DAS PORTAL DEUTSCHSPRACHIGER REISEJOURNALISTEN

Die Seele eines Landes offenbart sich in der Musik

Musik aus aller Welt

Winfried Dulisch
präsentiert die
schwarzaufweiss-CD
des Monats

März 2011

 

Alle bisherigen CD- und DVD-Empfehlungen unseres Musik-Experten Winfried Dulisch sind nachzulesen unter Musik aus aller Welt.

Portugal

Mariza: „Fado Tradicional“

CD: EMI 5099909 508521

Das portugiesische Wort „Fado“ ist abgeleitet vom lateinischen „fatum“ (Schicksal). Liebhaber des Fado-Gesangs stellen diese leichtblütig schwermütige Musik gerne in eine Reihe mit anderen Schicksalsmelodien, deren Wiege ebenfalls in Hafen-Spelunken stand – mit dem Blues aus New Orleans, dem Tango aus Buenos Aires oder dem griechischen Rembetiko.

Fado Tradicional, MarizaMarisa dos Reis Nunes – genannt: Mariza – wurde 1976 als Tochter eines Portugiesen und einer Mozambikanerin geboren. 2001 weckte sie mit ihrem Debüt-Album „Fado em mim“ („Der Fado steckt in mir") ein neues Interesse für diese Volksmusik ihrer Heimatstadt Lissabon. Inzwischen bekam sie für ihre CD-Verkäufe mehr als 30 Platin-Auszeichnungen, die Weltmusik-Juroren der BBC erklärten die Fado-Künstlerin mehrmals zur besten europäischen Künstlerin, sie wurde bei den Latin Grammy Awards nominiert. Mariza gilt damit als die weltweit erfolgreichste „Fadista“ aller Zeiten.

Die musikalischen Wurzeln des Fado werden im portugiesischen Hinterland vermutet. Rhythmisch und harmonisch würzende Beigaben wurden von Seefahrern aus Brasilien und dem arabischen Raum mitgebracht. Die weiteren heute zur Verfügung stehenden künstlerischen Möglichkeiten lotete Mariza mit ihren Alben "Fado Curvo" (2003), "Transparente" (2005) und "Terra" (2008) aus. Mit solchen Pop- und Jazz-Anklängen biederte sie sich aber keineswegs dem Worldmusic-Kommerz an.

Auf ihrem vorliegenden fünften Studio-Album erinnert Mariza sich bereits im CD-Titel an den traditionellen Fado. Ihre schnörkellosen Interpretationen von Klassikern dieses Genres klingen für Mariza-Fans vielleicht erst einmal spröde, cool, beinahe schon gefühlsarm. Für die tänzerischen Fado-Elemente scheint sie diesmal keine Verwendung zu finden. Zusammen mit ihren Musikern – allen voran natürlich die zirpend klingende guitarra portuguesa, jene birnenförmige portugiesische Gitarre mit den zwölf Stahlsaiten – wählt sie diesmal eher jenen Kunstlied-haften Tonfall, der einst den volkstümlich deftigen Vorstadt-Fado salonfähig machte für die bürgerlichen Wohnstuben des 19. Jahrhunderts. wd@saw


CD des Monats Februar 2011

CD des Monats Januar 2011

 

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