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Kos-Stadt: Johanniter-Festung Neratzia

Der Weg in die Johanniter-Festung Neratzia führt vor der Platía Platanoú aus über eine kleine Brücke. Früher war hier vermutlich eine Zugbrücke. Das Bollwerk gegen Osmanen, Piraten und andere Feinde der Ritter unter dem Banner des christlichen Kreuzes liegt auf einer Halbinsel, die auf der Ostseite gleichzeitig den Stadthafen begrenzt.

Griechenland - Kos-Stadt - Blick in den Hafen

Blick in den Hafen von Kos-Stadt

Vorbei an im Hafenwasser schaukelnden Motor- und Segeljachten und Fähr- und Ausflugsschiffen etwa ins türkische Bodrum, nach Kalymnos, Pserimos und Nisyros an der Pier vor dem Hafen kann man die gesamte Festung umrunden und schon von außen einen Eindruck über die mächtigen Ausmaße gewinnen.

Griechenland - Kos-Stadt - in der Festung Neratzia

In der Festung Neratzia

Die strategische Position der Festung war gut, denn in Bodrum errichteten sie ebenfalls eine Festung, sodass sie den Schiffsverkehr bestens kontrollieren konnten. Um 1377 begannen die Arbeiten an der Johanniterfeste unter dem 32. Großmeister des Ordens Juan Fernández de Heredia. Zu der Zeit war die Festung in Antimachia bereits im Betrieb. Der ursprüngliche Bau war deutlich kleiner geplant und ausgeführt, bedeckte deshalb auch einen geringeren Teil der Halbinsel. Nach den Zerstörungen, die das Erdbeben von 554 angerichtet hatte, gab es im danach verlassenen Asklepieion und in der Umgebung bereits bearbeitetes Baumaterial, das die Ritter nutzen konnten und auch taten, so zog auch ein Stück Antike in das Mittelalter ein.

Griechenland - Kos-Stadt - in der Festung Neratzia

Anlässlich der zunehmenden Konflikte mit den Mamluken aus dem fernen Ägypten in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde die Festung noch einmal verändert und verstärkt. Als jedoch 1457 die Osmanen mit 156 Schiffen an der Küste auftauchten und 16.000 Soldaten die Insel förmlich überrannten, fanden sie nicht nur die Johanniterburg verlassen vor. Die Ritter hatten sich wie auch die gesamte den Invasoren zahlenmäßig unterlegene Bevölkerung von 12.000 Menschen in die deutlich unzugänglicheren Festungen in Palio Pyli, Kefalos und Antimachia geflüchtet.

Griechenland - Kos-Stadt - in der Festung Neratzia

Nach dem Abzug der islamischen Angreifer, weiteren Bedrohungen des Ordens auf Rhodos und dem Erdbeben von 1493, das sowohl hier wie in Antimachia Schäden anrichtete, schritt Ordens-Großmeister Pierre d’Aubusson zur Tat. Doch anders als in Antimachia, wo unter seiner Führung nur Schäden behoben wurden, begann der Ritter hier den Bau einer Festung um die bestehende Festung herum. Das sieht man ziemlich gut, wenn man im Inneren der Festung unterwegs ist.

Griechenland - Kos-Stadt - in der Festung Neratzia

Im Vergleich zu den anderen Johanniter-Burgen auf der Insel in Antimachia, Kefalos oder Paleo Pyli, ist hier vergleichsweise viel erhalten an Gebäuden, Treppen zwischen den Geschossen und Wehrgängen. Von dort oben hat man zum Beispiel nicht nur einen Blick auf den Hafen, sondern auf einen anderen Teil der Stadt mit Sandstrand direkt vor der Haustür.

Griechenland - Kos-Stadt - in der Festung Neratzia

D’Aubusson erlebte die Fertigstellung nicht, vielmehr brauchte es die Amtszeit mehrerer Großmeister bis Fabrizio del Carretto 1514 das Werk vollendete, sein eingelassenes Wappen ziert noch heute die Außenmauer.

Viel genutzt hat es ihnen nicht, denn nur acht Jahre danach hat der Orden auf seinem Hauptsitz Rhodos vor der osmanischen Übermacht kapituliert und ist nach Zusicherung freien Geleits gen Malta gesegelt. Das bedeutete auch das Ende ihrer Herrschaft auf Kos.

Griechenland - Kos-Stadt - Festung Neratzia Wappen

Kos-Stadt: Einführung
Kos-Stadt: Freiheits-Platz mit Markthalle, Defterdar-Moschee & Archäologischem Museum
Kos-Stadt: Agorá und Tor der Steuern
Kos-Stadt: Hadji-Hassan-Moschee, Platane des Hippokrates & Palazzo di Giustizia
Kos-Stadt: Johanniter-Festung Neratzia
Kos-Stadt: Dyonisos-Heiligtum, Casa Romana, Odeon
Kos-Stadt: Westliche Ausgrabungsstätte
Kos-Stadt: Asklepieion (etwas außerhalb)

 

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