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Die Seele eines Landes offenbart sich in der Musik

Musik aus aller Welt

Winfried Dulisch
präsentiert CDs, Hörbücher und DVDs


 

Die bisherigen Empfehlungen unseres Musik-Experten Winfried Dulisch finden Sie unter Musik aus aller Welt.

Deutschland

Amsel, Drossel, Fink und Schlagerstar

Über Naturschutz reden viele Politiker und Tourismus-Manager. Der Plattenproduzent Walter Tilgner lässt am Bodensee und anderswo die Natur auch einmal selbst zu Wort kommen.

Soll eine Nachtigall, deren Gesang auf einer CD zu hören ist, dafür ein Honorar bekommen? Welches Tier hat als Komponist einen Anspruch auf eine angemessene Tantiemen-Zahlung– der brummende Bär oder ein singender Wal? Und überhaupt: Was ist eigentlich Musik?

Die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte, besser bekannt als: GEMA, hat entschieden: Die Natur-Hörbilder eines Walter Tilgner sind keine Musik. Deshalb zahlt die GEMA dem Produzenten von CDs wie „Frühlingskonzert“, „Nachtigall“, „Winter am Bodensee“ und anderen klingenden Landschaftsbildern keine Komponisten- oder Arrangeur-Tantiemen.

Walter Tilgner verzichtet bewusst auf künstliche Halleffekte und Klang-Manipulationen, mit denen andere Tontechniker gerne ihre Produkte künstlich aufzublähen. „Ich will den natürlich erzeugten Klang meiner Aufnahmen auf keinen Fall verändern“, begründet Walter Tilgner seine Arbeitsweise. Mit seinem „Waldkonzert“ setzte er 1984 einen Maßstab für akustische Naturbeobachtung. Vom kräftigen Gewitter bis zum hauchfeinen Waldesrauschen, von zarten Vogelstimmen bis zum deftigen Röhren eines Hirsches reichte das Repertoire von Walter Tilgners Debüt-Albums. Auf seinem CD-Hit „Meistersinger“ ist das Jubilieren von Feldlerche, Nachtigall und anderen gefiederten Sängern zu hören.


Dabei könnte der Naturbelauscher das Problem mit der GEMA ganz einfach lösen. „Ich müsste meinen Kunstkopf-Aufnahmen nur einige rhythmische Computer-Geräusche unterlegen oder dazu etwas singen – und schon würden meine Aufnahmen im Sinne des Urheberrechts als musikalische Kunstwerke anerkannt.“ Dann müssten die Tantiemen-Verteiler nur noch entscheiden, ob das Vogelgezwitscher als eine künstlerische Leistung im Sinne der Sparte E (ernste Musik) oder U (Unterhaltungsmusik) zu bewerten ist. Aber dieses Problem wird sich den GEMA-Verantwortlichen nicht stellen, denn Walter Tilgner bleibt seiner Linie treu: „Nichts klingt wahrhaftiger und überzeugender als die unverfälschte Natur.“

Mit dieser konsequenten Haltung hat Walter Tilgner sich im interdisziplinären Bereich zwischen Klang und Umwelt einen Namen gemacht. 1972 arbeitete der Naturfreund zum ersten Mal mit seinem Tonbandgerät in der freien Wildbahn. „Ich hatte vorher schon als Fotograph nicht nur aus den romantischen und spektakulären Blickwinkeln unserer Landschaften dokumentiert. Später habe ich dann als Tontechniker ebenfalls versucht, die unverwechselbare Persönlichkeit eines Waldes oder einer Wasserfläche zu erfassen. Der Erfolg meiner Arbeit besteht darin, dass ich viele Menschen für diese Zwischentöne sensibilisieren konnte. Und vor allem konnte ich einigen Menschen, die wegen einer Krankheit nicht mehr in die freie Natur gehen können, ein unverfälschtes Natur-Klangerlebnis bieten.“


Walter Tilgner könnte auf einer aktuellen Zurück-zur-Natur-Welle mitschwimmen. Auf den TV-Kanälen präsentiert Mutter Natur sich in all ihrer Schönheit. „Aber die Pflanzen und Tiere dienen bei diesen Natur-Shows meist nur als Lieferanten für bunte TV-Bilder. Im Hintergrund erklingt eine viel zu laute Musik und ersetzt oft nur den fehlenden Original-Klang des Natur-Geschehens.“

Der Bioakustik-Pionier aus Allensbach am Bodensee weiß nur zu gut, wie schwierig es geworden ist, den natürlichen Sound unserer Umwelt zu dokumentieren. „Fahrzeuge und andere Zivilisationsgeräusche stören die Tonaufnahmen in der freien Natur. Sie gehören aber zum klanglichen Erscheinungsbild unserer heutigen Landschaften.“ Deshalb versucht Walter Tilgner auch nicht, diese Störgeräusche im Tonstudio wegzuretuschieren.

Ein anderes Problem teilt Walter Tilgner mit Kameraleuten, die oft wochenlang wie ein Jäger ansitzen müssen, wenn sie auf ein geeignetes Motiv warten. “Kein Vogel singt auf Kommando sein Balzlied. Kein Specht trommelt sein Percussion-Solo immer genau in jenem Moment, wenn meine aufnahmetechnischen Geräte passend eingestellt sind.“

Darum benötigt Walter Tilgner für die Produktion einer 60-Minuten-CD viel Zeit. „Für einige meiner Platten habe ich mehr als 200 Stunden Material gesammelt. Diese Aufnahmen habe ich anschließend abgehört und die geeigneten Passagen zu einem Hörbild zusammengefügt. Erst nach dieser Arbeit kann ich sagen, ob meine Aufnahmen die charakteristischen Hörereignisse eines bestimmten Waldes oder einer Landschaft wiedergeben.“ In den Auen der March, einem Nebenfluss der Donau, hatte Walter Tilgner beinahe mehr als 10 Jahre lang die notwendigen Tondokumente gesammelt, um den typischen Klang der Marchauen zu dokumentieren.

„Viele Kinder lernen weder im Elternhaus noch in der Schule noch in ihren den Ferien, auf die Stimmen der Natur zu achten und sich daran zu erfreuen. Wir müssen befürchten, dass unsere Kinder als Erwachsene den wunderbaren Gesang der Vögel im Frühjahr überhaupt nicht vermissen werden.“ Und Walter Tilgner fügt hinzu: „Jeder Schlagerstar hat Bodyguards, die ihn sogar vor seinen eigenen Fans schützen. Für mich ist und bleibt Mutter Natur die größte Künstlerin. Sie muss unbedingt beschützt werden, weil sich bei ihr das Hinschauen und Zuhören immer wieder lohnt.“

Empfehlenswerte CDs von Walter Tilgner (Natural Sound / Schott Music):

„Waldkonzert“ - SM 9001-50

„Meistersinger“ - SM 9010-2

„Nachtigall“ - SM 9002-50

„Waldesrauschen“ - 9006-2

„Waldamsel“ - SM 9011-2

„Bezaubernder Frühling“ 9013-2

www.natur-tilgner.de/

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