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Ein Tag in Brüssel
Vom Schwarzen Turm zum Großen Markt

Ein Hauch von Domestos mit einer flüchtigen Prise Kabeljau, Hummer und Garnelen liegt morgens über dem Quai au Bois à Brûler und Quai aux Briques im Quartier Ste-Catherine. Nicht selten fällt feiner Nieselregen auf das Kopfsteinpflaster über dem zugeschütteten Becken des ersten, im 11. Jh. entstandenen   Hafens der belgischen Hauptstadt. An den ehemaligen Hafen und seinen florierenden Fischmarkt erinnert seit 1979  eine rechteckiges Wasserbecken mit der säulenförmigen Ansbach-Fontaene.  Abends lassen sich Gourmets  links und rechts des Platzes, im plüschigen »Rugbyman No Two« und im »La Truite d'Argent«, mit einem halbe Dutzend Austern, mariniertem Steinbutt, Hummerschwänzen und köstlicher Bouillabaise verwöhnen.

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Vorhang auf für das Herz des Stadt: die Grand' Place

An den Frauenbund der frommen, teilweise vermögenden Beginen, die in abgeschlossenen Wohnhöfen ihrem karitativen und religiösem Werk nachgingen, sich der Mädchenerziehung widmeten, Klöppelspitze fertigten und Wäschebleichen unterhielten, erinnert die barocke Eglise St-Jean Baptiste du Béguinage, deren prunkvolle Giebel am Ende der Rue du Peuplier zu sehen ist.

Am südlichen Ende der ehemaligen Docks und Kais erhebt sich die im Stil der Neogotik und Neorenaissance erbaute Eglise Ste-Catherine, die aus einer im 12. Jh. errichteten Kapelle an der ersten Stadtmauer Brüssels hervorgegangen ist. Östlich der Kirche entdeckt man mit dem Tour Noir ein Überbleibsel der Stadtmauer des 12. Jh., das dank des Engagements von Charles Buls, einem von den Bürgern sehr geschätzten Bürgermeister der belgischen Hauptstadt, im 19. Jh. restauriert und erhalten wurde. Jetzt soll es nach dem Willen skurriler Investoren im Eingangsbereich eines Hotels verschwinden.

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Einmal im Jahr kommen belgische Brauer mit ihren Gespannen
auf die Grand Place

Sehr lohnenswert ist ein kleiner Abstecher in die engen Rue du Flandre. Nach Durchqueren eines Torweges und vorbei an einer Bibliothek steht man in einem überdachten Innenhof vor der prächtigen Barockfassade des Maison de la Bellone, die unter anderem die Büste der Kriegsgöttin Bellona schmückt.

Doch zurück zur St.-Katharinen-Kirche und zum »Alten Kornmarkt«, in der ursprünglich vom 13. bis zum 18. Jh. ein Augustinerinnen-Kloster bestand. An dessen Stelle öffnete die Christalleries du Val-Saint-Lambert ihre Brüsseler Ausstellungsräume für Gebrauchs- und dekoratives Glas, ehe das Flämische Gemeinschaftszentrum De Markten ein Stadtteilcafé, Theater- und Ausstellungsräume einrichtete.

Über die Rue Dansaert und vorbei an ausgefallener Mode, schrillen Bars und coolen Designer- Restaurants wie  das »l'Archiduc« mit seinem unterkühltem Ambiente und manchmal schrägen Jazztönen geht es über den Boulevard Anspach hinweg zur Bourse, der Börse, die einem antiken Tempel gleicht.

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Nur einen Katzensprung ist es zur Rue des Chartreux. Dort sinnierte im »Le Greenwich«  der philosophierende Maler René Margritte einst über die surreale »Untersuchung der Wahrheit«; heute werden bei einem »Lait russe« Eröffnungsvarianten mit Turm und Läufer am schwarzweißen Brett gezogen.

Nebenan im »Fin de Siecle« erwarten den Gambrinus-Freund bei »Art brut« und »jungen Wilden« ein säuerliches Gueuze und ein schmackhaftes Kriek. Rund um die Boerse, an dessen ornamentaler Gestaltung auch Augustin Rodin beteiligt war, lebt im »Cirio« und »Falstaff« ein Stück Jahrhundertwende.   Umgeben von floralem Dekor und geschwungenen Linien der Art nouveau läßt man sich Rindsmedaillons in Gueuze-Zimtmarinade mit überbackenen Chicorée zu einem belgischen Weißbier, Blanche Hoegaarden schmecken. Unter schweren Messingleuchtern und bequem auf Lederpolstern sitzend blickt man vom »Cirio« auf die überglaste Ausgrabung »Bruxella 1238«, ein Stück mittelalterliche Klostergeschichte zu Füßen von Baisse und Zukunftsoptionen.

Am Ende der Rue de la Bourse erblickt man die von Brüsseler Kurzwarenhändlern gestiftete Eglise St-Nicolas, deren Kirchenschiff von kleinen Häuschen umbaut ist, in denen heute filigraner Goldschmuck, Brüsseler Waffeln und Ardenner Spezialitäten feilgeboten werden. Von der Rue Tabora an der Westseite der Kirche führt ein schmaler Gang zu einer der vielen Perlen in der urigen Kneipenlandschaft Brüssels, zum »La Bécasse«, in dem Bier in Steinkrügen gezapft wird.

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Unterdessen steht das Café Cirio
unter Denkmalschutz

Läßt man die Kirche zu seiner Rechten, so erreicht man ein Gewirr von Gassen und Straßen, deren Namen wie Rue des Bouchers und Marche aux Poulets auf buntes Marktreiben verweisen, das im Mittelalter stattfand. An der Rue de L'Ecuyer wurde 1830 im Théâtre Royale La Monnaie bei einer Opernaufführung zum Widerstand gegen die niederländischen Unterdrücker aufgerufen und somit der Kampf um die belgische Unabhängigkeit eingeläutet. Nicht nur der Tanz auf Spitzen, sondern auch Tenöre in »Ariadne auf Naxos« verlocken die Besucher von heute zu wahren Beifallsstürmen.
 
Auf der Einkaufsmeile Rue Neuve gelangt man zur Kirche Notre-Dame de Finistère, einer Mischung aus klassischer Renaissance und flämischem Barock,  und von dort aus in die Rue St-Michel einbiegend zur Place de Martyrs mit klassizistischem Ensemble. In der Platzmitte befindet sich ein Grabmal für mehr als vierhundert Opfer der belgischen Revolution von 1830. Über die Rue d'Argent und Rue Léopold schlendert man zurück in das Gewirr der »Freßgassen« unweit der Grand Place und zu den Galeries St-Hubert, einer der ersten Passagen Europas. Wo sich im einstigen »Café des Arts«  französische Schriftsteller wie Alexandre Dumas trafen, entspannt heute im   »Taverne du Passage« manch ein Brüssel-Besucher beim »Lait Russe« (Milchkaffee) und Parfait. Verläßt man das gewaltige Tonnengewölbe der Passage und durchquert die Rue des Harengs oder die Rue de la Colline, so befindet man sich auf der Grand Place im Herzen des sogenannten Brüsseler Fünfecks - so genannt, weil der Stadtgrundriß von Brüssel mit den umschließenden Boulevards de Jardin Botanique und   Waterloo einem Fünfeck  bzw. einem Herzen gleicht.

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Nur beim Historienspiel geht es im
Gleichschritt über den Grand Place

Der Betrachter dieses einmaligen Renaissance- und Barockensembles Grand Place wird vielleicht nicht sogleich in Ohs und Ahs ausbrechen, doch ins Staunen wird er wohl kommen. Die Grand Place, der nach dem Willen der Brüsseler Ratsherren zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt werden soll,  besteht aus reich verzierten, ehemaligen Gildehäuser, dem gotischen Maison du Roi, dem Städtischen Museum mit seiner sehenswerten Sammlung der Kostüme von »Manneken Pis«, und dem mit zahlreichen Skulpuren aus der belgischen Geschichte geschmückten Hôtel de Ville, dem Rathaus der Stadt Brüssel (Bruxelles Ville), die mit 18 anderen Gemeinde die zweisprachige (französisch/flämische) Region Bruxelles Capitale bildet. Wer den kleinen pinkelnden Knaben »Manneken Pis« sucht, der kann sich kaum verlaufen, wenn er dem Strom der anderen Brüssel-Besucher folgt und die Rue de l'Etuve bis zur Rue du Chêne hinabläuft. Gegenüber der illustren Kneipe »Manneken Pis« und nicht weit vom »Poechenellekelder« steht die Knabenfigur, um die sich so manche Legende rankt. Übrigens, wer in einem Salon mit Kunst, heißer Schokolade und leckerer Schokoladentorte ein Päuschen einlegen möchte, der spaziert zum »Planète Chocolat".

Weitere Infos:

Na dann, Gute Nacht

Schlemmen und .....

Auf der Piste



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