

Nach der Teilung der Insel hielten nur noch die im Norden verbliebenen Zyperngriechen Zwiesprache mit dem wundertätigen Apostel, doch seit den neunziger Jahren gesellen sich wieder Besucher aus dem griechischen Süden dazu, denen nach langwierigen Verhandlungen zugesagt wurde, an den Festtagen 15. August und 30. November den Ort mit Bussen ansteuern zu dürfen. Im Gegenzug erhielten muslimische Pilger aus dem Norden die Erlaubnis zum Besuch der islamischen Gedenkstätte Hala Sultan Tekke bei Larnaca im zyperngriechischen Inselteil. Seit Öffnung der Grenze im April 2003 machen sich besonders an den Wochenenden wieder mehr Besucher auf den langen Weg zum Andreas-Kloster, ohne freilich an die Zahlen von früher heranzureichen.

Die Anlage und ihre Restaurierung

Andreaskloster, NordzypernDie teils renovierten, teils stark ramponierten Gebäude am Platz, einschließlich Kirche, stammen aus den Jahren 1865/67 und aus dem 20. Jahrhundert. Über ihre Entstehung gab früher ein nahebei stehender (heute leerer) Sockel Auskunft, der die Büste des "Oikonomos" (Superintendent) Papa Ioannis trug, dem, so die Inschrift, "Erbauer der Kirche des Apostels Andreas, geboren am 10. September 1827, gestorben am 4. Juli 1902".
Im Jahre 2000 begann ein von hochkarätigen internationalen Organisationen getragenes bikommunales Programm mit der Restaurierung des Andreas-Klosters und des Hala Sultan Tekke bei Larnaca. Ziel dieser Unternehmung sei die Wiederherstellung beider Anlagen "to their former glory", hieß es in offiziellen Verlautbarungen. Nicht weniger hochgegriffen war die Erwartung, mit diesem Projekt "religiösen Respekt und Toleranz zwischen den beiden Volksgruppen der Insel festigen zu können." Fünf Millionen US-Dollar, bereitgestellt von der US-Regierung und verwaltet von der United States Agency for International Development (USAid), sowie organisatorische und logistische Unterstützung von UNDP (United Nations Development Programme) und UNOPS (United Nations Office for Project Services) bildeten die Grundlagen für die anspruchsvollen zwei Vorhaben.

Andreaskloster

Souvenirs am Andreaskloster


Auf dem Karpaz sah die erste Phase des dreistufigen Projekts vor, die Nebengebäude zu reparieren und das unmittelbare Umfeld zu gestalten. In Phase zwei sollte die weitere Umgebung gereinigt und umgestaltet werden. Dazu zählte die Anpflanzung von 8.000 jungen Bäumen und die Anlage von Fußwegen und Mauern. Phase drei sah die Reparatur der gotischen Kapelle aus dem 15. Jahrhundert vor - ohne Frage der schwierigste Teil der Restaurierungsarbeiten. Um die Kapelle in ihren ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen, sollten später hinzugefügte Bauteile entfernt werden. Verantwortlich für die heiklen Arbeiten war der italienische Architekt Dr. Giorgio Croci von der römischen Sapienza-Universität.
Beobachter der Szene zeigten sich nach Abschluss der ersten beiden Renovierungsphasen von der geleisteten Arbeit höchst enttäuscht.

Die erwähnte gotische Kapelle entstand unter der Herrschaft der "fränkischen" Machthaber auf Zypern, dem Königshaus Lusignan. Ein, so ist überliefert, "fränkischer Edelmann" soll die kleine Kirche gestiftet haben. Sein Name ist nicht bekannt. Zunächst also war sie ein katholisches Gotteshaus. Als orthodoxes Kloster oder besser: Wallfahrtsstätte nahm die Anlage erst unter osmanischer Herrschaft Gestalt an. Die Kapelle liegt drei Meter unterhalb der neuen Kirche. Zu gotischen Spitzbögen grob gefügte Bruchsteine bilden die Zugänge auf ihrer West- und Südseite. Innen ist es düster, brennende Kerzen blaken, die Ikonen sind nur schemenhaft wahrzunehmen. In der Raummitte trägt eine zentrale Gewölbestütze (wie einst im Kapitelsaal der Abtei Bellapais) die vier den Raum überspannenden Kreuzgewölbe. In einer seiner Ecken sprudelt die Quelle des heiligen Andreas.

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