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Grand Place/Grote Markt/Großer Markt

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Alle zwei Jahre liegt auf der Grand Place ein bunter Blumenteppich

Gourmets lassen sich  im »Le Cygne« verwöhnen, über dessen Eingang ein steinerner Schwan stolz seine Flügel spreizt. Nichts deutet heute daraufhin, dass im Zunftsitz der Fleischer der deutsche Philosoph Karl Marx die Sitzungen des Deutschen Arbeiter-Bildungsvereins leitete, aus der Jahrzehnte später die Arbeiterpartei Belgiens hervorging. Im schattigen Säulengang von »l'Etoile« ist ein dreiteiliges Relief oftmals von Menschen dicht umlagert. Es zeigt eine Frau mit einem Huhn ebenso wie den sterbenden Schöffen Everard 't Serclaes, der ein erbitterter Gegner des flandrischen Grafen Lodewijk van Maele war. Nach dem Tod des Schöffen, der den flandrischen Häschern in die Hände gefallen war, zogen die aufgebrachten Brüsseler in Scharen zum Grafenschloss von Gaasbeek und brandschatzten es. Als unentbehrliche Wegzehrung nahmen sie auf ihrer Strafexpedition Hühner mit. Seither nennt man die Brüsseler auch spöttisch »Hühnerfresser«. Da die Berührung des Brüsseler Schöffen nicht nur unter Frischvermählten als glücksbringend gilt, ist sein Körper stellenweise goldblank.

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Prächtige Zunfthäuser auf der Grand Place, die als UNESCO-
Weltkultturerbe anerkannt ist

In filigraner Gotik erhebt sich das mit unzähligen Skulpturen wie den Propheten und zierlichen Fialen reich geschmückte, siebengeschossige Rathaus.  Die aus bläulichem Granit geschaffene Maison du Roi, einst Zunfthaus der Bäcker und später auch königlich-spanisches Gericht, steht genau gegenüber und ist ein Wiederaufbau des gotischen Vorgängerbaus aus dem Geist des 19. Jh. heraus. 

 An der Südostseite der Grand' Place fällt der Blick auf die von flachen Wandpfeilern einheitlich gegliederte Fassade der Maison des Ducs de Brabant. In diesem an einen italienischen Palazzo erinnernden Prachtbau, der aus sechs Zunfthäusern, u.a. »La Fortune« (Nr. 15.), »Le Moulin à Vent« (Nr. 16) und »La Colinne« (Nr.18). besteht, trafen sich Steinmetze, Wagner und Zimmerleute. Die Namensgebung hängt mit den 19 Büsten der Herzöge von Brabant zusammen,   die neben den flachen Pilastern mit vergoldeten Kapitellen und den bauchigen Säulenbalustraden einen reizvollen Fassadenschmuck bilden.

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Eines der vielen Hauszeichen auf der Grand Place

 »Le Cerf Volant« (Nr. 20) und der ehemaligen Sitz der Schneidergilde »La Chaloupe d'Or« und »La Taupe« (Nr. 24/25) sind schöne Beispiele der flämischen Architektur des 17. Jahrhunderts. Im einstigen Haus der Malergilde »Le Pigeon« (Nr. 26/27), wo im »Old Brussels Lace Shop« feine Spitze verkauft wird, traf sich 1852 der Schöpfer des »Glöckners von Notre-Dame« und von »Les Miserables« , der aus Frankreich wegen seiner Kritik an Napoleon III. 1852 emigrierte Schriftsteller Victor Hugo mit seiner Geliebten zum tête-à-tête.  Sehr schmuck ist das »Le Roi d'Espagne« mit seinem Kuppelturm und den Medaillons römischer Kaiser sowie das ehemalige Haus der Fettmacher - »La Brouette« - mit der Statue des hl. Ägidius, des Schutzpatrons der Zunft. Schreiner und Faßbinder kamen im »Le Sac« mit dem namensgebenden Flachrelief zusammen, auf dem ein Mann mit einem geöffneten Sack zu sehen ist, in den ein zweiter hineingreift. Über dem Eingang des Eidhauses der Bogenschützen - »La Louve« - stillt eine Wölfin die Zwillinge Romulus und Remus. Nebenan wacht auf dem Haus der Kurzwarenhändler - »Le Renard« - der hl. Nikolaus über Wohl und Weh, während die schöne »Europa«, »Afrika«, »Asien« und »Amerika« stumm herabblicken.

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Einer der prächtigen Giebel an der GRand Place

 In einem schmalen Gässchen, das von der Grand Place wegführt, streckte am 10. Juli 1873 der Bohemien und Dichter Paul Verlaine in rasender Eifersucht seinen Freund Arthur Rimbaud mit sechs Pistolenschüssen nieder. Sorgsam als Auslage dekorierte Austern, dunkelroter Hummer, hässlich aussehende Seeteufel und andere appetitanregend Seefische lassen vor zahlreichen Restaurants in den kopfsteingepflasterten Fressgassen unweit der Galeries St-Hubert hungrige Brüsselbesucher nähertreten. Gegenüber den Galeries St-Hubert wehte am 16.8.1830 an der Rue de la Montagne erstmals die belgische Fahne im Wind, während auf der nahen Grand Place die französische Trikolore aufgezogen wurde. (fdp)



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