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Die erste deutsche Gartenstadt: Hellerau

Ohne Vorläufer in England, wo die Gartenstadtbewegung eine Antwort auf die katastrophalen Wohn- und Lebensverhältnisse der Industriearbeiterschaft darstellte, wäre auch Hellerau nicht denkbar. Zugleich aber stand die Arts&Crafts-Bewegung bei der Entstehung der Deutschen Werkstätten Pate, die in Hellerau ihren Sitz fand. Spiritus Rector von Hellerau war der Industrielle Karl Schmidt, der am Rande der Dresdner Heide im hügeligen Gelände nicht nur seine Produktionsstätte erbauen ließ, sondern nach und nach auch Wohnhäuser für seine Mitarbeiter, ob in der Straße Im Grünen Zipfel oder Beim Gräbchen und im Tännichtweg.

Dresden Reiseführer - Gartenstadt Hellerau
Reihenhausebauung in der Gartenstadt Hellerau

Auf sandigem, teilweise von Kiefern bestandenem Terrain wuchs eine „Mustersiedlung“, für deren Entwurf führende Architekten wie Heinrich Tessenow, Richard Riemerschmid und Hermann Muthesius gewonnen werden konnten. Zunächst entstanden Reihenhausgruppen in der Straße Im Grünen Zipfel, die als erste im Juni 1909 bebaut wurde.
Wer die Dresdner Gartenstadt Hellerau besuchen möchte, nimmt man von der Innenstadt aus die Tram 8.

Vom Markt zu den Deutschen Werkstätten

Reiseführer Dresden - Gartenstadt Hellerau
Blick auf die Gartenseite der Bebauung am Markt

Am Markt beginnt unsere Tour durch die Gartenstadt Hellerau, die von der Moritzburger Straße im Süden und der Boltenhagener Straße im Norden begrenzt wird. Statt ockergelber Putzfassade, tiefgrünen Fensterläden und Türblättern sowie Kopfbauten, die Riemerschmid für die Südseite entworfen hatte, wurden 1929 bis 1933 an der Gegenseite Wohnhäuser und ein Laden – Kaffee Hellerau – in Rauputz und mit vorspringenden Bauelementen realisiert.

Begeben wir uns nun in die Straße Im Grünen Zipfel, eine Straße, die sich in großem Bogen talwärts schwingt. Die Dachlandschaft der Kleinhaussiedlung scheint sich dem Straßenverlauf anzupassen. Unterhalb der Dachkante verläuft ein schmales querrechteckiges Fensterband, anschließend durchzieht die Fassade ein durchgehendes Vordachband, das den Sockelbereich schützt. Vor manchen Häusern befindet sich ein Sockelpodest, die moderne Form der Gartenlaube mit einer Sitzbank für den Feierabend. Teilweise schließen sich schmale Ziergärten an die Häuser an. Die jeweiligen Häuserzeilen werden durch markante, turmähnliche Kopfbauten abgeschlossen. Der Anstrich von Türen und Fensterrahmen variiert von Haus zu Haus, mal Hellgrün und mal Tannengrün, aber auch Taubenblau ist zu sehen.

Reiseführer Dresden - Gartenstadt Hellerau
Terrasse vor den Häusern der Gartenstadt Hellerau

Am Ende der Straße nach rechts abbiegend und weiterlaufend, erreicht man das Gelände der Deutschen Werkstätten, die unterdessen auf der gegenüberliegenden Seite in neuen Produktionsstätten heimisch geworden sind.

Der Geländegrundriss der alten Deutschen Werkstätten gleicht einer Schraubzwinge, wie sie von Tischlern bei der Holzverleimung zum Einsatz kommt. In Ateliers und Werkstätten sind längst andere Unternehmen eingezogen. Schmidt’s Restaurant mit Sommergarten gibt sich weltoffen und bietet gehobene Küche für gehobene Preise an.

Reiseführer Dresden - Gartenstadt Hellerau - ehemaliges Gelände d. Dutschen Werkstätten
Das ehemalige Gelände der Deutschen Werkstätten

Durch den Tännichtweg – hier wohnte einst auch der Architekt Heinrich Tessenow – und Auf dem Sand laufend, erhält man einen guten Einblick in die Mischung von Kleinhauszeilen und Einzelhausbebauung. Die Villen in der Straße Auf dem Sand sind längst nicht so mondän wie die in der Tiergartenstraße (Dresden-Strehlen) oder im Quartier Weißer Hirsch oberhalb des Ortskerns von Loschwitz. Die Gestaltung ist eher schlicht, bisweilen streng klassizistisch und bar jeden Bauschmucks. Tessenow hat sich hier ebenso verewigt wie Riemerschmid mit den Häusern Nr. 10, 19 und 21.

Reiseführer Dresden - Gartenstadt Hellerau - Holzhaussiedlung Am Sonnenhang
Die Holzhaussiedlung Am Sonnenhang

Villen und Musterhäuser im Heideweg und Am Sonnenhang

Über den Heideweg gelangen wir zur Straße Am Sonnenhang, die leicht talwärts führt. Entlang dieser Straße stehen Musterhäuser aus Holzfertigbauteilen, teilweise mit Bohlenverschalung und Schindeldeckung der Fassade. Diese kubischen Wohntypen wurden 1934 bis 1937 erbaut und waren als Musterhäuser durchaus ein Verkaufsschlager. Man findet derartige Bebauung nicht nur in Hellerau, sondern auch in der Mustersiedlung des Bunds der Tabakgegner in Dresden-Leubnitz.

Ein Mekka des modernen Ausdrucktanzes

Zu Hellerau gehört auch das Festspielhaus, das 2006 feierlich wiedereröffnet wurde und Spielstätte für moderne Tanzchoreografien ist. Als der schlichte Putzbau mit Flachpfeilerfassade und Dreiecksgiebel – eine neoklassizistische Formensprache – in der heutigen Karl-Liebknecht-Straße 56 entstand, sollte der bühnenfreie Innenraum ein Hort des Ausdruckstanzes und rhythmischer Gymnastik sein, die mit dem Namen des Genfer Tanzpädagogen Emile Jacques- Dalcroze verbunden sind. Diesem Tanzpädagogen ging es darum, Gehör, Stimme und Tonbewusstsein sowie das Bewusstsein des körperlichen Rhythmus zu schulen. Zu diesem Zweck gründete Jacques-Dalcroze 1911 eine Bildungsanstalt auf dem Gelände des Festspielhauses Hellerau. Die ursprüngliche Schule, an der Rhythmische Gymnastik für Kinder ohne musikalische Vorbildung, Rhythmische Gymnastik für Fortgeschrittene, Hör- und Leseübungen sowie rhythmische Verkörperung der Musik unterrichtet wurden, bestand jeodch nur vier Jahre lang.

Reiseführer Dresden - Gartenstadt Hellerau - Festspielhaus
Das Festspielhaus Hellerau

Auf dem Gelände des festspielhauses befinden sich zudem vier Pensionshäuser, die durch Mauern und Pergolen miteinander verbunden sind. Im Zuge der Umnutzung des Geländes als Polizeischule sind Gebäudeteile hinzugefügt worden, die stilistisch einen Bruch der Ensembleeinheit bewirken. Im Inneren des Festspielhauses – zeitweilig nutzte es auch die Rote Armee – sind Wandmalereien erhalten, die bei der Instandsetzung belassen wurden und die „glorreiche Rote Armee“ verherrlichen.

Information:

Festspielhaus Hellerau GmbH
Karl-Liebknecht-Straße 56
01109 Dresden
Tel. 03 51 / 8 83 37 00
E-Mail: anfrage@festspielhaus-hellerau.com
http://www.festspielhaus-hellerau.com

Gartenstadt Hellerau
c/- Franziska Paulick / PrB Kaiser
Würzburger Str. 61
01187 Dresden
E-Mail: info@hellerau.de
http://www.hellerau.de/


Deutsche Werkstätten Hellerau GmbH
Moritzburger Weg 68
01109 Dresden
Tel. 03 51 / 2159 00
E-Mail: gf@dwh.de
http://www.dwh.de/
und http://www.deutsche-werkstaetten-hellerau.de

Führungen durch Hellerau
Clemens Galonska, Architekt
Am Grünen Zipfel 84
01109 Dresden Hellerau
Tel. 03 51 / 8 88 18 01 oder 01 71 / 3 84 69 06
E-Mail: architektur@dresden-hellerau.de
http://www.dresden-hellerau.de

Anreise: Tram 8; Fahrplan unter http://www.dvbag.de

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