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Sehenswürdigkeiten in Berlin

Jüdisches Museum

Unter Einbeziehung eines in Gelb gehüllten prächtigen Barockbaus, der 1735 als Kollegienhaus an der heutigen Lindenstraße erbaut wurde, konzipierte der us-amerikanische Architekt Daniel Libeskind das Jüdische Museum. Das ehemalige Kollegienhaus und spätere Berlin-Museum fungiert nach Vorstellungen von Libeskind als Eingang des neu erbauten Jüdischen Museums. Der Berliner Museumsbau ist nicht etwa der erste Entwurf von Libeskind für einen Museumsbau, der im Inneren eine gewisse Spröde ausstrahlt. Bereits das in Osnabrück zuvor entstandene Felix-Nussbaum-Haus, das sich dem Werk des durch die Nazis ermordeten jüdischen Malers Felix Nussbaum widmet, ist keine transparente Halle im Sinne der klassischen Moderne, sondern ein nach innen gerichtetes Gebäude mit sich schneidenden Achsen. Dieses Achsenkonzept übernahm Libeskind für das Untergeschoss des 1999 vollendeten Jüdischen Museums Berlin. Der Grundriss des Gebäudes entpuppt sich als ein zuckender Blitz und hat gar nichts mit einem zersprungenen Davidstern zu tun. Aus unverputztem Sichtbeton bestehen die Wände der Gänge. So genannte »voids«, Leerräume, sind Sackgassen ohne Ausweg. Beklemmung überkommt diejenigen, die den leeren, hohen Holocaust-Turm betreten.

Berlin: Jüdisches Museum

Libeskind schreibt im Erläuterungstext zu seinem Projekt, bei dem es um die Erweiterung des ehemaligen Berlin Museums um die Abteilung Jüdisches Museum ging: » (...) ich habe es »Between the Lines« genannt, weil es sich für mich dabei um ... zwei Strömungen von Gedanken, Organisation und Beziehungen handelt. Die eine Linie ist gerade, aber in viele Fragmente zersplittert, die andere Linie windet sich, setzt sich jedoch unendlich fort. Diese beiden Linien entwickeln sich gemeinsam architektonisch und programmatisch (...). Sie fallen auch auseinander, lösen sich voneinander und werden als getrennt gesehen. Auf diese Weise decken sie Leere auf, the void (...).«

Die Leere als Metapher

Die Leerräume kann man als umbauten Raum verstehen, der das Verschwinden jüdischen Lebens und das perfekt und industriell organisierte Auslöschen von Abertausenden zum Ausdruck bringt. Gäbe es aus dem Holocaust-Turm keinen Ausgang, so wäre auch dieser spärlich ausgeleuchtete, kalte Raum eine Art Endstation, so wie nach der Berliner Wannseekonferenz die Vernichtungslager Auschwitz, Treblinka und Bergen-Belsen für viele Juden.

Über dem Beton eine glänzende Hülle

Die Außenhaut aus Titanzink ist teilweise diagonal aufgeschlitzt, um hier und da natürliches Licht in das Gebäude strömen zu lassen. Vor dem Bau stehend, nimmt der Besucher irritiert ein Kreuz in der Außenhaut des Gebäudes wahr. Doch es ist nicht das Kreuz Christi, sondern ein Schweizer Kreuz. Hier wie auch bei den sich kreuzenden Gängen des Museumsuntergeschosses wird scheinbar christliche Symbolik zitiert und zugleich abgewehrt.

Berlin: Jüdisches Museum

Der Weg ins Exil

In Vitrinen im Untergeschoss sind Exponate ausgestellt, die den Weg der Juden in die Emigration vermitteln. Wer einen der Gänge verlässt, gelangt in den Exilgarten mit seinen 49 Stelen, die im gleichen Abstand von einander schief aus dem Boden ragen. Gesträuch auf der Krone der Stelen formt im Sommer einen Laubbaldachin, ein Bezug zum Laubhüttenfest, fünf Tage nach Jom Kippur, dem Versöhnungsfest.

Die Baukosten für den dekonstruktivistischen Bau waren gewaltig und betrugen etwa 60 Mio. Euro. Das Museum, bereits vor der Eröffnung ein Besuchermagnet, berichtet auf einer Ausstellungsfläche von 4500 Quadratmetern über Leben und Alltag des Judentums in Deutschland. Wechselnde Ausstellungen, Vorträge, Lesungen, Theater- und Musikaufführungen ergänzen die Dauerausstellung.

Jüdisches Museum Berlin
Lindenstr. 9-14
10969 Berlin
Tel. 0 30 /25 99 33 00
info@jmberlin.de
Öffnungszeiten
Mo 10-22 Uhr, Di-So 10-20 Uhr

 

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