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Der alte innerstädtische Hafen im Quartier Ste-Catherine 

Die Senne mit ihren Nebenarmen und Grachten war seit dem 11. Jh. eine wichtige Wasserstraße, auf dem Handel und Gütertransport abgewickelt wurde. Auf dem von Martin de Tailly um 1640 gefertigten Stadtplan »Bruxella Nobilissima Brabantiae Civitas« erkennt man das in Ost-West-Richtung unweit des Tour Noir angelegte Katelijndok und in südlicher Richtung Kooplieden- und Schuitendok. Der damalige innerstädtische Lauf der Senne und Grachten folgte etwa dem heutigen Verlauf von Rue Dansaert, Rue du Marche aux Grains, Rue des Riches-Claires und Rue du Lombard. Wichtigster Handelsweg über Land und Verbindung nach Brabant und Flandern blieb über Jahrhunderte der bereits 1222 gepflasterte Vlaamsesteenweg.

Die Schiffbarkeit der Senne wurde durch ständige Versandung gefährdet, somit auch der Warenumschlag in Brüssels Hafen. Zudem zwang die Stadt Mechelen den Schiffern, die die Senne befuhren, nicht unerheblichen Wegezoll ab, was die in Brüssel angelandeten Waren verteuerte. Kein Wunder also, daß an die Anlage eines Kanals gedacht wurde, der unter Umgehung von Mechelen die Senne mit der Rupel verbinden sollte, um über diese die Schelde und die  Nordsee mit Brüssel zu verbinden. Dank der Unterstützung durch die Statthalterinnen der Südlichen Niederlande, Maria von Burgund und Maria von Ungarn, die im Rechtsstreit zwischen Mechelen und Brüssel die Sache der Brüsseler unterstützten, konnte 1561 der Canal de Willebroek in Betrieb genommen werden. Entlang der ersten Stadtmauer wurde 1564 das Katelijndok ausgehoben, später auf Höhe des Oude Graanmarkt/Vieux Marche aux Grains eine neue Kaianlage, Viskaai genannt. Erst unter der Herrschaft der Erzherzöge Isabella und Albrecht wurden weitere Hafenbecken wie Mestbakdok und Hooidok gegraben. Der Name des Hooidok erinnert an das Heu, das an die Schlepppferde verfüttert wurde, ohne deren Hilfe kaum ein Kahn den Weg in die Stadt gefunden hätte.

Nur von amtlich zugelassenen, speziellen Bruderschaften durften die Schiffe und Kähne gelöscht und beladen werden. So gab es die der Kohlenlöscher und - lader sowie diejenigen »Brüder«, die nur Sand und Backsteine laden und löschen durften. Die Bruderschaft der Salz- und Kornträger wurde 1596 ins Leben gerufen. Eine besondere Bruderschaft war die der Kranarbeiter, »Craenkinderen«, die nicht nur den großen Kran am Katelijndok bedienten, sondern auch für den Einzug von Nutzungsgebühren zuständig waren. Zudem durften nur sie die gelöschten Weinfässer zu den Weinhändlern nach Hause transportieren.

Dank der boomenden Hafenaktivitäten entstand 1788 der Nouveau Marche aux Grains, da der alte Kornmarkt längst nicht mehr all den Warenumschlag bewältigen konnte. Am Ende des »Heukaais« wurde 1781 aufgrund eines Dekrets der österreichischen Kaiserin Maria Theresia, die über die Südliche Niederlande und Brüssel regierte, der erste öffentliche Speicher erbaut, der nicht in städtischer Hand war und einen billigen Transithandel ohne städtische Belastungen ermöglichte. Zwei Jahre danach errichtete man einen zweiten Ladekran, genannt »Wippe« , um dem steigenden Warenumschlag Herr zu werden. Der Handel florierte: aus Frankreich kamen Wein und Branntwein, Kaffee, Trockenfrüchte, Seide, aus England Wollstoffe und Eisenwaren, aus Holland Käse, Fisch und Kolonialwaren und aus dem Fürstbistum Lüttich fein gearbeitete Handfeuerwaffen. Theresias Nachfolger auf dem Thron der Habsburger, Josef II., ordnete das Schleifen der noch bestehenden Stadtbefestigung an. Wenn auch nun Flächen zur Hafenerweiterung gewonnen wurden, verhinderten die Französische Revolution und die Blockade gegen England dieses Vorhaben. Der Handel auf dem Wasser kam nahezu zum Erliegen. Der Kanal von Willebroek drohte mangels Nutzung und Unterhaltung zu zerfallen. Erst zur Zeit des Vereinigten Königreichs der Niederlande wurde ein fälliger Ausbau der Brüsseler Wasserwege in die Wege geleitet. Der Kanal von Charleroi wurde 1827 bis 1832 ausgehoben und der Kanal von Willebroek auf 3.20 m vertieft. Bis zu 25 000 Schiffe jährlich befuhren beide Kanäle. Doch der Eisenbahnbau 1883 brachte harte Konkurrenz. Der innerstädtische Hafen war unterdessen durch den modernen Großen Handelshafen am Zusammenfluß von Kanal von Willebroek und Charleroi abgelöst worden. Ein Hafenbecken nach dem anderen wurde verfüllt, um Baugrund für die weitere Stadtentwicklung zu schaffen. Bis heute erinnern im Quartier Catherine Straßennamen wie Rue du Canal und Quai aux Pierres de Taille an die bewegten Zeiten des innerstädtischen Hafens

Von der sumpfigen Niedersetzung zur europäischen Metropolis

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