Reisemagazin schwarzaufweiss

Tour 1

Nach den zahlreichen Eindrücken mit den Baustilen des alten Amsterdam ist es besonders für Architekturfans ein Vergnügen, ihr weiteres Augenmerk in eine provokant neue Richtung zu lenken. Denn wie man der ständigen Wohnungsnot in der holländischen Hauptstadt in heutigen Zeiten entgegenwirkt, zeigt sich am eindrucksvollsten auf den Nieuwe Oostelijke Eilanden, auf der gegenüberliegenden Seite des IJhaven.

Amsterdam - moderne Architektur auf den Nieuwe Oostelijke Eilanden

Moderne Architektur auf den Nieuwe Oostelijke Eilanden

Die Fähre oder der Bus bringen ihre Gäste zum „Centraal“ zurück und da fällt der Blick an der Ecke Prins Henrikkade/Geldersekade auf die Schreierstoren. Heute regiert in dem ehemaligen Proeflokal weniger Herzschmerz als die Begierde nach Pfannekuchen: süß, scharf, speckig – sehr lecker!

Nach einer solchen Stärkung, die so Holland-typisch ist wie Tulpen, Waffeln und Grachten, ist wieder Stadtzeit. So hat man über die Geldersekade schnell die Waag erreicht, einem der beiden letzten erhaltenen Stadttore.

Die Szenerie davor wird dominiert vom bunten Markttreiben des Nieuwmarkt. Wobei nicht immer die Leichtigkeit des Daseins hier ihren Ausdruck finden konnte: 1941 umschlossen die deutschen Okkupanten den Platz mit Stacheldraht, um den Juden im angrenzenden, ebenfalls jüngst errichteten Ghetto, den Zutritt zu verweigern. In den 1970er Jahren dann spielte sich so manche, auch blutige Tragödie, im Kampf gegen den Bau der Metro, hier ab. Viele Häuser wurden erhalten, viele, viele mehr wurden Opfer der Abrissbirne – eine baulich-kulturelle Zäsur, die das Bild Amsterdams veränderte, die aber auch Einwohner bis heute nicht verschmerzen.

Bedauern bis hin zu völligem Genervtsein waren auch die Reaktion, mit der die Amsterdamer auf die Berichte und Gerüchte reagierten, die sich jahrzehntelang um das „Schmuddelimage“ der Stadt rankten. Ein Grund dafür war die Freizügigkeit, mit der Amsterdam seine Gäste auch in den Walletjes, dem Rotlichtviertel der Stadt, sein ließ.
Heute nun, da nicht nur die holländische Gesellschaft aufgeklärt genug ist, um Erotik-Shops, Porno-Kinos, Bordelle und alles, was dazu gehört nicht als Subkultur anzusehen, ist in den Walletjes Normalität eingekehrt. Eine exotische für die Gäste der Stadt, das ohne Frage, doch ebendies macht ja den Reiz aus.

Amsterdam - Chinesenviertel

Der erste buddhistische Tempel in Europa - He Hwa im Chinesenviertel

Und wenn man sich schon dieser Attribute bedient, dann gebührt natürlich auch dem Chinesischen Viertel im Quartier der Walletjes ein Gutteil der Aufmerksamkeit. Es ist faszinierend zu sehen, wie selbstverständlich diese fremdartige und der holländischen völlig konträre Kultur ihre Integration in diese Art von Lebensstil gefunden hat. Wobei auch dadurch die Amsterdamer Prägung nicht verloren geht, so dass man auf dem Weg durch die Walletjes der kulturellen Ausprägungen genügend mitbekommt. Und die Aussicht auf den „Koninklijken“ am Ende der Straße erinnert daran, dass gleich oder erst Stunden später der Dam erreicht ist. Wo dieser Spaziergang seinen Anfang nahm.

Tour 1
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