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Soli

Um die antike Stadt an der Bucht von Güzelyurt ranken sich gleich mehrere Gründungsmythen. Ihr historischer Hintergrund scheint die frühgriechische Kolonisationsbewegung zu sein, die an den Küsten Zyperns so bekannte Städte wie Lapithos und Salamis, Paphos und eben Soli entstehen ließ.

Eine Legende erzählt, Solis Gründung gehe auf Akamas zurück, den Sohn des sagenhaften Königs von Athen, Theseus, und Geliebten der Aphrodite. Eine andere Version nennt die trojanischen Helden Phaleros und Demophon aus Athen, die Solis Vorläufer Aipeia im Landesinnern errichtet haben sollen. Dieses Aipeia, weiß der griechische Schriftsteller Plutarch, sei auf Anraten des athenischen Staatsmannes und Dichters Solon wegen der dort herrschenden günstigen Entwicklungsbedingungen in die küstennahe Ebene verlegt und ihm zu Ehren Soloi genannt worden. Plutarchs Bericht wird von Historikern nicht für bare Münze genommen und die Namensableitung rundweg verworfen, da etymologisch nicht begründbar. Man verweist darauf, daß der Name der Stadt in der Form „Sillu“ (vermutlich phönikischen Ursprungs) bereits in den assyrischen Tributlisten des 7. Jahrhunderts auftaucht. Eine dieser Listen, ein Verzeichnis von zehn zyprischen Königen mit Angaben ihrer Herrschersitze aus der Regierungszeit des assyrischen Königs Assurbanipal (reg. 668-626 v. Chr.), spricht in Zeile 17 von „Irisu, König von Sillu“.

Wer immer auch den Grundstein legte: Der Ort war gut gewählt, lagen doch im nahen Hinterland lukrative Kupferminen, überdies floss reichlich Wasser aus dem Gebirge auf die Felder der fruchtbaren Küstenebene an der windgepeitschten Bucht, wo bald ein Anlegeplatz entstehen sollte, der zu einem der wenigen sicheren Winterhäfen Zyperns ausgebaut wurde.

Die historische Stätte . . .

Von der weit verzweigten antiken Stadt wurde bisher nur ein geringer Teil freigelegt.

In die Zeit um 1100 v. Chr., dem ungefähren Beginn der kypro-geometrischen Epoche, werden die Anfänge der Siedlung datiert. Perser zerstörten wahrscheinlich diese archaische Stadt. Eine auf ihren Trümmern errichtete klassische Stadt wurde später von den römischen Machthabern überbaut.

Im Mittelpunkt der frühen Ausgrabungen stand die römische Stadt. Ihre Überreste waren das erste Ziel der legendären Swedish Cyprus Expedition, als sie im Herbst 1927 in Zypern eintraf. Und hier endete auch vier Jahre später ihre außerordentlich erfolgreiche Arbeit, nachdem sie zwischenzeitlich an die zwanzig weitere antike Stätten erforscht hatte. So meinte denn auch ihr Leiter Einar Gjerstad: „Soli, diese Stadt, war das Alpha und Omega unserer Expedition“.

Erst 1964 (bis 1974) trat das nächste Team auf den Plan. Diesmal waren es Archäologen der Universitè Laval aus dem kanadischen Quebec, die den Spuren aus der kypro-archaischen bis in die frühbyzantinische Epoche nachgingen. Auf ihre Entdeckungen kommen wir später zurück.

Der etwa 60 m hohe Akropolis-Hügel birgt an seiner Südseite Spuren eines archaischen Tempels und auf seinem Plateau sind die Fundamente eines vermutlich königlichen Palastes tief in den Boden eingesunken. Eine Terrasse tiefer liegt das rekonstruierte Theater. Den nächsten Geländeabsatz bedeckte die Agora mit öffentlichen und privaten Gebäuden, Nymphaeum und Prachtstraße. Seitlich erstreckt sich das überdachte Ruinenfeld der Basilika und nördlich, in Richtung Küste, schlossen sich früher die Handwerkergassen und das Hafenviertel an.

Der von Pseudo-Skylax und Strabo erwähnte Hafen wird von späteren antiken Autoren nicht mehr genannt. Vermutlich war er schon im letzten vorchristlichen Jahrhundert durch Geröllablagerungen so stark verlandet, dass er nur noch eingeschränkt nutzbar war und endgültig in römischer Zeit aufgegeben werden musste. Noch heute kann man bei ruhiger See die beiden streckenweise kollabierten Wellenbrecher aus 60x60x200 cm großen Steinplatten unter der Wasseroberfläche ausmachen, die einst 180 m auf das offene Meer hinausreichten. Offenbar besaß der Hafen ein inneres Becken (dort, wo heute rund um die moderne Verladebrücke Schilf auf brackigem Grund wild wuchert) und entsprach somit dem klassischen Typus eines geschlossenen Hafens („limen kleiston“).

Überreste der ursprünglich 1.950 m langen Stadtmauer haben sich südlich des Stadthügels und in kurzen Teilstücken auch am West- und Ostrand der Siedlung erhalten.

Jenseits der Stadtgrenze wurden die Toten beigesetzt: Im Südosten die der geometrischen und archaischen Epoche, im Südwesten liegt die Nekropole der hellenistischen und römischen Zeit und im Westen, jenseits des Kambos-Flusses, erhielten die Toten der klassischen Periode ihre letzte Ruhestätte. Noch weiter im Westen, an einem Ort, der Chollades genannt wird, legten die schwedischen Ausgräber den Tempelbezirk von Soli frei.