DAS PORTAL DEUTSCHSPRACHIGER REISEJOURNALISTEN

Die Seele eines Landes offenbart sich in der Musik

Musik aus aller Welt

Winfried Dulisch
präsentiert die
schwarzaufweiss-CD
des Monats

Juni 2011

 

Alle bisherigen CD- und DVD-Empfehlungen von Winfried Dulisch sind nachzulesen unter Musik aus aller Welt.

USA

Verschiedene Künstler:

“A Nod to Bob 2 – An Artists’ Tribute To Bob Dylan On His 70th Birthday”

CD: Red House RHR CD 246 / in-akustik


Als Bob Dylan 2001 seinen 60. Geburtstag feierte, brachten einige Vertragskünstler des US-Plattenlabels „Red House“ ihm ein Ständchen auf dem Album „A Nod To Bob 1“. Diese CD markiert immer noch den größten kommerziellen Erfolg des 2006 verstorbenen „Red House“-Gründers und Plattenproduzenten Bob Feldman aus Saint Paul, Minnesota. Bei diesem ersten Geburtstagsgruß an den Godfather der heutigen Singer-Songwriter-Elite verwendeten die beteiligten Sänger und Musiker vor allem das Repertoire aus den späten 1960er Jahren, damals hatte Bob Dylan sich vom Folk-Sänger zum Rock’n’Roll-Poeten gewandelt.
   Bei der nun vorliegenden zweiten „Red House“-Bestandsaufnahme des Dylan-Songbooks wird „His Bobness“ vor allem auch als Autor von zeitgemäßen Gospel-Songs gewürdigt. Lucy Kaplanky erzeugt mit ihrer – sparsam von einem Klavier und einem Schlagzeug begleiteten – Interpretation von „Every Grain Of Sand“ sogar beim ungläubigsten CD-Hörer echtes  Gänsehaut-Feeling. Und das von Bob Dylan im Jahr 1962 renovierte „House Of The Rising Sun“ wird aus dem Munde von Guy Davis hier wieder zu dem, was es ursprünglich einmal war: Die Blues-Klage einer armen Sünderin aus dem Rotlicht-Milieu von New Orleans.
   Bob Dylan hatte also vollkommen Recht, als er 1963 diese Erkenntnis verbreitete: The Times They Are A-Changin’. Und die Zeiten entwickeln sich nicht immer nur vorwärts, sondern  auch zurück. Positive Beispiele für solch eine Art von Rückbesinnung liefern auf der vorliegenden CD die Neuausdeutungen von zwei Blues-Rock-Klassikern, die erstmals 1965 auf dem Dylan-Album „Highway 61 Revisited“ zu hören waren. Bei „Just Like Tom Thumb’s Blues“ wird die ehemals aggressive E-Gitarre nun durch seidig zartes Mandolinen-Geklimper ersetzt; der Text klingt heute aus dem Munde von Cliff Eberhardt wie die tagesaktuelle Selbstdiagnose eines Weltschmerzkranken, dem auch der beste Arzt keine Pille gegen den abgrundtiefen Großstadt-Blues verschreiben kann. Und wenn Ray Bonnevielle im Stile einer One-Man-Band „It Takes A Lot To Laugh, It Takes A Train To Cry“ rausschnauzt, dann stellen seine kraftstrotzende Stimme und seine durchdringend klingende Schepper-Gitarre unter Beweis, dass er mit diesem Song bereits in Paris und New York dem Straßenverkehrslärm getrotzt hatte.

   The Times They Are A-Changin’. Und diese Welt wurde seit den Swinging Sixties noch lärmintensiver und lauscht heute noch ein bisschen oberflächlicher. Aber jene Sänger und Musiker, die nun auf dem zweiten Gruß an Bob Dylan zu hören sind, klingen trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen – noch inspirierter und einfühlsamer als ihre Kollegen, die zur Jahrtausendwende auf „A Nod To Bob 1“ zu hören waren. wd@saw


CD des Monats Mai 2011

CD des Monats April 2011

CD des Monats März 2011

CD des Monats Februar 2011

CD des Monats Januar 2011

 

Twitter
RSS