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Literatur zu Dresden

Museen

Gorch Pieken; Matthias Rogg (Hrsg.): Das Militärhistorische Museum der Bundeswehr - Ausstellungsführer, 192 Seiten, 230 meist farbige Abb., Dresden 2011, ISBN 978-3-942422-69-7, Preis: 19,80 EUR

Wer diesen Ausstellungsführer gelesen hat, weiß so gut wie alles über das historische Haus mit der beeindruckenden Gegenwartsarchitektur eines Daniel Libeskind, der einen Keil in den historistischen Kasernenbau trieb. In der Albertstadt, wo einst fast 20000 Soldaten lebten, das Sächsische Armeemuseum beheimatet war und auch das Armeemuseum der DDR seinen Platz hatte, öffnet nun ein Museum seine Pforten, das nicht mehr das Hohelied auf das Militär und die Waffentechnik singt. Themenparcours durchbrechen im „Keil“ im wahrsten Sinne des Wortes die chronologische Präsentation. Themen wie „Dresdner Blick“, „Leiden“ „Technologie“ und „Spiel“ machen das Museum zu einem „Lernort der Geschichte, der zum Perspektivenwechsel einlädt“, wie es in der vorliegenden Veröffentlichung heißt. In einem Überblicksartikel von Gorch Pieken erfährt der Leser Näheres zur Konzeption und zum Aufbau des Hauses. Das schließt die Behandlung der verschiedenen Themenbereiche ein. Der erste Raum und das ist am Standort Dresden durchaus naheliegend, widmet sich der Zerstörung der Stadt am 13. Februar 1945. „Politik und Gewalt“ ist, so Pieken, ein weiteres wesentliches Kapitel, das aufgeschlagen wird und sich den verschiedenen Gewaltformen, auch der medialen Gewalt, zuwendet.

militmuseumSelbstverständlich sind alle Kapitel des vorliegenden Buches illustriert, sodass der Leser auch einen kleinen Eindruck von der Fülle und der Verschiedenartigkeit der Exponate gewinnt. Carl Röchlings Gemälde der „Schlacht bei Hohenfriedeberg“ gehört ebenso zu den Exponaten des Hauses wie der Wehrpass des Generalmajors Eberhard Herwarth von Bitterfeld und der Handwagen einer schlesischen Flüchtlingsfamilie. Dass man im Hause auf multimediale Vermittlung großen Wert legt, unterstreicht Jan Kindler in einem entsprechenden Beitrag. Einen wesentlichen Teil der Veröffentlichung nimmt die Behandlung der Themenbereiche ein, ob „Krieg und Gedächtnis“ - im Haus ist unter anderem der Gipsabguss der Büste Einsteins in der Walhalla zu sehen – oder „Politik und Gewalt“. In diesen Kontext passen das Porträtgemälde der schwedischen Königin Christine und auch Gustav Adolf Müllers Arbeit „Selbstzerfleischung“. Den einen mag das Thema „Tiere beim Militär“ interessieren, für einen anderen wird „Leiden im Krieg“ ein sehr wichtiger Aspekt sein. Metallsplitter aus dem Körper des Soldaten Tony Ewert sind ebenso zu sehen wie die Moulage „Gesichtsverletzung“. Neben dieser thematischen Aufbereitung gibt es auch eine chronologische Betrachtung, die die Zeit zwischen 1300 und heute behandelt. Für die Nacharbeit des Museumsbesuchs ist die vorliegende Veröffentlichung ebenso unentbehrlich wie für die Vorbereitung auf den Besuch. © fdp

 

Architektur- und Reiseführer

A.Dülberg/N.Oelsner/R.Pohlack: Das Dresdner Residenzschloss, Deutscher Kunstverlag Berlin München 2009, ISBN 978-3-422-02181-5, 96 Seiten m. zahlreichen s/w- und farbigen Abbildungen, Preis 9,80 Euro
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Mit sehr viel Sachverstand ist die vorliegende Abhandlung verfasst worden. Dabei werden die unterschiedlichen Phasen der Baugeschichte ebenso berücksichtigt wie die einzelnen Teile der Schlossanlage, ob der Georgenbau, das Kanzleihaus oder der Große Schlosshof. Der Leser erfährt vom Ausbau des Schlosses unter Moritz von Sachsen, von der Erhöhung des Hausmannsturms, von den heute noch „erlebbaren Originalen“ wie der Klengelwand im heutigen Eingangsbereich der Museen und vom 1985 beschlossenen Wiederaufbau des Schlosses. In der Behandlung der Baugeschichte fehlt auch nicht der Hinweis auf das seit 2008 bestehende Membrankissendach des Kleinen Schlosshofs. Dass dem Historienmaler Eduard Bendemann die Ausmalung des Thronsaals zu verdanken ist, wird ebenso dargelegt wie die Tatsache, dass der Schlossturm mit seinen rund 100 Metern bis ins 20.Jh. hinein das höchste Bauwerk Dresdens war. Die kraftvolle Renaissance der Schlosskapelle wird dem Leser vorgestellt und darauf hingewiesen, dass dieses Gotteshaus an hohen Festtagen mit flämischen Bildteppichen geschmückt war. Von diesen befinden sich heute vier in der Gemäldegalerie Alte Meister. Als eine Inkunabel der Frührenaissance bezeichen die Autoren den Georgenbau. Dass auch das eine oder andere Bauelement der Schlossanlage, so der zwölf Meter lange Sandfries des Totentanzes heute an einem anderen Ort – in diesem Fall an der Dreikönigskirche – zu finden ist, gehört zur bewegten Geschichte der Dresdner Residenz. Angesichts der verheerenden Bombardierung Dresdens verwundert es kaum, dass das Kanzleihaus kein Originalbaudenkmal, sondern eine Rekonstruktion ist, die 1997 bis 1999 gelang. Auffallend ist die vorhandene Sgraffitodekoration. Stallhof und Stallgebäude werden in der Monografie ebenso behandelt wie der Fürstenzug aus Meißner Porzellanfliesen sowie der Ostflügel und die sogenannte Englische Treppe. Dem Löwentor, in dem sich bis heute das fensterlose Schlossverlies, der sogenannte Kaiser, befindet, widmen sich die Autoren in einem knappen Beitrag. Weit ausführlicher wird auf den Westflügel der Anlage, vor allem auf das sogenannte Grüne Gewölbe, eingegangen. Dass die königliche Schatzkammer bereits im 18.Jh. allgemein zugänglich war und sich der Besucher an einer sorgfältig inszenierten Raumfolge vom Bronzezimmer bis hin zum Pretiosensaal erfreuen konnte, mag dem einen oder anderen Leser der vorliegenden Abhandlung neu sein. Neu dürften vor allem die Hinweise auf die fein gearbeitete Stuckdecke des Pretiosensaals sein, der mit Themen aus Ovids Metamorphosen ausgestaltet wurde. Fazit: Für alle die an der Bau- und Kunstgeschichte der Dresdner Residenz interessiert sind, ist das vorliegende Büchlein ein Muss. © fdp


Volker Helas: Sempers Dresden – Die Bauten und die Schüler, Michael Sandstein Verlag, Dresden 2003, S. 88 m. zahlreichen s/w- und farbigen Abb.,
ISBN 3-930-382-95-4
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DresdenAuf der Brühlschen Terrasse hat man dem wohl bekanntesten Baumeister Dresdens, dem in Hamburg geborenen und in Rom verstorbenen Gottfried Semper ein Denkmal gesetzt. 15 Jahre lang bestimmte dieser Architekt und Hochschullehrer das Baugeschehen im Elbflorenz. Während der Aufstände 1848/1849 war Semper Barrikadenkämpfer und musste deshalb anschließend die Stadt verlassen. Den Revoluzzer verschlug es ins Exil nach London. Dort, so der Autor, blieb aber die ungeteilte Bewunderung für die Baukunst Sempers aus.

Wie in Dresden so hat Semper auch in Wien der Stadtarchitektur seinen Stempel aufgedrückt, seine Auffassung italienischer Renaissance umgesetzt. Die Semperoper und die Gemäldegalerie in Dresden sind ebenso mit dem Namen Semper verbunden wie die Wiener Hofmuseen, nachzulesen in Helas Beitrag „Das Leben des Architekten“. Im gleichem Beitrag macht der Autor außerdem darauf aufmerksam, dass Semper selbst das Stadthaus von Winterthur als seinen besten Entwurf angesehen hat. Im Londoner Exil musste sich der gefeierte Architekt mit der Rolle eines Lehrers einer Kunstschule zufrieden geben. Als Dekorateur war Semper an der Ausstellung im Kristallpalast Sydenham beteiligt. 1851 arrangierte er für die Londoner Weltausstellung vier Länderausstellungen.

Das Hauptaugenmerk der vorliegenden Publikation gilt jedoch Sempers Wirken in Dresden. Auch der Einfluss seiner Schüler auf die Gestaltung der Stadt wird ausführlich dargelegt. Einige Semper-Bauten sind leider zerstört worden, so auch die byzantinisch-maurisch anmutende Synagoge am Rande der Brühlschen Terrasse. Glücklicherweise konnte die „antike Ausmalung“ des Japanischen Palais nach der Zerstörung von 1945 wieder hergestellt werden. Dem Konzept der Ausgestaltung lag Sempers Studium der antiken Farbigkeit zugrunde, die aus römischen Villen oder von Pompeji her bekannt ist. Das antike Italien und Griechenland, aber auch die italienische Renaissance haben Sempers Bauen maßgeblich beeinflusst. Man denke nur an der Verwendung des Achtecks beim Synagogenbau – in dieser Hinsicht eine Anlehung an San Vitale in Ravenna. Nicht nur die Semperoper oder die Gemäldegalerie werden im vorliegenden Band vorgestellt, sondern auch die Villa Rosa, die über Jahrzehnte zum Prototyp des Dresdner Villenbaus werden sollte.

Die Schüler Sempers wie Bernhard Krüger und Christian Friedrich Arnold, Theodor Choulant oder Carl Friedrich Franz haben gleichfalls zur Architektur der Stadt beigetragen. Erinnert wird in diesem Kontext an die Bebauung der Bautzener Straße, an die Annenrealschule in der Humboldtstraße (zerstört!), an die Villa Stockhausen, auch Lingner-Schloss genannt, und Schloss Albrechtsberg. Die Schüler verband mit ihrem Lehrmeister die Vorliebe für italienische Renaissance, den antikrömischen Triumphbogen, den achteckigen Zentralraum und die antike Säulenordnung. Neogotik und Klassizismus war bei ihnen verpönt.

Besonders hinzuweisen ist auf den ausführlichen Anhang, in dem unter anderem eine Zeittafel zur Architektur in Europa und Dresden aufgenommen wurde. Außerdem gibt es einen Überblick über Sempers Atelierschüler und eine Kurzdokumentation ausgewählter Bauten der Semperschule. Leider fehlt ein Kartenwerk, in dem die noch vorhanden Bauten eingetragen sind. Das hätte eine eigene Exkursion zu den Bauten Sempers und seiner Schüler sehr erleichtert. © fdp@saw


Julia Franke/Clemens Niedenthal: Landhäuser und Villen in Dresden
Band 1: Weißer Hirsch, Aschenbeck & Holstein Verlag, Delmenhorst/Berlin 2006, ISBN 978-3-939401-16-2, S. 64 m. farbigen Abb., € 9,80
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DresdenEinleitend wird die Geschichte des Quartiers Weißer Hirsch vor dem Leser ausgebreitet. Zur Entwicklung zum Kur- und Villenort am Elbhang trugen ein Bauunternehmer, ein Seifenfabrikant und ein Naturmediziner, ein gewisser Dr. Heinrich Lahmann, bei. Dieser eröffnete nach dem Erwerb des Fridabads, das er zu einem Sanatorium ausbaut, seine physikalisch-diätische Heilanstalt. Zu den bekannten Gästen, so erfährt der Leser, gehörten der Maler Oskar Kokoschka und der aus Prag stammende Schriftsteller Franz Kafka. Nicht nur die beiden technischen Baudenkmäler vor Ort, die Loschwitzer Standseilbahn und die Schwebebahn an der Pillnitzer Straße, werden in ausführlichen Einzelbeiträgen vorgestellt, sondern auch die verschiedenen Villen wie die Villa Maria und die Villa Max Elb. Die Villa Ardenne mit Sternwarte darf in einer solchen Veröffentlichung über den Dresdner Stadtteil Loschwitz ebenso wenig fehlen wie das Kurhaus, das Hotel Kurhaus und das Neue Kurbad an der Bautzener Straße. Insgesamt werden 40 Sehenswürdigkeiten vorgestellt. Ein kurzer Wegweiser hilft dabei, die einzelnen Baudenkmäler zu finden. Die Karte auf dem hinteren Einband kann allerdings nur der groben Orientierung dienen. Der Kauf eines zusätzlichen Stadtplans ist anzuraten. © fdp 3/07


Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler: Dresden
Deutscher Kunstverlag, München-Berlin 2005, ISBN 3-422-03110-3, S. 370 m. einigen Grundrissen, ohne Abb.
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DresdenDer Dehio ist der Klassiker unter den Architekturführern. Man erfährt nicht nur Wissenswertes zur Dresdner Altstadt und zu den Sakralbauten der Stadt, sondern auch über die wichtigsten Baudenkmäler einzelner Dresdner Quartiere wie der Leipziger Vorstadt und der Südvorstadt. Vorgestellt werden Profanbauten wie die Brühlsche Terrasse und der Theaterplatz, außerdem technische Bauten wie das so genannte Blaue Wunder, zudem Friedhöfe und Grünanlagen, darunter Blüherpark und Eliasfriedhof. Sogar die Dresdner Brunnenanlagen wie der Queckbrunnen und Denkmäler wie das Weinbau-Denkmal im Loschwitzer Veilchenweg 9 findet man im Dehio.

Bei wichtigen Sehenswürdigkeiten wie dem ehemaligen Palais Brühl-Marcolini wird die Baugeschichte ebenso erläutert wie die äußere und innere Gestaltung des Bauwerks behandelt. Bisweilen werden auch Gartenanlagen vorgestellt, wenn diese zum Bauensemble gehören. Eine Ikone der Baukunst des frühen 20. Jh., die Gartenstadt in Dresden-Hellerau, wird außerdem ausführlich thematisiert. Ein weiteres architektonisches Highlight, die Palais und Villen in Dresden-Loschwitz, findet breiten Raum in der Darstellung, ob nun bei der Vorstellung der Villa Souchay oder der Villa Stockhausen. Und wer über die Stadtgrenze Dresdens hinaus Ausflüge nach Meißen oder Pirna plant, der kann getrost mit dem Dehio dorthin reisen. Ein Künstlerverzeichnis und ein Glossar der Fachausdrücke von abgefasst bis Zwinger runden den Band ab. © fdp 3/07


Schumann, Wolfgang; Mosch, Jochem; Dubbers, Annette: Blasewitz – Aus der Geschichte eines Dresdner Stadtteils, S.72, zahlreiche farbige und Schwarz-Weiß-Abbildungen, Michel Sandstein Grafischer Betrieb und Verlagsgesellschaft mbH, Dresden Januar 2007, ISBN 978-3-937602-91-2, 12,50 €
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Die vorliegende Veröffentlichung gehört zu einer Reihe, die sich mit Dresdner Stadtteilen und deren Wandel im Laufe der Geschichte beschäftigt. Neben Blasewitz, dem slawischen Dorf, sind das u. a. die Äußere und Innere Neustadt, Gorbitz, Loschwitz und die Südvorstadt. Der Leser muss keine Abhandlung befürchten, die an den Stoff eines Geschichtsseminars erinnert. Statt dessen nimmt die Autorin den Leser dank zahlreicher historischer Aufnahmen auf eine auch visuelle Reise durch die Geschichte von Blasewitz mit. Das Fährunglück von 1722, bei dem Reisende von Dresden aus nach Blasewitz unterwegs waren und einige von ihnen in der Elbe ertranken, ist ein Kapitel dieser Stadtteilgeschichte. Nach wem die Justinenstraße benannt wurde und dass Friedrich Schiller in Blasewitz seine Sommer verlebte, erfährt man beim Blättern ebenso wie vom Schicksal des Dresdner Hofkapellmeisters Johann Gottlieb Naumann und dessen Vorliebe für die Glasharmonika. Der Schillerplatz und der Waldpark im Wandel der Zeit werden in prägnanten, kurzen Texten und dank üppiger dokumentarischer Aufnahmen lebendig. Betrachtet man die zahlreichen Villen, die Blasewitz’ Gesicht prägen, so möchte man gleich in die Loschwitzer Straße oder Berggartenstraße aufbrechen, um zu schauen, ob die prächtigen Bürgerhäuser noch stehen, die im vorliegenden Buch fotografisch dokumentiert sind. In Bildstrecken wird auch manches Detail wie die unterschiedlich gestalteten gusseisernen Zäune vor den Blasewitzer Villen nachhaltig vor Augen geführt. Schließlich wird dem Leser die Geschichte der Gasthäuser in Blasewitz ebenso nahe gebracht wie die Entwicklung des Stadtteils im Dritten Reich und nach der Wende.
Wer sich für Dresden abseits von Zwinger und Frauenkirche interessiert, sollte einen Blick in dieses Buch werfen und daraus Anregungen für den nächsten Besuch im Elbflorenz mitnehmen. © fdp@saw

 

Geschichte

Holger Starke/Stadtmuseum Dresden (hrsg.): Keine Gewalt! Revolution in Dresden 1989, Sandstein-Verlag Dresden 2009, ISBN 978-3-940319-73-9, Seiten 216, Preis: 19,90 EUR
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Vorgelegt wurde kein Ausstellungskatalog, sondern ein Begleitbuch zu einer Ausstellung unter o. g. Titel. Eingeleitet wird der Band mit einem Grußwort Václav Havels, der Dresden zu seiner dynamischen Entwicklung seit 1989 gratuliert. In seinen Einleitungsworten erinnert der Ausstellungskurator und Herausgeber Holger Starke außerdem daran, dass nicht etwa erst 1989, sondern sich bereits in den 1970er Jahren die Vorboten des gesellschaftlichen Wandels abzeichneten. Der Niedergang der DDR-Wirtschaft und die Vernetzung der Opposition sind für Starke die Indizien für einen derartigen Prozess, dessen friedlicher Verlauf allerdings nicht vorhersehbar war. Für die vorliegende Veröffentlichung wurden nicht nur fachwissenschaftliche Darstellungen ausgewählt, sondern auch Erlebnisberichte von Beteiligten.

coverkeinegewaltDass das Private in der DDR öffentlich war, unterstreicht Stefan Wolle in seinem Beitrag, für den er das Bild des Wühlens in alten Kisten bemüht. „Der Alltag war politisch und die Politik war alltäglich.“ ist das Resümee des Autors, der eine Reihe von Komponenten des Alltagslebens der DDR herausstellt. Dabei handelt es sich um ideologische Versatzstücke, ob nun das Bild vom Gärtnerstaat bemüht oder aber die marxistisch-leninistische Weltanschauung angeführt wurde. Letztere durfte in Kürzeln, die sonst verpönt waren, auch in Heiratsanzeigen als „mlWA“ auftauchen. Schließlich war es der große Bruder Sowjetunion – daran erinnert der Autor nachdrücklich -, der die DDR überhaupt erst aus der Taufe hob und für deren Verschwinden maßgeblich mitsorgte. „Die Bezirksstadt Dresden in den 1980er Jahren“, vor allem die politische Struktur der Stadtverwaltung sowie die Anwesenheit von starken Militäreinheiten beleuchtet Holger Starke in seinem Beitrag. Fast 6000 russische Soldaten waren in der Stadt untergebracht, darunter auch Geheimdienstangehörige wie ein gewisser Wladimir Putin, dem die Besetzung des MfS am 5.Dezember 1989 besonders ein Dorn im Auge war. Doch die Auskunft „Moskau ist still“ ließ auch Herrn Putin still bleiben, so der Autor. Dieser schildert in dem Beitrag auch die Allgegenwart, um nicht zu sagen Allmacht, der Stasi als Generalunternehmen für Sicherheit, Machtsicherung und Unterdrückung. Dass auch dieser Apparat am 13.Februar 1982 eine Friedensbekundung von Jugendlichen und das Aufstellen von Kerzen an der Frauenkirche nicht verhindern konnte, verdeutlicht, so Starke, dass die Allmacht der Partei und des Apparates bröckelte. „Vernichtet nicht die Menschenrechte wie einst Dresden,“ war eine der Losungen der Demonstranten auf den Stufen des Johanneums. Während die obigen Beiträge eher aus einer distanzierten akademischen Position geschrieben wurden, ist dies bei Jürgen Gottschalks „In den Fängen des Ministeriums für Staatssicherheit“ ganz anders: Hier äußert sich ein Betroffener zu seinen Erfahrungen mit dem „Schild der Partei“. An dahinschleichende Stunden erinnert sich Gottschalk ebenso wie an „Gesichtzurwand“-Kommandos, an pöbelnde Wärter in der Nacht und die Kommunikation von Zelle zu Zelle mittels „Klopfalphabet“. Von dem Alltag als Bittsteller vor den Schaltern der Macht handelt ein weiterer lesenswerter Aufsatz. Frank Richter schildert in einem weiteren Beitrag die Ereignisse des 8.Oktober aus der Sicht eines Augenzeugen, während sich Paul Kaiser mit der Gegenkultur der Künstler in Dresden befasst und dabei unterschiedliche Facetten von Subkulturen herausstellt. In Loschwitz und in der Äußeren Neustadt konzentrierten sich, so der Autor, die abweichenden Lebensstile. Die Künstlergruppe „Lücke“ und auch ein Kreis um das Leonhardi-Museum verstanden sich als Gegenkultur und opponierten gegen die herrschende Kunstform des Sozialistischen Realismus. Konzept- und Aktionskunst waren die Antworten der Gegenkultur auf den verknöcherten staatlich reglementierten Kunstbetrieb.
Wie in einem Tagebuch zeichnet Michael Richter die Ereignisse der Umbruchszeit in einem Beitrag nach und verdeutlicht auch die staatlichen Repressionsmaßnahmen, die sich hinter dem Begriff „Filter II“ verbargen. Zuführung war in jenen Oktobertagen ein anderer Begriff, der die Runde machte und Demonstranten zu Verhafteten werden ließ. Derweil warteten schwer bewaffnete Soldaten und Volkspolizisten auf das Signal des Zuschlagens. Doch die „chinesische Lösung“ blieb aus, auch weil die Demonstranten die Losung „Keine Gewalt“ ausgaben. Lesenswert ist schließlich das Interview mit dem ehemaligen Oberbürgermeister Dresdens Wolfgang Berghofer, der seine Sicht der Dinge schildert. Zum Schluss wirft Karl-Siegbert Rehberg einen „Lichtstrahl“ auf Dresden nach der Wende. Fazit: Wer sich für die jüngste Geschichte interessiert, der sollte sich in den vorliegenden Band vertiefen. © fdp

 

Kinder

Lauterbach, Grit; Schmidt, Claudia: Zwei Engel auf Reisen im Mus. f. Sächs. Volksk. mit der Puppentheatersammlung, Herausgeber: Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Museumspädagogik, illustriert von: Kaden, Michael, 45 Seiten, mit Einlegeheft 16 S. Malen und Basteln mit Angelus und Uriel, Format 26 x 22 cm, Festeinband, Sandstein Verlag Dresden 2009, ISBN 978-3-940319-56-2, Preis: 9,95 EUR
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Nachdem die beiden Raffael-Engel für Kinder bereits das Grüne Gewölbe besucht haben, sind sie nun im Volkskundemuseum unterwegs. Kunst aus dem Volk und für das Volk, wollen die beiden mal näher unter die Lupe nehmen und den jüngeren Museumsbesuchern vorstellen. Doch Angelus und Uriel wären nicht aus der Gemäldegalerie Alter Meister ausgebüxt, hätten sie nicht eine Einladung für das Puppenspiel im Sächsischen Volkskundemuseum direkt vor dem Gemälde des Meisters Raffael entdeckt. Flugs geht es aus dem Zwinger hinaus, an der Hofkirche vorbei und über die Augustusbrücke hinüber auf die andere Elbseite, wo sich das Museum für Sächsische Volkskunst – so der offizielle Name – befindet. Dort puppenmuseumcoverangekommen schlüpfen sie in eine Bergmannsuniform und eine Mädchentracht, die eigentlich für Besucherkinder gedacht sind. Während des Besuchs treffen die beiden Engel der Sixtinischen Madonna Kinder des Kinderclubs, die im Museum ihr Puppenspiel aufführen. Frieda, eines der Kinder, führt die beiden Engelchen durch das Haus. Frieda zeigt unter anderem das 100 Jahre alte Festkleid eines Mädchens aus Altenburg, das darin aber gewiss nicht herumtoben durfte. Tilman vom Kinderclub weiß davon zu erzählen, dass man im Altenburger Land braune und schwarze Stoffe, im Vogtland jedoch violette sehr gerne trug. Angelus lernt zudem, was eigentlich ein Arschleder ist. Staunend stehen die beiden Engel vor einem mechanischen Bergwerk. Angelus ist so neugierig, dass er sich ganz klein macht und mitten hinein ins Bergwerk hüpft. Völlig verzückt betrachtet Uriel derweil ein Buckelbergwerk. Derartige Schaubergwerke en miniature, so erfährt der Leser, schufen schwer kranke Bergmänner, die nicht mehr einfahren konnte. Angelus und Uriel erfahren außerdem Wissenswertes über Reifetiere und die Puppensammlung des Hauses. Schließlich sausen die beiden Engel auf dem Rücken eines Holzpferdes durch das Museum – und krachen in einen Weihnachtsbaum. Wo ein Weihnachtsbaum ist, da sind auch Nussknacker und Pyramiden nicht weit. Doch irgendwann ist dann der Museumsbesuch zu Ende und die Engel schweben wieder an ihren angestammten Platz zurück. Für die kleinen Leser heißt es am Ende des Buches nun „Malen und Basteln mit Angelus und Uriel“, wozu ein eingelegtes Beiheft dient. Eine spannende Bildergeschichte aus dem Bergwerk kann gemalt werden oder ein Lichterbergmann koloriert werden. Wie man Handpuppen und eine Puppenbühne baut, dazu erhalten die kleinen Leser auch allerlei Anregungen. © fdp


August der Starke - Eine Biografie für Kinder, Herausgeber: Sandstein Verlag Dresden 2008, Text von: Rosner, Monika, illustriert von: Riday, Glummie, 88 Seiten, reich bebildert und farbig illustriert, ISBN 978-3-940319-31-9, Preis: 18,00 EUR
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augustderstarkevoverEin Hofnarr und sein Schweinchen begleiten den Leser durch die Lebensgeschichte des sächsischen Monarchen.Cantuccini ist der Name des Spaßvogels, der an keinem Hof eines absolutistischen Herrscher fehlen durfte. Hätte dieser Narr nicht zufällig im Nachlass eines Ururur-Großvaters geschmökert, die Geschichte von August dem Starken wäre nicht so erzählt worden wie in der vorliegenden Biografie. Dass dieser sächsische Monarch erst Kurfürst war, ehe er König wurde, erfährt der Leser ebenso wie von dessen Eltern und Bruder. Auf den Hausmannsturm klettert unser närrischer Begleiter und dann ist auch zu erfahren, welche Bedeutung dieser Turm besitzt. Dass der sächsische Monarch Karusselrennen liebte, bleibt kein Geheimnis mehr, blättert man in der unterhaltsam geschriebenen Biografie. Welche Reisen er als 17-Jähriger unternahm, zeigt ein Blick auf die abgebildete Europakarte. Bis nach Madrid und in den Escorial kam der sächsische Herrscher mitsamt Gefolge. Wären da nicht die Pocken gewesen, an denen der Bruder August des Starken 1694 erkrankte, wer weiß, ob der kleine Hofnarr uns die Geschichte August des Starken erzählt hätte. So aber beerbte ein Bruder den anderen und August wurde Kurfürst und kurze Zeit danach bestieg er auch den vakanten Thron des Königs von Polen. Dass der Monarch 1711 ein Hufeisen zerbrochen haben soll und er sieben Jahre danach von Louis de Silvestre gemalt wurde, sind kleine Details, die man dem vorliegenden Band entnehmen kann. Dick war der Herrscher, so um die 120 Kilo soll er gewogen haben. Kein Wunder – er liebte gutes Essen und ließ schon mal bei Festen 30 Gänge servieren. Die Pocken überlebte er, aber nur eine Amputation konnte sein Leben retten, nachdem er eitrige Wunden an den Füßen bekam. Dem Porträt von de Silvestre kann man entnehmen, welche Bedeutung die Insignien der Macht für August hatten. Nur eine schöne Geschichte ist der angebliche Daumenabdruck im Geländer der Brühlschen Terrasse – doch die gibt der kleine Hofnarr auch zum Besten. Die Frauengeschichten des gewichtigen Fürsten dürfen selbstverständlich in einer Biografie nicht fehlen. Insbesondere Gräfin Coesel – die heimliche zweite Gattin August des Starken – ist unter den elf Gespielinnen zu nennen. Wie man auf dem Schloss eine Party feierte und welche Schätze August der Starke anhäufte – sie sind heute im Grünen Gewölbe zu bewundern -, sind weitere Themen aus der sehr lesenswerten Biografie eines sächsischen Herrschers. © fdp


C.Sturm/C.Schmidt: Zwei Engel im Grünen Gewölbe, Sandstein-Verlag Dresden 2007, 45 Seiten m. Farbigen Illustrationen von Stefan Seidel, ISBN 978-3-940319-01-2, Preis 9,95 Euro
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zweiengelKunstführer sind üblicherweise eher trocken geschrieben. Doch die vorliegende Veröffentlichung ist gänzlich anders. Die beiden Engelchen in Raffaels Madonnendarstellung erwachen eines Morgens und verlassen ihren angestammten Platz. Angelus und Uriel schweben gemeinsam mit dem Schlossgeist, der August dem Starken verdammt ähnlich sieht, vom Zwinger hinüber zum Grünen Gewölbe im Residenzschloss. Gemeinsam entdecken sie die dortigen Schätze aus Elfenbein und Edelsteinen. Der Schlossgeist zeigt den beiden Engelchen das Eck-Kabinett, das mit einem vergoldeten Gitter verschlossen ist. Hier standen, so erklärt der königliche Geist, einst die kunstvollen Perlfiguren. Selbstverständlich kann der Schlossgeist auch erklären, warum das Grüne Gewölbe Grünes Gewölbe heißt: „Die prächtige Decke gab es schon und die Pfeiler waren grün bemalt, wie auch die Fensternischen. Obwohl von der grünen Farbe nichts mehr zu sehen ist, hat das Museum den Namen Grünes Gewölbe bis heute behalten.“ Noch viel mehr gibt es zu entdecken, so den Straußenpokal und die Galeere aus Bergkristallglas. Uriel ruft auf dem Weg von Zimmer zu Zimmer voller Begeisterung Angelus herbei: „Ich habe eine kostbare Puppenstube entdeckt.“ Doch das lässt der Schlossgeist nicht durchgehen und brummelt: „Das ist der Thron des Großmoguls Aureng Zeb.“ Komisch geformte Etuis fallen den beiden Engelchen ebenso auf wie die leeren Konsolen im Weißsilberzimmer, das die beiden ebenso besuchen wie das Silbervergoldete Zimmer. Was es mit dem Schnitzwerk auf einem Kirschkern auf sich hat und wieso man zum Erkennen eine Lupe braucht, bleibt für die kleinen Leser und deren Eltern auch kein Geheimnis. Abgerundet wird der unterhaltsame „Museumsbesuch“ mit dem Einleger „Malen und Rätseln mit Angelus und Uriel“: Die eigene Perlfigur darf gemalt werden, zehn Fehler in den Abbildungen des Throns des Großmoguls Aureng Zeb dürfen gesucht werden und schließlich kann der Bernsteinschrank aus einem Puzzle zusammengefügt werden. Fazit: Ein kurzweilig geschriebener Museumsführer für Kinder, der nicht davor zurückschreckt, bei Comics Anleihe zu nehmen – und das ist auch gut so. © fdp 07/09


E. Eschebach et al.: Große Reihe "Sächsische Museen" Nr. 21: Stadtmuseum Dresden, Hrsg. Sächsische Landesstelle für Museumswesen und Stadtmuseum Dresden, Verlag Janos Stekovics, Dresden 2010, 319 Seiten, zahlr. teils farb. Abb., Format 20 x 12,5 cm, ISBN 978-3-89923-265-3

coverstadtmuseumAus Anlass des 120. Geburtstages des Museums, der 2011 gefeiert wird, wurde der vorliegende Band veröffentlicht. Er befasst sich in Text und Bild mit der wechselvollen Geschichte Dresdens . Dabei werden die Originale, die der Besucher im Museum zu Gesicht bekommt, in den Mittelpunkt der Abhandlung gerückt. Die Autoren der Museumsmonografie befassen sich auch mit der Geschichte des Landhauses, dem Sitz des Stadtmuseums. Dass hier August Bebel als sozialdemokratischer Abgeordneter der 2.Kammer des sächsischen Landtages politische Reden hielt, erfährt der Leser ebenso wie Wissenswertes über die Nachkriegsgeschichte des Hauses, das erst seit 2006 das Stadtmuseum beherbergt. Nicht jeden mag das Kapitel „Die Geschichte des Stadtmuseums und seiner Sammlung“ interessieren, die mit dem Kauf des Palais des Grafen Kleist vom Loß 1889 begann. Zwischen 1933 und 1945 wurde auch das Rathaus zum Domizil der Sammlung, die im Zuge der Aktion „Entartete Kunst“ beinahe 400 Kunstwerke verlor. Besonders stolz ist man heute auf die über 300 Objekte umfassende Möbelsammlung, mit der sieben komplett ausgestattete Wohnzimmer vom Biedermeier über den Jugendstil bis zu den 1960er Jahren bestückt werden können. Dass auch Banner und Plakate der Wendezeit im Bestand des Hauses sind, ist von unschätzbarem Wert für die Dokumentation der jüngsten Stadtgeschichte.

Wer heute das Haus betritt, taucht auf mehreren Etagen in eine 800-jährige Stadtgeschichte ein. Die vorliegende Veröffentlichung blättert die verschiedenen Kapitel dieser Jahrhunderte währenden Stadtgeschichte auf, vom Aufstieg Dresdens zwischen dem 13. und 18. Jahrhundert über die Napoleonische Ära und die Revolution 1848/49 oder den Ersten Weltkrieg zur Gaustadt Dresden und zur Nachkriegszeit in der DDR. In die veröffentlichten Kapiteltexte sind zahlreiche Abbildung eingestreut, auch solche der Ausstellungsinszenierung, sodass der Leser ein sehr anschauliches Bild dessen erhält, was ihn bei einem möglichen Besuch erwartet. Vorgestellt wird das um 1390 zu datierende Eichenholzstück aus der Gründung der alten Elbbrücke ebenso wie die Gedenktafel für den Festungsbaumeister Caspar Voigt von Wierandt. Was es mit der Flasernkanzel aus der Bartholomäus-Kirche auf sich hat, bleibt beim Lesen der aktuellen Veröffentlichung ebenso wenig ein Geheimnis wie Grabfunde aus der Sophien-Kirche im Kapitel „Die albertinische Residenz“. Kurz und prägnant sind alle beschreibenden Texte, auch der über die Lade der Dresdner Zimmerer-Innung aus der Barockzeit.

Die Büromaschine Ideal, die Flasche für Odol-Mundwasser oder das Musterbuch für Schleierspitzen stehen dafür, dass aus der Residenz eine Großstadt wurde, deren Aufstieg zur Industriestadt mit Namen wie Karl August Lingner oder Seidel&Naumann verbunden ist. Auch das dunkle Kapitel der Stadtgeschichte wird ausführlich behandelt, ob man nun den Reichsadler mit Hakenkreuz aus dem Festsaal des Rathauses vorstellt oder einen Stein aus dem Konzentrationslager Hohenstein und das Schachspiel, das der KPD-Sekretär des Bezirks Sachsen, Fritz Selbmann, während seines Zuchthausaufenthaltes anfertigte. Die Jahre zwischen 1945 und 1990 bilden den Abschluss der Publikation. Zu den beschriebenen Exponaten aus jenen Jahren gehört eine für die SED umgearbeitete SPD-Fahne, ein Glasherd von 1966, das Modell einer Einrichtungsvariante für eine Wohnung vom Typ WBS 70 mit Möbeln des VEB Möbelkombinats Hellerau sowie das Modell des Robotron A 6401. © fdp



Das neue Albertinum – Kunst von der Romantik bis zur Gegenwart Hrsg. von der Galerie Neue Meister und der Skulpturensammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Deutscher Kunstverlag 2010, 240 Seiten mit 284 farbigen Abbildungen, 24,5 x 28 cm, Flexicover, ISBN: 978-3-422-06994-7

Es hat Jahre gedauert, bis in Dresden das neue Albertinum seine ersten Besucher begrüßen konnte. Nun gibt es also wieder ein Haus der Gegenwartskunst. Grund für die lange Schließung war die Flut von 2002, die auch die Depots in den Kellergewölben in Mitleidenschaft zog. Im Zuge des des Umbaus des Albertinums bekam das Haus einen weiträumigen Lichthof, über den sich eine kühne coveralbertinumBrückenkonstruktion spannt, in der, so Moritz Woelk, einer der Autoren der vorliegenden Veröffentlichung, Kunst archiviert und restauriert wird. In den Ausstellungsräumen ist seit der Wiedereröffnung die Romantik vertreten durch Malerei von Friedrich, Blechen und Schnorr von Carolsfeld nun ebenso vertreten wie die Bildhauerei von Rauch, Schadow und Thorvaldsen. Woelk betont in seinem Beitrag „Das neue Albertinum“, dass in der Sammlungspräsentation Künstler, die einen besonderen Bezug zur Kunststadt Dresden haben, ob nun Friedrich oder Richter, eine herausragende Rolle einnehmen. Neben Kunst aus der DDR ist auch Kunst aus dem Westen vertreten. Fritz Cremers und Wieland Försters Arbeiten stoßen auf solche von Moore, Wotruba sowie Caro und Kirkeby. Zu sehen sind alle Arbeiten, in den Ausstellungssälen wie in den beiden Schaudepots „Antike bis Barock“ und „Barock bis Gegenwart“ nach künstlerischer Zusammengehörigkeit und nach Chronologie – und das ist gut so.

Den umfänglichsten Teil in der vorgelegten Monographie zum Albertinum nimmt die Vorstellung der Einzelwerke von Künstlern der Romantik bis zur Gegenwart ein. Die jeweiligen Werksbeschreibungen sind kurz und knapp gehalten und begleiten die jeweilige Abbildung des Kunstwerks, ob nun Ai Wei Weis „Marble Door“ , Horst Antes „Figur mit Doppelstigma“ oder Hans Arps organische Marmorform „Ram I“. Ernst Barlach ist mit einer seiner russischen Bettlerinnen vertreten, während Baselitz uns unter anderem seine „Dresdner Frauen – die Elbe“ vorstellt. Ganz in der Tradition der Porträtmalerei schuf Beckmann als eines seiner Frühwerke das Bildnis der Malerin Augusta Gräfin von Hagen. Aus aufgefalteter Bronze schuf Emil Cimiotti seine „Große Düne“. Doch neben der Bildhauerei besticht die Sammlung durch das Konvolut an Gemälden, ob Corinths „Walchensee“ Dahls „Mühle im Liebethaler Grund“, Degas' „Zwei Tänzerinnen“ oder James Ensors „Stillleben mit Rotkohl“. Aktuelle Kunst, Kunst der Neuen Sachlichkeit, der „Brücke-Maler“, des Symbolismus und der Romantik sind unter einem Dach vereint. Wer also Caspar David Friedrichs „Schiffe im Hafen am Abend“ sehen möchte und dazu auch mehr erfahren will, kommt beim Lesen des „Ausstellungskatalogs“ ebenso auf seine Kosten wie derjenige, der sich für Paul Gaugin, Hubertus Glebe oder Ernst Wilhelm Nay interessiert. © fdp

Literatur

Beate Baum: Weltverloren, Kriminalroman, 276 Seiten, 12 x 20 cm, Gmeiner Verlag 2010, Paperback, ISBN 978-3-8392-1077-2

Alles beginnt im Krankenhaus, wo die Journalistin Kirsten Bertram nach einer Fehlgeburt stationär aufgenommen wurde. In ihrem Krankenzimmer liegt ein junges Mädchen namens Marianne Kulka, die von der Familie Erich Kästners abstammt. coverweltverlorenAls die aus einem tief gläubigen Elternhaus stammende Marianne Kulka mitbekommt, dass Kirsten Bertram als Journalistin bei der Dresdner Zeitung arbeitet, knüpft sie den Kontakt, denn schon immer wollte sie Journalistin werden, wie sie Kirsten Bertram im Gespräch verrät. Die Begegnung zwischen Marianne Kulka und Kirsten Bertram ist eine von zwei Welten: Bei den Kulkas gibt es keinen Fernseher, denn der verderbe nur. Statt abendlicher Fernsehunterhaltung steht der Bibelkreis der Adventisten für Marianne und ihre Eltern im Mittelpunkt des Alltags. Doch was aus einer derartigen Begegnung zweier Welten wird, welche Rolle Erich Kästner, die Neustadt, der Ausbau der Königsbrücker Straße zu einer vierspurigen Autostraße nebst eigenen Straßenbahngleisen, Wohnungsspekulation und der Mord an einem Praktikanten des Erich-Kästner-Museums spielt, das ist der Stoff, mit dem die Autorin für spannende Unterhaltung sorgt. Doch daneben taucht der Leser auch in den Beziehungsalltag Kirsten Bertrams und ihres Freundes Andreas ein, auch dieser Journalist beim gleichen Blatt, für das auch Kirsten schreibt. © fdp


Erich Kästner: Als ich ein kleiner Junge war
dtv, München 2006, ISBN 3-423-13086-5, € 8
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DresdenEin Kinderbuch sind dieser Kindheitserinnerung des durch „Emil und die Detektive“ bekannt gewordenen Schriftstellers nicht. Es ist auch kein Dresden-Buch im eigentlichen Sinne. Kästner stellt nicht sein Dresden vor, sondern beschreibt seine Kindheit in der Königsbrücker Straße, schildert das Leben auf engem Raum, die sozialen Nöte der Familie. Er berichtet vom Vater, der morgens früh zur Arbeit in die Kofferfabrik Lippold eilte, von der Mutter, die im Stücklohn Leibbinden nähte. Wenn Kästner über Dresden schreibt, so im Kapitel „Koffer, Leibbinden und blonde Locken“, spricht aus seinen Zeilen die Bewunderung für das Elbflorenz: „Geschichte, Kunst und Natur schwebten über Stadt und Tal, vom Meißner Dom bis zum Großsedlitzer Schloßpark, wie ein von seiner eigenen Harmonie bezauberter Akkord.“

Kästner schildert die Gegend, in der er aufwuchs, dort, wo die Königsbrücker Straße sich von der Elbe entfernte und unfeierlicher und unherrschaftlicher geriet. Es sind die Wohnhäuser mit den Hausnummern 66, 48 und 38, in denen Familie Kästner wohnte. Erst wohnte man im vierten Stock und schließlich im zweiten: „Wir zogen tiefer, weil es mit uns bergauf ging“, schreibt Kästner mit Sinn für Ironie.

Kästner erinnert sich an seine Verwandten, die als Pferdehändler und Metzger zu Geld gekommen sind, erzählt von seinem Besuch in der 4. Bürgerschule in der Tieckstraße, vom Spielen als Achtjähriger in den Hinterhöfen und auf dem Futterboden über Fleischer Kießlings Pferdestall. Schließlich spielte auch das Haus Antonstr. 1, das Onkel Franz erwarb, im Leben des kleinen Erich Kästner eine nicht ganz unbedeutende Rolle. Im Garten der Villa verbrachte Kästner so manche Stunde. Heute ist in der Villa des Onkels das Erich-Kästner-Museum untergebracht und eine Bronzefigur auf der Grundstücksmauer erinnert an den kleinen Erich Kästner und seine  Kindertage. © fdp 3/07


Beate Baum: Ruchlos, 230 Seiten, Gmeiner-Verlag GmbH, Meßkirch 2009, ISBN 978-3-8392-1020-8, EUR 9,90

Gleich zwei „Skandale“ decken Redakteure der „Dresdner Zeitung“ auf. Doch ohne einen fehlgeleiteten Anruf eines kleinen Jungen wäre es dazu gar nicht erst gekommen. So aber wird der tote Heinz Wachowiak in seiner Wohnung entdeckt.

coverruchlosDoch Kirsten, die bei der „Dresdner Zeitung“ arbeitet und bei der Totenschau zugegen ist, wird ob der Todesumstände stutzig, zumal der verstorbene alte Herr regelmäßiger „Gast“ in der Redaktion war und unter anderem über den Zusammenhang von Rechtsextremismus und Fußball in der Stadt zu berichten wusste. Diese Verquickung wird ihr wie auch ihrem Freund, der wie sie Journalist ist, beinahe zum tödlichen Verhängnis, als sie die Nazi-Szene der Stadt näher ins Blickfeld der Öffentlichkeit zu rücken versuchen. Doch nicht nur dieses heiße Eisen hat die Autorin in ihrem fiktiven Roman verarbeitet, sondern auch den organisierten Betrug mit minderwertigen künstlichen Gelenken. Opfer dieses Pfuschs wurde die Freundin des verstorbenen Heinz Wachowiak. Ob Dresdner Nazis oder gar der Enkel von Heinz Wachowiak den Tod des engagierten alten Herrn zu verantworten haben oder jemand anderer der Täter ist, das wird im Fortgang des vorliegenden Krimis enthüllt. Und am Ende bleibt es beinahe eine „Familientragödie“. Warum, wird hier nicht verraten, denn das nähme die Spannung beim Lesen eines Krimis, der die „braune Seite“ Dresdens in den Mittelpunkt rückt. ©fdp 10/2009


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