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Reiseführer Kos

Kos-Stadt: Asklepieion

Zwar gibt es für archäologisch Interessierte in der Inselhauptstadt einiges zu sehen, die bedeutendste Fundstätte aber befindet sich hinter dem Dorf Platani 4 Kilometer außerhalb der Stadt, das Asklepieion von Kos. Ein regelmäßig verkehrender Bus der Line 3 bringt Besucher vom Hafen bis vor den Eingang des weitläufigen von Bäumen umstandenen auf rund 100 Metern Höhe gelegenen Areals am Fuß des Dikeos-Gebirges. Vom Höchsten Punkt des Geländes hat man einen schönen Blick auf einen Teil der Stadt und der Küste, sowie das zum Greifen nahe kleinasiatische Festland, die Türkei.

Griechenland - Kos - Asklepieion

Weiter Blick von der obersten Terrasse

Asklepien, wie die Anlage hier, waren in der griechischen Antike ab dem 5. Jahrhundert v. Chr. und zwei Jahrhunderte später auch für die Römer Heiligtümer zu Ehren der Gottes der Heilkunst, Asklepios, der von den Römern Aesculapius (Äskulap) genannt wurde. An diesem Ort auf Kos wurden auch Kranke vor allem nach den Lehren des berühmten Arztes Hippokrates, der auf der Insel das Licht der Welt erblickte, untersucht, behandelt und kuriert.

Es waren die Entdeckungen des Koer Historikers Iakovos Zaraftis, die den deutschen Archäologen Rudolf Herzog die Kultstätte in den Jahren von 1902 bis 1904 schließlich freilegen ließen. Was zum Vorschein kam, war eine sich über mehrere Terrassen erstreckende Anlage. Eine breite Freitreppe verbindet die drei Ebenen miteinander. Über mehrere Jahrhunderte wurde die Stätte immer wieder erweitert. Die ältesten Bauten der Tempelanlage werden auf das 3. Jahrhundert v. Chr. datiert.

In der Region, in der auch Kos liegt, ist die Erdkruste noch immer in Bewegung, hier schiebt sich die Afrikanische Platte stetig unter die Ägäische Platte, was bis heute immer wieder Erdbeben auslöst. In den Jahren 142 vor und 554 nach Chr. zerstörten zwei starke Beben weite Teile der Bauten auf der Insel, so auch die Tempelanlage, die danach als Steinbruch für Neubauten wie die Johanniter-Festung Neratzia benutzt wurde.

Griechenland - Kos - Asklepieion

Reste des ionischen Tempel des Asklepios aus dem 3. Jh. v. Chr.

Die zweite Ebene ist die älteste der Kultstätte, hier steht der Ionische Tempel des Asklepios aus dem 3. Jh. v. Chr. mit dem Asklepios-Altar in der Nachbarschaft. Ehemals lagen Wohnräume vermutlich für die Priester neben dem Tempel von denen die Umrisse noch gut zu erkennen sind.

Griechenland - Kos - Asklepieion

Vor einer halbrunden an die Freitreppe grenzenden Exedra mit in die Mauer eingelassenen Nischen und Sitzmöglichkeiten erkennt man noch Teile eines Apollon-Tempels, der später nach korinthischer Ordnung errichtet wurde. Auf seinen Grundmauern hat man 7 Säulen wieder aufgerichtet. Dass zwei Tempel zu Ehren von Asklepios und Apollon dicht beieinander stehen, ist kein Zufall, gilt Asklepios in der griechischen Mythologie doch als Sohn des Apollon.

Griechenland - Kos - Asklepieion - Apollon-Tempel

Die Säulen des Apollon-Tempels, dahinter die Exedra neben der Freitreppe

Mit der Lesche befand sich ein weiterer Bau auf der Ebene, er diente in der Antike als Versammlungsraum.

Die erste Ebene der Anlage war von drei Seiten von einer Säulenhalle umschlossen, wie noch vorhandene Grundmauern und Säulenfragmente zeigen. Hier befanden sich auch die Räumlichkeiten, die den Patienten während ihrer medizinischen Behandlungszeit als Unterkunft dienten, sowie die Behandlungsräume selbst. Es existierten sogar unterirdische Räume, in den Patienten mit Lepra und Geschlechtskrankheiten gesondert untergebracht waren. Die vom Eingang aus gesehen auf der linken Seite aufragenden Mauern stammen allerdings aus der römischen Zeit und beherbergten Thermen.

Ein weiterer Hinweis auf die Römer befindet sich rechts der Freitreppe in einer Nische. Der aus Kos stammende Arzt Gaius Stertinius Xenophon stiftete laut einer Inschrift im Sockel den hier befindlichen so genannten Altar des Xenophon, vor dem sich ehemals auch ein kleiner Tempel erhob. Der Mann war der Leibarzt des römischen Kaisers Claudius, der 10 v. Chr. geboren, 13 Jahre bis zu seinem Tod 54 n. Chr. regierte.

Griechenland - Kos - Asklepieion - Pan-Brunnen

Etwas Wasser fließt noch: der Pan-Brunnen

In der dritten der zahlreichen Nischen auf der linken Seite der Freitreppe kann man den kleinen Pan-Brunnen entdecken. Namensgebend ist ein kleines Relief oberhalb des Wasseraustritts, dass den Hirtengott aus der griechischen Mythologie zeigt. In den benachbarten Nischen sollen einst Statuen gestanden haben.

Griechenland - Kos - Asklepieion

Fragmente des dorischen Tempels

Erklimmt man die Treppenstufen bis zur obersten Ebene, bekommt man einen guten Überblick über das teilweise rekonstruierte Asklepieion und befindet sich dort, wo einst der größte Tempel der Anlage stand. Die Baumeister erschufen hier aus Marmor eine Kopie des dorischen Tempels in Epidauros, der bedeutendsten auf dem Peloponnes gelegenen Kultstätte der Antike zu Ehren des Gottes der Heilkunst, Asklepieion. Wie Funde zeigen, nutzten Christen den Tempel in späterer, byzantinischer Zeit als Kirche.

Griechenland - Kos - Asklepieion

Heute zeugen noch Mauerreste und Sockelfundamente von der einzigen Größe des Baus. Säulenfragmente und andere bearbeitete Steine, zum Teil mit Tierköpfen oder geometrischen Mustern, liegen verstreut auf dem Gelände herum. Dazwischen flitzen kleine Echsen umher und das Grün wuchert, wo es überleben kann.

Kos-Stadt: Einführung
Kos-Stadt: Freiheits-Platz mit Markthalle, Defterdar-Moschee & Archäologischem Museum
Kos-Stadt: Agorá und Tor der Steuern
Kos-Stadt: Hadji-Hassan-Moschee, Platane des Hippokrates & Palazzo di Giustizia
Kos-Stadt: Johanniter-Festung Neratzia
Kos-Stadt: Dyonisos-Heiligtum, Casa Romana, Odeon
Kos-Stadt: Westliche Ausgrabungsstätte
Kos-Stadt: Asklepieion (etwas außerhalb)

 

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