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Sehenswürdigkeiten in Berlin

Reichstagsgebäude (Deutscher Bundestag)

Es ist schon ein paar Jahre her, dass Christo das Reichstagsgebäude verhüllte und Millionen dorthin pilgerten. Aus einem Bauwerk mit Säulenportikus war eine Archiskulptur geworden. Seit 1999 tagt in den Räumen des Reichstagsgebäudes der Bundestag. Hier wird Politik gemacht, und die Bürger kommen in Scharen – bislang über 15 Mio. Menschen - um einen Blick auf ihre gewählten Vertreter zu werfen, vor allem aber um die gläserne Kuppel zu betreten, die den Bau krönt.

Berlin: Reichstagsgebäude / Deutscher Bundestag

Sir Norman Foster hatte die Idee für dieses „architektonische Zitat" für ein Bauwerk, das nach der deutschen Reichsgründung entstand und als Vierflügelanlage mit zwei Innenhöfen, einer markanten Zentralkuppel und vier Ecktürmen erbaut wurde. Realisiert wurde damals der Entwurf des Siegers eines Architektenwettbewerbs, des Frankfurter Architekten Paul Wallot. Dieser verband in seinem Entwurf im Stile des Historismus Gotik und Renaissance. Weder Wilhelm II. noch andere Zeitgenossen waren von dem Bauwerk angetan. Einige sprachen sogar vom „Leichenwagen erster Klasse“.

In den späten 1950er Jahren begann man mit der Sanierung des teilweise im Zweiten Weltkrieg zerstörten Gebäudes. Im Zuge dieser Maßnahmen entfernte man die historistischen Dekors. Bestrebungen, den Bau nicht zu sanieren, sondern als „Wurzel des nationalsozialistischen Übels“ zu schleifen, hatten sich nicht durchgesetzt. 1960 begann man mit der Innengestaltung. Federführend war Paul Baumgarten, der den massiven Bau durch große Fenster nach außen hin öffnete. Durch den mit Säulen bestandenen vorgesetzten Portikus sollte der Plenarsaal sichtbar sein.

Die Umbauten der 1990er Jahre waren radikaler Natur: 45000 Tonnen Beton, Stahl, Gestein, Asbest und Füllmaterial wurden aus dem Gebäude geschafft. Dann begann die Umgestaltung des entleerten Baukörpers. Genial war Fosters Idee für den Plenarsaal, der sich nach oben hin in die Glaskuppel hinein öffnet. Zwölf Pfeiler tragen die im Zentrum aufgebrochene Decke. Glas ist der wichtigste Baustoff, aus dem nicht nur die Kuppel, sondern auch die Geländer der frei schwebenden Besuchertribünen bestehen. Im Plenarsaal sind die Abgeordneten in einer Halbelipse platziert. Hellgrau und Zartbeige sind die dominanten Farben des Saals. Für Licht im Plenarsaal sorgt durch Ablenkung des durch die Kuppel dringenden Tageslichts ein mit 360 Spiegelglasscheiben belegte, pilzförmiger Trichter.

Moderne Kunstwerke wie Bernhard Heiligers „Kosmos 70“ zogen nach dem Umbau in die Räume des Reichstagsgebäudes ein. Auch Gerhard Richters „Schwarz-Rot-Gold“ gehört zur „Kunst am Bau“.

Berlin: Vor dem Reichstagsgebäude (Bundestag)

Der Platz vor dem Reichstagsgebäude

Der Reichstag steht heute vis à vis des Bundeskanzleramts, zeitweilig „Schröders Waschmaschine“ genannt. Zwischen diesen beiden Gebäuden des so genannten Regierungsviertels liegt der Platz der Republik, eine Rasenfläche, die nicht mehr bespielt werden darf.

Information

Besuch von Kuppel, Dachterrasse, Dachgartenrestaurant täglich 8–24 Uhr (letzter Einlass 22 Uhr), Zugang: Westportal rechter Eingang (West B), geschlossen 24.12. und 31.12., weitere Termine der Sperrungen siehe unter: http:/www.bundestag.de

Dachgartenrestaurant : täglich 9–16.30 Uhr, 18.30–24 Uhr, Zugang für Gäste, die bereits reserviert haben, erfolgt über den Eingang rechts unterhalb des Westportals (West C); Platzreservierungen Tel. 0 30 / 22 62 99 33 oder kaeferreservierung.berlin@feinkost-kaefer.de. Das Restaurant ist übrigens auch dann geöffnet, wenn die Kuppel wegen Reinigungsarbeiten für einige Tage geschlossen ist, was mehrmals im Jahr der Fall ist.

Nach vorheriger Anmeldung kann man auch an Plenarsitzungen des Bundestages teilnehmen – natürlich ist dabei das Platzangebot sehr begrenzt. Einzelheiten dazu gibt’s unter www.bundestag.de oder Tel. 030 / 227 32 152.

 

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