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Trabant und Kittelschürze
– Eindrücke aus dem DDR-Museum
Zeitreise

laufend

Text und Fotos: Ferdinand Dupuis-Panther

Einst residierte eine Außenstelle von Robotron in dieser mehrgeschossigen blau verkleideten Gebäudescheibe, an der zahlreiche Fähnchen im Wind wehen. Auf den ersten Blick glaubt man, die Fahnen der DDR seien entlang einer Fahrtroute für die Nomenklatura aufsteckt worden. Doch, die DDR ist Vergangenheit, abgewickelt und als politisches System bisher nicht bewältigt. Auf vier Etagen widmet man sich im privat geführten DDR-Museum den Themen Mobilität, Handel und Wirtschaft, Wohnkultur sowie Staatssysteme bzw. Versorgung von der Wiege bis zur Bahre.

Radebeul DDR-Museum
Jahre wartet man auf seine Rennkartoffel

Aus welchem Bewusstsein heraus das Museumskonzept entwickelt wurde, wurde dem Autor dieses Beitrags bei einer kurzen Begegnung mit Hans-Joachim Stephan, einem von zwei Geschäftsführern des Hauses, deutlich. Dieser grenzte sich von einer allgemeinen Dämonisierung der DDR ab und wies darauf hin, dass dieses privat geführte Haus nur den Alltag in der DDR beleuchten wolle und nichts anderes. Im Nachgang zu seinen Eingangsworten fügte er allerdings hinzu, dass man im Hause jedoch keinesfalls einer Ostalgie nachhänge und diese auch nicht befördern wolle. Nach einem Museumsbesuch kann jeder für sich abwägen, inwieweit diese Konzeption einer kritischen Bewertung standhält.

Radebeul DDR-Museum
Glücklich war, wer mit seinem Wohnwagen an der Ostsee Urlaub
machen konnte

Go Trabi go

Wer bei seinem Museumsbesuch keine didaktisch-pädagogische Ausstellungsinszenierung erwartet, der kann eine interessante Zeitreise durch einige Aspekte der DDR-Geschichte unternehmen und sich zum Beispiel an unterschiedlich gestylten „Leukoplastbombern“ sattsehen. Diese spartanisch und minimalistisch ausgestatteten Objekte der Begierde – jahrelanges Warten auf den Trabi musste jeder in Kauf nehmen – erhielten mit dem Film „Go Trabi go“ Kultstatus. Dass sich auch der Designer Luigi Colani an der „Rettung des Kultobjekts der DDR“ beteiligte, wird für den einen oder anderen Besucher neu sein. Das Enfant terrible der Designerwelt entwarf eine aerodynamische Frontpartie für den Trabant 601. Allerdings gelangte diese Idee nie zur Serienreife. Doch als Bausatz für 980 Euro (!) können sich Trabifreunde bis heute Colanis Entwurf zulegen und ihre „Rennkartoffel“ aufmotzen. Mit Zebrastreifen bemalt und als „Safari-PKW“ umgerüstet, offen und mit Rollbügeln versehen oder mit einem Dachaufbau für ein Zelt ausgerüstet wurden einzelne Modelle, die man nun im Museum bestaunen kann. Nachzulesen ist außerdem, dass 1990 mit dem Trabant 1.1 Tramp der Versuch gemacht wurde, ein Fun-Car aus der Taufe zu heben. Das Licht der Welt erblickte der Trabant als Nullserie am 7.November 1957. Ein Jahr später ging der P50 in Serienproduktion und tuckerte mit 17PS über die Straßen der DDR.

Neben dem Trabant gab es noch den Wartburg, von dem unter anderem der nach 1966 gefertigte Wartburg 1000 ausgestellt ist. Dieser war ein beliebter, wenn auch für viele nicht erschwinglicher Mittelklassewagen, der auch ein moderneres Design als der biedere Trabant vorzuweisen hatte.

Radebeul DDR-Museum
Zwar keine MZ, aber dennoch begehrt

MZ und Schwalbe

Nicht nur in der DDR, sondern auch im Ausland gab es MZ-Motorradfans. Seit 1956 wurde die Marke MZ in dem Motorradwerk Zschopau gefertigt. 1990 wurde das letzte Modell, die MZ 500R auf der Leipziger Messe gezeigt. Doch auch dieses Modell schaffte es nicht, die Liquidation des MZ-Werkes zu verhindern. Mit dem Kleinroller Schwalbe, der mit 50ccm erstmals 1964 vom Band rollte, ist ein weiteres Kultfahrzeug in der Schau zu sehen.

Mit dem tropfenförmigen Wohnwagen, mit dem Motorroller Berlin nebst Anhänger oder mit Trabant und Leinenzelt ging es in den Urlaub, war man froh, sich ein Plätzchen an der Ostsee ergattert zu haben. Beliebt war der Wohnanhänger LC 9, der mit 220 Kilo sehr leicht war. Zu ihm gab es auch ein lieferbares Vorzelt von 2x2 Metern mit großem Fenster und Reißverschlusstür.

Radebeul DDR-Museum
Mobilität dank ärztlichen Attests

Mobilität nur nach ärztlichem Attest

Zur besonderen Geschichte des DDR-Fahrzeugbaus, bisweilen wurde improvisiert oder Eigenbau war gefordert, gehört das motorisierte Krankenfahrzeug DUO/4, das es nur auf ärztliches Attest gab. Der Weiterverkauf an Nichtberechtigte war untersagt. Kein Wort findet sich in den Saaltexten darüber, wie viele Fahrzeuge je produziert wurden und wie viele behinderte Menschen dadurch am sozialen Leben teilnehmen konnten.

Saaltexte erinnern schließlich an ein wichtiges Kapitel sächsischer Industriegeschichte, in dem sie an die Coswig/Kötitzer Maschinenfabrik und an Emil Hermann Nacke (1843-1933) erinnern, dem um 1900 die ersten sächsischen Automobile zu verdanken waren. Ein Original ist im Haus nicht zu sehen, dafür aber einige Zeichnungen der Nacke-Motorwagen, darunter Lieferwagen und ein Doppeldeckeromnibus für zwölf Personen. Dieser war 1912 auf der Strecke Königstein-Schweizermühle unterwegs.

Ein geschlossenes System

In einem bemerkenswerten Zeitdokument wird aus der Sicht der Genossin Berta K. die Situation nach der Staatsgründung der DDR geschildert und eine Sicherung der Staatsgrenze gefordert. In einem Brief mit entsprechendem Inhalt und auch persönlich wandte sie sich an Wilhelm Pieck, der sich für entsprechende Maßnahmen einzusetzen versprach. Durch die Verordnung des Ministerrates vom 26.Mai 1952 wurde an der innerdeutschen Grenze eine Sperrzone mit Schutz- und Kontrollstellen eingerichtet. Dies waren die Vorboten von Mauer und Stacheldraht, ganz zu schweigen von den Selbstschussanlagen, die in der Darstellung der Grenzsicherung auch vorgestellt werden. Passend zum Thema ist eines der Fahrzeuge zu sehen, mit denen die Grenzsoldaten auf ihren Kontrollfahrten unterwegs waren, jederzeit bereit „Republikflucht“ zu verhindern.

Radebeul DDR-Museum
Zeichen der Macht – nur noch eine Fußnote der Geschichte

Ausgehängte Stundenpläne gehörten in den Klassenzimmern zum Alltag wie auch der Lenin oder Ulbricht an der Wand. In den Kinderzimmern fanden sich Scheffler's Metall-Baukasten und das Sandmännchen. Ein lädiertes Paket, als Geschenksendung keine Handelsware aufgewiesen, hat auf dem Weg von Büdelsdorf nach Lichtenberg wohl auch andere als nur den Empfänger interessiert. Rund 4300 hauptamtliche Mitarbeiter der Stasi waren, so kann man einem Text entnehmen, mit der Postkontrolle und Telefonüberwachung befasst. Rund 90000 Briefe seien täglich durch Stasihände gegangen und gelesen worden. Dass aus Geldsendungen Geld verschwand, war an der Tagesordnung: 32 Mio. DM sollen auf diese Art den Besitzer gewechselt haben. Belangt worden ist für derartige Delikte niemand.

Einblicke in die private Welt

An einer Leine aufgehängt sind die Miederwaren der DDR. Aus Kunststoffmaterialien hergestellte Kleider, Jacken und Röcke scheinen auf ihre Abnehmer zu warten. Unter den Ausstellungsstücken sind auch Waren aus Gambiten-Velours, einem hochwertigen PVC-Schaumkunstleder aus dem VEB Feinwäsche „Bruno Freitag“.

Radebeul DDR-Museum
Das trug die DDR-Frau unter der Kittelschürze

Zuhause hörte man Frank Schöbel oder spielte E-Piano und trainierte auf dem Trimm-Dich-Rad. Es wurde geliebt, gefeiert und gewohnt, mit und ohne Montagemöbelwand Typ 314 Sybille. Diese Einrichtung war eine Errungenschaft der frühen 1960er Jahre, als sich flächendeckend auch die Plattenbausysteme P2 und WBS 70 durchgesetzt hatten. Kinder wurden gezeugt, Kinderwagen wie der Zeitzer Sportwagen produziert. Wer diese private Welt mit heutigen Augen sieht, kann den Mehltau von Kleinkariertheit und Spießigkeit allerdings nicht übersehen.

Robotron und Pentacon

Schließlich ist von den "Erfolgsgeschichten" des Kombinats Robotron und VEB Pentacon zu erfahren. Die Pentacon super wurde entwickelt – doch wer konnte sie für 3000 Mark der DDR kaufen, fragt sich der Museumsbesucher. 29535 Buchungsmaschinen daro 1711, gebaut zwischen 1978 bis 1985, dienten der Lohnabrechnung in Betrieben und repräsentierten den technischen Fortschritt in der DDR. Dazu gehört auch der KC 87, ein Kompakt-Computer, der 1986 entwickelt wurde und als Massenspeicher einen Kassettenrekorder besaß.

Radebeul DDR-Museum
So richtete man seinen DDR-Alltag ein

Information

DDR-Museum Zeitreise
Wasapark Radebeul
Wasastrasse 50
01445 Radebeul
Tel: 49 (351) 835 17 80
Öffnungszeiten Di.-So 10-18 Uhr, Mo, wenn Feiertag 10-18 Uhr

 

 

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