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Degirmenlik
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Mitten in einer Zone fast vegetationslosen, graubraunen Sandsteins, den Auswaschungen in eine Vielzahl einförmiger Hügel und mauerartiger Wälle zerteilt haben, liegt das große Dorf Degirmenlik (griech.: Kythréa). Frühere Reisende atmeten erleichtert auf, wenn sie aus "dieser monotonen Landschaft, wo selbst das verbreitetste der heimischen Dürrkräuter, Poterium spinosum, nur spärlich gedeiht, einen Flecken tiefsten Grüns erspähten, über dem die Spitzen eines Kirchturms und eines Minaretts aufragten und Olivenhaine gediehen, unter denen das Gras wuchs, grüner und dichter als es je in Jersey anzutreffen ist. Träge Rinder standen bis zu den Knien darin und glitzernde, schmale Wasserläufe begleiteten allenthalben den Wanderer". Seit ewigen Zeiten lag hier, einer Oase gleich, ein fruchtbarer Streifen inmitten der öden Sandsteinzone, bis Ende der achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts die starke Quelle versiegte, die das vielbesungene "üppige Paradies, ein fast ununterbrochenes Laubdach von Fruchtbäumen" hervorgebracht hatte. Gleiches passierte mit der großen Quelle in Lapta an der Nordküste. Hier konnte man durch das Anbohren einer neuen Wasserader Abhilfe schaffen. Dass Quellen versiegen, ist gar nicht so selten. Meistens, wie wohl auch in diesen Fällen, sind Gesteinsverschiebungen im Berg die Ursache.
Rückblick Schon im Neolithikum
lockte der Wasserreichtum dieser Gegend Siedler an. Eine bronzezeitliche
Nekropole und die spärlichen Überreste einer antiken Stadt -
der Legende zufolge im 12. Jahrh. v. Chr. von Griechen unter Chýtros,
dem Enkel des Atheners Akámas, gegründet - bezeugen die ununterbrochene
Besiedlung des Tals. Chýtroi, wie der Ort nach dem Anführer
der griechischen Kolonisten genannt wurde, soll um 700 v. Chr. ein eigenständiges
Stadtkönigreich gewesen sein. Nachdem die Römer auf der Insel
die Macht ergriffen hatten, erlebte die wasserreiche Siedlung eine Blütezeit.
In der byzantinischen Epoche, als sich das Städtchen bereits "Kýthroi"
nannte und Bischofssitz war oder noch unter der Herrschaft Roms (hier
gehen die Meinungen auseinander) entstand ein erstaunliches technisches
Meisterwerk, eine als überdeckter Kanal und Aquädukt konstruierte
Wasserleitung, die ihre kostbare Fracht aus der "Kephalovrýsi"-Quelle
in das rund 50 km östlich gelegene Salamis (später: Constantia)
transportierte.
Seit dem frühen Mittelalter nutzte man die Kraft der starken Quelle für den Betrieb zahlloser Getreidemühlen. Nicht nur aus dem nahen Nicosia, selbst aus Larnaca und noch weiter entfernten Gegenden kamen Getreidetransporte an den Ort, der zeitweise eine Monopolstellung für die Mehlproduktion auf der Insel innehielt. Noch 1879 arbeiteten 32 Mühlen, 1957 waren zehn noch in Betrieb. Die einzige heute noch existierende Mühle lässt ihre Mahlwerke längst von Motoren antreiben. "Degirmenlik" übrigens, der türkische Ortsname, heißt etwa "Ort, wo sich viele Mühlen befinden". Baumwollanbau, der viel Wasser benötigt, war ein anderer, gute Wachstumsbedingungen vorfindender Wirtschaftszweig in Degirmenlik. 1769 notierte ein italienischer Konsul in Larnaca:
Die heute noch anzutreffenden
Maulbeerbäume deuten auf eine weitere, früher verbreitete Heimindustrie
hin: die Produktion von feiner Seide. Doch, wie 1879 ein Reisender bemängelte,
habe "durch den Mangel an Voraussicht seitens der Producenten die
Seidencultur hier wie in anderen Theilen von Cypern bedeutend gelitten.
Diese Leute haben in den letzten Jahren die Eier (der Seidenraupe) in
solchen unglaublichen Mengen an die Händler von Beirut verkauft,
um baares Geld zu gewinnen, daß dem Lande nur ein geringer Vorrath
verblieben ist..." Ein Jahrhundertfund 1928 geriet Degirmenlik
in die Schlagzeilen, als Bauern bei Feldarbeiten auf eine Bronzestatue
stießen. Sie stellt den nackten römischen Kaiser Septimius
Severus (reg. 193-211) in der Pose eines Redners dar. Das überlebensgroße
Standbild (2,08 m), ein Meisterwerk unbekannter römischer Künstler,
gilt unter Kennern als eine der schönsten Statuen ihrer Art. Sie
fand Aufnahme im Zypern-Museum von Nicosia, nachdem man ihre Fragmente
in mühevoller Arbeit wieder zusammengefügt hatte.
Ausblick Während der osmanischen
Epoche war Degirmenlik das Zentrum des gleichnamigen Verwaltungsdistrikts
("kaza"), einem von den 17 zyprischen "kaziliks".
Eine Anzahl Bauten aus jener Zeit sind noch erhalten, wenn auch in schlechtem
Zustand. Ein "Degirmenlik Conservation Project" des Amts für
Altertümer hat es sich zur Aufgabe gemacht, erhaltenswerte Bestände
zu erfassen und ihre Restaurierung vorzunehmen. Das dauert hierzulande
seine Zeit, da immer wieder Finanznöte die Arbeit unterbrechen. Als
Beispiel einer bemerkenswerten Instandsetzung muss der ehemalige Verwaltungssitz
an erster Stelle genannt werden. Er liegt, leicht zu finden, an der Hauptstraße.
Als lokales Kulturzentrum hat er eine neue Aufgabe gefunden. Natürlich
will man auch Touristen heranführen, denen man hier und in anderen
Ortsteilen schöne Beispiele traditioneller türkisch-zyprischer
Architektur und Innenausstattung zeigen kann, dazu die steinernen Relikte
alter Getreidemühlen und man lässt sie das melancholische Flair
eines stillen Dorfes mit großer Vergangenheit aufnehmen, das noch
seinen Platz sucht irgendwo zwischen Nebenerwerbslandwirtschaft, Pendlerdorf
und vielleicht gar Touristenattraktion. |