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Friedrichwerdersche Kirche

Klassizismus und Gotik gingen in diesem Sakralbau, der heute musealen Zwecken dient, eine harmonische Verbindung ein. Die Rekonstruktion dieses Schinkelbaus (1824-1830) ist dem 750. Stadtjubiläum zu verdanken. Dem Gebäude fehlt ein mächtiger gotischer Turm mit spitzem Turmhelm, statt dessen entschied sich Schinkel für ein stumpfes Turmpaar. Dabei musste er sich dem Wunsch des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. beugen, der eine solche Lösung favorisierte.

Berlin: Friedrichwerdersche Kirche

Die Friedrichwerdersche Kirche ist seit dem Mittelalter der erste Sakralbau, der in unverputztem Backstein ausgeführt wurde. An die Gotik erinnern die Spitzbogenfenster des Kirchenschiffes. Doch die gotische Formensprache des Kirchenbaus für die Gemeinde des Friedrichswerders war nicht die erste Idee Karl Friedrich Schinkels. Ursprünglich wollte er einen von korinthischen Säulen umstandenen Tempel realisieren. Vorbild für diesen Entwurf war wahrscheinlich La Madeleine in Paris, ursprünglich eine Ruhmeshalle für die französische Armee, ehe daraus unter Ludwig XVIII. eine Kirche entstand. Schinkel konnte sich jedoch mit seinem Vorhaben nicht durchsetzen. Kronprinz Friedrich Wilhelm IV. legte einen eigenständigen Entwurf vor, der einen Kirchenbau im Mittelalterstil vorsah. Und auch der herrschende Monarch redete in der Frage der Baugestaltung ganz erheblich mit.

Friedrichswerdersche Kirche bis auf Weiteres geschlossen

Die Staatlichen Museen zu Berlin schließen bis auf Weiteres die Friedrichswerdersche Kirche. In dem denkmalgeschützten Gebäude gab es Abplatzungen vom Deckenputz, die Besucherinnen und Besucher sowie das kostbare Ausstellungsgut konkret gefährden können. Ein bautechnisches Gutachten soll nun das exakte Schadensausmaß und die Ursache feststellen sowie Empfehlungen für die zu treffenden Maßnahmen geben. Danach wird über das weitere Vorgehen zu entscheiden sein. Bislang wurden an den ausgestellten Werken keine Schäden festgestellt. Sicherheitshalber werden jetzt sämtliche Sammlungsobjekte aus der Kirche ausgelagert.

Bereits im September 2012 waren in der nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel errichteten Kirche kleine Putzfragmente aus dem Gewölbe gefallen. Die Kirche war daher seit dem 10. September geschlossen, über den Emporen wurde ein Netz eingezogen, um Verletzungen von Personen und Schäden an den im Kirchenschiff ausgestellten Skulpturen zu verhindern.

Die Friedrichswerdersche Kirche wurde von 1824 bis 1830 nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel erbaut. Bis heute entsprechen Fassade wie Innenraum des Backsteinbaus dem ursprünglichen Erscheinungsbild. Eigentümerin des Gebäudes ist die Evangelische Kirchengemeinde in der Friedrichstadt (Berlin). Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit ihren Staatlichen Museen zu Berlin ist Nutzerin der Kirche. Im Kirchenschiff war bislang eine Auswahl von Skulpturen aus Schinkels Zeit aus den Beständen der Nationalgalerie zu sehen, darunter das originale Gipsmodell zu Johann Gottfried Schadows berühmtestem Werk, der "Prinzessinnengruppe“.

1830 war der Bau dieser einschiffigen Kirche mit fünf Jochen schließlich vollendet. Die Fenster werden von schmalen Pfeilern flankiert. Typisch gotisch sind im Kircheninneren die vierteiligen Kreuzrippengewölbe. Klassischer Sachlichkeit verbunden sind das Flachdach und die schmucklosen Fialen der stumpfen Türme. Auch das Maßwerk der Fenster und des Portals, an dem der hl. Georg wacht, ist eher zurückhaltend. Doch trotz dieser Einfachheit des Baus machte sich Schinkel intensiv Gedanken zum Baumaterial: „Es verlangte der Bau hiernach eine bedeutende Menge in sehr verschiedener Gestalt und Größe geformter Ziegel zu den Säulchen, Kapitälen, Gliederungen, Fensterstöcken, Gesimsen und Ornamenten ...“.

Gottesdienste werden in dieser Schinkelkirche seit Jahren nicht mehr gefeiert. Statt dessen nutzen die Staatlichen Museen Berlins das Kirchenschiff als Ausstellungsraum für die Skulpturensammlung des 19. Jahrhunderts sowie für eine Dokumentation über Leben und Werk Karl Friedrich Schinkels. Unter den Exponaten findet man u.a. das Doppelstandbild der preußischen Prinzessinnen Luise und Friederike, das Johann Gottfried Schadow schuf, und Werke von Christian Daniel Rauch und Johann Joachim Winkelmann.

Friedrichswerdersche Kirche
Werderscher Markt
10117 Berlin-Mitte
Information Museumsinsel 0 30 / 20 90 55 77

 

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